© Öömrang Ferian 1999

Inhalt

I Einleitung 7-31

Allgemeines 7

Erwerbsvorgang und Geschichte des Nachlasses 8

Biographie des Nachlassers 9

Chronologische Übersicht der Veröffentlichungen Clements 22

Bearbeitung und Ordnung des Nachlaßmaterials 27

Beschreibung der Erschließungsarbeiten 30

Verwendete Literatur 30

II Titelverzeichnis 33-57

1. Manuskripte 33-42

1.1 vollständige bzw. in sich abgeschlossene Arbeiten 33

1.2 Vorlagen für gedruckte Arbeiten 37

1.3 Manuskriptfragmente 39

1.4 Notizen - Lose Blätter 41

2. Persönliche Aufzeichnungen 43

3. Lebensdokumente 44-46

3.1 Beglaubigungen - Atteste 44

3.2 Konvolut zur Gantsache Christian Adam Fries 45

3.3 Konvolut mit Rechnungen an Clement 46

4. Korrespondenz an Clement 47-56

4.1 Briefe von Zeitgenossen 47

4.2 Briefe von seinen Brüdern aus Amerika (1839-1850) 52

4.3 Briefe von seiner Amrumer Verwandtschaft (1840-1851) 53

4.4 Briefe von der Heidelberger Verwandtschaft (1836-1861) 54

4.5 Briefe verschiedener aus Süddeutschland 55

4.6 Briefe von Ermin Clement 55-56

4.6.1 Briefe an K.J. Clement aus der Zeit zwischen 1856 bis 1862 55

4.6.2 Brief an einen Freund 55

4.6.3 Briefe an K.J. Clement aus der Zeit zwischen 1866-1871 aus Amerika. 55

4.6.4 Brief an seinen Bruder Edmund Clement. 55

4.6.5 Brief an seinen Bruder Alfred Clement. 55

4.6.6 Brief an Heinrich Fries. 56

4.7 Briefe von G. Pfleiderer an K.J. Clement 56

4.8 Brief von Alfred Clement an K.J. Clement 56

5. Sonstige Sammlungen 56

6. Lose Materialien 57

III Anhang: Abschriften bzw. Teilabschriften 59-140

1. Manuskripte 61-84

2. Persönliche Aufzeichnungen 85-94

3. Briefe 95-128

4. Lose Materialien 129-140

 

I. Einleitung

 

Allgemeines

 

Das hier vorliegende Titelverzeichnis des (Teil)Nachlasses von Knudt Jungbohn Clement soll in übersichtlicher Form die wichtigsten Arbeitsvorgänge bei der Bearbeitung von Nachlässen, das sind die Erfassung und Signierung der einzelnen Titel sowie die teilweise Erschließung des Inhalts, dokumentieren.

Die Erfassung und Signierung erfolgt nach den allgemeinen Kriterien zur Bearbeitung von Nachlässen in Archiven, wobei diese Kriterien so angelegt sind, daß sie modifiziert werden können, um die Individualität eines Nachlasses zu berücksichtigen. Einen sehr breiten Raum nimmt die Materialerschließung ein, weil es sich bei den Nachlaßschriftstücken fast ausschließlich um handschriftliches Material handelt, das zwar äußerlich in einem guten Zustand ist, aber durch die schwer lesbare Schrift nicht unmittelbar zugänglich ist. Neben direkten Textverarbeitungen, seien es nun Abschriften, Register oder Inhaltsangaben, gehören zu den Erschließungsarbeiten auch Hinweise auf Sekundärliteratur sowie Bemerkungen zu Personen bzw. Themen, die in den Schriftstücken vorkommen.

Durch diese Kombination aus Dokumentierung und Interpretation (wobei die Interpretation durch das Nebeneinanderstellen von Kopie und Bearbeitung im Archiv jederzeit zu überprüfen ist), soll es möglich sein, daß der Nachlaß nicht nur vom Wissenschaftler zu nutzen ist, sondern auch für den interessierten Laien, der oft nicht die Zeit und die Möglichkeit hat, sich in die alten Schriften einzulesen. Zum anderen gibt dieses Titelverzeichnis auch den Lesern einen umfassenden Einblick in den Inhalt des Nachlasses, die nicht die Möglichkeit haben, diesen unmittelbar einzusehen.

Um ein umfassendes Bild vom Nachlasser zu bekommen, ist dem Titelverzeichnis eine Biographie vorangestellt, die sich in erster Linie auf amtliche Schriftstücke stützt und den Menschen Clement in den Vordergrund stellt. Eine chronologische Auflistung seiner Schriften gibt dem Leser einen Eindruck vom breiten Spektrum der wissenschaftlichen Arbeiten Clements. Noch etwas im Dunkeln liegt die Geschichte des Nachlasses, d.h. wann und durch wen er nach Amrum gekommen ist, welche Materialien schon in früheren Zeiten ausgelagert wurden usw.

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß trotz intensiver Beschäftigung mit dem Nachlaßmaterial es nicht möglich war, alles zu identifizieren, sei es weil die Vorlage beschädigt war oder ganz einfach durch die schlechte Schrift des jeweiligen Verfassers. Diese Stellen sind durch entsprechende Zeichen sichtbar gemacht worden. Eine große Schwierigkeit bestand auch darin, die unvollständigen Manuskripte zu identifizieren und zuzuordnen. Oft war es nur sinnvoll Umfang und Format sowie eine kurze Inhaltsangabe zu geben.

Die Erschließungsarbeiten im Anhang liefern Abschriften bzw. Bearbeitungen der wichtigsten Nachlaßschriftstücke.

Eine spezielle Nachlaßforschung in Nordfriesland gibt es nicht. Dabei bieten gerade Nachlässe, vor allem auch durch die darin enthaltene Korrespondenz, ausgezeichnetes Material zur Erforschung der friesischen Geschichte und Sprache.

Auch Listen mit vorhandenen Nachlässen (geordnet oder ungeordnet) existieren nicht. Es gibt wohl ein Gesamtinventar der Nachlässe in deutschen Archiven, wobei aber die kleinen Archive bzw. Privatarchive kaum berücksichtigt werden.

In der Regel werden Informationen aus den Nachlässen nur punktuell für ein spezielles Thema benutzt. Ein Grund für die Vernachlässigung von Nachlässen liegt wohl im immensen Zeitaufwand, der dazu nötig ist, diesen zu inventarisieren, zu ordnen, zu signieren und zu erschließen.

So ist die vorliegende Bearbeitung des Nachlasses Clement meines Wissens die erste in Nordfriesland, die sich mit einem Nachlaß als Ganzes beschäftigt und das Ergebnis in Form eines regestenmäßigen Titelverzeichnisses festhält, und in einem Anhang auch komplette Abschriften aufführt.

 

 

Erwerbsvorgang und Geschichte des Nachlasses

 

Der größte Teil des hier beschriebenen Nachlasses von K.J. Clement wurde dem Bearbeiter 1993 von Pastor Erich Pörksen, Nebel, übergeben. Weitere einzelne Schriftstücke dann bis 1995.

Der Nachlaß befand sich lange Jahre im Besitz von Luise Jens, einer Enkelin von Clement. Sie bewohnte das Haus in Norddorf, worin bis kurz vor dem 2. Weltkrieg die Poststation eingerichtet war. Sie hat Anfang der sechziger Jahre das Haus an Georg Flor verkauft. Dieser hat dann die Papiere gefunden und Pastor Pörksen übergeben, der sie seitdem in seinem Aktenschrank verwahrte. Wann die Übergabe erfolgte, war mit Sicherheit noch nicht zu ermitteln. Pastor Pörksen meinte "so Anfang der siebziger Jahre". Daß es bekannt war, daß sich ein derartig umfangreicher und wichtiger Nachlaß in dem Haus befand, beweist eine Notiz von Heinz Howaldt aus dem Jahr 1937, die sich im Nachlaß Johannes E. Jannen unter der Nr. 3d, S. 74 befindet:

"Im Besitz des Herrn Jens Norddorf befand sich April 1937 aus dem Nachlass des Gelehrten Dr. K.J. Clement ausser Büchern, die noch nicht durchgesehen wurden, drei Pakete mit Briefen und Manuscripten. Eine sehr flüchtige Durchsicht ergab, daß es sich hierbei um an Clement gerichtete Briefe handelt. Es ist Verschiedenes für Amrum Wichtiges und Interessantes darunter. Herr Jens will auch im Winter während seiner Abwesenheit alles zur genauen Durchprüfung zugänglich machen. Herr Lützen hat die Schlüssel zur Wohnung."

 

Und auch nach dem Krieg ist schon einmal die Chance dagewesen, daß die Papiere früher entdeckt würden, nämlich von Johannes Jensen, als dieser Material für seine Dissertation "Nordfriesland in den geistigen und politischen Strömungen des 19. Jahrhunderts" recherchiert. So fragt Jensen in einem Brief vom 5. Juli 1955 bei Pörksen an,

"ob auf Amrum noch Papiere, etwa Briefe oder andere private Aufzeichnungen von Clement existieren",

 

worauf dieser antwortet, daß bei Frau Jens in Norddorf etwas zu finden sei. Jensen hat dann von Frau Jens (Brief an Pörksen v. März 1956) "nach langer Suche in einer Abseite" an Clement adressierte Briefe, u.a. von Herzog Christian August von Augustenburg, Theodor Mommsen, Caroline Hegewisch, von Clements Verlegern, von Persönlichkeiten aus Holland, England und Dänemark sowie seinen Verwandten aus Heidelberg, Amrum und Amerika, bekommen.

"Ich fand diese Briefsammlung so bedeutend, daß ich glaubte für ihre Erhaltung sorgen und sie für die historische Forschung zugänglich machen zu müssen. Das Landesarchiv in Schleswig war bereit, sie zunächst zu lagern und mit Frau Jens über ihren Ankauf in Verhandlungen einzutreten. Als ich neulich in Schleswig war, erfuhr ich nun, daß das Landesarchiv die Briefe erworben hat, und daß sie nun also dort fachmännisch geordnet und der öffentlichen Benutzung zugänglich gemacht werden."

 

 

 

 

 

Biographie des Nachlassers

 

Knudt Jungbohn Clement wird am 4. Dezember 1803 in Norddorf auf Amrum geboren. Seine Eltern sind der Seemann Jung Boh Oldis, 1771 auf Amrum geboren und 1825 auf See verunglückt, und Ehefrau Kerrin geb. Knudten (1778-1854).

Wichtige Informationen zu seinem Leben liefert eine von Clement selbst verfaßte Biographie, die sich in seinem Nachlaß unter der Nummer 2.2 befindet. Über seinen Entschluß die Insel zu verlassen und zu studieren schreibt er:

"Eines Abends kurz vor dem Einschlafen, kam mir plötzlich der Gedanke zu studiren. Mir war wunderbar zu Muthe, allein ich betrachtete ihn als einen Wink des Himmels und wandte mich sofort an den Director des Altonaer Gymnasiums. 17 Jahre alt verließ ich meine Dünenheimath, nichts anders mit mir nehmend, als Gesundheit an Körper und Geist, ein unschuldiges Herz, ein starkes Gottvertrauen und dazu noch ein lebenslanges Heimweh, kein Geld und keine Aussicht."

 

Er ist in Hamburg aber nicht ganz allein und ohne Hilfe, denn in seiner Biographie dankt er seinem "Hamburger Wohlthäter", dessen Namen er allerdings nicht nennt. Nachdem er das Gymnasium in Altona absolviert hat, bezieht er die Universität zu Kiel, wo er zunächst zweieinhalb Jahre Theologie studiert. Dazu bemerkt er in seiner Biographie:

"Ich hörte alle theologischen Vorlesungen, die man hören muß, nahm überdieß an Examinationen in der Logik, Moral usw. theil, besuchte das philosophische Seminar, studirte fleißig Hebräisch und Syrisch, Isländisch und Dänisch, trieb in den drittehalb Jahren mit Lust Sanskrit, las schon als Student meist alle römischen Klassiker bis auf Ammianus Marcellinus, besonders Tacitus, machte mich dann mit den meisten mittelalterlichen Geschichtsschreibern, Chronisten und Annalisten und den lateinischschreibenden Koryphäen der neueren Zeit in Holland, Deutschland und England bekannt".

 

Er setzt dann sein Studium in Heidelberg fort. Dieser Wechsel nach Heidelberg kommt durch seine ungenannten Wohltäter aus Hamburg zu Stande. Seinen Lebensunterhalt verdient er dadurch, daß er Unterricht an einer französischen Lehranstalt sowie drei Enkeln von Herder Privatstunden gibt. In Heidelberg betreibt er anderthalb Jahre "historische, juristische und cameralistische Studien". 1835 kehrt er nach Kiel zurück und

"bestand das philososphische Examen und ward nach vorhergegangener mehrstündiger, in lateinischer Sprache geführten Verteidigung gewisser Thesen, wobei zwei Philologen und ein Professor der Theologie meine Opponenten waren, zum Dr. Philos. promovirt".

 

Danach geht er nach Kopenhagen, wo er sich um ein Reisestipendium für eine dreijährige Studienreise bewirbt und dieses auch vom dänischen König bewilligt bekommt. Er tritt diese Reise durch Westeuropa im September 1836 an. Während seiner Reise, 1837, bewirbt er sich das erste Mal um eine Professur in Kiel. Nach seiner Rückkehr Ende 1838, bleibt er noch bis 1841 in Kopenhagen und wird im selben Jahr als Privatdozent an die Universität Kiel berufen. Es ist keine feste Anstellung, sondern er erhält sein Gehalt quasi nur als "Gratifikation", hat also keinen rechtlichen Anspruch darauf, diese unbefristet zu erhalten. Die Bezahlung ist daran geknüpft, daß er mit äußerstem Fleiß weiter studieren soll und daß die Zahlung dann eingestellt wird, wenn er eine feste Anstellung erhalten hat. Clement hat diese letzte Bedingung stets als ein Versprechen der Universität angesehen und sich im späteren Streit um die Weiterzahlung der Gratifikation und um die Stelle als Professor an der Universität, immer wieder auf diesen Passus berufen.

1841 beginnt er seine Tätigkeit mit Vorlesungen zur schleswig-holsteinischen und deutschen Geschichte, zur dänischen Sprache, über die englische Verfassung, die Germania des Tacitus sowie einige Stücke von Shakespeare. Nach seinen eigenen Angaben sind mehrere dieser Vorlesungen gut besucht.

1842 bewirbt er sich erneut um die Professur in Kiel, da der Amtsinhaber Michelsen nach Jena gegangen ist. Er richtet seine Bewerbung wieder direkt an den König, da er nicht an ein unbefangenes Urteil der zuständigen Professoren glaubt. Sein Ansuchen wird erneut abgelehnt.

Am 19. April 1843 heiratet er Hulda Louise Fries, die er während seiner Zeit in Heidelberg kennengelernt hat, und die nach seinen eigenen Angaben

"von außen und innen ein wahrer Engel war und welcher der Geheimrath Schlosser die Perle Heidelbergs genannt hat".

 

Hulda Louise Fries, geboren 1813, ist die Tochter des Heidelberger Bankiers Christian Adam Fries. Die Heirat findet am 19. April 1843 statt. Sie haben zusammen fünf Söhne und zwei Töchter, von denen Kerrin Louise (1845-1848) und Gottfried (1851-1854) noch vor der Mutter sterben.

Clement hat noch bis 1848 seinen Wohnort in Kiel, wobei er sich im zweiten Halbjahr 1847 und in den ersten beiden Monaten 1848 wegen des schlechten Gesundheitszustandes seiner Frau in Süddeutschland aufhält. Am 8. März 1848 kehrt er nach Kiel zurück. Nachdem sich Ende März die provisorische Regierung etabliert, sollen alle dänischen Beamten und Professoren per Schiff nach Kopenhagen gebracht werden. Clement weigert sich aber mitzufahren. Wahrscheinlich im April 1848 zieht Clement nach Hamburg. Seit dieser Zeit erhält er die Gratifikation nicht mehr und er mußt sich als freier Schriftsteller durchschlagen.

 

In den fünfziger Jahren versucht Clement sich mit Zeitschriftenartikel über Wasser zu halten. Neben Aufsätzen über die friesische Sprache in Herrigs Archiv für das Studium der neueren Sprachen (1848-1853), verfaßt er kenntnisreiche Artikel über die Küstensicherung, die Befeuerung der Nordseeküste u.a., die im "Itzehoer Wochenblatt", in der "Börsenhalle" und in den "Hamburger Nachrichten" erscheinen.

 

Hilda Louise Fries stirbt am 29. März 1855. Den Tod seiner Frau hat Clement nie überwunden und er führt ihren frühen Tod direkt auf die nach seiner Meinung ungerechte Behandlung seiner Person bei der Besetzung der Professur in Kiel zurück:

"So weit ein menschliches Auge sehen kann, scheint ihre in Folge der schändlichen Behandlung dänischerseits, die ich erfuhr, ohne etwas verbrochen zu haben, ganz veränderte Lebenslage [ihr] frühes Ende herbeigeführt zu haben."

 

Nach dem Tod seiner Frau kommen die ältesten Söhne auf ein Knabeninstitut in Kornthal, die beiden jüngsten Kinder wachsen bei einer Nichte von Clements Frau auf. Clement lebt noch bis 1869 in Hamburg und dann reichlich zwei Jahre auf Amrum. 1871 geht er nach Amerika, wo er bei seinem Sohn Ermin in New Jersey 1873 stirbt.

 

 

Dieser Abriß der Lebensstationen von Knudt Jungbohn Clement scheinen auf ein wenn auch nicht sehr glückliches, so doch auch nicht ungewöhnliches Leben hinzudeuten. Erst bei einer genaueren Sichtung von einschlägigen Materialien, die glücklicherweise zu wichtigen Lebensstationen dieses Mannes vorliegen, ergeben ein völlig anderes Bild. Es soll anhand dieser verschiedenen Quellen versucht werden eine Charakterstudie von Clement zu zeichnen.

 

Sowohl seine berufliche Karriere als auch sein privates Leben wird immer wieder durch seine Überheblichkeit und schroffes Verhalten negativ beeinflußt. Ausgangspunkt dieser negativen Ckaraktereigenschaften ist wohl seine lebenslange finanzielle Not und die damit verbundene Abhängigkeit von anderen.

Die Briefe im Landesarchiv Schleswig um Clements Bewerbung als Professor an der Universität Kiel sowie seine Forderungen nach Weiterzahlung des "Wartegeldes", d.h. der Gratifikation für seine Tätigkeit als Privatdozent bis zu einer festen Anstellung sowie seine Eingaben um eine finanzielle Unterstützung für die Herausgabe einer Schrift (1848/49) bieten hinreichend Material darüber, wie Clements Fähigkeiten und Charakter von anderen eingeschätzt werden, aber auch wie er sich selbst einschätzt. Daneben bringen auch die privaten Briefe jener Zeit, gerade auch der Briefwechsel mit seiner süddeutschen Verwandtschaft sowie mit der "Selskip foar Fryske Tael- en Skriftekennisse" in Westfriesland, noch zusätzliche Informationen und zeigen, daß Clement durchaus schon früh gewarnt wird, sich anders aufzuführen. Auch an warnenden und wohlmeinenden Stimmen was die Planung seiner beruflichen Laufbahn betrifft, fehlt es nicht.

Einer Akte ist zu entnehmen, daß er seine Promotion "nicht ohne große Nachsicht u. erst nach vielfacher Überlegung" bekommen hat. Eine drastische Charakterisierung liefert der Vorgang nach seiner ersten Bewerbung um die Professur in Kiel. Diese Bewerbung schreibt er von seiner Studienreise aus Großbritannien direkt an den dänischen König und zwar zusammen mit einem Reisebericht und seinen "Hauptgedanken von der großen Macht der nordgermanischen Kriegsvölker." Er begründet seine Bewerbung damit, daß er,

"gerade weil er ganz neue Thesen vertrete, und gegen alte und moderne Irrthümer, Vorurtheile und Luftschlösser in Geschichte und Politik kämpfe, einen festen Standpunkt in unseren Universitäten haben muß, von wo aus ich mit Kraft und Ansehen in und auf die literarische Welt wirken kann, die seit mehr als einem halben Jahrhundert kränkelt."

 

Und um mit diesen neuen Ansichten durchzudringen, braucht er ein Amt mit einer gewissen Würde,

"die ich mir durch meine Jugend und Armuth nicht geben, auch von der Gunst der Gelehrten nicht erwarten kann, weil sie durchweg jeden Radikalen in irgendeiner Kunst und Wissenschaft niederdrücken, natürlich da dieser wissenschaftliche Radikalism gegen ihr eigenes Interesse ist."

 

Läßt man mal außenvor, daß Clement zu jener Zeit wohl noch gar nicht die Reife und Qualifikation für ein solches Amt hat, beraubt er sich seiner Chancen selbst, wenn er fortfährt:

"Auf Empfehlung der sogenannten Historiker darf ich nicht rechnen, weil ich gegen ihren Irrthum, also gegen ihren Vortheil kämpfe."

 

Aber an eben diese "sogenannten Historiker", unter ihnen L.J.A. Michelsen und Theodor Olshausen von der philosophischen Fakultät der Universität gelangt diese Bewerbung. Sie werden daraufhin gebeten ein Gutachten über Clement anzufertigen, was für diesen vernichtend ausfällt. Ihr Ablehnungsbegründung liest sich wie eine Charakterstudie:

"Mit Bedauern hat die Facultät besonders aus den das Gesuch begleitenden Beilagen ersehen, daß der Dr. Bohn Clement seit der Zeit, da ihm nicht ohne große Nachsicht u. erst nach vielfacher Überlegung die Doctorwürde ertheilt wurde, statt die ihm beim Examen gewordenen Erinnerungen u. Aufforderungen zu gründlichern Studien zu befolgen, nur in seinem Dünkel zugenommen u. sich noch tiefer in seine Einbildungen verloren hat, so daß er dann auch seine Reise und die ihm dazu bewilligte Unterstützung im Ganzen nur dazu verwandt, die Irrungen seiner barocken, unreifen, durch kein irgend solches Studium gestützten, historischen Meinungen zu verfolgen, und zugleich Stoff zu politischen Declamationen zu sammeln, in denen er ohne Kenntniß u. Prüfung der Verhältnisse und ohne einfache Wahrheit der Gesinnung mit eigenthümlichen Ansichten und mit Patriotismus stolziert."

 

Sie raten sogar, daß man Clement von dieser Reise zurückbeordern soll, damit er ermahnt würde, ernsthaft zu forschen,

"wiewohl wenig Hoffnung ist, einem in dem Grunde eingebildeten und in seinen Vorurtheilen befangenen jungen Mann noch zu einem bescheidenen Urtheil über sich selbst und soliden Fleiße gelangen zu sehn. Gerade eine energische Kraft, wie die des Herrn Bohn allerdings ist, wenn sie so von Dünkel durchdrungen ist, läßt sie gerade eine solche Umwandlung um so weniger hoffen. Nicht unbefangene Prüfung, sondern Anmaßung ist überall seine Leuchte. Es beginnt dieser junge Mann alles mit dem Gedanken, daß er zuerst, allein und immer das Wahre und Richtige sehe. In dieser Anmaßung spricht er über die bewährtesten Forscher mit oder auch ohne alle eigene Kenntniß ihrer Leistungen ab, und dispensirt sich in seinem, doch historischen, Studium von der Mühe Quellen und Vorarbeiten kennen zu lernen."

 

Sie begründen in diesem Gutachten auch noch einmal, warum sie trotz Bedenken, Clement die Doktorwürde gegeben haben:

"Es war damals die Besorgniß, daß eine Abweisung bei diesem Candidaten eine Gemüthsstörung zur Folge haben könnte, welche uns zuletzt bestimmte, ihm ungeachtet seiner sehr einerseits guten Kenntnisse, im Ganzen aber verkehrten Bildung und Richtung, die gesuchte Würde zu bewilligen. Er bewies ein gutes Verständniß des Griechischen und Lateinischen, Vertrautheit mit dem Tacitus, und Talent den kernigen Stile dieses Schriftstellers nachzuahmen; auch sonst zeigte sich ein gewisses Sprachtalent. Allein die Aufforderung bei den Sprachforschungen zum Behuf seiner Studien in der germanischen u. nordischen Geschichte die Werke und womöglich den Unterricht Jacob Grimms zu benutzen, erwiderte er mit der Erklärung, daß dieser ihm schwerlich etwas lehren könne."

 

Aufschluß über seinen Charakter gibt auch die zweite Bewerbung Clements 1842 um die Professur in Kiel, die er wiederum direkt an den dänischen König richtet:

"Ich habe in den lezten 8 Jahren, besonders auf meinen drittehalbjährigen Reisen und nach meiner Rückkehr ins Vaterland, seit welcher jezt 3 Jahre verflossen sind, diese Geschichte wie die gesammte germanische Menschheit mit Vorliebe und Fleiß studirt, und doch wenigstens Einige haben im Lauf dieser lezten Jahre die Ueberzeugung gewonnen, daß ich für das Universitätsfach nicht ganz unfähig bin, zumal da meine Vorlesungen gut besucht wurden."

 

Auch dieses Begehren wird von der Fakultät abgelehnt, aber nicht mehr so schroff. Es wird Clement bescheinigt, daß er seine Vorlesungen nicht nur ganz durchgeführt, sondern seine Zuhörer auch durch seine Darstellungsgabe angezogen hat. Außerdem wird vermerkt, daß er jetzt ein sorgfältigeres Studium betreibt, er aber immernoch die

"Geschichte beschränkt zu behandeln nicht offenkundig entsagt hat." [...] "Beschränkt in seinem Interesse und seinem Studium hat er von vorn herein den historischen Sinn in sich nicht ausgebildet, vielmehr mit besonderem Urthrib sich ein Gewebe von Ansichten über die geschichtliche Entwicklung geschaffen, aus dem sich jetzt heraus zu finden ihm noch schwerer sein wird als seinen Studien den Umfang zu geben, den eine academische Wirksamkeit verlangt. Eben wegen der Schwierigkeit, von sehr subjectiven Interessen zu allgemeiner Wissenschaftlichkeit, von eifrig genährter Befangenheit zu freier Forschung überzugehen, muß die Facultät bezweifeln, daß das sorgfältige Studium, welches Dr. Clement allerdings jezt zu treiben scheint, ihn auch zum Rechten führen würde...."

 

Kurator Jensen von der Universität Kiel beurteilt Clement zu selben Sache:

"Er ist mit Talent begabt, gehört aber zu den starren Naturen, denen es so außerordentlich schwer wird, sich aus ihrer Subjectivität herauszuarbeiten und zu einem klaren Bewußtseyn des Allgemeinen sich zu erheben..."

 

Clement selbst bezieht diese Ablehnungen nicht auf seine mangelnden Fähigkeiten oder auch charakterliche Eigenschaften, sondern er sieht sich als ein Opfer, das auf Grund der neuen Theorien, die er vertritt, ungerecht behandelt wird. So schreibt er in einem Brief an das Department der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten am 2.11.1850:

"Schon im dritten Jahr muß ich das Unrecht leiden, das mir widerfahren ist, und in dieser Zeit ist es mir immer klarer geworden, was es heißt: odisse quem laeterit. Also im gegenwärtigen Augenblick nochmals einen Schritt thuend, um darauf hinzuweisen und zu mahnen, wie sehr mein Recht gekränkt worden, trete ich vor Ihnen hin, nicht als ein Bettler, der um etwas fleht, was sein nicht ist, oder als ein Landesfeind, den man besser behandelt als mich, sondern als ein unverdächtiger politischer Character, als Mann, der dem Lande genüzt, als anerkannter Schriftsteller und als der, den die Regierung dieses Landes wie einen Verbrecher behandelt hat. [...]. Was würde Deutschland sagen, wenn es erführe, daß der Verfasser so vieler Leitartikel und Aufsäze zum Besten unsrer Landessache, daß er es ist, den man wie einen Verbrecher behandelt hat? Auch wissen Sie nicht, wie groß mein Zuthun ist zu den Stimmen, die im deutschen Lande für Schleswig-Holstein eingekommen. Nur mein Pflichtgefühl hat mich dies thun heißen, aus andren Beweggründen handle ich nicht."

 

Nachdem im Oktober die Provisorische Regierung zurücktreten muß, fragt Clement bei der neuen Gemeinsamen Regierung noch einmal an, wie es mit der Fortzahlung seines Wartegeldes sei. Er beschwert sich bitter über das ihm widerfahrene Unrecht:

"...[ich mußte] hier ein Opfer werden und unbefördert in der Welt herumwandern, verfolgt von Menschen, welche die Hochschule des Landes für ihr Eigenthum zu halten scheinen. Es sind nämlich in den lezten Tagen der provisorischen Regierung zwei junge Männer an der Universität angestellt worden. Die Auszeichnung des einen besteht in der nächsten Verwandtschaft mit Herrn Beseler, und die des anderen in dem Professorensohn, der die Tochter eines Professors heirathet. Bei solchen Schritten, die jeder thun kann, der die Macht in Händen hat, und wo kein Gericht befragt wird, ist es eben so leicht, ungefähr zur selben Zeit einem Familienvater das Seinige zu nehmen, was ihm König Christian 8. aus Achtung vor seinen wissenschaftlichen Leistungen bis zu einer Anstellung schriftlich zugesagt."

 

Aber auch diese Bitte wird abgeschlagen, unter anderem mit der Begründung, daß die Zahlung an seine Anwesenheit in Kiel geknüpft wäre, Clement sich aber von dort entfernt hätte. Auf diese Ablehnung erfolgt eine heftige Beschwerde Clements:

"Wer hat denn meine Wirksamkeit in Kiel mir abgebrochen? Ich nicht, sondern die provisorische Regierung. Ich habe Kiel nicht verlassen, sondern die provisorische Regierung hat mir den ferneren Aufenthalt dort unmöglich gemacht [...], darin liegt der allersicherste Beweis, daß man mir den letzten Faden meiner gelehrten Wirksamkeit in Kiel mit Gewalt abgeschnitten hat. Wie? Nachdem die Professur der Geschichte an der Universität in Kiel, die mir und keinem anderen im Land zukam - das kann ich Ihnen beweisen-, dem Schwiegersohn des Profess. Paulsen (!) gegeben worden war, sollte ich da noch wieder in Kiel erscheinen? Solche Ehrlosigkeit verlangt man von einem Ehrenmann?"

 

Nach die Erhebung endgültg gescheitert ist, wendet Clement sich nun wieder "an die andere Seite" und stellt sich als ein Opfer der Erhebung dar. So schreibt er am 5.2.1852 an Reventlou-Criminil, dem Minister für Holstein-Lauenburg:

"Im Mai 1848 machte der Präsident der provisorischen Regierung [Beseler] meiner Wirksamkeit in Kiel dadurch ein Ende, daß er mir...die Auszahlung meines Wartegeldes verweigerte....Ich erhielt nicht die geringste Entschädigung und war wie ein Verbrecher behandelt, der ich nichts verschuldete. Ich brauche kaum zu erwähnen, daß ich mich bei der Revolution nicht betheiligt. [...] Excellenz! Es wäre jezt wol an der Zeit, daß mir eine passende Professur an der inländischen Universität übertragen würde [...] und ich habe das Vertrauen zu Ihrer Einsicht, daß Sie besser sehen, als der Präsident der provisorischen Regierung, besser erkennen, als er, was Recht ist und menschliches fühlen gegen einen Mann, der nichts verbrochen hat und in Dürftigkeit eine zahlreiche Familie zu ernähren hat."

 

Auch gegenüber T.R. Dijkstra, dem Vorsitzenden der Selskip foar Fryske Tael- en Skriftekennisse, dessen Mitglied Clement ist, äußert er sich in einem Brief vom 19. Mai 1852 zu diesen Vorkommnissen:

"Nach Vollendung meiner großen Reise durch Westeuropa erhielt ich ein Wartegeld von der dänischen Regierung bis zu einer festen Anstellung, was mir vom König von Dänemark 1842 schriftlich zugesichert wurde. Ich war der einzige Privat-Docent an der Universität zu Kiel, der mit Gehalt angestellt war. Am 26. April 1852 ist mir nun von der jezigen Regierung in Kiel angezeigt worden, daß ich im Lande nichts mehr zu erwarten habe. Ich bin also viel ärger gestellt als ein wirklich Verbannter, da dieser doch noch das öffentliche Interesse und Mitleid hat. Der Minister von Holstein, mit dem ominösen Namen Criminil, war dumm und schlecht genug, mir zu verstehen zu geben, daß ich vor 22 Jahren (!) - 1830, als ich die Universität bezog - einen Artikel in der Zeitung geschrieben über die Friesen, den er damals beantwortet habe. Diese Replick von ihm machte ich zu Schanden durch Thatsachen, die meine Landsleute mir mitgetheilt, und ich nannte den anonymen Verfasser der Replick, der sich nachher nicht mehr hören ließ, einen Lügner. Ich hatte nämlich die jammervolle Lage der Frisischen Insulaner geschildert, was man in Kopenhagen nicht gern gesehen hatte. Dafür denn, für dieses Crimen [?], hat sich, de Crimikerel [?] nun gerächt und die dänische Regierung dafür, daß ich den Frisen ein so schlechtes Beyspiel des Patriotismus gegeben und nach ihrer Meinung nicht zu belehren sein werde."

 

Hier führt er seine beruflichen Fehlschläge also in erster Linie darauf zurück, daß er für die friesische Sache eintritt, ja, daß er friesischer Abkunft ist:

"Allein ich muß beinahe fürchten, daß man in Deutschland mich auch kaum brauchen kann, weil ein Friese wie ich, den Deutschen, die an den Hochschulen die Dinge leiten und verleiten, mehr oder weniger ein Aergerniß ist. Ich habe schon soviel gelitten, dafür daß ich von frisischer Abkunft bin [...]. 1845 im Herbst hatte ich Aussicht in Jena, dort als Professor angestellt zu werden, und waren auch schon Vorlesungen für mich bestimmt. Da denuncirte ein dortiger Gelehrter, daß ich im Sommer desselben Jahres (1845) bei der frisischen Volksversammlung zu Bredstedt präsidirt hätte, und hiermit war es zwischen Minister Schweitzer in Weimar und mir zu Ende."

 

Auch seine ärmliche persönliche Lage führt er in erster Linie auf sein Eintreten für die friesische Sache zurück. So schreibt er am 6. Sept. 1851 an T.R. Dijkstra:

"Sie kennen meine Gestelltheit nicht, ich bin, obwohl man mich als Mann der Wissenschaft, der sich viele Kenntnisse erworben, und als Mensch allgemein achtet, schon seit vielen Jahren ein Opfer meines frisischen Patriotismus, meiner eigenthümlichen Entdeckungen in der Wissenschaft (und als für diese corrumpirte Welt zu freisinniger Charakter) geworden und gewesen, als gelehrter Frise war ich stets für das eitle Dänemark und das grobe aristrokratische Holstein gleich unbrauchbar, an der Universität zu Kiel kann nur der angestellt werden, der sich entweder an die dänische Regierung oder an den Adel Holsteins klammert, das war mir unmöglich [?], man überging mich also 4 mal an der Universität zu Kiel und sezte und sezte die Unwissenheit an die Pläze, die ich verdient, und das Ende war, daß man (die aristrokratische Regierung Holsteins in den lezten Erhebungsjahren) mir mein Gehalt an der Universität auszuzahlen weigerte, da es aus einer andern Casse als der Universität war, obgleich ich immer für die Herzogthümer und gegen Dänemark gewesen, um der Frisen willen."

 

 

Ein wichtiger Abschnitt in Clements Leben ist seine Studienreise durch Westeuropa, die er 1836 beginnt. Ermöglicht wird im diese durch ein Stipendium aus der dänischen Staatskasse. Das Stipendium ist ihm vom dänischen König nach einer einstündigen Audienz bewilligt worden. Im zweiten Jahr erhält er sogar die doppelte Summe. Über die Stationen seiner Reise gibt er in seiner Biographie ausführlich Auskunft. Im Oktober 1836 befindet er sich auf der Isle of Man, wo er einen Reisebericht verfaßt. Er setzt seine Reise 1837 über die Orkney fort und kehrt 1838 wieder nach Hause. An den König schreibt er am 16.10.1837:

"Ich bin auf einer Reise begriffen, wie sie nie vorher unternommen worden ist, deren großer Gegenstand die wahre Geschichte der neuen Zeit ist, die außer mir keiner von Roms Fall an datirt, die mit den nordgermanischen Kriegsvölkerzügen, d.i. mit den Dänen und ihren Nachbarn beginnt, diesen Schöpfern der Universalgeschichte, der Seefahrt und des Welthandels, die endlich nie einer vor mir von dieser Seite aufgefaßt hat. Mit Rücksicht auf diese Auffassung, welche die allein wahre ist, weil sie Geist und Leben enthält und keinen einzigen Widerspruch in sich trägt, viel mehr selbst in ihren kleinsten Theilen mit Erfahrung und Annalen zusammenstimmt, gilt es dem Ruhm Dänemarks als des [sic] höchsten unter allen Völkern Europas."

 

Er fügt diesem Brief neben dem Reisebericht auch seine Hauptgedanken von der großen Macht der nordgermanischen Kriegsvölker bei. Er bittet den König ihm zusätzlich 150 Pfund zu schicken,

"da meine Reise nach den Westinseln und durch Irland, mir über die Hälfte des ganzen Stipendiums für das zweite Jahr gekostet, es war aber nothwendig, und ich bin überzeugt, daß keiner solche Reisen mit weniger Geld hätte machen können."

 

Er mußt sich daher in Edinburgh bei einer Privatfamilie einquatieren. Daß die Reise und deren Ergebnisse von anderen Personen anders beurteilt wird als von Clement, auch darüber geben die Briefe aus dem Landesarchiv Schleswig Auskunft. So wundert sie der Kurator Jensen, daß Clement, obwohl nur eben ausreichende Kenntnisse in der Promotionsprüfung hatte, ein derartiges Reisestipendium bekommt. So meint er,

"die Wirksamkeit [der Reise] als solcher stand von vorne herein entgegen, daß er in einigen Schriften seine Ansicht, daß der Zustand von Europa fast ganz ausschließlich durch die Züge der Nordländer und namentlich der Dänen in der Vorzeit bedingt sei, auf eine Weise vortrug, die keinen Beifall hervorrufen konnte."

 

Auch seine Reiseberichte werden kritisiert. So schreibt die Philosophische Fakultät an Kurator Jensen v. 13. Februar 1838:

"In dieser Anmaßung spricht er über die bewährtesten Forscher mit oder auch ohne alle eigene Kenntniß ihrer Leistungen ab, und dispensirt sich in seinem, doch historischen, Studien von der Mühe Quellen und Vorarbeiten kennen zu lernen. Von dieser dünkelvoll bequemen Vernachlässigung der vorhandenen Leistungen giebt er jetzt in seinen Reiseberichten einen besonders sprechenden Beweis..."

 

Daher ist die Fakultät auch dagegen, die Reise weiterhin zu finanzieren,

"weil bei einem so hohlen Enthusiasmus nie irgend ein reeller Nutzen hervorgehen kann. Vielmehr müssen wir es für das eigne Wohl des Bittstellers rathsamer finden, daß er von den Wegen, wo er nur sich selbst hört und, nach dem Sprichwort, nur 'seinem Affen Zucker sucht', zu bescheidenem Fleiße und ernsterem Forschen heimgerufen und ermahnt werde. [...] Die Ansicht von der Bedeutung der Friesen für die Weltgeschichte, welche in seiner Abhandlung angesprochen war, hat der Verf. jetzt [in seinen Beilagen zur Bewerbung] mehr als damals der Fall war, mit der Wichtigkeit der Normannen combinirt, aber die verworrenen Begriffe von der Weltgeschichte, die er dabei handhabt, lassen, so wie die Mittheilungen über die Spuren des Altdänischen in Irland, womit er sr. Majestät gefallen zu wollen scheint, Besorgniß entstehen, ob Herr Bohn Clement nicht nahe daran sei, unwirsch im Verstand zu werden."

 

 

Clements erste Buchveröffentlichung (1835) ist seine Promotionsschrift De origine Theudiscorum (Über den Ursprung der Theudisken). Über dieses Buch urteilt die Philosophische Fakultät der Universität Kiel an Kurator Jensen v. 13. Februar 1838:

"Seine Probeschrift unter dem Titel de origine Theudiscorum behandelte die Grille, daß ein Theil der Franken, u. unter diesen vornämlich die Friesen das eigentliche, wahre, und alleinige urdeutsche Volk seien. Diese Grille war nicht bloß ohne gute Ordnung, sondern auch mit dem absprechendsten Urtheile und ohne vorher die einschlägige Literatur wirklich studirt zu haben ausgeführt; namentlich wußte der Verfasser, da er doch [?] ein Thema aus der altfränkischen Geschichte behandelt hatte, Nichts von der Entstehung der fränkischen Annalen, der Hauptquelle für seine Frage."

 

Die nächsten Bücher stammen aus seiner Kopenhagener Zeit, wo er stark von Nikolai Frederik Severin Grundtvig beeinflußt wird, was sich auf den Inhalt der Bücher niederschlägt. 1839 erscheint die Erklärende Einleitung zur Geschichte Dänemarks, besonders zur Geschichte des dänischen Heldenzeitalters und seines letzten Helden. Dann 1840 Die nordgermanische Welt oder unsere geschichtlichen Anfänge. Eine Einleitung zur Universalgeschichte und Ueber die dänischen Reichssymbole, Elephant und Danebrog, ein paar bisher zwar unbekannte, aber nothwendige Materialien zu einer gründlichen Nachweisung des Ursprungs der dänischen Staats-Orden. Einen Eindruck darüber, wie die Bücher aufgenommen werden vermittelt das von Theodor Olshausen herausgegebene Kieler Correspondenzblatt (KC). So schreibt es u.a. über die "Erklärende Einleitung..":

"Der Verfasser hält sich nicht für einen Deutschen, sondern für ein Glied der 'nordgermanischen Menschheit', die sich ziemlich rein in den Dänen, am allerreinsten aber in den Nordfriesen ausgeprägt findet. Die Dänen und namentlich die Friesen sind das erste Volk auf der Welt."

 

Der Rezensent (ob es Olshausen selbst war ist nicht bekannt) zieht am Ende seiner Besprechung das harsche Urteil:

"Dieses Buch ist ohne Zweifel eines der absurdesten, welche in diesem Jahrhundert erschienen sind."

 

Auch die "Nordgermanische Welt.." wird kurz behandelt und ebenfalls schlecht beurteilt und mit dem knappen Kommentar versehen:

"Man sagt, daß dieses Werk auf Kosten der dänischen Regierung gedruckt ist. Man sagt, daß dieser Mann Professor der Geschichte werden will."

 

In seinem 1842 erschienen Buch Erklärendes Vorwort zur Geschichte der nordgermanischen Welt, an die germanisch gesinnte Jugend, relativiert Clement seine These, daß die Nordfriesen ein Teil der 'nordgermanischen Menschheit' seien und er verwahrt sich gegen den Vorwurf ein 'danisierter Mensch' zu sein. Er bekennt sich demgegenüber, daß er in "Sprache, Abkunft und Gesinnung ein Nordfrese" sei.

1845 erscheint Clements bekanntestes Werk Die Lebens- und Leidensgeschichte der Frisen, insbesondere der Frisen nördlich der Elbe. Die Kritik im KC ist recht wohlwollend. Zwar findet man, daß das Werk sich durch eine "nationale Schwermuth" (KC 14.6.1845) auszeichne, der Rezensent findet aber auch "so viel Gelungenes" (KC 18.6.1845), daß er sich wünsche, "der originelle Verf." möge alsbald eine leicht korrigierte Auflage folgen lassen.

1845 im Sommer unternimmt Clement eine Reise durch Friesland, Holland und Deutschland, die er 1847 in seinem Buch Reise durch Friesland, Holland und Deutschland im Sommer 1845, festhält. In diesem Buch erläutert er seine Theorie, nach der die europäischen Völker in West- und Ostgermanen aufzuteilen sind, wobei die Westgermanen, dazu zählen auch die Friesen, "reingermanisch" seien.

Im Juni 1848 erscheint Die Unabhängigkeits-Erklärung der 13 vereinigten Staaten von Amerika. Darin stellt er die Unabhängigkeitserklärung im Original vor sowie eine von ihm gemachte Übersetzung. Außerdem fügt er Kurzbiographien ihrer 25 Unterzeichner bei.

Da sich für seine nächste Arbeit Die geeignetsten Mittel zur Besserung der schleswig-holsteinischen Landeszustände und zu Abwehr einer einseitigen und volksfeindlichen Staatsverfassung, die sich thematisch an obiges Werk anschließt, kein Verlag findet, gibt er das Buch im Selbstverlag heraus. Er macht in dieser Schrift Vorschläge wie das künftige Staatswesen in Schleswig Holstein auszusehen hat. Er geht dabei von der Verfassung der Vereinigten Staaten aus. Er fordert u.a. das Wahlrecht für jeden Bürger, daß die Universität von Kiel nach Alsen verlegt werden solle und daß das Amt des Kurators gestrichen werde. Die Straßen sollen ausgebaut und der Eiderkanal vertieft werden. Die wichtigste Forderung ist aber die nach einer Bodenreform. Sie sieht vor, daß durch ein "Verteilungsgesetz" die "grundherrliche Aristrokratie" zu zerbrechen sei (S. 211). Er verweist auf das Beispiel Amerika, wo der Boden in Bauernhand das "Bollwerk der Freiheit" bilde, da ein jeder um so leichter für seine Freiheit kämpfe, je mehr er zu verteidigen habe. Außerdem fordert er, daß Helgoland zurückgekauft werden soll und die Aufhebung des Hoheitsrechts über die Austernfischerei an der Westküste.

An eine Teilung der Herzogtümer denkt er in diesem Buch allerdings nicht mehr, was eine Änderung seiner früheren Ansichten, wie z.B. in seiner Stellungnahme zum "Sendschreiben" von Beseler (s.u.), darstellt.

Ebenfalls noch 1848 hat er ein Manuskript zu einer weiteren Veröffentlichung fertig. Es ist eine Entgegnung auf C.F. Allens "Ueber die Sprache und Volksthümlichkeiten im Herzogthum Schleswig". Allen vertritt darin die Ansicht, daß Schleswig in sprachlicher, ethnographischer und historischer Sicht von jeher dänisch gewesen sei. Da Clement kein Geld zur Veröffentlichung hat, fragt er daher bei der neuen Gemeinsamen Regierung um finanzielle Hilfe nach und bietet an, seine Schrift einer genauen Prüfung unterziehen zu lassen. Diese Prüfung erfolgt und es wird ihm zwar bescheinigt "mit einem reichen Schatze von statistischen und Sprachkenntnissen" gegen die Allensche Schrift vorzugehen, aber auch bei dieser Schrift stört dem Rezensenten die Art und Weise, wie Clement vorgeht:

"Die Art der Behandlung ist nicht überall eine glückliche zu nennen; hin und wieder wird der innere Zusammenhang durch das strenge Festhalten an den Behauptungen Allens gestört, und Wiederholungen finden sich häufig. Dazu kommt, daß eine unverkennbare Selbstgefälligkeit des Verfassers den Leser oft unangenehm berührt, auch möchte in stilistischer Hinsicht Manches gegen die Arbeit zu erinnern sein,...[...]. Eine augenscheinliche Vorliebe für friesische Nationalität und Sprache spricht sich fast auf jeder Seite dieser Schrift aus, und nicht immer kann man sich des Eindrucks erwehren, daß der Verfasser als geborener Friese bei seinen Forschungen von vorn herein das Ziel vor Augen gehabt, möglichst viele Spuren friesischen Wesens zu entdecken."

 

Das Buch wird dann unter dem Titel Das wahre Verhältnis der Süderjütischen Nationaltität u. Sprache zur Deutschen und Friesischen im Herzogthum Schlewig. Eine historische und ethnographische Beleuchtung des 6. Hefts der antischleswig-holsteinischen Fragmente doch gedruckt und zwar mit der finanzieller Unterstützung der Gemeinsamen Regierung und auch von Herzog Christian August v. Augustenburg, nachdem Clement einige Änderungswünsche des Herzogs mit eingebaut hat.

1850 erscheint Die Weissagung der Frisin Hertje vor fünftehalbhundert Jahren, betreffend das Herzogthum Schleswig und die neue Zeit. Hierin stellt Clement die Visionen der Friesin Hertje vor, die um 1400 gelebt haben soll. Die Weissagungen sind fragmentarisch in niederdeutscher Sprache überliefert. Hertje warnt darin unter anderem vor der Zeit der großen Pfennige, mit der eine schwere Inflation einhergehen soll. Clement sieht diese Zeit mit dem Speciestaler (= zwei Reichsbanktaler) und der Einführung des "Zettelgeldes" eintreten und wartet auf eine ebenfalls vorhergesagte Schlacht bei Flensburg.

Seine letzte große Schrift ist Schlewig, das urheimische Land des nicht dänischen Volkes der Angeln und Friesen und Englands Mutterland, wie es war und wie es ward. Eine historisch-ethnologische Denk- und Beweisschrift. Es erscheint 1867 sogar noch eine zweite Auflage unter dem Titel Schleswig, das Urheim der Angeln und Friesen, nach vierhundertjährigem mit Holstein unter dänischer Herrschaft getheiltem Leben und Leiden nun Deutschland wieder einverleibt. Die Grundlage dieser Untersuchung bildet Clements Annahme, daß Schleswig bis zum 16. Jahrhundert in Sprache und Nationalität überwiegend Deutsch gewesen sei. Als Beweis führt er an, daß öffentliche Inschriften und sogar Urkunden und Gesetzbücher wie das Jyske Lov Waldemars auf Niederdeutsch abgefaßt bzw. übersetzt wurden.

Das Buch wird von Georg Waitz in den Göttinger Gelehrten Anzeigen (1862, S. 1542) besprochen. Er schreibt u.a.,

"daß der patriotische Eifer den Verf. nicht selten zu weit[führt]..., wenn er auch im Mittelalter das dänische Element in Schleswig für so geringfügig ansieht, daß er meint, bis zur Reformation hin sein plattdeutsch im Lande die vorherrschende Sprache gewesen".

 

Ein großer Teil der Korrespondenz im Nachlaß befaßt sich mit den inhaltlichen Vorbereitungen sowie der Subskription dieses Buches.

 

 

Neben Clements wahrscheinlich tatsächlich vorhandener mangelhaften wissenschaftlichen Qualifikation, mag auch seine politische Einstellung ein Grund für die Ablehnung gewesen sein, ihm eine Professur zu geben. Denn die Professoren der Philosophischen Fakultät treten für die schleswig-holsteinische Sache ein.

"Da konnte es nicht sonderlich gelegen kommen, wenn sich mit Clement jemand um eine Professur bewarb, der darauf hinwies, es gebe im Herzogtum Schleswig eine eigenständige Volksgruppe der Friesen, deren Gebiet dieser Kandidat zu allem Überfluß auch noch als zu Dänemark gehörig betrachtete, mehr noch, die er zusammen mit den Dänen zum 'Hauptvolk' Europas zählte."

 

1842 sind die Positionen auf der dänischen und deutschen Seite klar verteilt. Auf der einen Seite die "Eiderdänen", die Holstein und Lauenburg preisgeben und dafür das Herzogtum Schleswig in den dänischen Staat eingliedern wollen. Ihre führende Persönlichkeit haben sie in Orla Lehmann. Die "Nationalliberalen" auf der deutschen Seite wollten dagegen, daß Schleswig-Holstein ungeteilt bleibt.

Gerade aber in dieser Frage beweist Clement eine Besonnenheit und Weitsicht, die man ihm nicht zugetraut hat. Im Kieler Correspondenzblatt (Ausgabe vom 21.12.1842) antwortet er dem Ständeabgeordneten Beseler, der vorgeschlagen hat, das Amt Hadersleben Dänemark zuzuschlagen und dafür die Nordfriesischen Inseln dem Herzogtum einzugliedern. Gerade letzteres findet Clements Beifall:

"Dafür sey Ihnen auch öffentlich der friesische Dank mit Herzlichkeit dargebracht."

 

Allerdings schlägt er eine Trennung etwas weiter südlicher vor, ungefähr auf der Linie Apenrade - Hoyer, denn dies würde

"beiden Theilen politisch förderlich seyn, denn der eine würde duch seinen Anschluß an Jütland und dessen Ständeversammlung seiner eigenen Nationalität genügen."

 

Er sieht also nur eine staatliche Einigung im Norden, im Süden nicht, zu sehr fühlt er sich als Friese und somit als eine ebenbürtige Volksgruppe. Aber Clement sieht doch, daß man nur durch die Teilung der Herzogtümer einen Krieg verhindert kann.

Aber schon diese von ihm vorgeschlagene Teilung beinhaltet, daß Clement an eine Sonderentwicklung Nordfrieslands im verbleibenden südlichen Teil nicht mehr richtig glaubt. Es ist aber zweifellos Clements Verdienst, daß er durch seine Schriften immer wieder auf die Nordfriesen und ihre Sprache aufmerksam gemacht hat.

Um die Nordfriesen auf die Schleswig-Holsteinische Sache einzuschwören, werden u.a. "Nordfriesische Volksfeste" veranstaltet, die zwar eigentlich den Nordfriesen selbst als Stärkung ihres Nationalgefühls dienen sollen, aber von vornherein darauf ausgelegt sind, sie auf die Sache der Schleswig-Holsteiner zu ziehen.

Auf dem ersten Volksfest 1844 in Bredstedt hält auch Clement eine Rede, die gerade von den anwesenden Kieler Liberalen, u.a. Beseler und Falck, mit Spannung erwartet wird, gilt es doch zu sehen, ob Clement eine Sonderrolle für Nordfriesland beansprucht, oder ob er sich auf die Seite der Schleswig-Holsteiner schlagen würde. Letzteres ist der Fall. In seiner Rede stellt er zunächst fest, daß das friesische "Volkstum tief gesunken" sei und weiter:

"..zu einem eben so großen Nationalunternehmen sind sie ausgezogen, die festländischen mit den Inselfriesen um diese deutschen Herzogthümer schützen zu helfen gegen den wilden König Erik von Pommern, und wenn ihr, nein, Eure Vorväter, diese Westhälfte des Landes nicht beigestanden, wer weiß, was aus den Herzogthümern geworden wäre."

 

Somit hat Clement die Verbindung zwischen Nordfriesland und den Herzogthümern geknüpft und schließt in seiner weiteren Rede einen eigenen Weg der Nordfriesen aus:

"...und wenn die Friesen, wo sie auch wohnen, nie recht Ursache gehabt haben, die Geest- und Landmenschen mit Liebe zu erfassen, so seid ihr doch gehalten, Euch immer mehr an die deutschen Herzogthümer anzuschließen, um mit ihnen die Schicksale der Zukunft zu theilen. Abgerissen von Allem um Euch her, in dieser Zeit, gehet ihr vollends unter."

 

Zum Volksfest 1845 lädt Clement im Namen des Festkomitees persönlich ein. Es ist bei diesen Volksfesten zu bemerken, daß sich die Inselfriesen, jedenfalls im dänischen Teil, von den Parolen der Schleswig-Holsteiner kaum angesprochen fühlen und den Veranstaltungen fernbleiben. So schreibt Keike Wellems an ihren Bruder Clement im Jahre 1848:

"Wir Amrumer und Westerlandföhr[er] sind ganz und gar dänisch gesinnt, ein Einzelner, der der holsteinischen Sache zugethan ist, und der darf es nicht mal hören lassen. ...Wieck und Silt sind ganz für Schleswig-Holstein aber Amrum und Westerlandföhr nicht, wir wollen beim Alten bleiben."

 

 

Chronologische Übersicht der Veröffentlichungen Clements

 

 

Ueber den Ursprung der Theudisken. Altona. 1836.

 

'Schreiben eines reisenden Landsmanns an einen Freund im westlichen Irland'. Altonaer Merkur. 1838. Beiblatt zu Nr. 299 u. 300.

 

Erklärende Einleitung zur Geschichte Dänemarks, besonders zur Geschichte des dänischen Heldenalters und seines letzten Helden. Hamburg. 1839.

 

'Vor Historie'. Söndagen Nr. 3. 1839.

 

'Den Skotske Folkemusik'. Söndagen. Nr. 4. 1839.

 

'Om de gamle Sö- Berge paa de nordfrisiske Oeern'. Söndagen. Nr.7 u. 8. 1839.

 

'Knudt den Store ved Assinden i Essex'. Söndagen. Nr.9. 1839.

 

Et Ord over de forskjellige Folgeskegter i de storbritanniske Lande'. Söndagen Nr.18. 1839.

 

'Unsere Geschichte'. Hamburger Correspondenzblatt. 1839. (Einer dieser Aufsätze im Eckernförder Wochenblatt Nr. 5. 1839).

 

Die nordgermanische Welt oder unsere geschichtlichen Anfänge. Eine Einleitung zur Universalgeschichte. Kopenhagen. 1840.

 

Ueber die dänischen Reichssymbole, Elephant und Danebrog, ein paar bisher zwar unbekannte, aber nothwendige Materialien zu einer gründlichen Nachweisung des Ursprungs der dänischen Staats-orden. Kopenhagen. 1840.

 

'Steuerlasten auf Amrum'. Kieler Correspondenzblatt Nr. 103. 1841.

 

'Bemerkungen über Amrum mit Rücksicht auf die Gegenwart'. Kieler Correspondenzblatt Nr. 89. 1841.

 

'Zwei Leuchtfeuer auf Amrum'. Itzehoer Wochenblatt Nr. 21. 1842.

 

'Der Dünenbruch und das Sandvogtwesen auf der Insel Amrum'. Itzehoer Wochenblatt Nr. 28. 1842.

 

'Gegen Unwahrheiten, die Insel Amrum betreffend'. Kieler Correspondenzblatt Nr. 72. 1842. S. 318.

 

'Strandungen und Rettungen bei der Insel Amrum'. Itzehoer Wochenblatt Nr. 17. 1842.

 

Erklärendes Vorwort zur Geschichte der nordgermanischen Welt, an die germanisch gesinnte Jugend. Kiel. 1842.

 

'Das Herzogthum Schleswig'. Kieler Correspondenzblatt Nr. 100. 1842.

 

'Sendschreiben an den Abgeordneten Beseler'. Kieler Correspondenzblatt Nr. 102. 1842.

 

Die Lex Salica oder die Text - Glossen in der Salischen Gesetzsammlung, germanisch nicht keltisch; mit Beziehung auf die Schrift von Dr. Leo: Die Malbergische Glosse, ein Rest altkeltischer Sprache und Rechtsverfassung. Ein Versuch. Mannheim. 1843. (Alberti: Nach seinem Tode als Band der staats- und rechtswissenschaftlichen Abtheilung der in Grieben's Verlag erschienenen Bibliothek für Wissenschaft und Literatur: Forschungen über das Recht der Salischen Franken vor und in der Königszeit. Lex Salica und Malbergische Glosse. Nachgelassenes Werk, herausgegeben und mit Vorwort begleitet von Heinrich Zöpfl. Berlin. 1876. 2. (Titel-) Ausgabe 1879).

 

'Glossen zu dem Aufsatze 'Das Herzogthum Schleswig'. Kieler Correspondenzblatt Nr.5. 1843.

 

Bearbeitung von N.F. Aikens vergleichende Darstellung der Constitution Großbritaniens und der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit einer Vorrede von Franz Baltisch. Leipzig. 1844. 253 Seiten.

 

Die Lebens- und Leidensgeschichte der Frisen, insbesondere der Frisen nördlich von der Elbe. Kiel. 1845.

 

Reisen in Irland in historischer, statistischer, politischer und socialer Beziehung. Kiel. 1845.

 

'Leuchtfeuer an der Nordfriesischen Küste'. Kieler Correspondenzblatt Nr. 11, 18, 25, 34, 50, 73. 1846.

 

'Leuchtfeuer an der Nordfriesischen Küste'. Itzehoer Wochenblatt Nr. 5. 1846.

 

'Über Leuchtfeuer an der Westküste'. Börsenhalle Nr. 10. S. 466 u. Nr. 11. S. 473. 1846.

 

Shakespeares Sturm, historisch beleuchtet! Leipzig. 1846. 115 Seiten.

 

Lappenkorb von Gabe Schneider aus Westfriesland mit Zuthaten aus Nord-Frisland. Mit 5 Abbildungen. Leipzig, o.J. Vorwort von 1846. 348 Seiten.

 

Enthält:

 

'Das Leben des nordfriesischen Helden Hark Ulws von der Insel Amram'. S. 207-261.

 

'Gefangennahme des von Nordfrisen geführten Schiffs Oranje Boom am 20. Juni 1867. S. 262-278.

 

'Die Brigg Frau Margaretha von Glückstadt, geführt von Commandeur Georg Heinrich Simons von der nordfriesischen Insel Amram. S. 279-293.

 

'Friesische Sinnsprüche'. S. 294-316.

 

'Klein Ehlke und Groß Ehlke'. S. 317-319.

 

'Hühnchen und Hahn'. S. 319-321.

 

'Die Borghsam-Burg'. S. 328.

 

'Heilig Anna'. S. 328-329.

 

'Sark Hethk'. S. 329.

 

'Die Unterirdischen'. S. 330-331.

 

'Die verschworene Stätte'. S. 331-332.

 

'Christian Johannesen'. S. 337-338.

 

'Der Frise Nis Ipsen aus Klanxbüll, alias Admiral Bombel'. S. 338-339.

 

'Der starke Andres'. S. 340.

 

'Der Brand'. S. 342-343.

 

'Volkssagen und Sagenglaube'. S. 321-328.

 

'Wat Neis brangst mä fan Nurden?'. S. 332.

 

'Ein Amring Liedchen'. S. 333-336.

 

'Hans Jensen von Fer (Föhr) in Nord-Frisland'. S. 336-337.

 

'Das Iter Risummorense (Reise in Risum-Moor)'. S. 339-340.

 

'Strenge Sitte und seltne Verbrechen und Folgen'. S. 340-342.

 

'Der grönländische Commandeur Buh Karstens'. S. 343.

 

'Ok Tükkis (in Holland Arjan Teunis geheißen) von der Insel Fer in Nord-Frisland'. S. 344.

 

'Arfst Hansen'. S. 345.

 

'Rörd Jensen'. S. 345-346.

 

'Oluf Jacob Olufs'. S. 346.

 

'Arfst Nikkelsen'. S. 346-347.

 

Reise durch Friesland, Holland und Deutschland im Sommer 1845. Kiel. 1847. 300 Seiten.

 

Eigenthümliche Elemente der frisischen Sprache in: Herrigs Archiv für das Studium der neueren Sprachen, Bd. III, 1848. Bd. V, 1849. Bd. VI, 1849. Bd. IX. 1851. S. 179-187; Bd. X. 1852. S. 136-147 u. 269-287; Bd. XII. 1853. S. 71-81.

 

Der Franzos und seine Sprache. Frankfurt. 1848.

 

Die geeignetsten Mittel zur Besserung der schleswig-holsteinischen Landeszustände und zur Abwehr einer einseitigen und volksfeindlichen Staatsverfassung. Altona. 1848. 24 Seiten.

 

Die Unabhängigkeitserklärung der 13 vereinigten Staaten von Amerika durch ihre 56 Vertreter auf dem Continentalcongress zu Philadelphia vom 4. Juli 1776. - Eine Denkschrift für unsere Zeit. Urschrift und Übersetzung mit zwei Vorworten und einem biographischen Anhang versehen v. K.J. Clement. Frankfurt/Main. 1848. 23 Seiten.

 

Das wahre Verhältnis der süderjütischen Nationalität und Sprache zur Deutschen und Friesischen im Herzogthum Schleswig. Eine historische und ethnographische Beleuchtung des 6.Heftes der antischleswig. holsteinischen Fragmente. Hamburg. 1849.

 

Die Weissagung der Friesin Hertje vor fünftehalbhundert Jahren, betreffend das Herzogthum Schleswig und die neue Zeit. Altona. 1850. 8 Seiten.

 

König Abels Feldzüge gegen Nordfriesland. Neuer Schleswig-Holst. Kalender für 1851 (Hrsg. v. Ernst Fr. Hammerich, Altona). S. 5-18.

 

'Die Religionsfreiheit in den Vereinigten Staaten'. Aus dem Schwedischen. Altonaer Merkur. 1852. Beilage zu Nr. 240.

 

'Rezension von Klaus Groths Quickborn'. Altonaer Merkur. 1852. Beilage zu Nr. 300.

 

'Die nordfriesischen Dünen und Deiche'. Altonaer Merkur. 1853. Beilage zu Nr. 116

 

Letj Eelke an grat Eelke in: Nachlaß Mechlenburg(Hamburg) Nr. 11,12 (handschriftlich). Gedruckt in: Firmenich, J.M.: Germaniens Völkerstimmen, Bd. III. Berlin. 1854. S. 454f.

 

Adebaar Lungsnaar (Storchlied). Firmenich, J.M.: Germaniens Völkerstimmen, Bd. III. Berlin. 1854. S. 2

 

Wat Neis brangst mä fan Nurden? Firmenich, J.M.: Germaniens Völkerstimmen, Bd. III. Berlin. 1854. S. 2

 

Henk an Höön. Firmenich, J.M.: Germaniens Völkerstimmen, Bd. III. Berlin. 1854. S. 455f.

 

'Aus meiner Schilderung des Volkes und Volksleben im nordwestlichen Teil von Frankreich'. Ausland Nr. 40. 1854. S. 937-943; ebd. Nr. 41. 1854. S. 967-973; ebd. Nr. 43. 1854. S. 1009-1013; ebd. Nr. 44. 1854. S. 1035-1040.

 

'Die Wissenschaft der alten Gräber'. Ausland Nr.44. 1854. S. 999-1000.

 

'Meteorologisches'. Altonaer Merkur Nr. 70, 71. 1855.

 

'Unsere Nordseeküste'. Hamburger Nachrichten. 1859. (vgl. Altonaer Merkur, Nr. 265. 1859.)

 

'Über die Sicherung von Norderney und die Lage der Nordseeküsten'. Hamburger Nachrichten. 1859.

 

Redigierte seit 1860 das bei Th. Grefe in Hamburg, St. Pauli, erscheinende Weltmeer. Jahrgang 1, 2, 4.

 

Das große Nordlicht in der Nacht zum 29. August und die Telegraphenverbindung in Nordamerika und Europa. Hamburg. 1860.

 

Schleswig, das urheimische Land des nicht dänischen Volkes der Angeln und Friesen und Englands Mutterland, wie es war und wie es ward - Eine historisch-ethnologische Denk- u. Beweisschrift. Hamburg. 1862. 366 Seiten. Selbstverlag.

 

Die dänischen Enklaven im Herzogthum Schleswig und ihre gewaltsame Entstehung auf nicht dänischem Boden. Altona. 1864.

 

Der Kampf um Schleswig, 2 Vorträge. Hamburg. 1863.

 

Schleswig Holsteins Rechte und rechtmäßiger Landesherr. Altona. 1864

 

Der Zustand der Nordwestküste Schleswig - Holsteins hinsichtlich ihrer Dünen und Seewehren, Leuchtfeuer, Baaken u. Seemarken, Fahrwasser und Häfen, Halgen u. Inselmarschen, Navigationsschulen und Specialkarten, Strandvögte und Rettungsmittel in Seenoth. Kiel. 1865. 57 Seiten.

 

Der Zustand der Nordseeküste Schleswig - Holsteins. 1865.

 

Die schleswig-holst. Seekanal Projekte. Hamburg. 1865.

 

Die Lombardei und ihre eiserne Krone. Hamburg/Leipzig. 1866.

 

Die dänische Schriftsprache und die nordschleswigsche Volkssprache als zwei in Natur und Ursprung von einander sehr verschiedene, wenn auch mindestens zur Hälfte aus deutschen Sprachelementen bestehende Mundart. Hamburg. 1869.

 

Die deutsche Namenswelt. Nachgelassenes Werk von Dr. K.J. Clement aus Nordfriesland. Hamburg. 1887. (Hrsg. Edmund Clement).

 

Die deutschen Auswanderer und die neue Welt. Gedicht. Abgedruckt im (zweiten Blatt) der Föhrer Zeitung, Nr. 44. 15.4.1931.

 

 

Handschriftliches

 

Uk an fresk Steam tu tha Könnang, man fan't bütjenst Eilun in: Mechlenburg, L.F. Heft A S. [?]

 

So lange Amrum war - Feiergesang auf der Insel Amrum zu Ehren des Königs (Christian VIII) und der Königin. Nachlaß Mechlenburg(Hamburg) Nr. 11,9,1,

 

  

Bearbeitung und Ordnung des Nachlaßmaterials

 

Wie aus dem Erwerbsvorgang und der weiteren Geschichte des Nachlasses zu ersehen ist, handelt es sich bei dem vorliegenden Nachlaß von K.J. Clement um einen echten Nachlaß, der aber nicht vollständig ist, da sich bereits einige Schriftstücke im Landesarchiv Schleswig befindet. Wir haben es also mit einem Teilnachlaß zu tun, der gleichwohl als ein provenienzgebundener Bestand dargestellt wird und auf den die Definition Nachlaß angewandt wird.

Im folgenden wird unter einem echten Nachlaß verstanden, was sich bei einem Nachlasser im Laufe seines Lebens gebildet und bei dessen Tod vorgefunden wurde oder vorgefunden hätte werden können. Der Zusatz "vorgefunden hätte werden können", ist vor allem nützlich bei den losen Materialien zu und von anderen Personen und Körperschaften, die aus der Sammeltätigkeit des Nachlassers stammen. Gerade auch beim Nachlaß Clement, der öfter umgelagert worden ist, kann es durchaus vorgekommen sein, daß ein Schriftstück mit hineingerutscht ist, von dem der jeweilige Nachlaßbesitzer dachte, es gehöre mit zum Nachlaß. Zu trennen davon sind allerdings die angereicherten Nachlaßteile, die nachweislich erst nach dem Tod des Nachlassers dem Nachlaßbestand zugefügt wurden. Ein derartiger angereicherter Nachlaßteil exisiert beim Nachlaß Clement nicht.

Die Bearbeitung des Nachlasses erfolgt nach den allgemeinen Regeln für die Bearbeitung von Nachlässen in Literaturarchiven, wobei schon an dieser Stelle darauf hingewiesen sei, daß diese Richtlinien für Archive mit z.T. mehreren hundert Nachlässen gelten und somit nur ein Grundschema beschreiben können. In diesen Richtlinien wird daher auch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Individualität jedes einzelnen Nachlasses Rechnung getragen werden kann und muß, d.h. es können Arbeitsgänge zusammengefaßt, einige ausgelassen, andere wiederum ausführlicher gemacht werden.

 

Nachdem der Befund, d.h. der Nachlaß in ungeordneter Form, ins Archiv gekommen ist, wird zunächst eine Inventarisierung vorgenommen. Die Inventarisierung sichert die ersten Informationen und stellt die Vorstufe zur Ordnung bzw. Feinordnung dar. Dabei bekommt jede Archivale, ohne Trennung nach Materialarten, eine aufsteigende Inventarnummer. Auch wenn die Materialarten nicht grundsätzlich getrennt worden sind, so ist doch als vorbereitende Arbeit eine grobe Vorordnung getroffen worden. Eingetragen werden die Informationen in ein Inventarbuch, dabei muß das Archivale so verzeichnet werden, daß es eindeutig zu identifizieren ist. Diese eindeutige Identifizierung setzt eine Beschreibung voraus, und ist somit eine Vorstufe zur späteren Erschließung. Es sind dabei aber noch nicht alle Informationen erforderlich, wie dies bei einer bibliographischen Beschreibung notwendig ist. Daher kann man die inventarmäßige Beschreibung als Teilmenge der bibliographischen Beschreibung bezeichnen. Weitere wichtige Punkte, die mit in die Phase der Inventarisierung gehören, sind die Feststellung des Erwerbsvorganges, d.h. von wem hat man den Nachlaß bekommen, wann war das, wie sind die Eigentumsverhältnisse etc.

 

Nachdem das Material inventarisiert worden ist, kann mit dem Ordnen des Nachlasses angefangen werden. Es gilt bei der Ordnung des Befundes zunächst folgende Fragen zu beantworten: Was hat sich bei Nachlasser im Laufe seines Lebens angesammelt und was wurde von späteren Besitzern bzw. Erben hinzugefügt? Die Beantwortung dieser Fragen trennen den Nachlaß in den echten und den angereicherten Nachlaßteil. Weitere Fragen, die im Vorfeld geklärt werden können: Was vom Nachlaß betrifft den Nachlasser im engeren Sinne selbst und was betrifft andere Personen und Körperschaften? Jene Stücke, die direkt mit dem Nachlasser zu tun haben, sind seine Arbeiten, seine Korrespondenz und seine Lebensdokumente. Die Materialien zu anderen Personen erhalten einen eigenen Gliederungspunkt innerhalb des echten Nachlasses. Der angereicherte Nachlaßteil spielt im Nachlaß Clement keine Rolle. Weitere Fragen, die sich stellen sind: Gibt es inhaltliche Schwerpunkte? Gibt es zu einer Sache besonders viele Lebensdokumente etc.

Unter anderem durch die Beantwortung dieser Fragen, ergibt sich für den Nachlaß Clement folgende Materialgruppengliederung:

 

1. Arbeiten von Clements Hand

2. Korrespondenzstücke an Clement

3. Lebensdokumente

4. Materialien zu anderen Personen bzw. Körperschaften.

 

Bei den Arbeiten handelt es sich im Nachlaß ausschließlich im Handschriften, die in Umfang und Qualität, sowohl inhaltlich als auch vom Zustand her, sehr unterschiedlich sind.

Zu den Korrespondenzstücken zählen Briefe, Postkarten, Leserzuschriften, Briefentwürfe etc.

Die Lebensdokumente sind in erster Linie private oder öffentliche Zeugnisse. Dazu zählen Urkunden, Ehrungen, Diplome, Ausweise, Dokumente privater Geschäftsführung, Prozeßakten, Rechnungen sowie Dokumente aus einer amtlichen Tätigkeit, z.B. Berufungsvorgänge, Herausgeberschaft einer Zeitung usw. Im allgemeinen tragen diese Informationen zur Biographie des Nachlasses bei.

Die Materialien zu anderen Personen und Körperschaften sind inhaltlich gleich wie die in den ersten drei Punkten, nur können sie nicht dem Nachlasser direkt zugeordnet werden. Diese Materialien können sein: Kryptonnachlässe (d.h. ein Nachlaß im Nachlaß), zugeschickte Manuskripte, Rezensionen zu einem Werk des Nachlassers, Erinnerungsstück an den Nachlassser u.a.

Der anreichernde Nachlaßteil (spielt im Falle des Nachlasses bis zum jetzigen Stand keine Rolle) beinhaltet alle jene Archivale, die dem echten Nachlaß durch spätere Besitzer hinzugefügt worden sind.

 

Nachdem das Gesamtmaterial nach diesen allgemeinen Ordnungsgruppen gegliedert worden ist, können die kleineren Einheiten gebildet werden. Hierbei war es nun wichtig, die Individualität des Nachlasses zu beachten. Diese Abänderung der allgemeinen Ordnung bezog sich vor allem auf die Feinordnung der schriftlichen Arbeiten Clements. Normalerweise werden inhaltliche Gruppen und Untergruppen gebildet, die dann innerhalb der Gruppe chronologisch und dann alphabetisch nach Titeln bzw. Incipit geordnet werden. Dieses Verfahren wäre bei den Manuskripten von Clement wenig sinnvoll gewesen, da viele dieser Manuskripte unvollständig, nicht datiert und auch keinen Titel aufweisen. Ein großer Teil besteht auch nur aus losen Blättern bzw. zusammengebundenen Notizen. Daher sind sie zunächst nach den Kriterien geordnet ob sie vollständig bzw. in sich abgeschlossen, ob sie Vorlagen für später gedruckte Arbeiten sind, oder ob es sich um Fragmente längerer Abhandlungen, Notizen oder auch nur lose Blätter handelt. Innerhalb dieser einzelnen Gruppen wird dann, wenn möglich, eine chronologische und alphabetische Ordnung vorgenommen.

Zu den persönliche Aufzeichnungen zählen Lebensläufe, Gedanken über eigene Bücher, Abschriften von Empfehlungsschreiben etc.

Der Bereich Lebensdokumente ist unterteilt worden in amtliche Dokumente wie Atteste, Gerichtssachen u.ä.

Das Material wird in der Regel chronologisch geordnet. Zusammengehöriges kann in Konvoluten zusammengefaßt werden.

Bei den Korrespondenzstücken handelt es sich durchweg um Briefe an Clement. Diese werden alphabetisch nach Schreibern und im Alphabet der Schreiber chronologisch geordnet.

Materialien, die Clement gesammelt hat und die in irgendeiner Beziehung zu seiner Person stehen, z.B. die Zeugnisse seines Sohnes Edmund, werden in Konvoluten zusammengefaßt.

Bei den Materialien zu anderen Personen bzw. Körperschaften handelt es sich in erster Linie um Briefe, die von oder an eine Person geschrieben sind, und die sich aus irgendeinem Grund in diesem Nachlaß befinden. Diese werden auch alphabetisch nach Schreibern und dann chronologisch geordnet. Sie werden als lose Materialien, d.h. Stücke ohne Sammlungszusammenhang geführt.

 

Nach diesen Modifizierungen des allgemeinen Schemas ergibt sich für den Nachlaß Clement folgendes Feinordnungsschema:

 

 

Gruppierung des Nachlaßmaterials

 

1. Manuskripte

1.1 vollständige bzw. in sich abgeschlossene Arbeiten

1.2 Vorlagen für gedruckte Arbeiten

1.3 Manuskriptfragmente

1.4 Notizen - Lose Blätter

 

2. Persönliche Aufzeichnungen

 

3. Lebensdokumente

3.1 Beglaubigungen - Atteste

3.2 Konvolut zur Gantsache Christian Adam Fries

3.3 Konvolut mit Rechnungen an Clement

 

4. Korrespondenz an Clement

4.1 Briefe von Zeitgenossen

4.2 Briefe von seinen Brüdern aus Amerika (1839-1850)

4.3 Briefe von seiner Amrumer Verwandtschaft (1840-1851)

4.4 Briefe von der Heidelberger Verwandtschaft (1836-1861)

4.5 Briefe verschiedener aus Süddeutschland

4.6 Briefe von Ermin Clement

4.6.1 Briefe an K.J. Clement aus der Zeit zwischen 1856 bis 1862

4.6.2 Brief an einen Freund

4.6.3 Briefe an K.J. Clement aus der Zeit zwischen 1866-1871 aus Amerika.

4.6.4 Brief an seinen Bruder Edmund Clement.

4.6.5 Brief an seinen Bruder Alfred Clement.

4.6.6 Brief an Heinrich Fries.

4.7 Briefe von G. Pfleiderer an K.J. Clement

4.8 Brief von Alfred Clement an K.J. Clement

 

5. Sonstige Sammlungen

 

6. Lose Materialien

 

 

Erschließungsarbeiten

 

 

Auch wenn die vorher beschriebenen Arbeitsgänge schon einen beträchtlichen Teil der Erschließungsarbeiten beinhalten, so reichen diese für den vorliegenden Nachlaß nicht aus. Die verwendete Schrift ist sowohl durch die persönliche Schrift, gerade vom Nachlasser selbst, als auch durch die damals verwandte deutsche Schrift nur sehr schwer zugänglich, so daß ein unmittelbares Lesen nicht möglich ist. Die vorliegende Bearbeitung soll aber gerade auch den Inhalt der Schriftstücke vermitteln, ohne daß der Leser die Nachlaßstücke direkt vor sich hat.

Die Art der Erschließung hängt von der Vorlage ab. So werden von den vollständigen, unveröffentlichten Manuskripten entweder komplette Abschriften angefertigt oder auch genaue Inhaltsangaben. Unvollständige Manuskripte werden inhaltlich beschrieben. Manuskripte, die als Vorlage für später gedruckte Arbeiten dienten, werden nicht weiter erschlossen, sondern es wird auf das Original verwiesen.

Briefe werden in der Regel abgeschrieben und mit Bemerkungen zu Personen und Themen, die darin vorkommen, versehen. Bei einigen häufigen Briefwechsel, z.B. zwischen Edmund Clement und seinem Vater K.J. Clement werden nur stellvertretend einige abgeschrieben.

Ebenfalls abgeschrieben und kommentiert werden die Lebensdokumente (außer Rechnungen), die persönlichen Aufzeichnungen sowie die losen Materialien.

 

Diese Abschriften bzw. Teilabschriften werden in einem Anhang angefügt, auf die im Titelverzeichnis hingewiesen wird.

 

 

Verwendete Literatur

 

 

Alberti, Eduard. 1868. Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1829 bis Mitte 1866. 2. Abtl. Kiel. S. 139-141.

 

Århammar, Nils. 1964. 'Die Amringer Literatur'. In: Amrum- Geschichte und Gestalt einer Insel. Hrg. von M. u. N. Hansen. Itzehoe-Voßkate. S. 146-152.

 

Bremer, Otto. 1887. 'Einleitung zu einer amringisch-föhringschen Sprachlehre'. Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 13. S. 1-32.

 

Haupt, Moritz (Hrsg.). 1851. Zeitschrift für deutsches Alterthum. Bd. 8.

 

Hofmann, Dietrich. 1957. 'Die nordfriesische Lexikographie'. Estrikken, Bd. 19. Grins.

 

Hofmann, Dietrich. [Handschriftenverzeichnis von nordfriesischen Handschriften in verschiedenen Archiven und Bibliotheken]. Handschriftliches Manuskript in der Nordfriesischen Wörterbuchstelle der Christian-Albrechts-Universität, Kiel.

 

Jensen, Johannes. 1961. Nordfriesland in den geistigen und politischen Strömungen des 19. Jahrhunderts. Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Bd.4. Neumünster.

 

Jensen, Johannes. 1964. 'Die Geschichte der Insel Amrum'. In: Amrum - Geschichte und Gestalt einer Insel. Hrg. von M. u. N.Hansen. Itzehoe-Voßkate. S. 55-56, S. 65-73, S. 81-96, S. 97-106.

 

Jensen, Johannes. 1976. 'Knud Jung Bohn Clement'. Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon, Bd. 4.

 

Schmidtke, Thomas. 1995. "Knut Jungbohn Clement in der Zeit des Nationalen Gegensatzes in Schleswig-Holstein", Kiel.

 

 

Titelverzeichnis des (Teil)Nachlasses von Knudt Jungbohn Clement (NLC)

 

 

1. Manuskripte

 

1.1. Vollständige bzw. in sich abgeschlossene Arbeiten.

 

 

1.1.1

 

Dr. B. Clements Reisebericht na de König von Dänemark, über Irland und die Westseelande, geschrieben in der Ins. Man im Octbr. 1837.

 

Die erste Seite fängt an: "Unter allen Völkern der Welt sind die Nordgermanen, d.i. die Frisen, Dänen und Normannen das Hauptvolk." Am Ende der letzten Seite steht: Geschrieb. in der Insel Man im Mon. Octbr. 1837, Dr. K.J. Clement von Amrum in Dänemark.

 

44 Seiten 8°

 

Vgl. Anhang S. 61

 

1.1.2

 

Die schottische Volksmusik

 

Clement beschreibt darin die Schönheit der Volksmusik im Nordwesten von Europa. In dieser Musik wird ausgedrückt, was das Volk denkt und fühlt. Wie die Musik beschaffen ist, ob traurig oder heiter, sei davon abhängig, ob ein Volk oft besetzt und besiegt oder immer frei war. Die Musik ist aber auch immer ein "Strahl der Hoffnung", wie Clement es vor allem in der schottischen Volksmusik vorzufinden glaubt, die er mit ihren klaren Klängen und der reinen Sprache für die lieblichste hält.

 

Dieser Aufsatz ist in dänischer Sprache unter dem Titel "Den Skotske Folkemusik", in 'Söndagen Nr.7 u. 8, 1839, veröffentlicht.

 

2 Seiten 4°

 

Vgl. Anhang S. 61-63

 

1.1.3

 

Unsere Geschichte

 

Für Clement ist Geschichte in erster Linie "die Macht des nordgermanischen Geistes über Rom und das Keltenthum". Die herausragenden Vertreter bei der Zerschlagung des "römischen Adlers", der die anderen Länder in seinen Klauen hielt, waren die Bewohner der dänischen Küste. Nach der Zerschlagung des römischen Reiches "begann eine ganz neue Welt auf den Ruinen der alten, das Leben dieser neuen Welt, welches aufblüht, als der Käfig gefallen ist, das ist unsere Geschichte". Aufgrund dieser Einstellung hält er auch das Werk des dänischen Sagen- und Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus für das geistvollste jener Zeit, "das je ein Volk über seine Vorzeit nachzuweisen kann". Er ist sich dabei bewußt, daß es sich dabei zum größten Teil um Sagengeschichte handelt, die Saxo aus Volksliedern und mündlicher Überlieferung schöpfte, aber gleichwohl den "Stempel der Wahrheit trägt", weil auch der "Grundstoff echter Volkssage immer wahr ist". Neben Saxo Grammaticus hält er die englischen Geschichtsschreiber sowie die irischen Annalen für die wichtigsten historischen Zeugnisse.

 

Der Artikel ist in dänischer Sprache unter dem Titel "Vor Historie" in 'Söndagen' Nr.3, 1839, veröffentlicht.

 

4 Seiten 4°

 

Vgl. Anhang S. 63-65

 

1.1.4

 

Knut der Große bei Assindon in Essex

 

Es ist ein Bericht über die Schlachten zwischen den dänischen Eindringlingen und den englischen Truppen am Anfang des 11. Jahrhunderts, besonders der Schlacht bei Assindon 1016, wo der Däne Knut der Große den Engländer Edmund Ironside vernichtend schlug.

 

Der Aufsatz ist in dänischer Sprache unter dem Titel 'Knudt den Store ved Assinden i Essex', in Söndagen Nr.9, 1839, veröffentlicht.

 

3 Seiten 4°

 

Vgl. Anhang S. 65-68

 

1.1.5

 

A most remarkable ancient tomb discovered in the Island of Ré.

 

Unterschrieben mit: Dr. K.J. Clement of North Friesland.

 

4 Seiten 8°

 

Vgl. Anhang S. 68

 

1.1.6

 

Die See

 

Clement versucht in diesem Artikel die Behauptung zu widerlegen, daß sich um die Pole herum Land befindet und man die Pole deshalb als Kontinente auffassen darf. Der Artikel scheint Teil einer Serie zu sein.

 

4 Seiten 8°

 

Vgl. Anhang S. 69-70

 

1.1.7

 

Adam von Bremen über die Entdeckungsreise der Frisen nach dem Nordpol in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, übersetzt und erörtert von Dr. K.J. Clement.

 

Der erste Teil ist eine Übersetzung der Reise der Friesen nach dem Nordpol, wie sie von Adalbert von Bremen in lateinischer Sprache niedergeschrieben wurde. Im zweiten Teil erläutert Clement diese Schilderung und versucht nachzuweisen, daß es sich bei der Reise nicht um einen Raubzug, sondern um eine Entdeckungsreise gehandelt hat. Diese Arbeit Clements steht in der Verbindung zu seinem Aufsatz "Die See" (vgl. 1.1.6). Durch diese Schilderung aus dem Mittelalter will er nachweisen, daß die Behauptung, die Pole seien Kontinente, falsch ist.

 

8 Seiten 8°

 

1.1.8

 

Of the Sound (by Lord Viscount Molesworth: "An Account of Denmark, as it was in the year 1692" - Lond. 1694 - pag.16).

 

8 Seiten 8°

 

1.1.9

 

Deutsch und Preußisch. Ein historisch-ethnologischer Fingerzeig.

 

Der Aufsatz gliedert sich wie folgt:

 

I Arminius und Marbod. (S. 3-4).

 

II Der Deutsche und der Romane ein neuer Wahlspruch. (S. 4-8).

 

III Preußen. (S. 8-13).

 

IV Deutsch und Preußisch. (S. 13-18).

 

V Deutschland einst und jetzt. (S. 18-23).

 

Aus dem Inhalt geht hervor, daß der Aufsatz 1866 oder später geschrieben wurde.

 

22 Seiten 8°

 

1.1.10

 

England - her Chronicle, her Newspaper Press and her Mother-Country.

 

Auf der ersten Seite befindet sich ein Überblick, danach ist der Artikel in 8 Kap. (Chapter) eingeteilt. In der Abhandlung selbst sind diese Kapitel nicht näher unterschieden. Das benutzte Briefpapier stammt aus Hamburg.

 

19 Seiten 8°

 

1.1.11

 

Ueber die Constitution von England.

 

Enthält:

 

Vorbericht. (S. 1-12).

 

Zur Kenntnis der Constitution Englands - 1. Quellen, 2. Quellensammlungen, 3. Schriftsteller. (S. 12-17).

 

Geschichtliche Einleitung. (S. 18-23).

 

Abriß der Geschichte der engl. Constitution. (S. 24-122).

 

122 Seiten 12°

 

1.1.12

 

Naturschilderungen 2. Der Sturm

 

Es ist ein Gedicht mit fünfzehn Strophen (keine Numerierung) mit jeweils vier Zeilen. Keine Datierung. Aus dem Inhalt des Gedichts läßt sich erkennen, daß die fünfzehnte Strophe nicht die letzte ist. Auch befinden sich in den letzten Strophen noch Fußnotenzeichen, die nicht erklärt werden, wie in den Strophen zuvor, wo Clement vor allem Fachausdrücke der Seefahrt näher erläutert.

 

2 Seiten 8°

 

Vgl. Anhang S. 70-72

 

1.1.13

 

Aufzeichnung verschiedener nordfriesischer Sagen, Erzählungen sowie Notizen zu geschichtlichen Vorkommnissen. Enthält:

 

Die Schnitterin zu Ballum. (S. 1).

 

Das Licht der treuen Schwester auf der Hallig. (S. 1).

 

Reisen und Entdeckungen des berühmten Binnenlandschiffers Brork. (S. 1-2).

 

Die merkwürdige Fahrt zweier Föhrer nach dem Monde. (S.3).

 

Von dem berühmten dänischen Philosophen und Robbenschläger Paul Moders auf der Insel Röm. (S. 3-4).

 

Bericht des Morsumer Pastors Krohn über das Unglücksjahr 1744, als viele nordfriesische Walfangfahrer ertranken. (S. 4).

 

Plündernde Seeräuber auf Silt im 16. Jahrhundert. (S. 5).

 

Tam Tamen von Kampen auf Silt, alias Begler Beg oder Fürst der Wüste. (S. 5-6).

 

Nis Ipsen von Widingharde, alias Admiral de Bombell. (S. 6).

 

Einige Notizen aus der Sylter Vergangenheit. (S. 6).

 

Der Bröddehoog-Mann auf Silt. (S. 7).

 

Die Sage von einem friesischen und einem dänischen Riesen. (S. 8).

 

Die Sage von den Bridfoar-Hügeln auf Silt. (S. 8).

 

Abenteuer einiger Silter Fischer (Aus einer alten Handschrift von Jens Schwennen). (S. 9).

 

Predigerabsezung [sic] auf Föhr. (S. 9-10).

 

Strandvogt und Strandläufer auf der Insel Amrum. (S. 10, unvollst., hier Abruch des Manuskriptes).

 

10 Seiten 8°

 

Vgl. Anhang S. 72-81

 

1.1.14

 

Aufzeichnung des alten Tanzliedes De Rädder trädh äh [?] Bahj ûhn äh Dahns.

 

 

1.2. Vorlagen für gedruckte Arbeiten

 

 

1.2.1

 

Teile der handschriftlichen Vorlage zu Clements Buch Schleswig, das urheimische Land des nicht dänischen Volkes der Angeln und Friesen und Englands Mutterland, wie es war und wie es ward." Hamburg, 1862.

 

Das Manuskript enthält folgende Kapitel (die angegebenen Seitenzahlen geben die entsprechende Stelle im Originaldruck an):

 

Kap. I: Das Schleswigsche Land, wie es war und ward. S. 1-3.

 

Kap. III: Die vergessene Heimat (nicht vollst.) S. 7-38.

 

Kap. IV: Das Herzogthum Schleswig (nicht vollst.) S. 51-53.

 

Fragment S. 55 (Mitte) - 56.

 

Kap. X: Die Ursprache unseres Landes - Anglisch und Friesisch - ihre Identität. Folgende Seiten sind erhalten: S. 62-66 (Mitte); S. 70 (Mitte) - 110; S. 115-123; S. 127 (nur bis zum Wort 'Skiw', und zwar ohne die Eintragungen, die in der Handschrift in Klammern hinter diesem Wort stehen); S. 127-131.

 

Kap. XVI: Forscherblicke in unsere Vorzeit. S. 316-366 (vollst.).

 

1.2.2

 

Fragment eines Manuskripts paginiert S. 9-64 u. 93-104.

 

Enthält folgende Kapitel:

 

II Irlands Oberfläche. (S. 9-16).

 

III Die prägende Hauptstadt Irlands und ihre Nachbarschaften. (S. 17-26).

 

IV Naturschönheit Irlands. (S. 27-35).

 

V Der irische Mensch. (S. 35-60).

 

VI Irisches in Volk und Sprache. (S. 60-64).

 

Das Manuskript setzt sich auf den Seiten 93-94 mit dem Ende eines anderen Kapitels fort.

 

XI Daniel O'Conell. (S. 95-98).

 

XII Im Jahre 1868 - die [.?.] - das Ministerium - das Unterhaus. (S. 99-104, hier Abbruch).

 

1.2.3

 

Friesische (d.h. amringer) Sprichwörter, mit deutscher Übersetzung.

 

Fragment einer längeren Abhandlung. Oben rechts sind die Blätter paginiert von 219 bis 222. Die Sprichwörter sind numeriert von 182 bis 238. Es ist die handschriftliche Vorlage zur späteren Veröffentlichung im Lappenkorb von Gabe Schneider, S. 311 (Mitte) - 238 (Ende). In dieser handschriftlichen Vorlage befindet sich auch noch eine Nr. 239 (von Clement so numeriert, dann aber durchgestrichen): Wat witj a Büür fan Sawweran - Was weiß der Bauer von Safferan.

 

2 Blätter 8°

 

1.2.4

 

Manuskript paginiert von 5-128 (nicht vollständig). Es geht um die Geschichte Ost- und Westfrieslands.

Wahrscheinlich Vorlage für ein später gedrucktes Buch. Auf Seite 101 steht: II Der historische und politische Theil.

 

1.2.5

 

Manuskript paginiert von S. 5-104.

 

Auf Seite 104 wird der Altonaer Merkur vom 17. Dezember 1861 zitiert. Das Manuskript enthält keine Kapitelgliederung oder ähnliches. Es scheint aber nur der Anfang zu fehlen, da auf Seite 104 am Ende steht: "Dies Buch enthält die Antwort." Es geht in diesem Buch um das Verhältnis Dänemarks zu Deutschland und Nordfriesland.

 

1.2.6

 

Manuskriptfragment

 

Inhalt:

 

Urgermanisches Königsthum und urgermanisches Volksthum. Großer Abstand zwischen Ostgermanien und Westgermanien, dem nichtfreien und dem freien Deutschland. (S. 18f).

 

VI Germanien - Deutschland - deren Namen, dessen Ursprung, dessen Grenzen - bisherige Begriffsverwirrung beider. (S. 34f).

 

VII Das Machwerk Ptolemäus. (S. 49f).

 

VIII Die westgermanischen und die ostgermanischen Ortsnamen - ihr tiefer Sinn - ihre geschichtliche Wichtigkeit - ihr großer Unterschied - unsere Heimsuchung.

- Eine Skizze, keine dürre, keine trockne, sondern mit Gedanken und mit Stoff zum Denken. (S. 52f).

 

IX Die westgermanischen und die altgermanischen Flüsse und Berge. (S. 70f).

 

60 Seiten 8°

 

 

1.3. Manuskriptfragmente

 

 

1.3.1

 

Manuskript, pag. 9-20.

 

Die Seiten 9-12 sind das Ende eines bisher noch unbekannten Kapitels.

 

S. 12-16: IV Deutsch und Preußisch.

 

S. 16-20:V Deutschland einst und jetzt.

 

Aus dem Inhalt geht hervor, daß der Text nach 1855 geschrieben worden ist.

 

1.3.2

 

Manuskript über die Geschichte der Griechen und Römer.

 

Genaue Reihenfolge der Seiten ist nicht sicher, da ein Vergleich mit dem (unbekannten) gedruckten Original (noch) nicht möglich war. Datierung: 1831 (mit Siegel).

 

142 Seiten 12°

 

1.3.3

 

Eine von Clement angefertigte Art 'Bibliographische Liste' von wissenschaftlichen Arbeiten verschiedener Autoren.

 

24 Seiten 8°

 

1.3.4

 

Schriftstück auf dessen Deckblatt steht:

 

Dr. K.J.B. Clement of Denmark to Miss Hanna Stewart of Scotland unfergnedly to testify his admiration of her genuine taste and talents' 2. April 1838.

 

Der Titel befindet sich auf der dritten Seite:

 

The New Age of the World

produced and governed by Christianity and the Northern

Nations, the Creators of Universal History.

An

Introduction to the History of the Northern Nations.

Vol.I

from the dark Ages till the Conquest of England by

William of Normandie.

 

by

 

Dr. K.J.B. Clement of Denmark

 

Contents:

Introduction: A general survey. What is History an Universal History? Who is an historian, and who not?

 

Es scheint sich bei diesem Manuskript um eine Stoffsammlung oder Inhaltsangabe einer wissenschaftlichen Arbeit zu handeln. Es gliedert sich zwei Teile (part I and II), die wiederum in verschiedene Kapitel (chapter) mit mehren numerierten Gliederungspunkten unterteilt sind.

 

14 Seiten 8°

 

Vgl. Anhang S. 81-83

 

1.3.5

 

Geschichte der Herzogthümer Schleswig und Holstein von 1660 bis auf die Gegenwart.

 

Unvollständiges Manuskript, das mit der 16. Seite abbricht.

 

16 Seiten 12°

 

Vgl. Anhang S. 83-84

 

1.3.6

 

Volkssagen vom äußersten Nordwestrande Europas (gesammelt an Ort und Stelle von Dr. K.J. Clement).

 

4 Seiten 8°

 

 

1.4. Notizen - Lose Blätter

 

 

1.4.1

 

Einband mit verschieden Notizen und Aufzeichnungen.

 

Die Manuskripte in diesem Paket scheinen später zusammengebunden worden zu sein. Der Umschlag stellt ein Bild mit der Aufschrift "Die Luftfahrt" dar. Das Bild zeigt einen großen Ballon, der über einem Dorf schwebt. Auf dem Umschlag steht 'Edm. Clement 1871'. Edmund ist ein Sohn von K.J. Clement. Die Schriften in diesem Band sind aber eindeutig die von K.J. Clement. Inhalt:

 

An die englische Nation. (S. 1-2).

 

Olynthian speeches by Demost[h]enes. (S. 3).

 

Ostfries. Sprichwörter und Redensarten, aus Stürenbergs Ostfr. Wörterbuch, Aurich 1857. (S. 4-33).

 

The English throwing over board their own native words an substituting or pretering ones. (S. 33-35).

 

The following "North Country" words are taken from John Trotter Brokkelt's Glossare (Newcastle 1825). Most of these words belong to the fresian language, and few among them are of danish origin, though the Danes once have densely settled themselves allover the nothern half of England. (S. 36-64). Clement vergleicht darin englische Wörter mit Dänischen und Friesischen. Es folgen Listen, die aus drei Spalten bestehen: a. Northenglish, b. Fresish (especially Northfresish), c. Danish.

 

72 Seiten 8°

 

1.4.2

 

Das fries. Element in der holländischen Sprache.

 

Es handelt sich um eine Art Notizheft, in dem er holländische Wörter mit anderen Sprachen, u.a. Friesisch, vergleicht.

 

28 Seiten Kleinoktav 8°

 

1.4.3

 

Die Französische Revolution u. Bemerkungen Amrum betreffend.

 

1 Blatt 8°

 

1.4.4

 

Vergleichende Wortlisten Englisch - Friesisch (Amring), u.a. eine Liste der unregelmäßigen Verben. Doppelspaltig beschrieben.

 

12 Seiten 8°

 

1.4.5

 

Die deutsche Schrift- und seine Umgangssprache, das sogenannte Hochdeutsch.

 

Konzept für einen Vortrag. Es handelt sich um eine Anzahl loser Blätter in verschiedener Größe.

 

1.4.6

 

Vokabelliste Englisch - Deutsch - Friesisch (S. 1-11) u. der Aufsatz Bewohner des schleswigschen Landes (S. 13-20).

 

20 Seiten 8°

 

1.4.7

 

Konvolut mit losen Blättern.

 

 

2. Persönliche Aufzeichnungen

 

 

2.1

 

Eine von Clement selbst vorgenomme Kopie eines Briefes vom ihm an den König von Dänemark vom 9. Dezember 1839.

 

Dieser Brief ist sehr schwer zu lesen, da es sich offensichtlich nur um eine "Gedächtnisstütze" handeln sollte. Daher sind fast alle Wörter abgekürzt. Auf der Rückseite befinden sich Notizen in dänischer und deutscher Sprache.

 

2.2

 

Ein kurzer Abriß meines Lebens.

 

Handschriftlicher Lebenslauf von Clement selbst verfaßt. Ob diese Fassung allerdings die Handschrift von ihm ist, kann bisher noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Datiert: Hamburg, 16. Juli 1858.

 

8 Seiten 4°

 

Vgl. Anhang S. 85-87

 

2.3

 

Gedanken zu seinem Buch Die englische Sprache, wie sie ist und war, mitgeteilt in einem Brief an seinen Sohn Edmund Clement in Jena, vom 31. März 1873, West Philadelphia.

 

1 Seite 8°

 

Vgl. Anhang S. 87-88

 

2.4

 

Brief von Heinrich Zoepfl an 'P.M.' v. 28. August 1871, Heidelberg.

 

Oben auf dem Blatt steht 'Abschrift'. Wahrscheinlich hat Zoepfl Clement eine Kopie seines Briefes gemacht. Auf der Rückseite des Blattes befindet sich der Eintrag: Daß umstehende Abschrift wörtlich mit dem Original übereinstimmt, wird hiermit bescheinigt. Hamburg, den 30. August 1871, Königlich Preußische Gesandtschaft. I.A. Sageris [?]. Zoepfl rät dem Adressaten 'P.M.'(?), Clements Arbeit über die "Lex Salica" drucken zu lassen. Wie aus der Nachlaßnummer 2.5 hervorgeht, hat Zoepfl diese Eingabe an die Preußische Regierung im Berlin gesandt.

 

1 Blatt 4°

 

Vgl. Anhang S. 88

 

2.5

 

Einleitung zu einem Vortrag, den Clement ca. 1871 in Amerika vor Freunden Irlands gehalten hat bzw. halten wollte. Die Einleitung ist in Englisch geschrieben und ist eine Vorstellung seiner Person.

 

4 Seiten 4°

 

Vgl. Anhang S. 89-90

 

2.6

 

Schriftstück bestehend aus 2 Blättern (4 Seiten). Auf der ersten Seite oben befinden sich einige Bemerkungen zu weltweiten Wettererscheinungen. Unten auf der Seite die Abschrift einer Rezension (erschienen in der Unterrichtszeitung Beiblatt [?] v. 25 Nov. 1859) seiner Schrift Das große Nordlicht in der Nacht zum 29. August 1859 und die Telegraphenverwirrung in Nordamerika und Europa, Hamburg 1860 [?].

Auf den Seiten 2 bis 4 befinden sich in Doppelspalten lexikalische bzw. etymologische Notizen, die von einem deutschen Stichwort ausgehen (Sage - Pest), und ihre Herleitung aus dem lateinischen beweisen. Außerdem gibt er teilweise auch die friesischen und englischen Entsprechungen an. Scheint Teil einer längeren Abhandlung zu sein.

 

4 Seiten 8°

 

Vgl. Anhang S. 90-91

 

2.7

 

Vorrede zum "Lappenkorb". Datiert: Oktober 1846, Kiel.

 

Die Vorrede befindet sich auf der Rückseite des Briefes von W. Engelmann an K.J. Clement vom 2. Februar 1847 [siehe NCL 4.1.6].

 

Vgl. Anhang S. 91-92

 

2.8.

 

Empfl. Brief v. Mr. James an John Murray, Albermarle Street London. Heidelberg. 3. Octbr. 1845.

 

Es handelt sich um eine von Clement gemachte Abschrift, die sich auf der Rückseite des Briefes von Thiedemann an Clement vom 30. Dezember 1843 befindet [siehe NCL 4.1.37]

 

Vgl. Anhang S. 92

 

 

3. Lebensdokumente

 

3.1. Beglaubigungen - Atteste

 

 

3.1.1

 

Beglaubigungsschreiben von Christian Riese Mechlenburg für Clement vom 21. April 1824.

 

Das Beglaubigungsschreiben hat folgenden Wortlaut:

 

Daß Vorzeiger dieses Knudt Jung Bohn, der sich dem Schulfache gewidmet hat, macht von hier eine Reise nach Blankenese um daselbst als Unterschullehrer angestellt zu werden, bezeuge ich als hiesiger Pastor - C.R. Mechlenburg, Amrum d. 21. Apr. 1824

 

1 Seite (der Text befindet sich auf der Vorderseite unten, Rest ist frei) 4°.

 

3.1.2

 

Kurze Notiz von H. Olshausen an Clement.

 

Die Notiz hat folgenden Wortlaut:

 

Ich bedarf, auf einige Tage wenigstens, der Übersetzung des Korans. Möchten Sie, lieber Herr Clement, dieselbe an die Überbringerin dieses verabfolgen!

 

Freitag Ihr ergebenster

 

H. Olshausen

 

4 Seiten (der Text befindet sich auf der ersten Seite oben) 8°.

 

3.1.3

 

Attest von Hegewisch für meine Frau v. 7. April 1847.

 

Das Attest hat folgenden Wortlaut:

 

Frau Doctorin Clement, geboren in Heidelberg, hat seit ihrem vierjährigen Aufenthalt an unserer Küste Schaden genommen an ihrer Gesundheit. Großentheils ist das veränderte Klima als Ursache zu beschuldigen. Als Arzt darf und muß ich den Wunsch aussprechen, daß dieselbe längere Zeit wiederum in ihrem Neckerthale sich aufhalte. Ich bin gewiß, daß alle ihre Freunde in diesem Wunsch einstimmen und der hohen Hand sehr dankbar sein werden, welche die Ausführung des Plans zu erleichtern gewähren möchte.

 

Kiel d. 7. April 1847 Hegewisch

 

Die Schrift dieses Attestes ist die von Clement. Auf der Rückseite links befindet sich eine Notiz (mit Zeichnung) überschrieben mit: Der merkwürdige Stein in den Domruinen zu Elgin. Auf der Rückseite rechts (ebenfalls mit Zeichnung): Old Wilk Castle 2 engl. [.?.] südlich von Wilk in [.?.].

 

 

3.2 Konvolut zur Gantsache Christian Adam Fries

 

 

3.2.1

 

Rechnung für Frau Luise Clement, geb. Fries. Heidelberg, im Januar 1854.

 

3.2.2

 

Vollmacht in der Gantsache Christian Adam Fries.

 

Es handelt sich um eine Vollmacht, die es einer Person ermöglichen soll, Clements Interessen in der Gantsache Fries am Amtsgericht in Heidelberg zu vertreten. Es ist wahrscheinlich vom Amtsgericht Hamburg ausgestellt und datiert mit: Januar 1858.

 

3.2.3

 

Brief von K.J. Clement An das löbliche Großh. Badische Amtsgericht zu Heidelberg, vom 1. Februar 1858.

 

Es geht um die Gantsache Christian Adam Fries (Schwiegervater von Clement). Clement hat noch Geld, das seine verstorbene Frau Luise von ihrem Vater geerbt hat, von seinem Schwager Heinrich Fries zu bekommen, dessen Auszahlung ihm dieser aber verweigert.

 

Vgl. Anhang S. 92-93

 

3.2.4

 

Brief von K.J. Clement An das löbliche Großh. Badische Amtsgericht zu Heidelberg, 14. März 1858.

 

Clement hält den anberaumten Termin in der Gantsache Fries für zu kurzfristig, da er über die im Vorfeld getroffenen Entscheidungen hinsichtlich eines Vergleichs nicht informiert worden ist und somit auch keine sinnvolle Vertretervollmacht ausstellen könne.

 

Vgl. Anhang S. 94

 

3.2.5

 

Brief des Großherzogl. Badischen Amtsgerichts, Heidelberg, an Clement v. 25. Mai 1858, Heidelberg.

 

Das Gericht teilt Clement mit, daß der Vergleich in der Gantsache Christian Adam Fries rechtskräftig ist.

 

 

3.3 Konvolut mit Rechnungen an K.J. Clement

 

 

4. Korrespondenz

 

4.1. Briefe von Zeitgenossen

 

 

4.1.1

 

Biernatzki an K.J. Clement v. 19. Mai 1861, Sierksdorferfeld b. Neustadt/Holstein.

 

Vgl. Anhang S. 95

 

4.1.2

 

Brief des Bibliographischen Instituts an K.J. Clement v. 11. April 186[?], Hildburghausen.

 

Vgl. Anhang S. 96

 

4.1.3

 

N. Bleicken an K.J. Clement v. 4. Mai 1861, Keitum/Sylt.

 

Vgl. Anhang S. 96

 

4.1.4

 

Chemnitz an K.J. Clement v. 6. April 1864.

 

Vgl. Anhang S. 97

 

4.1.5

 

Mary Dobson an K.J. Clement v. 26. Juni (keine Jahresangabe).

 

4.1.6

 

Wilhelm Engelmann an K.J. Clement v. 2. Februar 1847, Leipzig.

 

Vgl. Anhang S. 97

 

4.1.7

 

Wilhelm Engelmann an K.J. Clement v. 4. Oktober 1847, Leipzig.

 

4.1.8

 

Christian Feddersen an K.J. Clement v. 26. März 1855, Kellinghusen.

 

Vgl. Anhang S. 98

 

4.1.9

 

Marie Fermak an K.J. Clement v. 22. Juni (keine Jahreszahl).

 

4.1.10

 

Firmenich an K.J. Clement v. Dezember 1852.

 

Vgl. Anhang S. 100

 

4.1.11

 

Firmenich an K.J. Clement.

 

Vgl. Anhang S. 100

 

4.1.12

 

Friedrichs an K.J. Clement v. 23. Februar 1862, Schleswig.

 

Vgl. Anhang S. 101

 

4.1.13

 

H. Johs. [?] an K.J. Clement v. 4. April 1857, Kiel.

 

4.1.14

 

A. Hansen an K.J. Clement v. 25. Mai 1861, Petersburg b. Apenrade.

 

Vgl. Anhang S. 101

 

4.1.15

 

A. Hansen an K.J. Clement v. 3. Oktober 1861, Petersburg b. Apenrade.

 

Vgl. Anhang S. 103

 

4.1.16

 

A. Hansen an K.J. Clement v. 3. November 1861, Petersburg b. Apenrade.

 

Vgl. Anhang S. 103

 

4.1.17

 

Caroline Hegewisch an K.J. Clement v. 17. August 1847, Kiel.

 

4.1.18

 

Caroline Hegewisch an K.J. Clement v. 30. September 1847, Kiel.

 

4.1.19

 

Heis an K.J. Clement v. 8. Mai 1860, München.

 

Vgl. Anhang S. 104

 

4.1.20

 

Herrig an K.J. Clement v. 5. Januar 1848, Elberfeld.

 

Vgl. Anhang S. 105

 

4.1.21

 

H. Kroeger an K.J. Clement v. 2. Mai 1865, Hamburg.

 

4.1.22

 

Johannes Mark an K.J. Clement v. 1. Januar 1848, Handschuchsheim.

 

4.1.23

 

C. Martin an K.J. Clement v. 2. März 1845, Mügele b. Oschatz.

 

Vgl. Anhang S. 105

 

4.1.24

 

Ernst Mercks [?] an K.J. Clement v. 14. August 1858, Hamburg.

 

Vgl. Anhang S. 105

 

4.1.25

 

Dr. Meyer an K.J. Clement v. 15. Mai 1861, Hadersleben.

 

Vgl. Anhang S. 106

 

4.1.26

 

Andreas Ludwig Jakob Michelsen an K.J. Clement v. 19. Juni 1861, Jena.

 

Vgl. Anhang S. 107

 

4.1.27

 

Emil Naeck an K.J. Clement v. 17. August 1862, Kiel.

 

4.1.28

 

Moritz Nissen an K.J. Clement v. 29.März 1855, Gammendorf (Fehmarn).

 

Vgl. Anhang S. 108

 

4.1.29

 

A. Petermann an K.J. Clement v. 2. April 1857, Gotha.

 

Vgl. Anhang S. 110

 

4.1.30

 

A. Petermann an K.J. Clement v. 3. Juni 1857, Gotha.

 

Vgl. Anhang S. 110

 

4.1.31

 

Phillmann (?) an K.J. Clement v. 24. Dezember 1862, Altona.

 

4.1.32

 

J.T. Plambeck an K.J. Clement v. 1. Januar 1843, Neumünster.

 

Vgl. Anhang S. 111

 

4.1.33

 

Rumohr an K.J. Clement v. 17. April 1863, Coburg.

 

4.1.34

 

Otto Spielberg an K.J. Clement v. August 1869, Altona.

 

Vgl. Anhang S. 111

 

4.1.35

 

Dr. Steingaß an K.J. Clement v. 30. August 1858, Wien.

 

Vgl. Anhang S. 112

 

4.1.36

 

Strong an K.J. Clement v. 17. März 1853, Hamburg.

 

Vgl. Anhang S. 113

 

4.1.37

 

Thiedemann an K.J. Clement v. 30. Dezember 1843, Eckernförde.

 

Vgl. Anhang S. 113

 

4.1.38

 

Thomsen an K.J. Clement v. 31. März 1862, Oldesloe.

 

4.1.39

 

Türk an K.J. Clement v. 28. September 1852.

 

Vgl. Anhang S. 115

 

4.1.40

 

G. Waitz an K.J. Clement v. 5. Mai 1861, Göttingen.

 

4.1.41

 

I. Wilckens an K.J. Clement v. 14. Juni (keine Jahresangabe), Hamburg.

 

4.1.42

 

Konvolut mit 5 Briefen an Clement, deren Absender bisher noch nicht identifiziert werden konnten.

 

Vgl. Anhang S. 115

 

 

4.2. Briefe von seinen Brüdern aus Amerika (1839-1850).

 

 

4.2.1

 

Olde John Clement und Boi Olde Clement an K.J. Clement v. 21. Dezember 1839, Portland.

 

4.2.2

 

Olde John Clement und Boi Olde Clement an K.J. Clement v. 25. Oktober 1843, Boston.

 

4.2.3

 

Boi Olde Clement an K.J. Clement v. 6. März 1845, Boston.

 

Vgl. Anhang S. 116

 

4.2.4

 

Olde John Clement und Boi Olde Clement an K.J. Clement v. 27. Juni 1846, Boston.

 

4.2.5

 

Olde John Clement an K.J. Clement v. 12. April 1850, Boston.

 

 

4.3. Briefe von seiner Amrumer Verwandtschaft

 

 

4.3.1

 

Kerrin Hansen, Wilhelm Peters und Hans Sponagel an K.J. Clement v. 8. Januar 1840, Amrum.

 

Vgl. Anhang S. 119

 

 

 

4.3.2

 

Kerrin Hansen an K.J. Clement v. 28. Mai 1842, Amrum.

 

Vgl. Anhang S. 120

 

4.3.3

 

Kerrin Hansen an K.J. Clement v. 6. Juli 1851, Amrum.

 

Vgl. Anhang S. 121

 

4.3.4

 

Wilhelm (Wellem) Peters an K.J. Clement v. 4. August 1840, Amrum.

 

Vgl. Anhang S. 121

 

4.3.5

 

Wilhelm (Wellem) Peters an K.J. Clement v. 4. November 1843, Amrum.

 

Vgl. Anhang S. 122

 

4.3.6

 

Wilhelm (Wellem) Peters an K.J. Clement v. 2. Februar 1846, New York.

 

Vgl. Anhang S. 123

 

4.3.7

 

Keike Wellems an K.J. Clement v. 185[?], Amrum.

 

Vgl. Anhang S. 124

 

 

4.4. Briefe von der Heidelberger Verwandtschaft

 

 

4.4.1

 

Hulda Louise Fries an K.J. Clement v. 26. Februar 1841; Erlangen.

 

Vgl. Anhang S. 124

 

4.4.2

 

Konvolut mit drei Briefen von Christian Adam Fries an K.J. Clement aus der Zeit zwischen 1836-1844, Heidelberg.

 

Vgl. Anhang S. 126

 

4.4.3

 

Hermann Fries an K.J. Clement v. 5. Januar 1836, Heidelberg.

 

4.4.4.

 

W. Fries an Clement v. 24. Juni 1859, München.

 

4.4.5

 

Konvolut mit 9 Briefen von der Schwiegermutter Fries an Knudt Jungbohn u. Louise Clement aus den Jahren 1848-1857 aus Heidelberg.

 

4.4.6

 

Konvolut mit 10 Briefen von Robert Fremerey an K.J. Clement aus den Jahren 1852 - 1861, Heidelberg.

 

4.4.7

 

Konvolut mit drei Briefen von Marie Thilo an Clement v. 16. Februar 1856, Halle u. zwei weitere, undatiert.

 

4.4.8

 

Zwei Briefe von S. Nida an K.J. Clement. Ein Brief datiert vom 17. September 1858, der andere undatiert.

 

4.4.9

 

Zwei Briefe (1856, 1857) von Emilia Fremerey an K.J. Clement.

 

4.4.10

 

Konvolut mit 7 Briefen von Wilhelm und Charlotte Kastner an Luise und K.J. Clement aus den Jahren 1843 - 1860.

 

 

4.5 Briefe verschiedener aus Süddeutschland

 

Konvolut mit Briefen verschiedener aus der 'Heidelberger Linie'.

 

 

4.6. Briefe von Ermin Clement

 

 

4.6.1

 

Konvolut mit Briefen von Ermin Clement aus der Zeit von 1856-1862 (vor seiner Auswanderung nach Amerika) an seinen Vater K.J. Clement.

 

4.6.2

 

Ermin Clement an einen Freund, Hamburg 9. Juni 1863.

 

4.6.3

 

Konvolut mit Briefen von Ermin Clement aus Amerika an seinen Vater K.J. Clement aus den Jahren 1866-1871,

 

4.6.4

 

Ermin Clement an seinen Bruder Edmund Clement v. 29. Juni 1863, Hamburg.

 

4.6.5

 

Ermin Clement an seinen Bruder Alfred Clement v. 21. Oktober 1860, Kornthal.

 

4.6.6

 

Ermin Clement an seinen Onkel Heinrich Fries.

 

 

4.7 Briefe von G. Pfleiderer an K.J. Clement

 

Konvolut mit Briefen von G. Pfleiderer an K.J. Clement aus den Jahren v. 1856-1860.

 

 

4.8 Brief von Alfred Clement an K.J. Clement

 

Alfred Clement an seinen Vater K.J. Clement v. 28. April o.J., Bargteheide.

 

 

5. Sonstige Sammlungen

 

 

5.1

 

Konvolut mit monatlichen Zeugnissen des Knaben-Instituts Kornthal für Ermin Clement aus den Jahren 1857-1860.

 

5.2

 

Exemplar des "The Evening Star", Philadelphia, 8. März 1873. Beinhaltet eine kleine Notiz, daß Clement eine neue Arbeit über die Geschichte Irlands im Druck hat.

 

5.3

 

Konvolut mit Material zur Zeitschrift "Ricardo" - Zeitschrift für alles, erscheint täglich mit Ausnahme der 6 ersten Tage der Woche.

 

Enthält:

 

5.3.1: Zusammegebunde Ausgaben der Zeitschrift "Ricardo" (alles handschriftlich). Auf den ersten elf Seiten verschiedene Artikel, wahrscheinlich von der Nr.5 (auf der elften Seite steht das Datum 7. September 1866), S. 12-23 die Ausgabe Nr.6 v. 16. September 1866, S. 23-30 die Ausgabe Nr.7 v. 29. September 1866.

 

30 Seiten 8°.

 

5.3.2: Ausgabe Nr.8 v. Sonnabend d. 29. September 1866. 4°.

 

5.3.3: Ausgabe Nr.10 v. Sonnabend d. 20. Oktober 1866. Enthält die Mitteilung, daß mit dieser Nummer das Erscheinen eingestellt wurde. 4°.

 

5.4

 

Die gedruckten Seiten 49 bis 206 seines Buches Schleswig, das urheimische Land des nicht dänischen Volkes der Angeln und Friesen und Englands Mutterland, wie es war und ward. Hamburg, 1863. 366 Seiten.

 

 

6. Lose Materialien

 

 

6.1

 

Christian Feddersen an Warnsted, v. 4. November 1846, Nordhackstedt.

 

Vgl. Anhang S. 129

 

6.2

 

Hinrich Jappen an Seine Königliche Majestät v. 19. Mai 1826.

 

Vgl. Anhang S. 130

 

6.3

 

Chr.D. Roelofs, Süderende, an Hark Wögens, Boston, v. 2. April 1838.

 

Vgl. Anhang S. 136

 

6.4

 

Chr.D. Roelofs, Süderende, an Hark Wögens, Boston, vom 4. Dezember 1838.

 

Vgl. Anhang S. 137

 

6.5

 

Eingabe Amrumer Bewohner v. 21. Februar 1836 an den Stiftsamtmann v. Sponeck zu Ribe.

 

Vgl. Anhang S. 138

  

 

Anhang: Abschriften bzw. Teilabschriften einzelner Nachlaßstücke

 

 

Die Reihenfolge der Bearbeitungen entspricht dem des Titelverzeichnisses. Oben bei jeder Bearbeitung steht die jeweilige Nachlaßnummer, dann folgt die Art der Bearbeitung und dann der Titel bzw. Titelbeschreibung. Die Originaltitel sind kursiv hervorgehoben. Ebenso kursiv hervorgehoben sind bei den Briefen die Anrede, Datum, Ort etc. im Briefkopf.

Grundsätzlich werden die Texte im Wortlaut abgeschrieben. Absätze und Interpunktion werden beibehalten. Etwaige hinzugefügte Satzzeichen stehen in eckigen Klammern, ebenso Ergänzungen fehlender Satzteile. Unsichere Transkription wird durch [?] gekennzeichnet. Sollte ein Wort nicht zu identifizieren sein, so ist diesem Fragezeichen ein Punkt vor- und nachgestellt, ist eine längere Passage nicht zu identifizieren, so wird dies durch zwei Punkte vor und nach dem Fragezeichen ausgedrückt. Mit fortlaufenden hochgestellten Ziffern wird in den Fußnoten auf sachliche Anmerkungen verwiesen

 

 

1. Manuskripte

 

 

NCL 1.1.1 Abschrift der einleitenden Worte Clements zu seinem Reisebericht an den dänischen König vom Oktober 1837.

 

 

"Unter allen Völkern der Welt sind die Nordgermanen, d.i. die Frisen, Dänen und Normannen das Hauptvolk. Mit ihnen beginnt die Universalgeschichte, und vor ihren Eroberungszügen nach Westen und nach Süden ist keine Universalgeschichte vorhanden. Sie bringen Leben, Streben und Wirken in die Welt und dringen mit ihrem Unternehmungsgeist an die fernsten Enden der Erde, denn ihr Gedanke geht weiter als der Griechische, ihr Schwert ist härter, als das römische und sie sind die Schöpfer der Seefahrt. Kein Land ist so berühmt in der Weltgeschichte, als das, worüber der Dänenkönig sein Zepter streckt, denn kein Volk auf Erden hat soviel Großes gesehen als das dänische, das auf vielen Inseln wohnt. Von dem uralten Dänemark gingen die Gothen aus, die mit dem furchtbaren Atzel [sic] die Römerwelt zertrümmerten, und die Dänen der Küste waren es, die den Kelten am Westrande Europas ein Ende machten, diesen vielen Millionen, die sich nie ausgezeichnet, nie erfunden, nie das Weltmeer befahren haben, also todt für die Geschichte geblieben sind, denn sie sind engherzig und dürren Geistes und vertrauen der Gottheit nicht auf ihren Wegen. Unter allen [.?.] Völkern ist das dänische, das vom Skagerrak [?] bis zur Elbmündung wohnt, das unverdorbenste und daher das kräftigste und fähigste, etwas Großes zu werden. Darum ist das dänische Volk des Ruhmes seiner alten Helden würdig, darum der dänische König, der vom Geschlecht der Frisen stammt, der vornehmste aller Herrscher Europas. Dazu kommt, daß Dänemark das einzige Land in Europa ist, daß nie ein fremdes Joch getragen hat. Kein König der Welt sizt so rechtmäßig auf dem Thron, wie der Dänenkönig.

Was die Dänen noch im 19. Jahrhundert sind, haben die stolzen Engländer in ihrem blühendsten Glück erfahren, als Lord Nelson [.?.] Barber von Kopenhagen holte, da [?] er am [.?.] hielt, und der wie Capt. Hatchinson sagte, der bei Trafalger und bei Copenhagen focht [?] seine schönste war. Da haben die gewalthätigen Engländer erfahren unter Capt. Warron, der vor dem Feuer der Dänen in der Ostsee sich nicht halten konnte und entschlüpfte. Was unsre Vorfahren gewesen [?] sind, davon zeugt der Schrecken der dänischen Macht im ganzen Irland, in allen Westinseln und an allen Küsten von Großbrittanien, davon zeugt der Name, denn man nennt dort überall alle Feinde, die übers Meer kommen, Dänen, denn sie sind das Hauptvolk [?], das bezeugen die vielen Klöster und Thürme in der Grafschaft Wexford, dem Hauptsitz der dänischen Macht in Irland, [...]."

 

 

NCL 1.1.2 Vollständige Abschrift des Artikels "Die schottische Volksmusik".

 

 

Die schottische Volksmusik

 

 

Es ist eine wichtige geschichtliche Entdeckung, daß in der nordwestlichen Ecke des keltischen Europas oder in den keltischen Inselländern, die von den römischen Adlern unzerrissen blieben, eine Musik sich findet, deren Charakter, soweit ich Europa kenne, in Tiefe, in Schönheit unvergleichlich ist. Ihre Grundelemente sind bei allen Völkerschaften der Meereskelten, die durch die nordgermanischen Völkerzüge zur See und durch das dänische Heldenalter von einander getrennt wurden, im Wesentlichen sich gleich, auf den Westinseln und in Schottland, in Irland, Wales und Bretagne. Von den slawischen Völkern blieben meist alle von den Römern unbesiegt, auch die Slawen haben ihre alte heimathliche Musik, der Natur der galischen [sic] ähnlich ist, besonders die Musik der böhmischen Slawen. Ich hörte das echt slowakische zarte Trauerlied "Nitra, mila Nitra" usw. in Ostböhmen auf der Guitarre, und Rhuddlan Marsh auf der vielsaitigen welschen Harfe von einem Blinden in Clwuidthal in North Wales, und die nahe Verwandtschaft der tiefgreifenden beider überraschte mich sehr. Die Musik der genannten Völker ist Volksmusik. Was ein ganzes Volk in seiner Kraft erzeugt, ist immer schön, immer großartig, und stirbt erst mit dem Volke, seinem Organ. Volksmusik ist ein Spiegel des Volkslebens, das Gepräg des Volksgefühls oder seines ästhetischen Sinnes, der Dollmetscher [sic] des moralischen und politischen Zustandes der Völker. Die Stimme [..?..], Volksmusik tönt ewig fort, wie die Harmonie [..?..] dem Ohr des Pytagoras, der Körper zerfällt zu Staub, das Leben endet nimmer. Nur wenigen unter der Sonne vergönnt der Geist, der über den Sternen waltet, das auszusprechen, was ein ganzes Volk fühlt, denkt, thut und leidet. Die Wirksamkeit eines solchen aber ist dauernd, wie die Nationalität der Völker, darum wird Shakespeare auf dem englischen Theater leben, so lange England das Festland verachtet, und Robert Burns bewundert sein, so lange Auld Scotland währt. Der künstliche Mensch des civilisirten Europas gefällt sich in Giererei, Gepräng und Pomp, und die Musiker der verfeinerten Menschheit ergözen den am meisten, der von Volksmusik am wenigsten fühlen kann, der Kern unsres Lebens wird wertlos in der Mitte der großen Welt. Das künstliche Tongebräu der neuen Zeit ist so verschieden von Volksmusik, wie Schmuck von natürlicher Schönheit, und so wie der Gesammtwille eines Volkes dessen politische Geschichte ist, so auch ist das Gesammturtheil eines Urvolkes über das Schöne untrüglich. Rhuddlan Marsh entstand, als die blutige Schlacht am Clwuid geschlagen war, die das Reich von North Wales erschütterte, alle Welschen fühlten das politische Leid, das über ihr Vaterland kam, darum gehen die Töne in Rhuddlan Marsh durch Mark und Bein. Wir fühlen unsern Schmerz tiefer als unsre Freude, das Grundelement unsrer Seele ist Trauer. Kein Land hat sein politisches Elend so tief gefühlt, wie Irland, darum löst sich die irische Volksmusik in Wehmuth auf. In der Musik der schottischen Festlande, deren Grundton Trauer ist, geht dennoch ein Strahl der Hoffnung durch jeden Volksgesang, am tiefsten fühlt der Schotte das Lied seines Vaterlandes auf Floddenfield, wo alle Blumen des Waldes starben (the Flowers of the Forest), doch als Robert Burns das Mädchen von Arran, seine erste unsterbliche Liebe betrauerte, da konnte er nur in Irland einen Ton finden für das [.?.] glückliche Lied Highland Marg. - Was die schottische Volksmusik angeht, die lieblichste unter den Meereskelten, die so süß tönt auf den starren Felsen der Inselgaben [?], wie die Trauerlieder von Selma, will ich hier einige Bemerkungen mittheilen, die in Büchern nicht leicht zu finden sind.

Wenn man die hochgewirkte Musik andrer Völker erwägt, die, für eine Menge von Stimmen eingerichtet, mit all der Pracht einer vollen orchestrischen Begleitung die Einbildung auf ihrem mächtigen Flügel trägt, und nun [?] die Ebne scheuert, die Wildniß hegt, durch Wälder und Wüsten fliegt, über Berg und Thal steigt, die Einsamkeit der [.?.] Schlucht beäugelt, vom Dunkel zum Licht steigt, und aus einem Chaos von Verwirrung die wohlgeordnete Schöpfung erforschet [?], vor Allem aber mit einer durchbohrenden Kraft ihre Hallelujahs zu den Himmeln selbst erhebt, in diesem Sinn des Wortes muß man aufrichtig gestehen, gibt es keine schottische Musik. Nichts desto weniger können die Schotten auf ihre schottische Musik stolz sein, die schön in ihrer Einfachheit, und die reine Sprache der Natur ist, denn da findet sie genug zur Aufregung ihres tiefsten Gefühls. Wild und romantisch, warm und begeistert, in einem Anfall von Eifersucht ungestüm wie das zornige Meer, dann, wie durch einen Strahl himmlischen Lichtes, schmilzt sie herab zu ruhiger Verzichtleistung wahrer Weisheit. Auch kann sie lächeln, wenn treue Liebende sich begegnen, eine zarte Abschiedszähre weinen, um einen Freund in weiter Ferne seufzen, und ein leztes Lebewohl sagen mit ernstem Ton. Sie kleidet ihr Gemälde nicht in ein prächtiges Gewand, noch in reiche Farben, sondern in Fleisch und Blut, legt ein wirkliches Herz hinein, und eine lebendige Seele, verschmäht den Zierrath einer feinen Begleitung, und scheint das schottische Motto zu führen: "Wha dar meddle wi' me", während sie aller musikalischen Wissenschaft Troz leut [?], sie verlangt gesungen zu werden mit großem Gefühl, und ist am besten bei weniger oder keiner Begleitung.

Wie einfach auch die Melodie der schottischen Niederlande ist, so [.?.] die Hochländer eine Musik, die noch einfacher und wild ist, wie ihre heimathlichen Berge, das Haupt eines jeden Klans hat seinen Marsch, Pibrough und Klagelied, deren jede Gesangsweise ihre eigne eigenthümliche Geschichte hat. Es zündet eine Flamme in dem Herzen des hochländischen Veteranen, einen wohlbekannten Lieblingsmarsch auf der Bagpipe zu hören, sein Blut wird heiß in seinen Adern, während der Ton lauter und lauter, schneller und schneller wird, als verkündige er die Ankunft des Feindes, bis er endlich durch die unwiderstehliche Gewalt des musikalischen Magnetismus sein Schwert zieht für Scotland's Lord, und seine Schlachten wieder abfechten möchte. Aber der Pfeifer ändert den Ton vom Marsch zum Pibrough, was auch ein Marsch ist, aber zarter und voller, und ganz geeignet, den Geist des Kriegers zu entfesseln, der von Schlachtgetümmel müde ist. Dem Pibrough folgt das Klagelied oder der Todtengesang (funeral dirge), zu Ehren der dahingeschiedenen Freunde.

Die irische Musik ist wohl leichter und anmuthiger, es ist aber augenscheinlich größere Kraft des Charakters in der schottischen, und diese macht einen tieferen und dauernderen Eindruck. Die Musik der Westinseln ist die vortrefflichste innerhalb der keltischen Welt, und nirgends ist das Gefühl so leidenschaftlich und die Trauer so wild, nirgends die Liebe so stürmisch, als in den Liedern von Long Island (Long Island Airs), es ist etwas Unaussprechliches in diesen Liedern. Man hört das Meer im Sturm brausen, und wird des Brausens nimmer satt, es ist unbekannt was in diesem Brausen ergözt. Nochtausendmal lieber hört man ein galisches Lied aus North Uist im Angesicht von Kilda, und möchte es hören ewiglich, und die Liebe zu diesen Liedern wächst, je öfter man sie hört. Ihre Natur ist tiefer als das Weltmeer und ihre Leidenschaft so wild, wie das Weltmeer, das um die fernen Inseln wallt.

Alles was wirklich schön und erhaben in der Musik ist, ist der Ausdruck der Melancholie. Ich will nicht sagen, daß sie Theil nimmt an unsrer gefallenen [?] Natur, aber sie scheint mit ihr zu sympathisieren, einem himmlischen Wesen gleich, das alle unsre Kummer kennt. Sie reicht uns freundlich einen heilenden Balsam dar, und versucht mit linderndem Reiz den Stachel herauszuziehen, den der Sündenfall in unserm Leben ließ.

 

Dr. B. Clement

 

 

NCL 1.1.3 Vollständige Abschrift des Artikels "Unsere Geschichte".

 

 

Unsre Geschichte

 

 

Geschichte überhaupt ist das vielartige Leben der Völker in seinem Werden, Wachsen, Blühen, Welken und Sterben. Unsre Geschichte ist der Kampf mit der Welt, die Macht des Geistes über die Materie, die Macht des nordgermanischen Geistes über Rom und Keltenthum, sie ist das protestantische Leben der Nordgermanen auf den Inseln im tiefen Meer, die im ewigen Kampf mit Kelten und Slawen sind, ihren dunkeln Feinden, wie das Meer selbst mit dem Festland, sie ist der schaffende Geist, der über die kalten Wogen wandelt von Rußland bis nach England, von Irland nach Nordamerika, von Hudson's Bay nach Sidney, und von Grönland nach China. Die große Bestimmung unres Geschlechts in der Weltgeschichte war die Zerstörung der alten Welt, die ein Adler in seinen Klauen trug, das ist die römische Welt mit der keltischen Menschheit, die Welt der Knechtschaft und Barberei, die von zwei Waldmenschen ausging, deren Muttermilch die Milch einer Wölfin war. Diese Welt war ein Status (status), worin das Leben still stand wie eine Säule, sie war der große eiserne Vorhang der Völker. Die große Bestimmung unsres Geschlechts war, diesen Käfig aufzurütteln, die Feinde aus Norden kamen und rüttelten mächtiglich, er stürzte am Morgen der Universalgeschichte, und sein schreckliches Rauschen ward gehört von den schottischen Hochlanden bis nach Jerusalem. Da begann eine ganz neue Welt auf den Ruinen der alten, das Leben dieser neuen Welt, welches aufblüht, als der Käfig gefallen ist, das ist unsre Geschichte. Die Hauptgründer einer neuen Welt gingen von Dänemarks Küsten aus. Die Gothen zogen von dem dänischen Schweden und Rügen nach den Gegenden des schwarzen Meeres, und die Frisen und Angeln von der dänischen Westküste nach Brittenland, durch diese beiden Völkerzüge war es hauptsächlich, daß das kaiserliche Rom fiel. Die Franken von Ostfrisland und der Elbmündung begnügten sich mit dem Lande der Gothen des Festlandes, die Saxen von Holstein und Hannover breiteten sich nur aus nach Westen hin über das römische Frisland, und südöstlich hinauf an der Grenze der Slawen. Ihr Zug nach Brittenland war erst einige 70 Jahr nach der Gründung Englands, ihr Reich in Brittenland, das nachherige Westsaxenreich, ging von Kent bis Cornwall, das ist der schlechteste Streich von England. Was die Normänner in Grönland und Wieland (Vieland) gethan haben, ist für unsre Geschichte weniger bedeutend, denn es sind nur die abgebrochenen Thaten Einzelner, die wenig Einfluß auf die Geschichte der neuen Welt hatten. Auch das Leben auf dem neugegründeten Irland zur Zeit des dänischen Heldenalters hat für Dänemarks Geschichte nicht die Wichtigkeit, die man ihm beilegt. Von Allem, was die Irländer geschrieben, ist Snorre das brauchbarste Werk für den, der Dänemarks Geschichte schreiben soll. Die ganze Sammlung von nordischen Sagas, sammt der weitberühmten [sic] Edda, haben für mich bei weitem die Bedeutung nicht, die der dänische Sagen- und Geschichtsschreiber Saxo (Saxo Grammaticus) hat. Saxo Grammaticus ist für jeden, der ihn nicht tief studirt hat, für jeden, der nicht die Reise durch die nordgermanische Welt gemacht hat, ein Chaos, ein wüstes unendliches Meer, seine Geschichte von Dänemark ist aber dennoch eins der geistvollsten Werke, die je ein Volk über seine Vorzeit nachweisen kann. Der eigentliche Kern unsrer Geschichte ist im Auslande, an allen Küsten von Großbrittanien und Irland, und grade hier lernt der Däne den Saxo Grammaticus begreifen, doch nicht bei einem flüchtigen Blick in dieses meisterhafte Werk, noch bei einem flüchtigen Aufenthalt im ferneren Westen. Der größte Theil von Saxo's Geschichte der dänischen Heldenzeit ist Sagengeschichte, die er aus Volksliedern und aus der mündlichen Ueberlieferung schöpfte (fertur [?], sunt gie [?] asserant u.s.w.). Es fruchtet wenig, einem Ungläubigen die Wahrheit einer Sache zu beweisen, ich für meine Person sage nur, daß Saxo's großartiges Werk über die Geschichte der heidnischen Zeit Dänemarks oder des dänischen Heldenzeitalters den Stempel der Wahrheit in sich trägt, ich bürge nicht für jede einzelne Thatsache, die erzählt ist, sondern glaube fest, daß der Kern des Werkes geschichtlich, also wahr ist. Der Grundstoff echter Volkssage ist immer wahr, die echte Volkssage ist lebendig, die Annalen der Mönche aber immer todt, sie sind die lieblos gemachte Materie, die nur unter der Macht eines einzelnen Geistes ein geschichtliches Leben wieder erhalten kann. Ich habe nicht den geringsten Zweifel an die Königsreihe [sic] in Saxo's Werk, nicht an Trotho's [?] (Tröd) Existenz, nicht an die Eroberung der dänischen Seehelden von Curland nach Connaught, ebenso wenig, als ich die wirkliche Existenz von Beowulf bezweifle, der über die Meereswogen ging gegen den grimmigen Geist Grendel, der Alleinwandler in Ruinen, der die dänischen Helden in der Halle Heort schreckte, den alten Burgtrümmern von Hartlepool. Der Geist des Kleinigkeitskrämers bekrittelt Einzelheiten in dem wundervollen Werk Saxo's, das Ganze ist schwer für seine Fassung, die Geschichte will nicht nur studirt sein, sondern auch erfahren werden. Wer nie den sogenannten Piraten nachgefolgt ist von Curland bis Butt of Lewis, und von Barra Head nach Donegal und Bantry, den zürne ich nicht, wenn er Saxo nicht begreifen kann. Außer Saxo sind die englischen Geschichtsschreiber alter Zeit und die höchstwichtigen irischen Annalen (die Annalen von Ul, die Annalen der vier Meister, die Annalen von Inis [?] Fallen u.s.w.) die Hauptwerke über dänische Geschichte. Unsre Geschichte ist die Zerstörung Roms, die Zersplitterung der römisch-keltischen Menschheit, die europäische Sprachverwirrung, das Leben auf den Trümmern der Keltenwelt nach den Völkerwanderungen zur See und Land, unsre Geschichte ist die glänzende Erfindung des Seeschiffs mit allen ihren Folgen, die Seefahrt auf dem Weltmeer und der Welthandel, ferner alle Häfen vom fernen Erin mit der Haupstadt Dublin, die Nordhälfte Englands mit den Quellen unermeßlichen Reichthums, die ungeheuren Erdwerke von Downpatrick bis nach Rügen, wie das lebendige Gepräg des nordgermanischen Menschen von Litthauen bis zur irischen Insel Arran, kurz der schaffende Geist von Nordeuropa im Kampf mit dem vernichtenden Römer, der nordgermanische Protestantism gegenüber der papistischen Keltenwelt. Ich will es mit einem Wort sagen:

Unsre Geschichte ist de Danskes vei til Roes [?] og Magt sortladne Hav.

 

Dr. B. Clement

 

 

NCL 1.1.4 Vollständige Abschrift des Artikels "Knut der Große bei Assindon in Essex.

 

 

Knut der Große bei Assindon in Essex

 

 

Das Land zwischen der Thames and the Washes, der östliche Theil von England, mit den drei Landschaften Norfolk, Suffolk und Essex, ist eins der merwürdigsten Länder des Auslandes, für die Geschichte Geschichte Dänemarks. Es ward im fünften Jahrhundert, fast zu gleicher Zeit mit Kent, der berühmtesten Provinz Englands, gegründet, von den Helden unsrer Küste, alles Keltische und Römische ward hier mit der tiefsten Wurzel vertilgt, und noch bis auf diesen Tag ist die Bevölkerung die unvermischteste in ganz England, die Menschen haben eine sehr angenehme Gesichtsbildung, sind hellhaarig, blauäugig, von heller und frischer Hautfarbe, sind reinlich, betriebsam, offen und ehrlich, und haben mit den Nordfrisen auffallende Aehnlichkeit. Um die Zeit als Ragnar Lodbrok mit seinen Söhnen alle Küsten von Europa erschreckte, von Ruszland [sic] nach Irland, und von Irland bis nach Rom, als selbst Pippin des Kleinen Sohn, der Gebieter des ganzen Kontinents, Karl der Große, vor Gottrik und Ragnar Lodbrok, zwei Königen des kleinen Dänemarks zitterte und in die Flucht gejagt ward, als, nachdem der ungeheure Seeheld Ragnar Lodbrok im Jahre 831 die Hauptstadt Irlands Dublin erobert und den irischen König Maelbright, wie die Annalen von Ul melden*, sammt seinem Bruder Cannan (*Jeeredh Conaille do gentibh con airgabadh Maelbrighti airi ocus Cannan an a brathair ocus con rugta illonga, das ist: Verwüstung Conallias durch die Heiden, die den Monarchen Maelbric und seinen Bruder Cannan gefangen nahmen, und mit sich zur Flotte führten) gefangen hinweg geführt hatte, kein Fluß von Irland, Schottland und England, kein Fluß von Deutschland, Frankreich und Spanien vor den dänischen Wogenreitern mehr sicher war, als alle Inseln der Ostsee und des Nordmeeres, alle Seehäfen von Irland, alle Küsten von Nordschottland von den Dänen erobert wurden, als ganz Irland und ganz Frankreich von den Dänen verwüstet ward, da war natürlich selbst der Osten von England gegen solche Helden zu ohnmächtig, und schon zu den Zeiten des schwachen Königs Alfred regierte ein Däne Namens Gorm als unabhängiger König über Norfolk, Suffolk und Essex. - Wenn einer von unserm Vaterlande, nach Sitte der feinen Welt, zum Vergnügen nach London, der Hauptstadt der ganzen Erde, reisen will, der halte sich lange in London auf, und will er dann noch weiter zum Vergnügen, so nehme er seinen Weg über Oxford, Gloucester, Worcester und Salop nach dem reizenden North Wales und Anglesey, sollte sich aber hie und da in unserm Lande einer finden, der mehr Liebe zu dem Heldenlande Dänemark hat, als zu den feinen Sitten des Auslands, dem will ich von London aus eine Reiseroute geben, die er nicht in Büchern finden kann, natürlich mit Rücksicht auf das alte Ostangeln. Die Geschichte dieses Landes aber muß er erst studirt haben, ehe er seine Reise unternimmt, und diese Reise muß zu Fuß sein, nicht zu Wagen, denn zu Wagen lernt man nichts. Von London also geht er über Brentford in Middlesex, Hertford, Stevenage und Baldock in Hertfordshire, Rogston und Cambridge nach Burg St. Edmunds in Suffolk, dann nach Thetford, Lynn und Burnham in Norfolk. Auf dem ganzen Wege folgen ihm die Erinnerungen aus der dänischen Heldenzeit. Von Burnham, wo die Römer sich am längsten hielten, nach Wells ragt vom Wege rechts ein Kirchthurm eines Landdorfs aus einem Thal hervor. Das ist das merkwürdige Dorf Burnhamthorp, wo der gewaltige Seeheld Nelson geboren ward, dessen Name wenigstens, der in Norfolk Nilsen gesprochen wird, von dänischer Abkunft ist. Eine wohlgelungene Wachsbüste dieses verwegenen Seemannes steht mitten unter den Büsten hochgeborner Damen im Westminster Abbey, seine Gesichtsbildung ist echt dänisch, seine Züge sind voll von Ernst und unbeugsamen Charakters, sein Auge ist scharf, sein Wuchs klein, sein übriges Aussehen nichtssagend. Merkwürdig, daß dieser Mann von Norfolk von Jugend auf einen Grimm gegen die Dänen in sich trug. Er kochte vor Haß, als er 1801 den Hafen von Yarmouth verließ, wo dicht an der See, am linken Ufer der Yare, sein hohes steinernes Denkmal ragt. Von Well's geht's dann über Fakenham nach Norwich und Caistor, und von hier über Yarmouth die Waveney hinauf, durch Bungay und Harleston nach Hoxne, Framlingham, Ipswich, Hadleigh und Colchester, von Colchester aber über Maldon und Danburg (das heißt Dänenstadt) nach Raleigh und Ashdon in Essex. Raleigh ist ein kleines Städtchen etwa 35 englische Meilen östlich von London, seine Lage auf einem hohen Landrücken ist von Norden her reizend, es hat ein großes Wirthshaus, das von außen einladend, von innen aber armselig ist. Hart an dem Westende des Städtchens steht die Erdburg, die Sven Tjugeskeg, König von Dänemark, Südnorwegen und England aufwerfen ließ. Ein tiefer und breiter Graben geht um die runde Burg herum, und weiter nach außen sind noch die Spuren eines zweiten Grabens und Walles vorhanden. Etwa 2 englische Meilen östlich von Raleigh, links ab vom Wege, der von Raleigh nach Rochford geht, ist die merkwürdige Ebene von Assindon, wo die Vernichtungsschlacht zwischen Edmund Ironside und Knut dem Großen vorfiel, die lezte schrecklichblutige Schlacht, wo Swen's Sohn durch den gewaltigen Jarl Thorkill die glänzende Krone errang. - Im Jahre 1015 landeten Knut und Thorkill mit einer mächtigen Flotte bei Sandwich, segelten um Südengland nach der Fromemündung und durchzogen Dorset, Somerset und Wilt mit greulicher Verwüstung, König Ethelred aber lag krank zu Cosham. Edmund Ironside und Edrik Streon rückten nun zu Felde gegen Knut. Da wollte Edrik den jungen Edmund verrathen, aber Edmund zog sich behuthsam zurück. Die Schlacht unterblieb, und Edrik Streon, der Verräther, ging mit seinen Truppen zu den Dänen über, auch die Westsaxen ergaben sich in Knuts Gewalt, und stellten Geiseln. Im Jahr darauf, 1016, segelte Knut mit seiner Flotte, die aus 160 Schiffen bestand, nach der Thames, landete sein Heer, und machte im Verein mit Edrik einen Streifzug über Cricklade durch Derk [od. Berk?], und verheerte die Provinz jämmerlich. König Ethelred verließ zwar die Hauptstadt um Knut eine Schlacht zu liefern, ward aber von seinen eigenen Soldaten gewarnt, die ihn, wie es hieß, verrathen wollten, und kehrte schnell nach London zurück. Edmund Ironside war unterdeß nach Northumberland gegangen und hatte sich mit dem Fürsten Ucthred verbunden, sie plünderten weit und breit in den Landschaften Salop, Stafford, Leicester und Hentingdon, desgleichen die Marschen (paludes) bis nach Stamford, und die Jarlthümer Lincoln und Nottingham, theilten dann die Beute unter sich, Ucthred ging nach Northumberland zurück, Edmund nach London. Ucthred ward hernach gezwungen, sich mit ganz Northumberland an Knut zu ergeben, stellte Geiseln, und ward bald darauf ermordet, Knut aber gab Northumberland an Hirk und kehrte noch vor Ostern zu seiner Flotte zurück. König Ethelred starb nach einem mühevollen Leben am 22. April 1016. - Knut ward von den Bischöfen, Aebten und einem Theil des Adels zu Southampton zum König ausgerufen, und die Thore von London ihm geöffnet. Königin Emma, die Perle der Normandie, ging nach Winton, auch Edmund mit einem Theil der Londoner Truppen verließ bei Nacht vor dem Einzug des Dänenkönigs die Hauptstadt, und sammelte ein ungeheures Heer. Doch Knut mußte London wieder verlassen, weil die Treue der Bürger im verdächtig ward, und als um dieselbe Zeit Edmund in Westsaxen einfiel, und ganz Westsaxen eroberte, griff die dänische Flotte von Greenwich vergebens London an, dessen Einwohner sich tapfer und erfolgreich widersezten. Knut mußte abziehen, und rückte nun gegen Edmund aus, ward aber bei Gillingham in Dorset geschlagen. Bald darauf lieferte Edmund den Dänen die fürchterliche Schlacht bei Scorstan, wo am Abend des ersten Tages beide Heere ganz erschöpft zu streiten aufhörten, ohne daß der Sieg entschieden war. Doch am folgenden Tage behaupteten durch Thorkills Muth und Tapferkeit die Dänen nach einer großen Niederlage dennoch das Feld gegen das viel zahlreichere englische Heer. Knut aber konnte London nicht nehmen und mußte zu seiner Flotte zurück, Edmund verfolgte ihn und zog in London ein. Nach 2 Tagen verließ er London wieder und siegte über die Dänen bei Brentford am nördlichen Thamesufer unweit London in Middlesex. Darauf schloß Knut London zu Wasser und zu Lande ein, aber vergebens, ging dann nach Kent und durchzog das Land mit arger Verwüstung. Edmund aber sezte nach, besiegte das dänische Heer bei Oxford, und zwang es sich nach Shepey zurückzuziehen. Die Flotte war immer der sichre Zufluchtsort der Dänen, aber ohne Flotte hätte Knut den unbändigen Prinzen Edmund nie besiegt. Während dieser jezt in Westsaxen war, sezte Knut über die Thames und machte einen Streifzug in den Marken (Mercia), traf aber auf seiner Rückkehr zur Flotte, den Feind bei Assindon in Essex. Das war die lezte Schlacht, die Knut mit Edmund focht, aber auch die längstdauernde und am meisten mörderische. Ein hoher Landrücken zieht sich hier von Westen nach Osten hin, und die Ebene, die 2 engl. Meilen östlich von Raleigh an die Südseite dieses Landrückens grenzt, wo das Haus eines Landwirths (farm) einsam zwischen umzäunten fruchtbaren Aeckern liegt, oberhalb dieses Landguts aber ein großer Todtenhügel hoch aus den Höhen ragt, den man weit von Ferne sehen kann, das ist die Ebene von Assindon, wo Knut der Große König von England ward. Das ist 37 englische Meilen ostwärts von London. Als die Heere einander gewahr wurden, wurden beide von ungewöhnlicher Wuth ergriffen. Das Banner des Dänischen war ein Rabe, und der Anführer der dänischen Kavellerie war der gewaltige Thorkill, den nicht allein Knut im Geheimen fürchtete, sondern sogar der übermächtige Swen. Die Schlacht begann um 9 Uhr Morgens und dauerte den ganzen Tag, beide Heere waren unbesiegbar, und die Dänen fochten heftiger als je, denn es galt ihre ganze Existenz in England. Hier zeigten sich die 3 Helden Knut, Edmund und Thorkill in ihrer größten Tapferkeit. Hier war es, wo Edmund mit unerhörter Verwegenheit zu Pferde mitten in die königliche Flanke stürzte, um den Usurpator zu vernichten, von allen Seiten den Säbeln und Streitäxten der Dänen ausgesezt. Der Kampf bei Assindon war so hartnäckig, daß selbst die hereinbrechende Nacht kein Ende machte, im Osten ging der Mond auf und schien hell in die Ebene hinein, wo die Todten lagen, wo die blutigen Schwerter klirrten und die schrecklichen Helden mitten unter Leichenhaufen um die köstliche Krone von England stritten. Endlich ward das englische Heer ganz ermattet, und die Truppen zogen sich einzeln nach und nach zurück, und zulezt flohen sie alle. Die Dänen sezten nach, aber nicht weit, aus Unbekannschaft [?] mit der Gegend bei Nachtzeit. Was vom dänischen Heer übrig war, blieb den übrigen Theil der Nacht auf dem Schlachtfeld unter ihren todten Landsleuten. Am Morgen sahen sie erst, daß viele von ihnen gefallen waren. Sie wurden begraben oben auf den Höhen in dem großen Todtenhügel bei Assindon, den man weit von Ferne sieht. Ich stand in der Abenddämmerung, als die Sonne schon lange unter war, auf diesem Hügel von Assindon, wo die Todten ruhen, die für Swen's glorreichen Sohn um England stritten, es war still umher wie bei Mondlicht in der Mitternacht. Wenn die Helden sterben, lebt ihr Name fort, so lange der Mond auf diesen Hügel herunterscheint, und auf das einsame Haus in der Ebene, wird man von den Helden reden, die für Knut den Großen um Englands Krone stritten, hier auf dem großen Schlachtfeld bei Assindon.

 

Dr. B. Clement

 

 

NCL 1.1.5 Teilabschrift seines Aufsatzes "A most remarkable ancient tomb discovered in the Island of Rè.

 

 

A most remarkable ancient tomb discovered in the Island of Rè.

 

 

If knowledge is power, comparing is knowing. [.?.] antiquarians ought to have seen and inspected a good number of graves or tumuli of heathen ages in different parts of the globe, before they ventured to state rather to confidently and positively, to which nation some grave or other belongs, which happens to be dicovered. In Great Britain, the remains of olden times, not considered to be Roman, must pass for druidical whereas to the French such ancient things as cannot be called Roman seem to be celtique or gaulois. Even that very curious tomb lately found in an isle close to the western share of France, opposite the town of La Rochelle, is ignorantly supposed to be of celtic or gallic construction, a supposition, which how erroneous so ever it may be, some tools, socalled sacrificial stones, but really implements of war or hand-weapons, as French antiquarians, not very well versed in such like matters, dare to argue, appear to justify.

A letter from La Flotte (Charente Inférieuere) addressed to the editor of the "Union Bretonne", states that on the 26th of May 1853 on a spot where a road was being repaired in the parish of Bois in the Island of Ré, s.w. from the place, an ancient tomb has been dicovered, containing human bones, together with some pots or urns, being entire as well as broken. This sepulchre consisted of a circulair bole or cavity measuring 3 mètres (about 10 feet) in diameter an 1 7/10 mètres (nearly 5 1/2 feet) in depth, and a vast stone covering the whole, called in French roche coquifière, which species of stone is not to be found in that quarter. In this sepuchral hole the workmen found a great number of human bones, viz [sic] many bones of the trunk and one of the inner and outer extremities, but (rather strange) very few of the head, besides these some urns of of burnt clay, being in a perfect state of preservation, together with several sherds of other pots, and 3 instruments of flint, beautifully polished and shaped like an ax, one of which being 17 centimètres (something better than 6 inches) in length, on both ends sharp edged, of a fine white colour and apperently varnished; the other of the same shape, 60 centimètres long, of a darkish grey colour and of a very hard species of granit, on one end being sharp an on the other rounded. In those urns which had remained entire, nothing was found but a small portion of ashes. These pots are made of red earth, course & without polish.

The above desirehed [?] circular tomb is by no means either a Celtic or a Roman sepulchre. Its circulair shape points the searching and thinking mind towards the North, [...].

 

 

 

 

 

 

 

NCL 1.1.6 Vollständige Abschrift des Artikels "Die See".

 

 

Die See

 

Von Dr. K.J. Clement

 

(Fortsezung)

 

Nach sehr unsicherer Muthmaßung ist die Lehre allgemein geworden, daß die See ungefehr 3/4 der Oberfläche der Welt bedeckt. Welt in ihrer alten Bedeutung Wereld oder Weareld, d.i. ein kreisender Körper, steht hier für Erdball. Mit wenigerem Recht trägt die gesammte erschaffene Natur der Dinge, das Weltall, schon längst denselben Namen. Das deutsche Wort Welt ist eine corrumpirte Sprachform. Die Oberfläche des Erdballs scheint mir aus höchstens 1/5 Land zu bestehen.

Die Annahme von Land um die sogenannten Pole herum erscheint naturwidrig. Ueber die Eisgürtel hinaus, der diesseits Jan Mayn beginnt, und ungefehr 73°N.Br., auf der östlichen Halbkugel, darf mit großer Wahrscheinlichkeit ein arctisches Wasserbecken vermuthet werden. Die beiden bereits abgegangenen americanischen Expeditionen nebst der, welche der schwedische Magister Torell zum Frühjahr von der Finnmark aus über Spizbergen nach dem Nordpol unternehmen wird, werden, da die Führer junge, starke, waghalsige und recht befähigte Männer sind, allem Anschein nach mehr Licht auf jene dunkeln Erdregionen werfen, als bisher durch irgend eine frühere geschehen ist. Die ganze Eisgegend, welche sich von Spizbergen bis zur Davisstraße ausdehnt, haben unsre frisischen und holländischen Vorfahren Grönland genannt. Das Land Grönland, welches an der Davisstraße beginnt, nebst den nördlicher liegenden Küstenlande Gale Hamdes [?] (das leztere von einem frisischen Schiffsführer dieses Namens entdeckt und vor einigen Jahren von einem nordfrisischen Grönlandscommandeur zufällig, ohne es zu wissen, wieder angetroffen und nach Angabe seiner Länge und Breite, die ich von ihm erfahren, kein andres) darf nicht als ein bis an den Pol und um diesen arctischen Pol herum erstreckender Kontinent betrachtet werden, sondern muß eine Insel sein. Als Grund für diese Behauptung kann ich die folgenden unleugbaren Thatsachen anführen: In der Eisregion, die wir mit einem allgemeinen Namen, wie schon bemerkt worden ist, Grönland nennen, gibt es zwei arctische Hauptströme, welche in entgegengesezter Richtung gehen, der eine nordwärts oder nordostwärts, der andere südwärts oder südwestwärts. Es ist ein und derselbe oceanische Strom, welcher in beträchtlicher Stärke seine langen Wege durch die nördliche Eissee kreiset, wie der Weltmeerstrom, der vom Indischen Archipelagis [?] am Aequator her um das Kap der Guten Hoffnung herum den ganzen atlantischen Ocean bis auf 50°N.Br. kreuzend durchwandert, die westindischen Gewässer durchschneidet, die ihm den Namen Golfstrom gaben, an der atlantischen Küste der Vereinigten Staaten bis über die Neufundlander Bänke hinauffährt und von da aus nach Europa hinüberbiegend und dessen Westküste vorüberstreifend bei südwestlichem Lauf gleichsam wieder in sich selbst zurückströmt. Der erstgenannte arctische Strom geht auf der Nordseite Spizbergens polwärts. Auf 83°N.Br. nämlich, wo der Kompass keine Weisung mehr hat, laufen alle Ebben stark nordwärts. Da, wohin sie laufen, kann kein Land sein, das ist am Nordpol. Das Wahrscheinlichste ist, daß sie um die Polgegend herum durch ein offenes Wasserbecken strömen und nach Vollendung dieses Weges ihre Richtung südwärts an den Gale Hamdes - und Grönlandsküsten hinunter nehmen. Darauf deutet auch die Erfahrung hin, welche die aus mehreren Schiffen bestehende frisische Entdeckungsexpedition von der Weser aus in der ersten Hälfte des 11ten Jahrhunderts machte. Adam von Bremen (De Situ [?] Dania, cap.247) hat die Beschreibung dieser Expedition aus dem Munde des Erzbischofs Adalbert niedergeschrieben. Der genannte Erzbischof hatte sie von seinem nächsten Verweser Erzbischof Alebrand empfangen, dessen erzbischöfliches Amt von 1032 bis 1043 dauerte, innerhalb welchen Zeitraums die Nordpolfahrt der angesehenen Frisen (nobiles de Fresia) geschah. Die Erzählung ist in allen Theilen glaubwürdig und weder die Unternehmer der Expedition, noch die Erzbischöfe, noch Adam von Bremen selbst können irgend einen Grund gehabt haben, mit Rücksicht auf die besagte Nordpolreise der Frisen Unwahrheiten in die Welt schicken zu wollen. Da dieses Kapitel in Adam von Bremen von Vielen falsch verstanden in seinen einzelnen Theilen häufig unrichtig erklärt worden ist, so werde ich in der folgenden Nummer oder in einer der folgenden, weil noch jezt und grade jezt der Gegenstand von bedeutendem wissenschaftlichen Belang ist, die interessante, im mittelalterlichen Latein verfaßte Nordpolarreiseskizze aus dem 11. Jahrhundert den Lesern [.?.] in deutscher Uebersezung vorlegen und derselben zugleich eine genügende Erklärung beifügen.

(Fortsetzung folgt)*

 

* Der Bericht über die lezte Reise Dr. Livingstons in Africa folgt in der nächsten Nummer.

 

 

NCL 1.1.12 Vollständige Abschrift des Gedichtes "Der Sturm".

 

 

Naturschilderungen von Dr. K.J. Clement

 

 

2. der Sturm

 

Das Segelschiff geht Anker auf

Am frühen heitren Morgen,

Verläßt die Rhed im raschen Lauf

Und macht sich wenig Sorgen.

 

Die Luft ist klar, der Wind ist gut

Und Bramsegelskühlte wehet,

Dem Seevolk ist so wohl zu Muth,

Wenn's flink von Statten gehet.

 

Vorüber gleiten Ort auf Ort,

Der Fluß gewinnt an Breite,

Mit allen Segeln rauscht es fort

Und neigt sich schon zur Seite.

 

Es läuft zur Mündung flugs hinaus,

Und schon nach wen'gen Stunden

Ist jedes Ufer, Leuchtschiff, Haus

Und Alles rings verschwunden.

 

Fahrwohl, du schönes, wackres Schiff,

Du gehst durch viel Gefahren;

Es möge Gott vor Leck und Riff

Und Sturzsee dich bewahren.

 

Die Kühlte wächst, die Dinung steigt

Und bald ists Zeit zum Rewen,

Schon warnt das Glas, und Gutes zeigt

Sich nicht im Flug der Mewen.

 

 

Die See wird hohler, im Südwest

Die Sonne disig thalet

Und senket in ein dunkles Nest,

Der Wind wird steif und schralet.

 

Da liegt ohn' Ende ausgestreckt,

Im finstern Angesichte,

So schaurig weiß mit Schaum gefleckt,

Das Meer im Dämmerlichte.

 

Als läg ein hüglig Schneegefild

Ringsum halb aufgethauet,

Doch ist's ein furchtbar malerisch Bild,

Wie man sonst nirgends schauet.

 

Und immerdar in festem Trab

Eilt seines Weges weiter

Die Wildnis durch Berg auf Berg ab

Der wackre Wogenreiter.

 

Die Bramsegel werden festgemacht,

Der Kurs ist West zum Norden;

Kein Mond erhellt die finstre Nacht,

Er ist erst neue geworden.

 

Die einzigen Begleiter sind

Der Sturmfink und Sanct Elme

Und schon im Tauwerk heult der Wind,

Bald müssen Zwei am Helme.

 

Schnell in die Marssegel wird ein Rif

Gesteckt und bald das zweite;

Wohl gute Räumte hat das Schiff

Und seine Länge und Breite.

 

 

Doch bleibt das Glück, wenn es nicht ist

Mit See und Sturm im Bunde,

[.?.] du auch im Hafen bist,

Dir fern zur bösen Stunde.

 

Ein Rif noch in die Marssegel mehr,

Die Nacht wird immer trüber,

Die Schwellung steigt, der Wind wird schwer

Schon fuhr ein Brecher über.

 

 

NCL 1.1.13 Vollständige Abschrift der verschiedenen Sagen und Erzählungen.

 

 

Die Schnitterin zu Ballum

 

Auf dem Kirchhofe zu Ballum liegt ein alter bemooster Leichenstein, worauf ein Frauenbild mit einer Sichel und Korngarbe eingehauen ist. An dieses Denkmal knüpft sich die folgende Sage:

 

Der Sohn einer Einwohnerin von Ballum wird einst eines schweren Vergehens angeklagt, dessen überwiesen und zum Tode verurtheilt. Die Mutter des Unglücklichen eilte nun in der Angst ihres Herzens zu dem Gerichtsherre, dem Grafen v. Schakenburg, warf sich ihm zu Füßen, bat um Gnade für ihren Sohn. Die Sonne hatte an diesem Tage beinahe schon ihren höchsten Stand erreicht, als der Graf, um des flehenden Weibes los zu werden, sprach: "Kannst du noch vor Sonnenuntergang drei Aecker Gärste mit der Sichel schneiden, so soll dein Sohn frei sein. "Freilich hielt er solches für unmöglich, doch was ist Mutterliebe gleich, was ihr unmöglich? Die treue Mutter eilte jezt nach ihrem Kornfelde, sezte die Sichel an und arbeitete mit saurer Mühe, und wirklich gelang es ihr, was dem Grafen unmöglich erschien. Als sie nun ihr schweres Werk vollbracht und die lezte Garbe band, schaute sie gen Westen nach der Sonne, die eben ins Meer hinab sank. Da stürzte sie, von übergroßer Anstrengung ganz erschöpft, sterbend nieder. Ihr Lebenslicht also schied mit dem Licht des Tages, und zum Andenken an ihre Mutterliebe ward jenes Streu auf ihr Grab gelegt.

 

 

Das Licht der treuen Schwester auf der Hallig

 

Am Ufer einer frisischen Hallig wohnte einsam in einer Hütte aus Strohdach eine Jungfrau. Vater und Mutter waren todt und ihr Bruder weit weg auf die See gefahren. Mit Sehnsucht gedachte sie der Gestorbenen und des fernen Seemannes, und nur die Hoffnung auf dessen baldige Rückkehr, und auf das Wiedersehen seiner in einem besseren Vaterlande hielt sie aufrecht. Sie hatte mit rührender Liebe dem Bruder, als er Abschied nahm, zugesagt, allnächtlich ihm [eine] Lampe am Fenster brennen zu lassen, damit das Licht ihm bei seiner Heimkunft schon entgegenleuchte und ihm sagen könne: "Sieh! Deine treue Schwester Elke lebt noch, wacht und sorgt noch liebend für dich!" Und was sie versprochen, das hielt sie treulich. An jedem Abend stellte sie die weithinscheinende Lampe an ihr Fenster und lauschte Tag und Nacht, ob der Bruder käme und sie seinen lieben Namen wieder hören möchte. Allein es vergingen Monde und Jahre und noch immer kam der Bruder nicht, noch immer saß die Schwester harrend bei ihrer Lampe.

Elke ward zur Greisin und noch immer weilte sie mit seltner Treue am Fenster und erwartete den theuren Bruder, noch immer beleuchtete ihre Lampe den Meerespfad nach der Hallig in der dunklen See. Doch der Bruder kam nicht, war längst gestorben. Da erlosch endlich ihre Lampe. Die Nachbarn meinten, es wäre der Bruder so spät noch heimgekehrt, doch man fand die treue liebende Schwester todt, ihren Leichnam zur Seite der erloschenen Lampe erstarrt ans Fenster gelehnt.

 

 

Satirische Sagen

 

 

Reisen und Entdeckungen des berühmten Binnenlandschiffers Brork

 

Auf der nordfrisischen Insel Silt wohnte vor Alters ein sogenannter Klutschiffer oder Binnenlandsfahrer, mit Namen Brork. Obleich ihn seine Reisen nicht über Husum und Ripen hinausführten, so hinterließ derselbe dennoch mehr als ein Denkmal unter seinen launigen Landsleuten. Einst segelte Brork nach Husum. Unterwegs in der Gegend der Hallig Gröde überfiel ihn die Nacht zu früh. Er verfehlte das gewöhnliche Fahrwasser [..?..] steuerte am Westende der Hallig in eine Wele hinein und blieb während der Nacht darin stecken. Als der Morgen graute, suchte Brork sich zu orientiren. Er verwunderte sich nicht wenig, als er die Entdeckung machte, daß er ringsum von grünem Landgrase, nicht Seegrase umgeben war, und beschloß augenblicklich wieder umzukehren, allein das Fahrwasser, in welches er wider seines Willens hineingerathen war, hatte kaum soviel Breite und Tiefe, daß er seinen Ewer darin wenden könnte. Da blieb dem armen Irrfahrer nichts andres übrig als weiter landeinwärts zu steuern. Er richtete seinen Kurs genau nach den Windungen der Wele und - o Wunder! - er kam an der anderen Seite des Eilandes wieder in die See hinaus. Die von ihm entdeckte Meerenge hieß fortan ihm zu Ehren Brorkenhol oder Brorkenloch.

Ein andres Mal rannte sich Brork vom festen Lande kommend, mit seinem Ewer auf einer Sandbank östlich von Silt und zwar bei Vollwasser fest. Die nächstfolgenden Fluthen brachten nicht genug Wasser, um flott werden zu können, weshalb unser Binnenlandsfahrer volle acht Tage auf der Sandplatte ausharren mußte, ehe er seine Heimathinsel erreichte. Unterdessen war sein Speisevorrath längst verzehrt, und Brork hätte Hungers sterben müssen, wenn er nicht glücklicherweise einige gefüllte Buttertönnchen an Bord gehabt. Brork lebte daher in den Tagen seiner Gefangenschaft nahe der Sandbank fast nur von Butter und kehrte nach Verlauf von acht Tagen nicht wie sonst wol oft von Schweiß triefend, sondern dießmal von Fett triefend heim. Die Sandbank aber ward von nun an der herrlichen Speise wegen, die das kostbare Leben des berühmten Binnenlandschiffers gerettet hatte "Buttersand" genannt, welchen Namen sie noch heutigen Tages führt. Unser Schiffer, der die erste Karte von dieser Sandbank entwarf, soll dieselbe selber aus Dankbarkeit also getauft haben. Brork, welcher Erfahrungen zu nutzen verstand, hatte übrigens bei dieser Gelegenheit die wichtige Entdeckung gemacht, daß ein Schiffer sich besonders bei höchster Fluthzeit vor Sandbänken zu schützen habe, da er, wenn er sich mit dem Hochwasser irgendwo festsezt, schwerlich wieder flott werden könne.

Das Jahr 1786 war das merkwürdige Jahr, als Brork mit seiner Prahm am 21. Dec. im Haff vom Winter ereilt, auf eine große Eisscholle hinaufsegelte und darauf sizenblieb. Die Eisscholle trug ihn sammt seinem Schiffe von nun an hier hin und dort hin, jenachdem Fluth oder Ebbe die Richtung eben bestimmte. Da sich nun diese Begebenheit unweit der Ostspize Silts, dem Kap Nösse zugetragen hatte, der Strom dort aber bald südlich, bald nördlich läuft, war Brork gleich dem fliegenden Holländer in 16 Tagen, sage sechzehn Tagen, fortwährend in Bewegung um das Kap herum. Endlich schien Brork das Kap Nösse verlassen zu wollen, denn die famose Eisscholle riß das Schiff, dem Zuge des Stromes folgend, plötzlich mit Eile südwärts nach Föhr hinüber. Schon erwartete man den berühmten Haffschiffer in seiner Prahm durch den Föhrer Deich hindurch fahren zu sehen, als der Strom sich unerwartet gen Westen wendete und die Eisscholle mitsammt dem Schiff und Schiffer nach der Ostseite der Halbinsel Hörnum führte. Da geschah das große Wunder, daß mit westlichem Winde die Prahm an das innere der östl. Ufer Hörnums geworfen ward und daselbst strandete. Dieses denkwürdige Ereignis geschah am 6. Januar 1787. Brork aber stieg nach langer Irrfahrt an dem selben Tage an Land, um sich von seinen erlebten Schrecknissen und Beschwerden zu erholen und hiefort auf seinen Lorbern auszuruhen.

 

 

Die merkwürdige Fahrt zweier Föhringer nach dem Monde

 

Auf einer Sandbank unweit von Hörnam, der südlichen Halbinsel der Insel Silt, strandete einst ein Schiff, welches holländischen Käse geladen hatte. Das Schiff stieß in der Brandung entzweit [sic], die Mannschaft verunglückte und die Ladung ward vom Strom hierhin und dorthin gerissen. Viele Käsen trieben bei Silt an und Viele bei Amrum, und die dortigen Strandvögte und übrigen Bewohner griffen alle begierig danach. Nur allein auf Föhr kam merkwürdigerweise kein einziges Stück von Schiff und Ladung an, wie begierig auch die Einwohner der Insel nach dem leckeren Käse über den Haffdeich hinauslugten, und wie wenig sie auch ihren Nachbarn die herrliche Ware aus Holland gönnten. Eines Abends endlich glaubte ein Föhringer einen großen gelben Käse im nördlichen Haff unweit seiner Insel ostwärts schwimmen zu sehen. Schnell rief er einen Freund herbei, sezte sich mit ihm in ein Boot und roite ins Haff hinaus dem Käse nach, welcher feurigglänzend den beiden beutelustigen Insulanern entgegenstrahlte, und ihre Phantasie je länger je mehr erhizte. Schon dachten sie, dem Fahrwasser osten von Föhr folgend, dem Käse näher gekommen zu sein und schwelgten bereits in Gedanken an Butterbrod mit holländischem Käse, als sich der ersehnte Schaz zu ihrem großen Leidwesen wie durch ein Wunder offenbar vor ihren Augen aus dem Wasser erhub, in die Lüfte emporstieg und wie ein blauer Himmels[.?.] südwärts schwamm. Da besannen sich die beiden Insulaner, daß der Mond aufgegangen war, und daß der Mond es war, der ihnen diese arge Täuschung verursacht hatte. Sie mußten sich seit der Zeit von ihren Landsleuten und den benachbarten Inselbewohnern ihrer Jagd nach dem Monde wegen viel Spott erleiden, und wenn in der Folge jemand nach einem unerreichbaren Ziele strebte, pflegte man sprichwörtlich zu sagen: "Hi ruit üs di Ferrang efter a Muun an ment, that't as an holl'snken Sees (Er roit (rudert) wie der Föhringer nach dem Monde und meint es sei ein holländischer Käse).

 

 

Von dem berühmten dänischen Philosophen und Robbenschläger Paul Moders auf der Insel Röm.

 

Einst war es auf Röm Mode geworden, daß jedermann rothe Jacken trug. Nur ein einziger Mann, ein armer Seehundsfänger und Thranschlucker, Namens Paul Moders oder, wie die Frisen auf Silt ihn nannten, Pua Modders, trug keine rothe Jacke. Und warum nicht? Weil er keine bezahlen konnte. Man machte sich nun vielfach über seine Kleidung und namentlich über seinen Mangel an einer rothen Jacke lustig, allein Paul Moders war ein Philosoph und gab jedem, der ihn wegen der Farbe seiner Jacke zur Rede stellte oder auslachte, den kurzen Bescheid: "Ich will keine rothe Jacke haben." "Ach nein" - sagten die spöttischen Nachbarn - "du kannst dir keine anschaffen, Paul!" Paul Moders aber sann schon lange insgeheim darauf, wie er seine lach- und schmähsüchtigen Landsleute beschämen und in Besiz einer rothen Jacke kommen möchte.

Während einer an großartigen Gedanken und Entwürfen so reichen Zeit, fiel es den Bewohnern Röms ein, ihre Kirche - sie hatten nur die eine - zwei Ellen zu versezen, nur wußten sie nicht, wie sie das bewerkstelligen sollten, ohne große Lasten davon zu haben. Zu dem Ende ward eine Versammlung des sämmtlichen Volkes von Röm veranstaltet, damit jeder [.?.] über diese allgemeine und wichtige Landesangelegenheit seine Meinung abgeben möchte. Man stritt sich auf dieser Zusammenkunft lange hin und wieder und schien sich in Betreff der Ausdehnung der Kirchensezung nicht einig werden zu können. Da trat, gerade als der Streit seine größte Hize erreicht und in eine großartige Prügelei auszuarten drohte, [allein noch] zur rechten Zeit, Paul Moders im Rath hervor und sprach: "Wir wollen [...] so lasset uns alle an die Nordseite derselben gehen und mit aller Kraft [gegen] die Kirche stoßen und drücken, so wird sie, die wenige Menschen bauten, der vereinten Macht [vieler] Menschen weichen müssen. Damit wir aber im Stande sind zu merken, wann die Kirche auf den gewünschten Plaze gekommen, so lege einer von euch an der Südseite der Kirche und zwar zwei Ellen von der Kirche entfernt, seine rothe Jacke hin, wenn diese nicht mehr sichtbar ist, so steht die Kirche, wo sie stehen soll."

Das war eine herrliche Rede! - dachte jeder, der mit offenem Munde derselben zugehört hatte. Alle verwunderten sich über die Klugheit des Robbenschlägers, und wol nie hat ein Vorschlag einen ungetheilteren Beifall gefunden, als der seinige that. Die ganze Inselbevölkerung lief nun dem gegebenen Rath gemäß von Norden auf die Kirche zu, stieß und schob und drückte unter Vergießung vieler Tonnen dicken Schweißes mit unerhörter Kraft an dieselbe, und der kluge Rathgeber, der Leiter dieser großen Unternehmung, Paul Moders, ging ab und zu nach der südlichen Seite der Kirche, um nachzusehen, ob die ungeheure Anstrengung eine Wirkung gehabt oder ob die hingelegte Jacke noch sichtbar wäre. Nach einigen Augenblicken, während deß sich das Volk Kopf und Rücken, Hände und Füße wund gestoßen, geschoben und gebückt hatte, kehrte der zu Ansehen gekommene Philosoph plötzlich wieder zurück und schrie: "Die Jacke ist nicht mehr zu sehen! Die Kirche steht so wie sie stehen soll!"

Da stürzten alle, der schrecklichen Arbeit müde und hocherfreut über die angenehme Nachricht nach der Südseite der Kirche und erblickten ebenfalls den kaum erhofften Erfolg ihrer sauren Mühe. Die Jacke war nicht mehr da, also mußte sie von der Kirche bedeckt sein - so schlossen alle nach der Logik des großen Philosophen und Robbenschlägers von Röm, und waren jezt fest überzeugt, daß ihre Kirche stände, wo sie stehen sollte. - Paul Moders war aber - unter uns gesagt - ein arger Phifficus und Betrüger. Er hatte die Jacke gestohlen, seine Landsleute also schmählig bei der Nase herumgeführt und erschien am folgenden Sonntag, gleich den übrigen Römmern und zwar zur großen Verwunderung und Freude seiner Nachbarn, die den Betrug nicht ahnten, beim Gottesdienst in der Kirche in einer rothen Jacke.

Seit der Zeit vergleicht man auf der Insel Silt häufig einen Menschen, insonderheit den Armen und Geringen, welcher den Schein eines Philosophen annimmt, während er vorgibt, eine Sache, die er nicht erlangen kann, nicht haben zu wollen, mit Pua Modders, so daß der Name dieses Mannes dort zum Sprichwort geworden ist.

 

 

Den zu Anfang des Jahres 1744 erschienen Kometen hielten unsere nordfrisischen Insulaner für einen Unglücksboten. Im Lauf desselben Jahres verunglückten 89 Silringer und über 100 Föhringer Grönlandsfahrer zur See, von denen vor Silt 84 auf der Hinreise nach Holland mit dem Schiffer Theide Bohn am 15. März 1744, die Föhringer aber auf ihrer Heimfahrt von Holland mit dem Schiffer Pai Mellefs den 10. Sept. 1744, nachdem sie von Holland aus ihre Reise auf den grönländischen Walfisch glücklich zurückgelegt. Pastor Krohn zu Morsum auf Silt schrieb bei dieser Gelegenheit folgendes nieder: "Der Stern ist unserm Lande und in specie meiner Gemeinde, nämlich Morsam, ein rechter Bußprediger gewesen. Denn nachdem hie die Bosheit recht überhand nahm in Kleiderpracht, Verlästerung Gottes Worts und seines Dieners und aller andern Sünden mehr, auch kein Lehren, Warnen und Predigen mehr fruchten wollte bei dem rohen Haufen (wiewol der Herr auch gottlob! die Seinigen noch darunter hat), so ließ Gott uns zur Dräuung seine Ruthe hell und klar sehen, daß der Stern auch sogar einen Abend recht gekrümmet über uns stand. - Darauf strafte er uns so hart, daß er den 15. März 1744, oder dom. Judica, 84 Menschen von diesem ganzen Lande, darunter 50 von meiner Gemeine, untergehen ließ in der See außerhalb Rantam."

 

 

Plündernde Seeräuber auf Silt im 16. Jahrhundert

 

Es war im 16. Jahrhundert zu der Zeit, als der Seeräuber Lang Peter, der Galgen und Rad in seiner Flagge führte, in der Nordsee und an ihren Küsten alles in Schrecken sezte, als viele Seeräuber am Westrande der Insel Silt landeten, deren meiste Mannschaft wie gewöhnlich auf ihren Seefahrten abwesend war, und in den westlichen Dörfern plünderten. Deshalb versammelten sich die wehrhaften Einwohner männlichen und weiblichen Geschlechts der Dörfer Westerland und Tinnam und zogen gegen den Feind aus unter folgendem Kriegsgesang:

Dat geit'er nato mit alle Mann

mit Bässen, Stahl und Forken.

De hier nich fechten will en kan,

dat sint well rechte Schorken."

 

Die Mehrzahl der Seeräuber wurden in die Flucht getrieben und 8 derselben im Hause des Strandvogtes Erk Mannis zu Westerland gefangen genommen, und bei dieser Gelegenheit zeichneten sich außer dem genannten Strandvogt mehrere aus der Familie Fredden zu Tinnam besonders aus. Von diesen Gefangenen wurden später 7 auf dem sogenannten Galgenhügel nördlich vom Dorf Keitham aufgehängt. Der 8te, ein Knabe, der seiner Jugend halber verschont und wieder frei gegeben ward, rächte den Tod seiner Genossen dadurch, daß er nach einigen Jahren aufs neue auf der Insel landete und das Haus jenes Strandvogts bei Nachtzeit ansteckte und verbrannte.

Nach einer andern Sage war Lang Peter (offenbar Grote Pier auf der Jupder [?] Jee[?]) von Silt gebürtig. Seine Schiffsmannschaften sollen auf ihren Kleidern rechts und links die Merkzeichen Galgen und Rad getragen haben. Lang Peter pflegte sich zu nennen:

 

"Der Dänen Verhärer,

Der Bremer Vertärer,

Der Holländer Krüz und Beleger,

Der Hamborger Bedreger usw."

 

Von ihm soll auch noch eine Schanze in den Silter Dünen sein, vielleicht Rantamburg. Ob aber Buder (die sogenannten Fischerbuden) auf Hörnam von ihm stammt, ist zweifelhaft.

 

 

Tam Tamen von Kampen auf Silt, alias Begler Beg [sic] oder Fürst der Wüste.

 

T.T. ward in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu Kampen auf Silt geboren, ging früh zur See und machte verschiedene Reisen. Auf einer derselben ward er von türkischen Seeräubern genommen, nach Africa gebracht und als Sklawe verkauft. Nach vielen schweren Arbeiten und großem Ungemach eines solchen Lebens satt, trat er zum Islam über, wofür er seine Freiheit erhielt. Nach dem er auf allerlei Weise, wiewol vergeblich, sein Glück zu machen versucht, gerieth er unter einen Araberstamm in der Wüste, erwarb sich bald durch sein kluges Benehmen, seinen Muth und seine Kenntnisse ein großes Ansehen bei den halbwilden Horden der Wüste und ward ihr Häuptling. Der Ruhm seiner Thaten drang weit durchs Türken- und Mohrenland und erwarb ihm endlich den Titel eines Beglerbey [?] oder Fürsten der Wüste. Als Beglerbey [?] mit großem Gefolg traf er einst einen Landsmann, einen Seefahrer von Silt, zu Alexandria, dem er seine Schicksale erzählte, und durch den diese dürftigen Nachrichten auf die Nachwelt gekommen sind.

Es geht nämlich folgende Sage: Der erwähnte Seemann von der Insel Silt war von Türken genommen und eben auf einem Sklawenmarkt auf der Küste Nord-Africas zum Verkauf ausgestellt worden. Während er nun hier mit gesenktem Haupt und tief gebeugt über sein trauriges Schicksal saß, klopfte ihm jemand auf die Schulter. Er schlug seine Augen auf und ein großer bärtiger Türke lehnte sich über ihn und fragte ihn zu seinem größten Erstaunen in seiner Muttersprache: Best dü en Sölring? (Bist du ein Silter?). Und dieser Türke war Tam Tamen. Er hatte den Landsmann an seiner aus frisischem Weab gemachten Jacke erkannt, unterhielt sich lange mit ihm, erzählte ihm sein Schicksal und verschaffte ihm seine Freiheit wieder.

 

 

Nis Ipsen von Widingharde, alias Admiral Nis de Bombell

 

Der berühmte holländische Admiral Nis de Bombell, oder wie sein eigentlicher Name war, Nis Ipsen, ward in der Widingharde geboren. Er diente als Knecht bei dem damaligen Hofbesitzer zu Bombüll im Kirchspiel Klanxbüll, in der Zeit als schwedische Truppen (nicht die Steenbokschen) im Lande waren. Auf dem Hofe Bombüll diente zur gleichen Zeit ein Mädchen, welches sich durch Schönheit, Sanftmuth und Form auszeichnete und dem stattlichen und kräftigen Nis Ipsen wohl gefiehl. Er warb um sie und gewann ihr Herz. Doch ihre beiderseitiges Glück ward bald getrübt. Ein in der Gegend des Hofes einquartirter schwedischer Officir verliebte sich in dasselbe Mädchen und stellte ihrer Unschuld nach. Bei einem solchen unedeln Abenteuer des Officirs ertappte ihn einst Nis Ipsen. Da entbrannte der Zorn des Frisen, dessen Liebe eine reine war, sprang durch das Fenster in die Kammer seiner Braut und erstach den Schweden. Nach geschehener That floh er nach Hamburg und als er hier nicht sicher war, nach Amsterdam. Hier angelangt, entging er nur kaum den Schlägern der sogenannten Seelenverkäufer. Er flüchtete endlich an Bord eines holl. Ostindienfahrers und trat als Freiwilliger seine erste Seereise an. Er machte als Matrose mehrere Reisen nach Ostindien, erwarb sich viele Kenntnisse vom Seewesen, zeichnete sich in mehreren Seegefechten aus und erschlug mit eigner Hand einen sehr gefürchteten Seeräuber der damaligen Zeit - der Sage nach den großen irischen Piraten Morgan, den gefährlichsten aller Freibeuter in dem americanischen Gewässer. - Nach solchen Thaten stieg Nis Ipsen von Stuhfe zu Stuhfe, ward Captain eines holländischen Kriegsschiffes und endlich sogar holländischer Admiral. Jezt schrieb er an seine trauernde ihm treugebliebene Braut den folgenden Brief: "Myn Grethe, as du nog van de Gesynning bist t'welck du weirst [?], do ik mit dy taglick op Bombell dende, so kam to my na de Haag un war myn Frow. Ick bin tegenwardig Holländische Admiral."

 

Nils de Bombell, vormalen Nis Ipsen,

 

dyn getreue Brydigam

 

Nach langer Suche fand man die Braut des Admirals, als Dienstmagd in dem Dorf Emmerlef. Sie folgte der Stimme ihres Geliebten, reiste nach den Haag und ward die glückliche Frau des Admirals de Bombell.

 

 

 

 

 

Als im Jahre 1836 im Dorf Morsam auf Silt ein neues Schulhaus errichtet werden sollte und, um Platz zu gewinnen, ein Theil des hiesigen Kirchhofwalles niedergerissen ward, fand man in demselben mehrere englische Geldmünzen aus den Zeiten der Könige Richard und Howard I.

Als im Jahre 1628 die Morsumkirche zu einer Art Festung eingerichtet und mit Wall und Graben umgeben ward, grub man einen Hirnschädel aus, der mit eisernen Ringen so dicht verschlossen war, daß man denselben nur mit Mühe von dem Knochen trennen konnte.

Die lezte Kirche zu Rantam auf Silt ward im Jahre 1801 des Flugsandes halber abgebrochen. Als man zum leztenmal Gottesdienst in derselben hielt, war sie bereits halb bedeckt mit Flugsand. Sie ward nun zum Abbruch an einen Schiffer in dem Dorf Westerland verkauft, welcher mit dem Altar und der Kanzel dieser Kirche die Kajüte seines Schiffes ausschmückte.

 

 

Der Bröddehoog-Mann auf Silt.

 

Man hat sich viel erzählt von dem Bröddehoogmann selbst und den wüsten Zeiten. Nicht bloß bei Nachtzeit, sondern auch öfter bei hellen Tagen soll derselbe auf dem sogenannten Brödde-Hügel erschienen und nicht nur allein von vielen Einwohnern der nördlichen Dörfer, sondern auch von fremden Menschen, die von dem Bröddehooger nie früher gehört hatten, z.B. von einem aus Ungarn gebürtigen Böttcher, von einem aus Röm gebürtigen Mädchen und anderen gesehen worden sein. Er wird als ein Mann von mittlerer Größe, in grauer Kleidung und mit einer altmodischen Müze auf dem Kopf beschrieben. Er steht gesenkten Hauptes, mit [.?.] Mine und schwermüthigem Blut auf einer Erhöhung zwischen Braderup und Kampen. Man hat ihn unter andern am hellen Tage kaum 20 Schritt davor und zwar zu einer Zeit als der ganze Hügel mit Schnee umgeben war, gesehen. Als man aber näher gehen und ihn anreden wollte, verschwand er plötzlich. Um genau zu erfahren, ob er nicht etwa an der andren Seite des Hügels entkommen sein könnte, ward der Schnee rings um den Hügel sorgfältig untersucht, allein keine menschliche Spur war zu finden. Mit Rücksicht auf diese wunderbare Erscheinung haben sich die beiden folgenden Sagen erhalten.

Ein einstiger Bewohner eines der nördlichen Dörfer Silts hatte sich durch See- und Strandraub eine großes Vermögen erworben und, wie einige [.?.] sagen, die von ihm ermordeten und ausgeplünderten Schiffbrüchigen in der Gegend des Brödde-Hügels eingescharrt. Aus Mißtrauen suchte er sein ungerechtes Gut vor seinen Landsleuten und selbst vor seinen Söhnen, die leichtsinnig waren und zu Verschwendung neigten, möglichst zu verbergen. Er vergrub also sein Geld in dem geräumigen Gewölbe jenes Hügels, doch die Sorgen um seine Schäze ließ dem Geizhals auch jezt keine Ruhe. Er schlich sich des Nachts öfter nach seiner unterirdischen Kammer, saß hier stundenlang auf seinem Geldsack und brütete auf seinen Geldereien [?], wie man sich in späterer Zeit erzählt, weshalb dann der Hügel [den Namen] Brödde-Hoog erhalten haben soll.

Nach einem Leben voller Unruh starb er, ohne seinen Söhnen den Ort seines Schazes gesagt zu haben. Doch diese begannen dessen ungeachtet nach dem Tode ihres Vaters im Brödde-Hoog nachzugraben. Als sie nun an den alten Grabkeller kamen und nach dem Feld suchten, stürzten die oberen Erd- und Steinmassen des Hügels zusammen und begruben die Söhne unter den Schäzen ihres bösen Vaters, und nie kam etwas davon an das Tageslicht. Seitdem umschwebt jener Räuber und Geizhals als Gespenst das Grab seiner Kinder, wo er seine Schäze verbarg und die Schiffbrüchigen begrub, die er ermordete.

Einer andern Sage zufolge ward ein Mädchen aus Braderup an einen Jüngling aus Kampen verheirathet und erhielt als Brautschaz unter andern ein großes Haidefeld in der Gegend von Bröddehoog. Als dies nach Kampen gekommene Frauenzimmer hernach kinderlos gestorben, hätte nach dem Recht jenes in den Besiz eines Kampers gekommene Feld wieder an die noch in Braderup lebenden Verwandten der verstorbenen Frau zurückfallen sollen, allein die Eingesessenen zu Kampen fanden es für gut, dasselbe zu behalten und unter sich theilen, da wahrscheinlich auch der Mann der Braderuperin gestorben war. Zur Strafe für diese Ungerechtigkeit steht der Rathgeber jener Kamper als Bröddehoog-Mann für ewige Zeiten auf Bröddehoog.

 

 

Die Sage von einem frisischen und einem dänischen Riesen.

 

Es waren einst im Bredstedtschen zwei Riesen, der eine ein Frise zu Drelsdorf und der andere ein Däne zu Viöl. Beide waren stolz auf ihre Größe und Stärke, sowol als auf die Höhe des Kirchthurmes ihres heimathlichen Dorfs, und es geschah häufig, daß sie sich der eine wie der andere vor einander rühmten. Um ihrem Streit endlich ein Ende zu machen, verabredeten sie eines Tages in ihrer gegenseitigen Eifersucht, daß jeder von ihnen einen Wurf nach dem heimathlichen Kirchthurm des andern thun sollte. Jeder stellte sich nun an seinen Kirchthurm und der Däne that den ersten Wurf. Aber der Stein, den er schmiß, flog seitwärts, ohne das Ziel zu treffen, und blieb in einem Moor liegen, woselbst er noch zu sehen ist. Der Frise hingegen traf den Thurm der Dänen und warf den ganzen oberen Theil desselben herunter, so daß in der Folgezeit der spize Thurm zu Drelsdorf den abgestumpften zu Viöl überragt.

 

 

Die Sage von dem Bridfoar-Hügeln auf Silt.

 

In der Gegend nördlich von Tinnum auf Silt unweit der Thing-Hügel lagen vor mehreren Jahren zwei jezt abgetragene Todtenhügel, allgemein unter dem Namen Bridfoar-Hügel bekannt (Hochzeitsgesellschaftshügel). An diese Hügel hat sich die nachstehende Sage geknüpft.

Eine Jungfrau von Eidum hatte sich mit einem Jüngling verlobt und ihm die Ehe versprochen mit dem Schwur, daß sie eher in Stein verwandelt werden wollte, als daß sie die Gemahlin eines andern würde. Im festen Glauben an die Treue seiner Braut ging der Jüngling zur See, aber die Jungfrau vergaß ihren Bräutigäm und ihren Schwur, nahm nächtliche Besuche andrer Freier an und versprach sich zulezt mit einem Mezger in Keidam. Der Hochzeitstag war schon bestimmt und der Brautzug hatte sich nach alter Weise, mit dem Vormann an der Spize, von Eidam aus nach Keidam in Bewegung gesezt, als er auf der Mitte des Weges zwischen Eidam und Keidam einem alten Weibe begegnete. Ein solches Begegnen am Hochzeitstage gilt schon so für eine böse Vorbedeutung, um wieviel mehr unter den jezigen Umständen. Das Weib rief dem Zuge die schreckenden Worte zu: "Eidambüür, Keidambüür, jau Bridj as en Hex!" Die Braut, ihrer Untreue und ihres Eides eingedenk geworden, verstummte und erbleichte, aber der Fahrer, entrüstet über die Störung, rief aus und sprach: "As üüs Bridj an Hex, da [sic] wul ik dat wi hir altamal deelsaank an wedder apwoks üs grè Stian!" Kaum waren die Worte gesprochen, da sank die [.?.] Schar sammt Braut und Bräutigam in die Erde und alle wuchsen, in graue Steine verwandelt, halb aus dem Boden hervor.

Zum Andenken an jenes Wunder zeigte man vor wenigen Jahren nicht allein die Hügel, sondern auch 5 von den etwa hundert Schritt von den Hügeln entfernten Steinen.

 

 

Abenteuer einiger Silter Fischer. (Aus einer alten Handschrift von Jens Schwennen).

 

"Anno 1686 d. Octbr. hefft sick een Myrakel efte Unglück op Westerspi [sic] van een Fischerboth van Silt mit 5 Minschen, welcke mit een farde Oosten Wint sint abgefaren und neen Lant konden wedder kriegen mit Roite. Sin des Avents schon Ancker gegaan op 9 Vaem [?] omtrent soo dat man se eewen van de Dünen af sehn kond. Dor is er een Sluhp nar eer tohgefaren mit 8 Man, kämer [?] op 5 Vaem [?], moßten also wedder ümme [?] keeren van wegen de harde Wint. Des andern Dags Morgens was it hard froren, doch konde man see nicht meer sehen, wären oogenschinlick al wegh. Awerst Gott passt [?] naa [?] dat see 4 Etmaal sin gedreuen dat see by ene hollander Oosterfarder quamen op de Witte Bank West [.?.] West vant Eilant Silt sonder Eeten of Drinken omtrent 25 Mylen vant Lant. Da hebbt see dor al 5 gesunt uthgeborgen, welckes 4 Manspersons und een Junge Deern sint gewesen* (*Zu der damaligen Zeit, als es an Männern gebrach, da dieselben außerhalb Landes fuhren, halfen auch Frauenzimmer, verheirathete und unverheirathete, beim Fischfang an den heimathlichen Küsten, nicht allein Silringer Frauenzimmer, sondern überhaupt Nordfrisinnen, und gingen mit auf die See. Nach der Sage wurden einst eine Anzahl Fischerinnen von Silt nach Holland verschlagen, wo sie ihrer Kleidung und ihres Unfalls wegen allgemein Aufsehen erregten, aber auch zum Theil ihre dort anwesenden Männer unerwartet antrafen), Erk [.?.] tho Keitum und Jens Ketens darsülwst, Bunde Schwennen, Bunde Frudden [od. Früdden?] und Karen Knut Teides tho Westerland. Und see sin um acht Dagen unvermothlich wedder of Silt gekamen als of se van den Doden wedder opgestaan weren."

Pastor Cruppius zu Keidam schreibt über den selben Vorfall folgendes: "Ao 1686 d. 21. Octbr. fuhren Leute auf ein Jolle aus auf die See um Wittling zu fangen. Wie sie wohl gefangen hatten, entstand ein Sturm aus Osten, so daß sie nicht wieder zu Lande kommen konnten, jedermann dachte, daß sie verloren wären, aber Gottes allmächtige Hand hat sie wunderbar erhalten. Sie fuhren immer vor dem Winde, Donnerstag Nacht, Freitag, Sonnabend und bis Sonntag Morgen, während der Zeit sie weder Essen und Trinken hatten und waren 28 Meilen von Silt entfernt, da mit Sonnenaufgang sie ein Schiff gewahr wurden, das auf sie zu kam. Dies war ein Dantziger mit Waitzen beladen. Von diesem Schiffe wurden sie alle geborgen am Sonntag Mittag, und mit Speise und Trank erquicket und darnach nach Holland gebracht; sie gingen nach Harlingen, woselbst sie vom Bürgermeister mit Lebensmitteln und einem Zehrpfennig wohl versehen wurden. Nickels Jensen von Tinnam, der mit seinem Schiffe von [.?.] dort ankam, nahm sie an Bord und landete sie am 4. Nov. bei Rantam."

 

 

Predigerabsezung auf Föhr.

 

Der Prediger Richardus, von 1620-1678 an der St. Laurentii Kirche auf Westerlandföhr angestellt, schrieb folgendes über die Absezung einiger seiner Vorweser:

Andreas Blegerholm [?], Prediger zu St. Laurentii von 1569-1579, diesem haben sie viel Böses nachgeredet, und hätte es also mit ihm verhalten, so wäre er im Predigtamt nicht zu dulden gewesen. Aber deswegen haben sie keine Klage wider ihn ausgestellt, sondern weil er es nicht mit Martin Reitvogt, in Goting damals wohnhaft, hielt und es dahin brachte, daß auch dem Vogt ward gesehen [?], daß ers nicht also mehr nach seinem Gefallen und Muthwillen sollte machen: daß Zauberinnen gebrannt und Diebe gehenkt würden. Das war ihnen [?] unleidlich, wie man dann nicht weiß, daß nach der Zeit solche Missethäter allhie sind gerichtet wurden [sic], wiewol Todtschläger und Mörderinnen sind geköpft. Es hat aber Herr Andres sich allzuviel mit weltlichen Gerichtssachen lass. [sic] annehmen, also daß die Nachbarn ein Lied gemacht:

 

"Herr Andres und sein Capellan

zu Ding und Recht wollten gerne gahn,

De Kerk laten se leddig stahn!"

 

Damit sie ihm nun möchten beikommen, so verklagten sie ihn hart der Zauberei und suchten Zeugnisse wider ihn, und da sie nicht viele fanden, die da zeugen wollten, nahmen sie das Kirchspielssiegel, welches ein oder zwei in ihrer Gewalt hatten, die Kiste aufzuschließen [sic], und sezten das unter ihren Brief. Also machten sie es auch mit den Nachfahren, die ihres Amtes entsezt wurden." Von der Absezung des Johann Klinker, Prediger von 1583-1598 auf Westerlandföhr schreibt Petri: "Er habe jemanden, der im öffentlichen Amte war und einen Ehebruch begangen hatte, bei der Obrigkeit angezeigt, sein Vergehen ihm selbst unter Augen gehalten, und stark darnach gedrungen, er sollte offenbare Beichte sizen. Wie nun die Ehebrecherin dem Manne zu Gefallen einen dänischen Knecht fälschlich zum Vater auslegte, so suchten sie Zeugnis, daß er Unwahrheit geschrieben und seiner Obrigkeit hinterbracht, und ruhten nicht eher bis sie ihn vom Dienste gebracht hatten." Von Hermann König, Prediger auf Westerlandföhr von 1599-1608 berichtet Petri Nachstehendes: "Die Hauptursache seiner Absezung war, daß er in der Predigt, da die Kinder und sonderlich eines, ein großes Geschrei machten, daß er nicht konnte fortkommen, ein übel Wort über das Kind ihm ließ entfallen. Dieses war eines Mannes Tochter, der im öffentlichen Amt und bei der Obrigkeit wohl daran war, der ward darüber ergrimmt und trachtete ihm nach, wie er mir selbst in seinem eigenen Hause bekannt. Er gab bei der Obrigkeit ein, König hätte faule Worte wider sie gebraucht, suchte Zeugnis wider ihn, und wenn andre hin zu Dinge und zu Ripen dem Hermann König wollten Zeugnis geben, mußten sie nicht, und ward ich wo gesagt: wo sie zeugten, sollten sie ihre Finger verlieren. Aber alle die dazu halfen, daß er ward abgesezt, sind bei meiner Zeit [.?.] gestrafet worden, und haben es mehrentheils selber bekannt, daß sie unrecht gethan, insonderheit einer, der eine Tonne Roggen genommen, nach seines Widersachers Willen Zeugnis zu geben. Da der Krebs ihm den Hals durch[?]fraß, bekannte er öffentlich was geschehen wäre und warum er solche Krankheit habe."

 

 

Strandvogt und Strandläufer auf der Insel Amram.

 

Als einst ein Strandvogt auf Amrum den dortigen Strandläufern nichts gönnte, sondern alles Strandgut für sich allein haben wollte, auch der Meinung war, daß sie großes Unrecht thäten, wenn sie wider seinem Willen den Strand beträten, und sich also der Besserung zu befleißigen hätten, waren diese im Gegentheil anderer Ansicht und [hier brechen die Aufzeichnungen ab].

 

 

NCL 1.3.4 Vollständige Abschrift des Manuskripts

 

Das Manuskript gliedert sich wie folgt

 

Part I: The Old Age of the World or the darkness of Mankind.

 

Chapter I: The Phenicians, the Mediterranean and the Atlantic.

 

1. Modern errors concerning the Phenicians.

2. The Phenicians of no pruductive mind. Their selfishness. They remain confined to their little corner. All their voyages fruitless, as to Mankind.

3. Carthage, the daughter of the East. Her riches perished, her glory departed, she fell, like her mother, by the sword of a foreign tyrant. Her history sunk like her fleet in the deep Ocean. Tyrys an Carthage are forgotten and extinct, like the paths of their ships through the waves of the Mediteranean.

 

Chapter II: Greece [,] a wonderful phenomenon in the dark Ages.

 

1. The Greek somewhat resembling the Northern Nations, but upon the whole interior. Their comprehensive mind, enterprizing spirit, taste and feelings.

2. Okeanos, or the Ocean, the author of all that is great in the history of the world. The islands and peninsulas of Greece surrounded by the power.

3. Zeus Chronion and Paleas Athene. Mythology of Greeces, partly splendid, tasteful and deep, partly poor, obscene and shallow. The mythology of the Northern Nations the grandest in the world.

4. Homer the poet of the deep and stormy sea, compared with Shakespeare, a native of the Hercules-Jill, the greatest of poets. Oedipous Tyrannos the work of Sophokles.

5. The philosophy and the language of Greece.

6. The Grecian sculpture the finest in the world, and Thorvaldson the Dane.

7. Alexander of Macedonia, the conqueror of Persia. The tender flower must die under the icy Northwind. The Muses of Greece cannot withstand the rude warriors from the North. A free nation like Great Britain has reason to dread the sword of a Bonaparte. Greece was deeply wounded by Alexander, and murdered by Rome.

 

Chapter III: The Jews

 

1. They are a great testimony of the mercy and power of the Almighty. Their fates unparalleled in the history of the world. The strangers of the earth at all times and in all places. A selfish nation, in body and soul unchanged since time immemorial to this day, from their first adventurous life till their captivity, from their return to the land of promise, to the mournful fall of Jerusalem, and then [?] to the present Age the same obstinate, dirty, cunning and narrow minded nation, like a mummy of Egypte, which belongs no more to this world, a singular and preposterous remainder of the Wreck [?] of ages, which the eye looks upon with wonder, and by which thougt is baffled, the mockery of all nations at all times, scattered like dogs over the face of the globe, and fed by the crumbs of their masters, the civilized nations, mean and vervile, [.?.] and wretched, having no thought but their earthly existence, and money, that enemy of virtue.

2. The Old Testament superior to all the books of the dark ages, but interior to the New Testament.

 

Chapter IV: The Romans the destructive power in the history of the world, and the barbarians of the dark ages.

 

 

Part II: The New Age of the World. Downfale [sic] of the Roman Empire. Universal History.

 

Chapter V: Jesus Christ an inexplicable phenomenon.

 

Chapter VI: The dawn of Universal History.

 

Chapter VII: The 5th Century of the Christian Aera the grandest in history.

 

Chapter VIII: Third great migration of the Nortern Nations by sea.

 

Chapter IX: State of the Roman world after the second great migration of the Northern Nations by land.

 

Chapter X: State of England after the second great migration of the Northern Nations by sea.

 

Chapter XI: Muhammed and the Arabs

 

Chapter XII: Neathenism [?] of the North.

 

Chapter XIII: The time of Scottish Glory.

 

Chapter XIV: The fourth and greatest migration of the Northern Nations by Sea, from Norway, Denmark, Northfrisland an the Baltic.

 

Chapter XV: The North Western Corner of the Celtic world.

 

Chapter XVI: Miserable State of England in consequence of the Danish invasions.

 

Chapter XVII: The Two [sic] greatest of all the Northern Seaheros, and their immortal fame. The most important consequences of their heroism, as to Universal History.

 

Chapter XVIII: William the Conqueror. Tyranny and feudal System.

 

 

NCL 1.3.5 Abschrift der Seiten 1 bis 3 der Einleitung zur "Geschichte der Herzogthümer Schleswig und Holstein von 1660 bis zur Gegenwart."

 

 

Geschichte der Herzogthümer Schleswig und Holstein von 1660 bis auf die Gegenwart.

 

Einleitung

 

Unsre Halbinsel, gen Norden das äußerste Territorium des westgermanischen Menschen, nicht von Uralters her, sondern erst seit noch nicht vielen Jahrhunderten unter den beiden Namen Schleswig und Holstein aus der Finsterniß des Mittelalters hervorgetreten, freilich dann nicht mehr als die Sinne [?] weitwirkender Heldenkräfte - denn solche Zeit hatte schon mit dem 1000sten Jahr der Christenheit ein Ende - dieses Ländchen, welches nordwärts an einen Theil der ostgermanischen Menschenart stößt, an die dortigen Gebiete der holzschuhtragenden Jüten, südwärts an die Nachkommen der häßlichen Slawen und der entarteten Charakter, ostwärts an das stromlose Meer, welches zwischen Ostgermanen, Finnen und Slawen wogt, westwärts an das strom- und sturmvolle, das länderwegreißende, die [.?.] Nordsee, die gefährliche Freundin der Frisen und von der Urzeit bis auf heute das Hauptmoment ihres ganzen geschäftlichen Lebens, dieser schmale Landstreif zwischen großen Meeren, dessen Hälften, Geest und Marsch, jene das von der Schlei und der Apenrader Bucht begrenzte Angelngebiet, diese zum größten Theil schon in den Fluthen begrabene und nordwärts bis zur Listertiefe reichenden Heimath der Nordfrisen, den nördlichsten Theil der westgermanischen Welt bilden, dieser schmale Landstreif, sag ich, ist es, welcher den gerechtesten Anspruch auf die Ehrfurcht und Bewunderung der ganzen Erde hat, doch nicht eben in seiner jezigen politischen Gestalt, sondern erst dann, wenn wir den Ruhm seiner längsten Vergangenheit erwägen. Denn grade die westgermanische Art des jezigen Herzogthums Schleswig, welche nicht, und auch durchweg jezt noch, nicht weiter nach Norden reicht, als bis zur Lister Tiefe und der Apenrader Föhrde, was aus geografischen, topografischen und ethnografischen Beweisgründen erhellt, hat das Weltreich der Inseln geschaffen, dessen Küsten die nächsten und die fernsten der Erde sind. Eine solche weitwirkende Gründung hat in der ganzen Geschichte nicht ihres Gleichen gehabt. Unsre Anfänge diesseits der See sind außerordentlich groß gewesen, ihre Quellen strömten aus dem 5 ten und 6 ten Jahrhundert hervor, den dunkln Zeiten unsres glorreichen Lebens, unsre Kraft ging nach Westen über das Meer und über das Weltmeer, und als sie aufhörten auszugehen, und wir dem Wahlspruch "Bleibe im Lande und nähre dich redlich" folgsam geworden, da begann die Zeit unsrer Leiden, unsrer Schmach, unsrer Armuth, unsrer Dienstbarkeit, unsrer Ermattung. Die Dänen bohrten mitten durch die Geest bis an die Eider, und schnitten die zurückgebliebenen Frisen von den zurückgebliebenen Angeln ab. See und Strom fraßen unsre Marschen weg, und die Diener des Papstthums mit unserem Glauben unsre Gabe. - Als unsre Väter im 5. u. 6. Jahrhundert ihre Züge nach Brittenland antraten, auf dem Seeschiff, ungewöhnlicher und südlicher [?], als je geschehen, da waren unsre Länder frei, ohne Könige, ohne Adel, ohne Kirche, kein römischer, kein orientalischer Begriff auf unserm Urland zwischen Ost- und Nordsee, auch noch kein ostgermanisches Wesen, welches schon von Anbeginn Alleinherrschaft und Dienstbarkeit kannte (Germ. 44), unser Geist war mächtig, kühn und reich an Plan und Vorsaz, unser Gemeinwesen fest und allumfassend, unser Staat das Gemeinwesen, kein Stillstand oder Status, sondern Fortschritt, unser Gebieter das Volk, unsre Geseze moralische Nothwendigkeit, der Volkswille, und unser Richter die Gesammtheit. Das [.?.] war hell und schön, wie das Junus, unverdorben, weil unvermischt, unsre Sprache desgleichen und nicht gebildet auf der Studirstube durch denkende Schreiber, oder verbildet, sondern gepflegt und gekräftigt auf der Volksversammlung, dem natürlichsten und lebendigsten Organ aller Sprachbildung, durch patriotische Redner. Die Anfänge unsrer volksthümlichen Größe in der Heimath gingen für die Heimath verloren, sie leerte sich selbst aus zum Ersaz derer, welche ein glückliches Vaterland für ein neues in der fernen Fremde aufgaben, das Looß der Ausgewanderten ward glücklicher, als das der Zurückgebliebenen, denn es war die Blüthe und Auswahl, die freie Jugend der Völker unsres westgermanischen Flachlandes, welche übers Meer nach England ging. Und welche diesseits geblieben, erfuhren ebenfalls unter sich selbst ein verschiedenes Looß, die Geest, immerdar [?] leichter als die Marsch gierig an [?] Kriegswaffen wie bösen [.?.] und Rittern zugänglich, ward bald unterjocht, die Dänen eroberten Alles bis an die Eider und rotteten in Angelnland die Ursprache aus, welche der frisischen sehr ähnlich war. Jahrhunderte länger widerstand die von Frisen bewohnte Marsch, welche rings um von der See umflossen und durch Seearme von der Geest geschieden lag. Der Geest und Marsch trennende Seearm, welcher einst südwärts in der Hewer, nordwärts in der Listertiefe seinen Ein- und Ausgange hatte, ist jezt längst größtentheils verschwunden, und draußen vor neuaufgeschlickten Festlandsmarschen hat sich von Husum bis nach Hoier der große Haffdeich erhoben zwischen den Insel- und den Küstenfrisen. Viel länger als die Angeln im Osten konnten die Frisen im Westen, von der Natur ihres Erdbodens vertheidigt, ihre angeerbte Eigenthümlichkeit bewahren, bis auf diesen Tag sind alte Sitte und Sprache unter ihnen bei weitem vorherrschend, nur politische Gewalt war es, welche nach der unglücksreichen Sturmfluth des Jahres 1634 dem frisischen Menschen auf Nordstrand und Pellworm seine Zunge ausschnitt, und vor 200 Jahren sprach man ebenfalls in Eiderstedt überall noch Frisisch.

Die Angeln und die Geestbewohner des Herzogthums Schleswig verloren durch dänische Gewalt den Mund ihrer Väter, aber nie ganz den Charakter und das Aeüßere derselben, denn das Frisische und Anglische d.i. das Urvaterländische des erwähnten Herzogthums ist so zäh, daß nie eine fremdartige Macht es völlig vertilgen zu können scheint. Was sich mitten durch diese beiden urvaterländischen Elemente eingebohrt hat, das Dänische als Theil des Ostgermanischen, wird nimmer vermögen, sich weder seitwärts noch vorwärts bedeutend auszubreiten, denn die Intelligenz liegt auf der West- und auf der Ostseite unsres Herzogthums, nicht in der Mitte, und von vorne stößt der holzschuhtragende Mensch, der von Jütlands Rücken her südwärts wünschte, auf den starken Stamm der Holseten, stolzen und starken Wesens und westgermanischen Geschlechts. Was der westgermanische Mensch gegründet und geschaffen hat, ist ewig, so lehrt die germanische Geschichte im Großen, in den Thaten der Ostgermanen liegt eine solche Dauer nicht, und nie haben sie die Enden der Welt erreicht. Auch in unserm kleinen Herzogthum Schleswig hat sich diese Erscheinung offenbart, was hier der Ostgermane auf der Geest danisirte, dem hat der Westgermane von Süden her im Lauf der langen Zeiten wiederum andre Farbe aufgedrückt, sowol in Sitte als in Sprache, denn es ist der Grad der geistigen Potenz, was die endliche Entscheidung gibt. Der Westgermane ist mächtiger als der Ostgermane, ist von jeher mächtiger gewesen, und wird auch, wie aus seinem gegenwärtigen Zustand geschlossen werden muß. [...].

 

 

2. Persönliche Aufzeichnungen

 

 

NCL 2.2 Vollständige Abschrift der Selbstbiographie von K.J. Clement.

 

 

Copie

 

Ein kurzer Abriß meines Lebens

 

Auf der äußersten nordfrisischen Insel Amrum, in einem Häuschen mit Strohdach, aber reinlicher und besser als das des afrikanischen Reisenden Mungo Park bei Newark in der Yarrow und Ettrid-Gegend, ward ich geboren. Meine Mutter, im Äußern und Innern eine echte Frisin, erzog uns Kinder zur Gottesfurcht und allem Guten. Die Männer sind zur See, die Mütter erziehen, niemand anders, sie geben den Söhnen ihr Herz und Gemüth, was Männer nicht vermögen. 17 Jahre alt verließ ich meine Dünenheimath, nichts anders mit mir nehmend, als Gesundheit an Körper und Geist, ein unschuldiges Herz, ein starkes Gottvertrauen und dazu noch ein lebenlanges Heimweh, kein Geld und keine Aussicht. Meine Brüder wählten die Pfade der See wie mein Vater, Großvater, Urgroßvater und die meisten Vorfahren seit undenklichen Zeiten gethan. Mein Vater war Schiffsführer in der preußischen Handelsmarine, sein Rheder wohnte in Colberg. Mein Großvater, desselben Namens, führte auf der großen Fahrt, einen Dreimaster unter Kriegscommando. Schon im 10ten Jahre begleitete ihn mein Vater als Schiffsjunge nach Westindien von Guinea aus. Mein Urgroßvater war Rathsherr und Richter im frisischen Gericht, ehe die Dänen unser altes Recht vernichteten. Meines Urgroßvaters Urgroßvater war der 2te lutherische Prediger auf Amrum, während einer Zeit von 52 Jahren. Ihn ließen, wegen seines Talents, Hamburger studiren, als er zur See sollte. Er vernichtete alle Überreste des Papstthums auf der Insel und strebte als Frise für die Erhaltung der Erbverfassung der Insel. Die Taufbücher von ihm, worin vieles über Landesdinge eingetragen gewesen ist, haben dänische Beamte ebenso aus der Welt geschafft, wie die große Kiste am Altar der St. Laurentie [sic] Kirche auf Föhr, wo die Väter sie zur Sicherheit hingestellt, mit alten Urkunden und Freibriefen der Nordfriesen.

Eines Abends kurz vor dem Einschlafen, kam mir plötzlich der Gedanke zu studiren. Mir war wunderbar zu Muthe, allein ich betrachtete ihn als einen Wink des Himmels und wandte mich sofort an den Director des altonaer Gymnasiums. Man nahm mich auf Probe auf und nach Verlauf von 4 Jahren voller Arbeit, Mühe und Entbehrung bezog ich die Universität zu Kiel. Meine altonaer Abschiedsrede war in Poesie. In Kiel studirte ich 2 1/2 Jahre Theologie, hörte alle theologischen Vorlesungen, die man hören muß, nahm überdieß an Examinatorien in der Logik, Moral usw. theil, besuchte das philologische Seminar, studirte fleißig Hebräisch und Syrisch, Isländisch und Dänisch, trieb in den drittehalb Jahren mit Lust Sanskrit, las schon als Student meist alle römischen Klassiker bis auf Ammianus Marcellinus, besonders Tacitus, machte mich dann mit den meisten mittelalterlichen Geschichtenschreibern, Chronisten und Annalisten und den lateinischschreibenden Koryphäen der neueren Zeit in Holland, Deutschland und England bekannt, ergänzte dieses Studium auf späteren Reisen in den Bibliotheken zu Edinburgh, Dublin, Oxford und London und fügte das der verschiedenen Annalen Englands [sic] hinzu.

Meiner hamburger Wohlthäter gedenke ich mit ewiger Erkenntlichkeit, durch sie kam ich nach Heidelberg, wo ich meine nachherige Gemahlin, die von außen und innen ein wahrer Engel war und welche der Geheimrath Schloßer die Perle Heidelbergs genannt, kennenlernte. Die Johann Heinrich Bossische Familie gab mir die Gelegenheit zu ihrer näheren Bekanntschaft. Sie war die nächstjüngste Schwester des Landschaftsmalers Erich Fries und der Frau Consistorialräthin Thilo in Halle. So weit ein menschliches Auge sehen kann, scheint ihre in Folge der schändlichen Behandlung dänischerseits, die ich erfuhr, ohne etwas verbrochen zu haben, ganz veränderte Lebenslage [ihr] frühes Ende herbeigeführt zu haben. Sie starb vor reichlich 3 Jahren zu meinem großen bleibenden Kummer, nachdem wir noch nicht 12 Jahre aufs Glücklichste vereint gewesen, vier Söhne und 1 Töchterchen hinterlassend, unversorgt wie ich selbst.

Nachdem ich in Heidelberg, wo ich mir meine Existenz durch Privatstunden, die ich in einer französischen Lehranstalt und drei Enkeln Herders gab, möglich machte, historische, juristische und cameralistische Studien 1 1/2 getrieben hatte, kehrte ich im Jahre 1835 nach Kiel zurück, bestand das philosophische Examen und ward nach vorhergegangener mehrstündiger, in lateinischer Sprache geführten Verteidigung gewisser Thesen, wobei zwei Philologen und ein Professor der Theologie meine Opponenten waren, zum Dr. Philos. promovirt.

Jetzt wandte ich mich nach Kopenhagen und suchte um ein Reisestipendium an. Nach einer Audienz bei S.M. dem Könige, die eine Stunde dauerte, ward mir das große Reisestipendium bewilligt und zwar auf drei Jahre, in einem Jahre erhielt ich es sogar doppelt, was vielleicht nie sonst geschehen ist. Friedrich der 6te und Christian 8 waren mir beide persönlich sehr gewogen und noch immer denke ich an sie mit großer Dankbarkeit zurück.

Im September 1836 trat ich meine historisch-ethnologische Reise über See nach Westeuropa an aus eigener Wahl und vollendete diese Tour durch England, Wales, Schottland, Irland, die Norderinseln und Hebriden zu Fuß und zu Pony, doch meistens zu Fuß, Winter und Sommer reisend, in drittehalb Jahren, durchkreuzte alle schottischen Hochlande von Lage Wrath bis zum Grampian und der Mull of Kantire, durchwanderte die äußersten Hebriden von der Butt of Lewis bis Barra-Head, alle Küsten der schottischen Niederlande, alle Küsten und Landschaften von England und Wales, alle Küsten Irlands von der Nordwestseite bis Caresoripoint im S. u. O und von da bis zu den Seen von Killarney und über den Channon hinaus, ferner große Strecken im Innern Irlands und endlich die Inseln Man und Anglesea rings herum. In den Orkneys war ich von November bis zum Februar. In Frankreich besuchte ich die ganzen Küstenstrecken von Calais bis über die Loire hinaus, hauptsächlich die Picardie, die Normandie und die Bretagne, in welchem letztgenannten Lande mein Hauptaugenmerk die Grenze der brettonischen Sprache war. Holland hatte ich schon früher besucht. Von der Loire kehrte ich über Orleans und Paris, Belgien, die Rheinlande, Baden, Bayern, Böhmen, Polen und die preußischen Ostseeländer nach der Heimat zurück. Das meiste von diesem Reisematerial ist bisher ungedruckt geblieben. Besonders auf das Ewige und nicht Vorübergehende in der Menschenwelt hatte ich mein Auge gerichtet gehabt.

Im Jahre 1842 ward ich von König Christian den 8ten vorläufig als Privatdocent mit festem Gehalt an der Universität zu Kiel angestellt. Ich las über schleswig-holsteinische Geschichte, dänische Geschichte, dänische Sprache, die englische Verfassung, deutsche Geschichte, mehrer Shakespearesche Stücke, die Germania des Tacitus, den Julius Agricula [sic], über Irland u.s.w. Mehrere von diesen Vorlesungen waren zahlreich besucht.

Nach Beendigung der Statthalterschaft erhielt ich mein Urtheil, verlor Amt und Alles, wofür, weiß ich nicht. Ich hatte ein Buch über die Sprache und Nationalität Schleswigs geschrieben und war deutsch gesinnt. Ich hatte stets mit frisischer Behutsamkeit gehandelt. Ich habe niemals an irgend einer politischen Versammlung oder Demonstration zum Umsturz des Bestehenden theilgenommen, denn dieß ist meine ganzen Denk- und Sinnesweise von jeher zuwider gewesen.

Mein Leben ist ein Mühevolles und ich wünsche mit Sehnen eine Verbesserung solcher Lage. Ich glaube in mehr als einer Wissenschaft eine Professur an einer Universität bekleiden zu können. Seit 10 Jahren habe ich die Geographie im Großen getrieben. In der Geschichte habe ich Bahn gebrochen, man wird dieß später besser erkennen. Meine Ansicht von der alten Geschichte Germaniens und Scandinaviens ist eine von der bisher [sic] ganz verschiedene. Viele meiner neuen Ideen sind in die neuen und neusten Geschichtsbücher übergegangen, wenn auch der Urheber gewöhnlich ignorirt wurde. Meine Darstellung der Geschichte Ur- und Altenglands ist eine nagelneue. Sie gründet sich auf Thatsachen und Sprachstudien. Meine Sprachkenntnisse sind weit umfassend. Ich habe Hebräisch, Arabisch, Syrisch, Sanskrit, Griechisch, Lateinisch, Italienisch, Deutsch in allen Dialekten und in jedem Zeitalter, Holländisch, Westfrisisch, Altfrisisch, Nordfrisisch in seinen Dialekten, Französisch, Romanischfranzösisch, Englisch, Altenglisch, Breitenglisch, Breitschottisch, Galisch [sic], Irisch, Kumrisch, Brettonisch, Isländisch, Inland-Norwegisch, Schwedisch, Dänisch und Plattdänisch studirt, die meisten dieser Sprachen gründlich. Mehrere derselben spreche ich fließend. Seit 10 Jahren halte ich eine Wind- und Wetterliste und ein Tagebuch über alle Erdbeben und Naturphänomene auf dem Erdball. Dazu gehört eine große Lectüre. Die jetzt allgemein werdenden Beobachtungen der gleichzeitigen Witterung und Phänomene in verschiedenen Ländern habe ich zuerst angeregt und die Theorie der ringförmigen und elliptischen Erdbebenbahnen wird sicherlich in Zukunft angenommen werden. In nautischen und oceanischen Dingen, womit ich von Jugend auf vertraut gewesen, wird niemand mir eine tiefere Kenntnis absprechen dürfen.

Meine Schriften sind folgende: De original [sic] Theudiscorum, deutsch: Über den Ursprung der Theudisken. Meine Promotionsschrift, die erste, die von mir gedruckt wurde. Die Nordgermanische Welt (sehr gelehrt), die Lebens- und Leidensgeschichte der Friesen, der Lappenkorb, die Constitution Großbrittaniens, die Lex Salica, Shakespeares Sturm, die Erklärung der Unabhängigkeit der 13 vereinigten Staaten Amerikas, Reise durch Deutschland, Holland und Frisland im Sommer 1845, Reisen in Irland, der Franzos und seine Sprache, Nationalität und Sprache Schleswigs u.s.w. Das sind die Bücher. Vielleicht sind noch ein paar vergessen, deren ich mich im Augenblick nicht entsinnen kann. Zwei ziemlich umfangreiche liegen für den Druck fertig: Die deutsche Namenswelt, das Erzeugnis eines mehrjährigen Studiums - ward schon 1848 begonnen - und die Bekehrung Englands in Reimversen mit einem gelehrten Kommentar - aus Originalstudium hervorgegangen. Die Auffassung und die Darstellung, beide nagelneu, geben dem Werk sein Hauptinteresse. Außerdem habe ich zu dem Archiv der neuen Sprachen und Litteraturen, den vormaligen Hallischen und Jenaer Litteraturzeitungen, dem Ausland, den Heidelberger Jahrbüchern, Strickers Germania, Maltens Weltkunde u.a. Zeitschriften viele Bände ausmachende Beiträge geliefert; viele Tageblätter ersten Ranges nicht zu vergessen. Eine Probe meiner Erdbebentheorie enthält Petermanns geographische Zeitschrift. Soeben habe ich einen Octavband betragenden Auszug aus Noah Websters Englischen Wörterbuch liegen, woraus erhellt, wie voll von Irrthümern die größten englischen Dictionaries sind und arbeite nun an einer Schrift betitelt: A true Picture of England, being an original sketch both of the people and their language.

So wie noch manches übersehen worden ist in dieser Skizze, hatte ich bald auch vergessen die größeren Arbeiten in Cottas Vierteljahreszeitschrift von mir zu erwähnen, als das Leben in den Buchstaben, die Ethnologie Deutschlands, Hollands und seine Sprache.

 

gez.

Dr. K.J. Clement

 

Hamburg den 16. Juli 1858

 

 

NCL 2.3 Abschrift des Briefes an seinen Sohn Edmund

 

 

Ueber mein engl. Buch "Die engl. Sprache, wie sie ist und war" schrieb ich am 31. März 1873 von West Philadelphia an Edmund in Jena:

Das Buch wird Licht verbreiten und Aufschluss über Dinge geben, wovon nie ein Mensch gedacht hat. Es wird in englischer Sprache abgefaßt, auch die [.?.] habe ich englisch geschrieben. Es ist eine harte, scharfe Kritik, welche die englische Zunge hier erfährt. Ich zeige darin meine Sprachkenntnisse, die Anderen nicht vergönnt sind. Wissen ist Macht, und es ist nötig, dies dem mächtigen John Bull zu zeigen. Das Buch wird in England erscheinen, nicht in dem oberflächlichen, aber überklugen America. Ich weise darin nach, wie viele frisische Wörter in der engl. Sprache sind, wie viele dänische, welchen Sprachtheil die von den franschen Skandinaviern herüber gebrachten Ausdrücke ausmachen, wie viel später geborgtes Französische im Englischen ist, ferner daß an Zahl die römischen Wörter den Haupttheil der englischen Sprache ausmachen, daß diese Thausende von Römerbrocken größtentheils erst seit der Reformation mit dem Auftreten der sogenannten klassischen Literatur hineingekommen sind, während man aus Dummheit nach und nach die Kernausdrücke der Vorfahren und der seiner geistvollen Bezeichnungen aus der Frisensprache, welche in den frisischen Volksversammlungen natürlich schon zu den Zeiten der Gründung Englands zu großer Vollkommenheit gelangt war, überbord warf und zwar zu Thausenden, daß, obwohl die Wortfügung in der engl. Sprache die dänische ist, nicht die frisische, doch nur etwa 200 dänische Ausdrücke sich darin finden, aber etwa 5000 frisische. Alle andern sind römische und fransch-romanische. Ferner werde ich John Bull unwiderleglich zeigen, daß etwa die Hälfte seiner praeterita und participia falsch gebildet sind, daß die corrumpirtesten Ausdrücke römischer und franscher Abkunft weit älter sind in der engl. Sprache, als die seit dem 16ten Jahrhundert aufgenommenen, an deren Form ihr Alter zu erkennen ist, daß John Bull von jeher der Nachahmer von Rom und Frankreich gewesen ist, daß kein Volk seine Vorzeit so vergessen, so verrathen, und die schönen frisischen u. dänischen Theile seiner Sprache so weggeworfen hat für lose Spreu, als das engl. Volk, daß sehr viele der späteren engl. Sprachbildungen theils grundfalsch, theils höchst armselig sind, daß endlich die engl. Sprache, wie sie jetzt geworden, aus Unwissenheit für eine schöne, klingende gehalten wird, wie die umschreibende und daher in ihrem Wesen [.?.] furchtbar entstellte fransche [?] Diplomaten und Einfältigen für die beste gilt.

 

 

NCL 2.4 Abschrift des Empfehlungsbriefes von Heinrich Zoepfl

 

 

Heidelberg, 28. August 1871

 

 

 

Abschrift

 

P. M.

 

Die neue Arbeit des Herrn Dr. Clement über die Lex Salica und bes. die Malbergsche Glosse ist durchaus originell und beruht auf einer solchen Kenntnis der friesischen Sprache, wie dieselbe nur bei sehr wenigen dermal lebende Gelehrte in gleichem Grad angetroffen werden möchte. Sie eröffnet in vieler Beziehung ganz neue Ansichten über dieses wichtigste Rechts- und Sprachdenkmal des deutschen Alterthums und vermag meines Erachtens wesentlich beizutragen, über einen großen Theil der zahlreichen Fragen und Räthsel, welche diese Document der gelehrten Welt aufgibt, zum Abschlusse zu gelangen. Jedenfalls wird diese Arbeit aufsehen erregen und vielleicht sogar, wie alles Neue, von anderen Seiten heftigen Widerspruch hervorrufen, aber gerade aus diesem Grunde ist ihre Erscheinung besonders wünschenswerth, denn nur im Kampfe kann die richtige Ansicht zum endlichen Siege gelangen.

Es ist einleuchtend, daß die Herausgabe einer Monographie von so großem Umfang (20-30 Druckbogen) Schwierigkeiten unterliegt. So wichtig dieses Werk auch für die Wissenschaft ist, so wird sich doch nicht leicht ein Verleger dafür finden, indem der Gegenstand zunächst nur von speciellem Interesse für die Männer vom Fache sein kann, also ein buchhändlerischer Gewinn für einen Verleger nicht in Aussicht steht. Ich würde es aber für einen großen Verlust für die Wissenschaft erachten, wenn wegen solcher materiellen Rücksichten die Publication eines solchen Werkes unterbleiben müßte. Ich kann daher nur den Wunsch aussprechen, daß eine oder die andere deutsche Regierung hier ins Mittel treten und durch die Bewilligung einer die Druckkosten deckenden Summe den verdienstvollen H[errn] Verfasser in den Stand sezen möchte, die Herausgabe zu ermöglichen.

 

Heidelberg, den 28. August 1871

 

 

Dr. Heinrich Zoepfl

 

Heidelberg, den 28. August 1871 Großh. Bad. Hofrath u. Prof. d. R.

 

[weiterer Eintrag durch Beschädigung unles]

 

NCL 2.5 Abschrift seines Vortrages, den er vor Freunden Irlands gehalten oder halten wollte.

 

 

Ladies an Gentleman!

 

Appearing before you tonight, acquainted only with a few among you, I am bound, before entering upon the subject of my lecture, to say something about myself, about my political and literary character, about my qualifications as a traveller and a scholar.

Tonight I have the same intention, a similar feeling, as when I last stood before an english audience, reminding them of Saxon-Englands forget fulness of its mother-country, my nativeland (Sleswig), which was then oppressed by the danish government. My intention was the same as it is now - to assist in the deliverance of an ill-treated poeple.

By birth descent, as well as mother-tongue I belong to the island-frisian people on the east-coast of the North Sea. Our language is quite different from German, Danish and Dutch, an the spirit of my people has been at all times purely democratic. They never liked rings, and one of their symbols was: Beware of all who live in castles! I could never expect to be much favoured by governments, such as rule the continent of Europe. I studied in Kiel and Heidelberg and published my first book on the origin of the Theudisci, now called Germans, who are but a part of the Germani. For seven successive years I was a member of the university of Kiel, and was removed in consequence of my opposing danish despotism. I made a three years journey through the west of Europe from 60° to 46° latitude, and through the greater part of the european continent. Upwards of two years I travelled in England, Scotland and Ireland.

About 40 books, among which there are a few pamphlets, I have written and published on rarious historical, political, ethnological, philological, geognosic, oceanic and other subjects. Five times the whole amount again I have written in newspapers and periodicals in the german, latin, french, frisian, english, dutch and danish languages, and besides 10 more books, not yet published, one of which treats on the christianisation of the people of England, beeing a poetic work, a kind of epos, compose in rhyme-verses. I am sorry that this work was doomed to remain unpublished. When I wrote my book about the duchy of Sleswig (366 pages), which has done much good to my nativeland, my sword in our struggle against the Danes was my pen, by which I silenced the shameless brag of some of the professors of the university of Copenhagen.

My last work of four volumes, I am now writing, treats largely of all the germanic laws of the so-called middle-ages, from the 5th to the 15th century. The first volume (about 500 pages) containing the Lex Salica (Salic Law), that is the first law of the french people, was ready for print already in the month of July last year. Having been encouraged by the prussian gouvernment to compose this work, I saw Professor Zoepfl at Heidelberg, one of the most renowned professors of law in Europe, to obtain his opinion on the first volume. After having perused the same, he gave me a most excellent testimonial in reference to its worth, which I accordingly sent to Berlin, requesting the government to assist me in publishing the book written upon their suggestion. In answer to my just request, the government in Berlin kept professor Zoepfl's testimonial and refused to publish the book, saying that they had no funds for such-like gifts. - Soon after, just at the beginning of this year, I embarked for America.

Once arrived in this country, I looked back across the broad Atlantic, not upon Germany and Berlin, not upon England and London, but upon Ireland, and then I was reminded of a promise given to many, when travelling in Ireland, not to forget them, and to speak a word for that country. I have done so in the continent of Europe, but it was to no avail. I shall now do it here too. After having studied the ancient irish annals, written in old Irish and Latin, and the whole history of Ireland from time immemorial to the present day, after having seen the land myself all around its shores, and crossed its interior in different directions, I stand on the side of Ireland against England, and shall now enter upon my subject "The robbed soil of Ireland", after a few remarks about my trip to Ireland.

 

[Aus den Eintragungen auf der Rückseite des zweiten Blattes geht hervor, daß es sich um einen Vortragsentwurf handelt].

 

First words: I am much obliged for the welcome you give me tonight. It reminds me of my good Ireland. Patriotism and hospitality are two of the greatest virtues, which I trust will never befonnd [?] wanting in the irish people.

 

Conclusion: Now, Ladies and Gentleman, natives of Erin and friends of Ireland, I respectfully thank you for having so attentively listened to my first lecture in this city. 2. (Wat I have said tonight, is but a small part of what I intend to say about Ireland. - With your assistance I will hold some more lectures in this city). I long to speak again to Irishmen and friends of Ireland and refer you about time and place tp the advertisement.

 

1. or: (Ladies an Gentleman! I cannot but express my warmest gratitude to you for the great attention, paid to this my first lecture, delivered on american soil). In the course of this season, 3. (I shall make it a point, to furnish my friends with such subjects of Ireland, as will be both interesting und instructive, and give general satisfaction to those attending my lectures. Should I, under your anspices [?], continue them, I refer you about time and place to the advertisement).

 

 

NCL 2.6 Abschrift der beiden Notizen

 

 

[Seite 1]

 

Der große Temperaturwechsel seit dem 28. Augustus 1859, wo die Hize plözlich um 16° abnahm, darf ich der Aurora Borealis nicht zuschreiben, auch schon deswegen nicht, weil manchmal Hize ebenso schnell darauf folgt.

In Westindien scheinen die rothen Nordaurorie [?] die gewöhnlichen zu sein. Die Grundfarbe des Nordlichts ist die Eisfarbe. Unmittelbar auf die 16 Nordlichter insgesammt, folgte in England und in Norddeutschland die größte Octoberhize in unserm Jahrhundert.

Das Nordlicht scheint südwärts nicht bis zu dem Punct, wo im atlantischen Ocean der Polarstern dippet (kaum mehr am Kimming sichtbar ist), das ist bis zum Aequator, sondern höchstens nur bis einige wenige Grade Norden vom Aequator. Nach meinen eigenen Beobachtungen (die können aber freilich nicht vollständig sein) und wie mir scheint nach Naturgesezen[,] kann es keine Süd-Aurora geben, die an der Südküste Englands sichtbar wären.

 

 

In der Unterrichtzeitung [?] Beiblatt zum 25. November 1859 zu lesen:

Hamburg, 25. Novbr. Soeben ist hier bei Perthes-Besser und Mauke erschienen: Das große Nordlicht in der Nacht zum 29. August 1859 und die Telegraphenverwirrung in Nordamerica und Europa von Dr. K.J. Clement, 7 1/2 Bogen (1 Thlr.). - Die umfassenden vieljährigen Forschungen und die reiche Lectüre des in den verschiedensten Fächern des Wissens heimischen Verfassers, seine mehrjährigen Reisen und seine specielle Befähigung und Erörterung des in dieser Schrift behandelten Gegenstandes, erwecken schon im voraus ein günstiges Vorurtheil für dieselbe; - das Interesse an derselben wird aber noch wesentlich dadurch erhöht, daß dieselben nicht wenig Neues, Ueberraschendes, viele feine [?] Forschungen und manche scharfsinnige Ergebnisse für die Naturwissenschaft bietet. Schon die nachfolgende Inhaltsanzeige wird Jeden von der Mannigfaltigkeit der in der Schrift behandelten Materien und der zweckmäßigen Anordnung derselben überzeugen.

- Eine Nachschrift handelt von der Aurora Australis. - Den durch die vorstehenden Kapitalüberschriften skizzirten, an sich ziemlich spröden Stoff, hat der Verfasser vollständig zu bewältigen und gewandt zu verarbeiten verstanden.

 

 

NCL 2.7 Abschrift der Vorrede zum Lappenkorb, die sich auf der Rückseite des Briefes an W. Engelmann v. 2. Februar 1847 befindet (NJA 4.1.6).

 

 

Vorrede

 

Der Lappenkorb, obgleich in allen seinen Theilen ein rein frisisches Erzeugnis, beschränkt sich weder ausschließlich auf ein bestimmtes Volk öder Völkchen noch auf ein bestimmtes Publikum in der Lesewelt, sondern ist für den Menschen überhaupt gemacht, ist ein allgemein volksthümliches Werk, und alle, alt und jung, gelehrt und ungelehrt, vornehm und gering, werden darin finden, was ihnen angenehm und nüzlich ist. Auch darum habe ich es für gut erachtet, ihn innerhalb der deutschen Grenzen einzuführen.

Zu diesem Entschluß gab der westfrisische Lappenkorb, eines der meistgelesenen Volksbücher, die es gibt, den Antrieb. Der westfrisische Lappenkorb, worin mehrere Frisen gearbeitet haben, und zu dessen Entstehung der westfrisische Schneider Gabe Ribes die Veranlassung gab, besteht schon seit vielen Jahren unter dem Titel "De Lapekoer fen Gabe Scroar", d.h. der Lappenkorb von Gabe Schneider. Dieses ungemein beliebte und überall in Westfrisland sich findende Volks- und Hausbuch ist in westfrisischer Sprache abgefaßt und im Jahre 1834 zu Dimter (d.i. Deventer) zum dritten mal herausgegeben worden von dem um die frisische Literatur sich verdient gemachten Dr. J.H. Halbertsma und zwar mit einer 32 Seiten langen holländischen Vorrede und einer neuen Orthographie versehen. Die westfrisische Sprache, welche noch allenthalb auf dem Land in Vriesland, aber nirgends in den angrenzenden Landschaften, selbst nicht mehr im Groningerland, auch in den Städten Dockum, Franecker und Sneek gesprochen wird, ist allgemein genommen wirklich frisisch, im Einzelnen aber durch die so lang gedauerten fremden Einflüsse, besonders von Holland her und in Folge der mancherlei schweren Schicksale, welche Jahrhunderte hindurch das Land getroffen, sehr verunstaltet und verstümmelt. Sie ist von jeher die Umgangs- und Schriftsprache in Vriesland gewesen, obwol seit der engeren Vereinigung mit Holland die holländische die Schul- und Kanzel- und auch vorzugsweise Schriftsprache der Westfrisen geworden ist. Für einen Nordfrisen ist es nicht schwer, die Land- oder Bauerfrisen in Vriesland zu verstehen, was ich selbst erfahren. Einem Deutschen oder Holländer aber ist solches ohne vorhergegangenes Studium nicht möglich, geschweige einem Fremden.

Die größere Hälfte dieses deutschen Lappenkorbes, nemlich von S. 1-206, ist der westfrisische "Lapekoer", dessen Form und Inhalt ich im Ganzen unverändert gelassen. Der angefügte Stoff, dessen Verbindung damit wol kein Leser mißbilligen wird, ist dem verwandten nordfrisischen Boden entsprossen. Der "Lapekoer" mit seinen Poesieen [sic] ins Deutsche zu übertragen, ist nicht leicht, auch dem gebornen Frisen nicht, doch die Güte seiner mannigfaltigen Lappen ist der Mühe werth.

In diesem Volksbuch ist das Belehrende mit dem Unterhaltenden, das Humoristische mit dem Ernsten, das Frisische mit dem allgemein Germanischen, das Zarte mit dem Derben, das Einfache mit dem Sinnreichen und das Gefühlvolle mit dem Heitern auf eine eigenthümliche Weise miteinander vereinigt. Ein gewisses komisches Element zieht sich durch das Ganze hindurch, und die komische und doch zugleich ernst gehaltene Darstellung der nüchternen Wirklichkeit des Alltagslebens gibt der Lectüre eine ganz eigne Anziehungskraft. Das Buch macht die seltne Ausnahme, daß es für alle Stände in der menschlichen Gesellschaft geschrieben ist, und daß es verstanden wird vom Kind bis zum Greise.

Mehr Worte bedarf es nicht, der Leser wird besser selbst erfahren, was der Vorredner ihm nur unvollkommen sagen kann.

 

 

K.J. Clement

 

 

Kiel im Octbr. 1846

 

 

NCL 2.8 Abschrift des Empfehlungsbriefes von Mr. James an John Murray, befindet sich auf der Rückseite des Briefes von Thiedemann an Clement v. 30. Dezember 1843 (NCL 4.1.37)

 

 

Empfl.Brief v. Mr. James an John Murray, Pegre [?] Albemarle Street, London

 

 

Heidelberg 3. Octbr. 1845

 

My Dear Sir

 

This letter will be [?] to you by my friend, Dr. Clement of Kiel. Hi has travelled for some years in Engl. and Ireland, speaks the language of our country well, and has mingled much with all [.?.] in Great Britain. During his stay in England, hi has kept notes of his observations, and has since written his travels, but hi entertains the project of engaging a translator to [.?.] the book into English under his own eye and publishing it in our country, before it is printed here. Before doing so, however, hi wishes to make [.?.] an arrangement with a publisher in London, as will [.?.] him in going to the expence of translation, and I have strongly advited him to apply to you in the first instance. Hi must enter into fuller explanations with you himself, but to me, hi ideas open the most important events of the day, seem so original and unlike those of any other foreigner - especially Four-men [?], that I cannot help thinking the baon [?] would be very succesful, especially it published as "Views of England and English society by a Danish Liberal". Entre nons [?] the Danish Liberal becomes highly reservation upon much points of political interest [?] in England. Perhaps the diffically regarding a copy right in a translation right he got over by his holding [.?.] the publication of the original in Denmark and Germany till the work has been published a certain time in England.

 

Your faithfully

 

G.L.R. James

 

 

NCL 3.2.3 Abschrift der Eingabe Clements an das Amtsgericht in Heidelberg v. 1. Februar 1858.

 

 

An das löbliche Großh. Badische Amtsgericht in Heidelberg

 

 

Ich, der Unterzeichnete, Gemahl der verstorbenen Louise geborne Fries aus Heidelberg, nicht im Stande selbst zu erscheinen, bitte um die Erlaubnis, Ew. Hochwohlgeboren vor Eröffnung der Gant die nachstehenden Thatsachen vorzulegen, wenn dieselben vielleicht geeignet wären in Betreff meiner und meiner verwaisten 5 Kinder zu irgend einer gerichtlichen Richtschnur zu dienen.

Das Erbtheil meiner seligen Gemahlin nach dem Ableben ihres Vaters Chr. Ad. Fries im Jahre 1847 betrug, nach Abzug der Aussteuer 9836 Mark [?] 54 X, wovon ihr einstweilen zum lebenslänglichen Niesbrauch meiner Schwiegermutter der vierte Theil oder 2459 Mark [?] 13 1/2 X entzogen wurden. Es blieben also 7377 Mark 40 1/2 X nach, welche mein Schwager Heinrich Fries als Chef der Firma Chr. Ad. Fries an meine Frau, seine Schwester, auszuzahlen hatte und zwar in den nächstfolgenden dreien Jahren. Die beiden ersten Posten sind mir geworden [sic], der 3te nie, und obgleich ich wiederholt in Briefen um Auszahlung dieses lezten rückständigen Postens gebeten, ist mir derselbe doch immerfort vorenthalten worden. Um den Frieden in der Familie nicht zu stören bin ich gezwungen worden zu schweigen. Am 31. Dec. 1854 betrug meine Forderung wegen dieses Postens an Heinrich Fries (Christian Adam Fries) 2200 Mark [?], wozu die Zinsen auf Zinsen mit 5% seitdem hinzugekommen.

Als im Jahre 1847 der übrige Nachlaß meines verstorbenen Schwiegervaters, einschließlich des besagten Kindestheils (zu meinem Antheil betrug dieser, wie oben angegeben, 2459 Mark [?] 13 1/2 X), welches als das Eigenthum meiner Frau jezt nach ihrem Hingang als mein Eigenthum betrachtet werden muß, ganz und gar in das Geschäft der Firma Chr. Ad. Fries überging oder darin verschlungen werden sollte, war ich, als Ausländer, der einzige, denk' ich, der sich mit solcher Handlungsweise als nicht einverstanden erklärte und meine Unterschrift verweigerte. Ich fragte nach der Bürgschaft für das so verwendete Eigenthum, und Heidelberger Notare antworteten mir, die Bürgschaft sei der Badische Staat. Und als ich nun noch nicht zur Unterschrift zu bewegen war, weil ich die Folgen ahnte, da ward meine Louise, die ein wahrer Engel war, von einem der Notare mit der Gefahr der Enterbung bedroht. Jezt mußte ich dem Bitten meiner Frau, welche hiezu sagte: "Wir wollen lieber Unrecht leiden", nachgeben und ward genöthigt zu unterschreiben, doch mit größtem Sträuben. Wie viel ich in Folge dieses Auftrittes habe leiden müssen, ist Gott bekannt, und obschon ich als Ehrenmann bekannt bin, hat man deßwegen selbst meines guten Leumunds nicht geschont.

Für ihre Nichttheilnahme am Geschäft und dessen Vortheilen ist meine Louise nie entschädigt worden, und was mein Eigenthum in der Firma Christian Adam Fries betrifft, über welchem jezt die Gefahr des Verlustes schwebt, so habe ich dieselbe niemals freiwillig ins Geschäft gegeben, um durch Zinsen Vortheile zu erndten, sondern der obenerwähnte Kindstheil (2459 Mark [?] 13 1/2 X), mein Eigenthum, ist nach Badischem Recht, also gezwungen, mir entzogen worden und die besagten 2200 Mark [?] nebst den seit Beginn des Jahres 1855 unbezahlten Zinsen auf Zinsen zu 5% sind mir gewaltsam vorenthalten worden.

Dieß sind die leitenden Puncte, worauf ich die Aufmerksamkeit Ew. Hochwohlgeboren bei dem Gang des Gantverfahrens betreffend die Handlungsfirma Chr. Ad. Fries hinlenken möchte hinsichtlich meines Rechtsanspruchs, und es scheint mir klar daraus hervorzugehen, daß ich die nächsten Ansprüche habe, die nur immer erhoben werden können und die am ehesten zu berücksichtigen sind.

 

In der Ueberzeugung, daß Sie als Machthaber das Recht in gebührender Weise handhaben und mir als fernlebenden Ausländer zu den Meinigen zu verhelfen sich bestreben werden, bin ich

 

Ew. Hochwohlgeboren

gehorsamer Diener

 

Dr. K.J. Clement

 

Hamburg (24 Feldstrasse, St. Pauli)

den 1. Febr. 1858

 

 

 

 

 

 

NCL 3.2.4 Abschrift der Eingabe Clements an das Amtsgericht Heidelberg v. 14. März 1858.

 

 

An das löbliche Großherzogliche Badische Amtsgericht zu Heidelberg

 

Die gedruckte Vorladung Ew. Hochwohlgeboren, datirt den 26. Februar, zu Tagfahrt behufs eines Nachlaßvergleiches in der Gantsache gegen Handlungsfirma Christian Adam Fries auf Donnerstag den 18ten März habe ich sogleich nach Ankunft derselben am 13ten d. M. auf der hiesigen Senats-Kanzlei in Empfang genommen. Es sind somit 14 Tage vergangen und mir bis zum anberahmten Termin nur 4 Tage vergönnt geblieben. Sie sehen selbst, daß ich unter so bewandten Umständen, wenn ich streng gewissenhaft und rechtlich handeln soll, bei so beschrenkter Frist in Betreff eines solchen Nachlaßvergleichs für mich sowol als meine Kinder um so weniger eine Vollmacht zum Handeln zu ertheilen im Stande bin, als ich ja nicht das Geringste von der Natur eines solchen Vergleichs weiß und niemand mir etwas darüber mitgetheilt hat. Ich bitte also umgehend um nähere Aufklärung über den mir unerwartet kommenden Fall und erlaube mir wiederholt, mit Verweisung auf mein früheres Schreiben, das löbliche Amtsgericht an meine Ansprüche zu erinnern, welche von der Art sind, daß sie die größte Berücksichtigung finden müssen.

 

Ich bin vertrauensvoll

Ew. Hochwohlgeboren gehorsamer Diener

 

Dr. K.J. Clement

 

Hamburg (24 Feldstrasse, St. Pauli)

den 14ten März 1858

 

 

 

 

 

3. Korrespondenz

 

 

NCL 4.1.1 K. Biernatzki an K.J. Clement v. 19. Mai 1861, Sierksdorferfeld/Neustadt

 

 

Sierksdorferfeld pr. Neustadt d. 19. Mai 1861

 

 

Mit Ihren freundlichen Zeilen geehrtester Herr Dr., für welche ich Ihnen meinen herzlichsten Dank sage, haben Sie sich leider an die unrechte Schmiede gewandt. Denn was die Subscription betrifft, so interessiert sich in der interessierten Nachbarschaft, in der ich lebe, Niemand für Schleswig in dem Maaße, daß er zu Opfern bereit wäre, sondern Jeder wünscht nur, daß wir mit Krieg, [.?.] u. erhöhten Abgaben verschont bleiben. Der Mittelstand im östlichen Holstein besteht nur aus Juden u. Krämern, um die schonendste Bezeichnung zu gebrauchen. Das Einzige was ich habe thun können, ist daß ich die Subscriptionslisten an den [.?.]buchhändler Ehlers in Neustadt zur etwaigen Sammlung gegeben. Eben so wenig bin ich im Stande hier in meiner von jeder wissenschaftlichen Benutzung abgeschlossenen Einsamkeit Ihre Fragen, so gern ich es wünschte, zu beantworten, indem mir einerseits die Benutzung der nöthigen Hilfsmittel fehlt, andererseits aber das Herzogthum Schleswig mir fast garnicht bekannt ist und ich früher über die meisten Ihrer Fragen nie nachgedacht habe. Das Einzige im Grunde was ich darauf erwidern kann, ist daß von einer Kirchensprache in der römisch-katholischen Zeit nicht die Rede sein kann, da eine Kirchensprache erst durch die protestantische Form des Gottesdienstes und die Uebersetzung der Bibel in die Muttersprache bedingt wird; vorher hat es keine Kirchensprache anders als die lateinische gegeben. Die Untersuchung über diese Frage wäre also ganz müssig. Daß dagegen [.?.], gar kirchliche Urkunden und andere schon vor der Reformationszeit in plattdeutscher Sprache abgefaßt wurden, davon finden Sie durch den Abdruck der Originale im Claeden u. den vielen Moller'schen Programmen den klaren Beweis. Ueber die Kirche von Lügumkloster finden Sie vielleicht etwas in: Strand- und Hardebilder von (Thomas), welches mir wie fast alle Litteratur wie gesagt fehlt; und die Geschichte des Klosters steht, was Ihnen wahrscheinlich bekannt ist im Alten Staatsbürgerl. Magazin Bd. 10, S. 496. Ueber Röm finden Sie Einiges das. Bd. 4, S. 651, über die anderen dänischen Inseln ist mir so nichts erinnerlich. Alsen ist mir ganz unbekannt. Ueber Urnehöved glaube ich war einmal eine nähere Beschreibung in den Kieler Antiquarischen Berichten. Die Schicksale unserer vaterländischen Archive sind soviel ich erinnere nur in Dreyer de fatio rei diplomati cae Cimbri [.?.] u. den beiden Vorreden der beiden Bände der Schl. Holst. Urksammlung [sic] von Michelsen u. von Waitz data angeführt.

Meine nothgedrungene Lebensweise, die Stubenbeschäftigungen ausschließt, hat mich in den letzten Jahren der vaterländischen Litteratur völlig entfremdet und der Stand unserer Sache bewirkt überdies, daß ich die allgemeinen Weltbegebenheiten, von denen sie ganz u. gar abhängig ist, mehr mit Interesse verfolge als sie selbst. Möchte es Kräften wie den Ihrigen gelingen derselben zu nützen. Herrn Walther bitte ich noch recht sehr zu grüßen; er ist wohl noch ein ebenso eifriger Politiker wie früher.

Mit den besten Wünschen für Ihr Unternehmen bin ich freundschaftlichst

 

Ihr stets ergebener

 

K. Biernatzki

 

Sierksdorf pr. Neustadt

 

 

NCL 4.1.2 Bibliographisches Institut an K.J. Clement v. 11. April 186?

 

 

Bibliographisches Institut Hildburghausen, d. 11. Apr. 186?

 

 

Verehrter Herr!

 

Ich erlaube mir hierdurch bei Ihnen anzufragen, ob Sie wohlgeneigt sein würden, sich durch literarische Beiträge an meinem Universum zu beteiligen.

Ihre genaue Kenntnis der Länder u. Zustände des Nordens würde Ihnen wie ich mir denke mannigfachen Stoff zu ansprechenden Schilderungen für mein Universum bieten und wenn Sie glauben auf meinen Antrag eingehen zu können und wünschen sich zuvor näher über den Charakter des fraglichen Unternehmens zu orientiren, so stehen Ihnen Hefte desselben jederzeit zu Diensten. Ich erlaube mir nur im Allgemeinen zu bemerken, daß, wenn auch das Universum nominell ein Bilderwerk ist, dies den Schriftsteller nicht behindert, sich mit voller individueller Freiheit nach jeder Richtung seines Gegenstandes zu ergehen, wenn nur eine entfernte Beziehung zum Lijet [?] des Bildes gefunden werden kann.

Auch steht es Ihnen frei solche Gegenstände zu bezeichnen welche Ihrem Interesse und Ihren literarischen Neigungen gerade besonders nahe liegen. Für Beschaffung passender Bilder trage ich dann Sorge.

Hinsichtlich des Honorars wäre es mir angenehm zu erfahren, welchen Werth Sie Ihren derartigen Arbeiten beizulegen gewohnt sind. Im Voraus nur soviel, daß wir uns darüber sicherlich einig werden.

Da ich im Fall [sic] bin, den Kreis von Mitarbeitern für den neuen Band des Universums jetzt festzustellen, würde mich eine baldige Benachrichtigung von Ihrer Entschließung zu besondrem Dank verbinden.

 

Hochachtungsvoll ergebenst

 

Hermann [.?.]

 

 

NCL 4.1.3 N. Bleicken an K.J. Clement v. 4. Mai 1861, Keitum

 

 

Keitum a. Sylt, d. 4. Mai 1861

 

 

Ich hatte vor einigen Tagen das Vergnügen Ihr Schreiben vom 21. v. M. zu empfangen.

Mein Nachbar, der vormalige Küster und Schullehrer Hansen, der im vorigen Jahr auf Ansuchen seines Arztes mit Pension entlassen, war gern bereit auf die in Ihrem Briefe enthaltenen Fragen bestmögliche Auskunft zu ertheilen und erlaube ich mir solche Ihnen einliegend zu überreichen. Er und ich wünschen sehr, daß Sie darin einige Anhaltspuncte finden, die Ihnen bei Anfertigung Ihres neuen Werkes zu statten kommen können.

Ich habe bis jetzt nur wenig Muße gehabt um Unterschriften für Ihre mir zugestellten Subscriptions-Boegen sammeln zu können, werde solches indessen nicht unterlassen und baldmöglichst den Bogen einsenden. Ich grüße Sie und Herrn F. Walther auf freundschaftlichste und zeichne mich als

 

Ihnen Sie hochachtender Landsmann

 

N. Bleicken

 

Meine alte Mutter läßt Sie durch mich grüßen in der Hoffnung, daß Sie sich ihrer noch von früher erinnern.

 

Vorst.

 

 

NCL 4.1.4 Chemnitz an K.J. Clement v. 6. April 1864

 

 

Se Wohlgeboren

 

Herrn Dr. Clement

 

Da der Herr Amtmann Thomsen durch Überhäufung von Geschäften, wozu jetzt auch noch ein Unwohlsein gekommen ist, verhindert ist selber zu schreiben, so hat derselbe, damit die Antwort auf das gefällige Schreiben Ew. Wohlgeboren vom 19. v. M. nicht noch länger ausbleibe, dem Unterzeichneten beauftragt Folgendes darauf zu erwidern:

Der Herr Amtmann bedauert, Ew. Wohlgeboren auf die in dem gedachten Schreiben in Anrege gebrachten Fragen noch keine definitive Entscheidung mittheilen zu können. In Betreff der Besetzung des [.?.] an der Husumer Gelehrtenschule nämlich könne von hieraus jetzt noch nichts ausgewirkt werden, da der Director Dr. Lübhert [?] sich dahin geäußert, daß er vorläufig nur auf eine Einrichtung der unteren Schulen Bedacht nehmen gedenke. Was sodann die Gestaltung eines besseren Schutzsystems gegen das Meer in den Wasserländer [sic] an der Westküste Schleswig-Holsteins anbetreffe, so sei dies eine Angelegenheit von sehr weitgehender Bedeutung, für die die Competenz der Amtshäuser nicht ausreichend sei. Die größten Schwierigkeiten bezüglich desselben aber liegen zur Zeit noch darin, daß es ja leider noch immer nicht eine gemeinsame Civilverwaltung für beide Herzogthümer gebe, von der eine Angelegenheit, die ganz Schleswig-Holstein angehe, in gedeihlicher Weise gefördert werden könne.

 

Amtshaus von Husum, d. 6. April 1864

 

Im Auftrage

 

Chemnitz

 

Amtssecretair

 

 

NCL 4.1.6 Brief von Wilhelm Engelmann an K.J. Clement v. 2. Februar 1847

 

 

Leipzig d. 2. Februar 1847

 

 

Werther Herr Doctor!

 

Beisetzend sende ich Ihnen

 

1. Bogen 14 die 2te Correctur

2. - 15 (Ende) die erste Correctur

3. Ein Bild, welches als Umschlag zum Buche dienen soll, und

4. vier andere Zeichnungen zu verschiedenen Stellen im Buche.

 

Die [.?.] und Correctur bitte mir recht bald wieder zuzusenden.

Was nun die fünf Zeichnungen betrifft, die ich jetzt erst vom Zeichner erhalten habe, so sende ich ihne selbe zur Ansicht und bitte auch Ihr Urtheil ob selbe auch Ihren Wünschen und Anforderungen ganz genügen; denn ich mag nicht an die Ausführung, d.h. Lithographie gehen, wenn ich nicht weiß, daß Ihnen auch alle gefallen. Sollten Sie noch etwas daran auszusetzen haben, z.B. im Kostüm oder in der Staffage, so würde ich Sie bitten, vielleicht durch einige [?] dortigen Zeichen dieses nachheften zu lassen; hier könnte sich der Zeichner in die friesischen [.?.] nicht hereinfinden.

Das Titelbild, welches sie mir sandten ist recht schön, nur glaube ich, müßte es illustrirt werden? Auch bitte um Nachricht, ob es zu einer Stelle im Buche gestellt und welche Unterschrift wir dem Bilde geben wollen, da wir ohne eine nähere Bezeichnung, was es vorstellen soll, das Bild dort nicht gut dazu geben können, ich bitte Sie recht gütigst darum.

Ihrer geneigten baldigen Antwort entgegensehend grüßt Sie mit aller Verehrung

 

Ihr ergebener Wilh. Engelmann

 

 

P.S. Ich hätte beinahe die Hauptsache übersehen! Ich möchte Sie nehmlich bitten auch eine Vorrede dem Buche zu geben, denn Niemand kann sich bei dem "Lappenkorb" etwas richtiges deuten. Wenn Sie sich über das [.?.], dessen Ursrung und Sprache ausgesprochen haben, bitte dann auch den Charakter und Inhalt gütigst anzugeben. Dem Leser wird mit dieser Weise gleich das richtige Bild vom Buche vorgeführt, was er sonst erst ersehen würde, wenn er das ganze Buch durchgelesen hat. Ich bitte Sie senden Sie mir dieses ein. Ich halte es für begierige Leser ganz nothwendig.

 

Ihr

 

W.E.

 

 

NCL 4.1.8 Christian Feddersen an K.J. Clement v. 26. März 1855, Kellinghusen

 

 

Mein sehr geehrter Landsmann!

 

Schon länger hat es mich gedrängt, einmal wieder mich Ihnen mitzutheilen.

Das uns beiden so theure Friesenland und das weitere Vaterland, Schleswig, welches, mit seinen heiligen und so sehr gefährdeten Interessen, uns beiden so sehr am Herzen liegt, habe ich vorigen Sommer auf 8 Wochen besucht, nach ziemlich langer Abwesenheit wieder gesehen und möchte Ihnen ein Wort darüber sagen, wie ich es dort gefunden.

Im Friesenlande, das größtentheils seine Beamten behalten, und abgesehen von einigem Gelddrucke, wenig leicht [?], fand ich, auch den für den Landmann so günstigen Conjuncture wegen eine ziemlich heitere Stimmung, fand die alten Licht- und Schattenseiten ohne weiteres und die alte Liebe. Der Widerwille gegen die Dänen hatte sich, namentlich an den Gränzorten, noch schärfer ausgeprägt und das: noie me tangere! - oder: drei Schritte vom Leibe! war ein allgemeines Wort.

Im mittleren u. östlichen Schleswig (Angeln) in etwa 40 Kirchspielen ist allenthalben derselbe traurige Zustand.

Dänische Civilbeamte, Prediger, Schulmänner, Gendarmen, Spione, machten es allenthalben unheimlich. -

An den dänischen Sonntagen standen fast alle Kirchen leer an den deutschen fanden sie wenigen Zuspruch, der Einfluß der Prediger durch Umgang, Zuspruch fast exact null, (namentlich fand ich es so in meiner Heimstatt [?], wo übrigens ein intelligenterer Priester [.?.], ein Mann von Willenskraft u. nicht gemeinem [.?.]). Die Schullehrer fanden großentheils nur gezwungenen Besuch u. leisteten wenig mehr als eine zur Hälfte gelungene Zerstörung [.?.] deutscher Bildung. D. Schullehrer werden größtentheils verachtet od. gehaßt. - Die dänischen bürgerlichen Beamte fanden, wo sie billig u. rücksichtsvoll ihr Amt verwalteten, wenn auch nicht Achtung u. Liebe, so doch Duldung-; groß war allenthalben die Angeberei, die Geldprahlerei. Die Freude [?], d. Sprache, die Schrift: alles war überwacht. Eine verhaltene, tiefe Unzufriedenheit u. Erbitterung allenthalb u. allenthalben ein unwillkürl. gleich gestaltendes sich Fernhalten von den Dänen.

Das Ganze machte einen so tiefen Eindruck auf mich, daß ich zeitlebens desselbig nicht vergessen werde.

Ja gerne, so sehr gerne kehrte ich in meine Heimath wieder zurück; was mich aber aus ihr verdrängt hat hält mich vorläufig noch ferne von ihr. Das [.?.] des öffentlichen Lebens, darf ich nur [.?.] anschauen, aber nicht erläuthern können.

So weile ich denn noch unter den Holsten, die, wenn nicht herzlich und gutmeinungswohl, so doch freundlich sind.

Nachdem ich Ihnen nun diese Mittheilung gemacht, erlaube ich mir auch eine Frage an Sie, in Betreff der friesischen Gesellschaft, in welche man mich ohnlängst aufgenommen. Längst habe ich n. Lieuwarden geschrieben, aber keine Antwort u. keine Bemerkung irgendwelcher Art empfangen. Die Gesellschaft ist doch nicht zerfallen im Sturm der Zeit?

Meinen lieben Landsmann, den ausgezeichneten Lehnsvogten Carstens in Lindholm, hatte ich zum Mitglied vorgeschlagen; den aber hat Gott in die höhere u. bessere Heimath abgefordert. Auch meinen Schwiegersohn, den Küster Heinsen zu St. Nicolay auf Föhr habe ich vorgeschlagen. An Hansen auf Silt, seiner schätzbaren Arbeiten wegen [?] geschrieben, die der Gesellschaft theilweise vielleicht willkommen sein würde. -

Ob denn nun die Zeit etwas uns Friesen freundlicher noch bringen werde [?] durch die Gesellschaft, [.?.] auch noch, da Alles in den orientalischen Strudel versinken zu wollen scheint? Eine Tochter von mir, Namens Auguste, theilt ganz mein dieses Interesse für das friesische Vaterland, so wie das für ein unendlich reiches, für ein reines u. [.?.] seliges Gemüth - aus diesem doppelten Interesse sind einige "Lieder für die reifere Jugend" hervorgegangen, die Dich interessieren würden, namentl. da einige Studien dazu eben auf Amrum u. Sylt gemacht hat. Diese Tochter ist übrigens unsere Hausmagd, unsere Sängerin, Kleiderkünstlerin etc. u. hat fürs Studieren u. Schreiben nur wenige Stunden. Sie bleibt [.?.] auch am besten in ihrer weibl. [.?.].

Ihre Schrift ist erschienen in hugnitro [?], Kohlmeysche Buchsam. [..?..] auf dem Titel hat sie sich Anguist [?] genannt.

[..?..]. Ich habe hier persönl. [?] von der Welt abgeschieden erfahren von ihr nichts als den barbarischen Lärm in den Kriegen [?] und das falsche Flüstern in Wien [?] und die finstere Remetia [?] in Deutschland - heute bin ich zufällig in dem edlen Zorn [..?..] hineingekommen.

Was machen Sie? Welche Werke geben Sie heraus [..?..]. Was machen Ihre Kinder?

[..?..]

Da krüppelt der Mensch sich durch. Mein Bruder, der ehemalige Probst, ist ein Schulmeister geworden, er [.?.] in Husum. Mit den achtungsvollsten Gefühlen und inniger Theilnahme

 

Ihr C. Feddersen

 

 

Kellinghusen, 26. März 1855

 

 

 

 

NCL 4.1.10 Firmenich an K.J. Clement v. Dezember 1852

 

 

Dezember 1852

 

[..?..] für das deutsche Nationalwerk: "Germaniens Völkerstimmen" einige dieser Volkssagen in die ursprüngliche nordfriesische Mundart (in die Mundart der Insul Amrum wäre mir am liebsten) zu übertragen. Das Gedicht: "Uk an fresk Steam tu tha Könnang, man fan't bütjenst Eilun", welches sie mir früher zugesandt haben, hat mir große Freude gemacht. In den Nachträgen zu "Germaniens Völkerstimmen" werden Sie es abgedruckt erblicken. Mit der Bearbeitung dieser Nachträge bin ich jetzt beschäftigt. Von der schönen Amrumer Mundart möchte ich so gern noch mehreres haben, weshalb Sie wohl dem oben ausgesprochenen Wunsche im Interesse der Wissenschaft willfahren werden. Auch wäre es mir sehr lieb, wenn Sie von den nordfriesischen Sprüchwörtern, welche der Übersetzung des Lappenkorbes beigefügt sind, mir die gebräuchlichsten mit wortgetreuer Übersetzung zusammenstellen wollten, um sie auch in "Germaniens Völkerstimmen" aufnehmen zu können. Das Buch [hier fängt die Rückseite des beschädigten Briefteils an].

 

 

NCL 4.1.11 Firmenich an K.J. Clement, ohne Orts- und Datumsangabe

 

 

Hochgeehrter Herr!

 

Ihre sehr werthvolle Arbeit über die nordfriesischen Mundarten eignet sich in ihrer ganzen Länge nicht für "Germaniens Völkerstimmen", da dieses allen deutschen Mundarten gewidmete Werk einstweilen einzelne Mundarten nicht in dieser Ausführlichkeit, wegen mangels an Raum, behandeln kann. Die Kosten für "Germaniens Völkerstimmen" sind schon bei der jetzigen Ausdehnung kaum zu erbringen, da die deutsche Nation in Bezug auf Abnahme des Werkes meine Hoffnungen sehr getäuscht hat. Ich habe die Kosten des Werkes mit dem Verleger gemeinschaftlich übernehmen müssen und erhalte von demselben für meine Arbeit vom Jahre 1840 an bis jetzt gar kein Honorar. Sie werden daraus, hochgeehrtester Herr, entnehmen können, daß das ganze Werk nur durch die Hochherzigkeit der Mitwirker zu Stande kommen konnte, und in dieser Beziehung dann dasselbe auch als ein dieselben ehrendes Denkmal gelten. Die Namen der Mitwirker werden später dem vaterländischen Werke beigefügt, um sie den kommenden Geschlechtern aufzubewahren. Mit großer Freude würde ich Ihrer so schätzbaren Arbeit namentlich das Geschichtliche und die mundartlichen Proben entnehmen, wenn Sie es mir gestatten wollen. "Di Seemans Klaag-Soong" von J.P. Hansen befindet sich bereits im ersten Bande der "Völkerstimmen" abgedruckt. Die einzelnen mundartlichen Sätze, welche Sie in Ihrer Arbeit aufführen, würde ich wegen des sprachlichen Interesses, welches die nordfriesischen Mundarten haben, bei meinem Verleger auch noch hinsichts der Aufnahme in "Germaniens Völkerstimmen" vertreten können. Für die freundliche Theilnahme, welche Sie dem Werke geschenkt haben, sage ich Ihnen meinen herzlichsten und innigsten Dank. Ihren hochgeehrten Namen habe ich [..?..] wegen Ihres schönen Gedichtes "Uk an fresk Steam tu tha Könnang, man fan't bütjenst Eilun" in der Liste der Mitwirker [..?..]. Einen warmen deutschen Gruß von Ihrem ergebensten

 

 

Firmenich

 

NCL 4.1.12 Friedrichs an K.J. Clement v. 23. Februar 1862, Schleswig

 

 

Geehrter Herr Dr. Clement

 

In Erwiderung Ihres geehrten Schreibens erlauben wir uns Ihnen anzuzeigen, daß wir die ersten Exemplare richtig erhalten haben.

Leider haben viele das Buch des Preises wegen zurückgegeben, wir denken aber, daß doch der größte Theil der Subscribenten es nehmen wird.

Ihre für Nordschleswig bestimmten 80 Stk. dürfen keinesfalls in Hamburg zur Post gegeben werden, denn unsere Exemplare wären auf ein Haar confiszirt [?]. Von den 3 gegenwärtigen Controlleuren waren zwei nicht ganz dänisch und so ging das Buch durch. Senden Sie alle Exemplare (Ihre 80 u. unsre 40) an die Akademische Buchhandlung in Kiel, Herr von Maerk wird gewiß gerne die Besorgung übernehmen.

Wir würden es gerne thun, wenn es noch etwas Zeit hätte, aber jetzt geht es nicht, da sich, wie es scheint, wieder etwas gegen uns vorbereitet.

Wir hatten die [.?.] Hoffmann und Campe gebeten das Packet in Altona auf dem Bahnhofszollamt revidiren zu lassen, aber dieselben haben unsern Wunsch nicht erfüllt.

Wenn übrigens die Sache mit den [.?.] Exemplaren noch etwas Zeit hat, so läßt sich noch ein anderes Ankunftsmittel finden.

Schreiber dieses kommt Ende d. Mts. nach Hamburg u. von da nach Kiel und würde so das Nöthige mit Ihnen verabreden und in Kiel besorgen.

 

Mit freundl. Gruß

 

Ihr ergebener [.?.]

 

[.?.] Friedrichs

 

Schleswig, Febr. 21

1862

 

 

NCL 4.1.14 A. Hansen an K.J. Clement v. 25. Mai 1861, Petersburg b. Apenrade.

 

 

Petersburg bei Apenrade den 25. Mai 61

 

 

Verehrter Herr Doctor Clement

 

Urnehöved in Schleswig und Bornhöved in Holstein sind gewiß identische Namen und gerade darum glaube ich, daß es unrichtig ist, den Namen aus der natürlichen Beschaffenheit der Ortslage zu erklären. Eine geschichtliche Auflösung des Namens scheint mir somit unumgänglich nothwendig, und dieselbe werde ich, trotz der vielen terraiv[?]artigen und naturörtlichen Erklärungsarten, die Ihnen auch bekannt sein werden, hiemittelst versuchen. Nicht wahr, Bornhöved hieß vordem Bornhöft? Mithin ist nicht Haupt, sondern Hof der Hauptwortstamm des Namens. Hof bezeichnet aber im Alterthum einen nicht allein für Zwecke des Kultus und des Götzendienstes, sondern auch des Gerichtes und des Staatsdienstes umgrenzten, heiligen und geweihten Ort. Urnehöved aber heißt noch heutigen Tages in der Sprache des Volkes Wornhovn und mithin kann man nicht daran zweifeln, daß auch hier Hof der Hauptwortstamm des Namens ist. Ebenfalls ist es einleuchtend, daß Worn und Born derselbe Wortstamm sein muß, und es bliebe nur noch zu erörtern, von welcher Bedeutung dieser Wortstamm wäre. Im Munde des Volkes lebt noch ein Wort welches also lautet: it bört oder börs nie [?] vöi [?]: es kommt mir vor - und so wir das bört oder börs recht abwägen, so liegt darin nicht allein der Begriff des Kommens, sondern vielmehr der des Heran- und Zusammenkommens. Somit aber wäre der Name Bornhöft oder Bornhoved ganz das bedeutend, war er bedeutet, nemlich Versammlungshof oder -ort zu staatsdienstlichen Zwecken. So ist auch Börse ein Versammlungsort der Kaufleute für kaufmännische Zwecke, und Geldbörse ist ein Ort zum Einsammeln des Geldes. Daß aber Urnehöved (so nemlich wollen wir, wie üblich, den Ort fortan auch nennen), seit vordenklichen Zeiten ein Centralpunkt des geschichtlichen Völkerlebens in Schleswig gewesen ist, daß geht daraus hervor, daß man keine frühere Geschichte des Volkes und Landes kennt, wo solches nicht der Fall war. Den 29. April 1076 starb Knud Estridsen auf dem Königshofe Suddethoog [?] (jetzt ein Dorf Södrup unweit Urnehöved, etwa 1/8 Meile Nordwest davon), nachdem er kurz zuvor zu Thing nach Urnehöved gewesen war.

Am 18. September 1137 wurde Erich [..?..] auf dem Thinge zu Urnehöved getödtet. Nach Waldemars Tod 1182 wurde sein Sohn Knud VI auf dem Landthinge Urnehöved als König gehuldigt. In einer um Ostern 1460 zu Kiel ausgestellten Urkunde bestätigte Christian I die bekannten Privilegien und verordnete ferner, daß jährlich im Herzogthum Schleswig ein Landtag zu Urnehöved gehalten werden solle, und in Holstein zu Bornhöved. Jedes Land behielt daher seine eigene Verfassung, aber die Landtage zur Wahl eines gemeinschaftlichen Landesherren sollte gemeinschaftlich sein. 1523 huldigte der Hardevogt [..?..] Nis Hinrichsen Friedrich I, indem er zugleich dadurch Christian II entsagte. Dieser König verordnete 1524, das die Schleswigschen Landtage nicht zu Urnehöved, sondern zu Flensburg und zwar 8 Tage nach Ostern jeden Jahres gehalten werden sollten. - Auf Urnehöved ist eine Kuppel, welche Loypold [?] d.h. Versammlungs- oder Gesetzhügel heißt. Daselbst mögen die Versammlungen gehalten und die Gesetze erlassen sein. Eine andre Kuppel oder Hügel in der Nähe heißt Staatsrüdel [?]. In etwas kleinerer Ferne, jedoch noch in unmittelbarer Nähe, findet sich der Baldurshügel, woselbst nach der Sage vordem ein Schloß stand und Baldur residirte, von der ein nah belegenes Dorf Boldesleben heißt. Um diesen Schloßhügel liegen Koppeln, welche Humlehaver = Hopfengärten, Hestehaver = Pferdeweiden, [..?..] heißen. Urnehöved selbst liegt auf der Feldscheide von Ud. und Boldesleben, der gedachte Hügel Loypold [?] jedoch auf Boldeslebenerfeld. Das Dorf Ud. scheint das sogenannte Odls [?] = Ardlby [?] gewesen zu sein. Bekanntlich führten die Hauptdörfer im Alterthume diesen Namen, während die später aus den Feldgrenzen entstandenen Nebendörfer Terpen hießen. So liegt nach Westen von Ud. Bautrup vormals Bopthorp, wo vordem die Dingstätte für die [.?.] war. Auf der Ostseite in gleicher Ferne reichlich liegt Torp, vormals Skibethorp [?]. Ob Ud. nun den Namen von dem Worte Joch führt, weil es mit den beiden genannten Nebendörfern ein Joch gleichsam vorstellt, oder ob es eine Verstümmelung des lateinischen vicus sei, das vermag ich nicht näher zu bestimmen. Übrigens haben die Häuser überall im Schleswigschen dieselbe Einrichtung: Dörns, Pesel und [.?.] finden sich überall. Auch finden sich überall die Grabhügel, wo das Feld offen gewesen ist; von Gräben um die Hügel findet man nicht leicht eine Spur. Daß die Sprache im Kirchspiele Bau von alters her deutsch gewesen ist, geht nicht allein aus dem Obigen hervor, da Bau gewiß stets unter dem Bischofsthume Hedeby oder Schleswig stand, sondern dafür spricht auch ganz besonders der Umstand, daß die eigentliche Volkssprache in Bau, trotzdem daß allein die hochdeutsche Sprache in Kirche und Schule gebraucht wurde daß sie allenthalben dem Andrang der dänischen Sprache ausgesetzt gewesen ist, doch stets die plattdeutsche Sprache geblieben ist, und daß der Familienvater in Bau, wenn jemand aus der Nachbarschaft mit seinen Kindern dänisch spricht, stets zu sagen, und mit innigem Selbstgefühl zu sagen pflegt: Mit unseren Kindern sprechen wir sonst deutsch. Möchte nur diese deutsche Volkssprache und dieß deutsche Selbstgefühl jetzt nicht der in den letzten Tagen traurigen Andenkens eingeführten dänischen Kirchen- und Schulsprache erliegen!

Subscribenten auf Ihre nächstens erscheinende Schrift habe ich 32 erhalten. Auf Ihrem Bogen habe ich nemlich 22 und auf einem anderen abschriftlich von mir verwandten Bogen habe ich 10 Subscribenten. Da ich aber noch mehrere Subscribenten zu erhalten hoffe, so erlauben sie, daß ich vorläufig die Subscriptionsauslagen zurückbehalte. Sie werden gewiß gütigst entschuldigen, daß ich Ihnen einen Bogen zur Subscription auf meine Predigtsammlung zustelle. Ach ich wohne hier im tiefen Norden und habe nicht so gute Gelegenheit dieselben an den Mann zu kriegen, obzwar ich doch schon gegen 1000 Exemplare abgesetzt habe. Könnten Sie etwas für mich wirken so würde ich Ihnen sehr dankbar sein. Bitte unsern gemeinschaftlichen Freund Walther herzlich zu grüßen, so wie auch andre Bekannte, die sich für mich interessieren. Mit Hochachtung ergebenst

 

A. Hansen

 

 

NCL 4.1.15 A. Hansen an K.J. Clement v. 3. Oktober 1861, Petersburg b. Apenrade.

 

 

Petersburg den 3. Oct. 1861

 

Hochgeehrter Herr Doctor!

 

Walther hat mir geschrieben, daß Ihre Schrift nun fertig zum Drucke sei, und ich freue mich dessen sehr, weil ich des Vertrauens lebe, daß durch dieselbe ein wohlthuendes Licht in das Mitternachtsdunkel unserer Landesgeschichte gebracht werde. Zugleich hat er mich gebeten, daß ich Ihnen noch einige Mittheilungen zukommen lassen möchte; aber da Ihre Schrift schon druckfertig ist, so weiß ich nicht mehr, was ich Ihnen noch mittheilen sollte, und Sie werden deßhalb gütigst entschuldigen, daß ich auf die Bitte nicht weiter eingehe. Subscribenten auf Ihre Schrift habe ich gegenwärtig 67, aber ich zweifle nicht, daß noch einige sich bei mir anmelden werden. Gerne hätte ich Ihnen eine Adresse in Apenrade aufgegeben, an welche die Zusendung der bestellten Exemplare geschehen könnte, aber da ich noch keine solche Adresse ermittelt habe, und auch noch nicht die Anzahl der Subscribenten bestimmt angeben kann, so werden Sie mich keiner Fahrlässigkeit züchtigen, wenn ich Ihnen jetzt nicht, sondern erst später eine Mittheilung in Betreff beider Umstände werde zukommen lassen. Walther schreibt mir auch, Sie hätten 1 Exemplar meiner Predigten verkauft und 2 im Besitz. Dank für Ihre gütige Bemühung und Theilnahme und Rücksicht auf mich! O, wie wollte ich, daß sie für den Abgang meiner Predigten die rechten Auswege ermitteln und auffinden könnten! Bitte, grüßen Sie Freund Walther und ich erstrebe unter empfehlenden Gruße

 

Ihr ergebenster

 

A. Hansen

 

 

NCL 4.1.16 A. Hansen an K.J. Clement v. 3. November 1861, Petersburg b. Apenrade

 

 

Petersburg, d. 3. Nov. 1861

 

Verehrter Herr Doctor Clement!

 

Ich bitte um Entschuldigung, weil ich dießmal mit meinem Schreiben habe auf mich warten lassen; ich glaubte nemlich, daß noch immer mehrere Subscribenten eingehen sollten, aber jetzt wage ich nicht länger zu zögern. Gegenwärtig sind 76 Subscribenten mit ihrer Namensunterzeichnung an mich eingekommen, und außerdem sind 4 Exemplare mündlich bestellt, also 80 Exemplare müßte ich jedenfalls haben; ist es Ihnen indeß recht, so bitte ich um 20 dito, weil ich diese für den Subscriptionspreis noch vertreiben zu können glaube. An wen aber haben Sie nun diese 80 oder respective 100 Exemplare zu senden? Kann Ihre Schrift den scharfsehenden Späherblick der Controlleure vertragen, so ist mein Geschäftsführer in Büchersachen, Buchbinder Wohlenberg in Apenrade, geneigt, Ihre Bücher in Empfang zu nehmen, wie auch für die Versendung und den weiteren Vertrieb derselben Sorge zu tragen. Gedenken Sie dagegen, wie ich aus einigen Ausdrücken Walthers fast schließen muß, Ihre Bücher auf privatem Wege nach Apenrade zu senden, so rathe ich Ihnen, Sie an einen der dortigen Subscribenten abgehen zu lassen und mir dann Anzeige zu machen; dann werde ich nach Kräften für das Weitere schon sorgen.

Nochmals verehrter Herr Doctor, wage ich, meine Bitte an Sie zu wiederholen, ob Sie nicht einige meiner Predigtbücher in Hamburg, Altona und der Umgegend absetzen könnten. Sollten unter den vielen Tausenden, die daselbst wohnen, nicht 40 oder 50 sein, die aus Gottesfurcht oder christlicher Bruderliebe sich für mein Predigtwerk interessieren? Wenn dies der Fall wäre, und da mein Predigtbuch 2 Rchthlr. Pr. [?] kostet, wie schön wäre es dann nicht [sic]; denn dann könnten wir ja gegen einander liquidiren, und es bedürfte nachher keiner weiteren Geldversendung. Getrauen Sie sich, mir diesen Liebesdienst erweisen zu können, so bitte ich um eine schriftliche Mittheilung in Betreff dieses, damit ich alsdann veranlassen könnte, daß Ihnen die benöthigten Exemplare vom Rauhen Hause mitgetheilt würden.

Ich und viele andere mit mir sehnen uns recht innig, Ihre werthe Schrift zur Ansicht nicht bloß, sondern zum rechten Durchlesen und ernsten Erwägen zu bekommen, und dieselbe wird, denke ich, nun lange nicht mehr auf sich warten lassen.

Möge sie dann, wenn sie erscheint, in engen und weiten Kreisen, ja überall, wohin sie gelangt, kräftigst zur rechten Belebung unserer speciellen Volks- und Landessache wirken - dann wäre ein stiller Wunsch, den ich bis dahin tief in meinem Herzen gehegt und genährt habe, erfüllt. Dieß walte Gott, der Herr! Amen.

Indem ich mich Ihnen, Herr Doctor, bestens empfehle, bitte ich zugleich, Walther und andre, die nach mir fragen, herzlich zu grüßen, und erstrebe mit inniger Hochachtung

 

Ihr

ergebenster A. Hansen

 

 

NCL 4.1.19 Heis an K.J. Clement v. 8. Mai 1860, München.

 

 

Geehrtester Herr Doctor!

 

Ihnen für Ihr werthes Schreiben vom 1. Mai u. für Ihren mir zugesandten Aufsatz für die von mir redigirte Wochenschrift dankend, erlaube ich mir Ihnen zu erwidern, daß ich gerne den Aufsatz über das Nordlicht vom 9. April, über welches ich bereits einen Aufsatz geliefert habe, der sich auf die Erscheinungen in Westfalen bezieht, in mein Wochenblatt aufnehme, und daß ich mich der mir ertheilten Erlaubnis nur einige wenige Veränderungen mit derselben vorgenommen habe. Ein 8 Tage später von mir hier in München beobachtetes Nordlicht scheint anderswo nicht beobachtet worden zu sein. Ich ersuche Sie, im Interesse der Wissenschaft wiederholt Ihre Aufmerksamkeit den Nordlichterscheinungen zuzuwenden und Einerlei [?] auffallende Umstände der Erscheinung möglichst genau nach der Zeit zu notiren.

An dem Sie seit mehreren Jahren wiederholt betreffenden Mißgeschicke nehme ich innigen Antheil. Wenn noch die Sorge für Ihre o. der Ihrigen Erziehung es erfordert, daß Sie mit Vielerlei sich entschuldigen, wodurch Ihre Zeit [.?.] oder wieder zersplitter wird, so möchte ich Ihnen, wenn Sie es erlauben, jedoch in Rücksicht auf eine zukünftige Stellung, die Sie erstreben, den Rath ertheilen, irgend einen Zweig der Wissenschaft immer fort sorgfältig zu cultiviren, um sich durch Publicirung wie wissenschaftlichen Forschungen einen Namen zu erwerben u. zu bewahren. Hier durch nur wird es Ihnen möglich werden, früh oder spät, eine Ihnen [.?.] Existenz sich zu verschaffen. Genehmigen Sie die Versicherung meiner größten Hochachtung

 

ergebenst

 

Heis

 

München, 8. Mai 1860

 

NCL 4.1.20 Herrig an K.J. Clement v. 5. Januar 1848, Elberfeld.

 

 

Verehrter Herr Professor

 

In aller Eile sende ich Ihnen das beifolgende Manuskript wieder zurück, weil es mir nicht in die Zeitschrift zu passen scheint. Für die übrigen Sendungen sage ich herzlich dank; ich werde dieselben so schnell als möglich nacheinander folgen lassen.

 

Mit Hochachtung

 

Herrig

 

Elberfeld d. 5. Jan. 1848

 

 

NCL 4.1.23 C. Martin an K.J. Clement v. 2. März 1845, Mügele.

 

 

Mügele, bei Oschatz, den 2ten März, 1845

 

Ihrem Herrn Schwiegervater, meinem theuren Freunde Fries zu Heidelberg, bin ich für das Vergnügen sehr verpflichtet, welches er mir dadurch verursacht hat, daß er Sie, hochgeehrter Herr Doctor, mit Ihrem Wunsche nach Jena versetzt zu werden, an mich verwiesen hat. Denn, wenn ich gleich kaum hoffen kann zu Erreichung dieses Wunsches direct etwas beitragen zu können, so habe ich doch Ihren heute erhaltenen Brief vom 27ten vor. Mon. sogleich an den Referenten in Universitätssachen bei einem der herzogl. Sächsischen 3 Höfe (welche zusammen die Hälfte der Stimmen führen) gesendet und eile, Ihnen bemerklich zu machen, daß die andere Hälfte dem Großherzoge von Sachsen - Weimar zustehe und bei diesem Alles, worauf es hier ankommt, in den Händen des Staatsministers Dr. Schweitzer zu Weimar liegt, dessen Tochter an einen Hr. Weiß zu Langensalza verheirathet ist, von welchem Ihr Hr. Schwager Heinrich Fries eine nahe Verwandte zur Gattin hat. Diesen Canal würde ich daher zu benutzen rathen, um Se. Exellenz [sic] dem genannten Hr. Staatsminister Ihre Druckschriften zuzusenden und den Wunsch vorzutragen als Professor der Geschichte (nöthigenfalls nur als extraordinarius) nach Jena berufen zu werden. Am besten Erfolge hiervon, ist kaum zu zweifeln und es würde sich darüber niemand mehr freuen, als ich, der ich mich Ihnen und Ihrer verehrten Gattin

 

ganz ergebenst empfehle

 

C. Martin Dr.

 

Herr Hofrath u. Professor Michelsen zu Jena hat, wenn ich nicht irre, auf ähnlichem Wege sein Ziel erreicht (doch dies unter uns!)

 

 

NCL 4.1.24 Ernst Mercks an K.J. Clement v. 14. August 1868, Hamburg.

 

 

Hamburg 14. Aug. 68

 

Es gereicht mir zum besonderen Vergnügen Ew. Wohlgeboren die mir so eben officiell zugesandte Beilage zu überreichen und freue mich die Veranlassung gewesen zu sein, die Aufmerksamkeit der K. K. Geologischen Reichsanstalt auf Ihre, auch für den Laien von dem spannendsten Interesse seienden Arbeiten gelenkt zu haben! -

Keine wirkliche menschliche Fantasie kann etwas erfinden, welches den Geist so beschäftigt und zum ersten Andenken anregt, wie Ihre [.?.] spannenden Schriften. -

Genehmigen Ew. Wohlgeboren die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung

 

Ernst Mercks [?]

 

sek. General. Consul [?]

 

 

NCL 4.1.25 Meyer an K.J. Clement v. 15. Mai 1861, Hadersleben

 

 

Hadersleben d. 15ten May 1861

 

Verehrter Herr Dr. Clement

 

Da meine Frau noch sehr leidend ist und mir dadurch jede Lust, selbst zu solchen Geschichten, die mir unter anderen Umständen nur angenehm sein würden, genommen ist, so werden Sie gütigst entschuldigen, wenn ich nur ein kleinen Theil der an mich gerichteten Fragen und noch dazu in sehr [.?.] Weise zu beantworten mich im Stande fühle.

Es ist jetzt wohl kaum mit einiger Sicherheit zu ermitteln wann und wo eine dänische Mundart in die nördlichen Districte Schleswigs eingedrungen ist, gewiß ist es aber, daß diese von der eigentlichen dänischen Sprache sehr abweichend ist, sich dem Plattdeutschen mehr nähert und dem gebornen Dänen fast unverständlich ist. So gebraucht man hier auf dem Lande sowohl den bestimmten als den unbestimmten Artikel, was [.?.] der [.?.] schon nicht mehr der Fall ist, [.?.] in gewöhnlicher Rede eine Anzahl deutscher [?] Worte und Redensarten. Man [.?.] in der Regel von [?] bis 50 in hiesiger, von da an aber in plattdeutscher Mundart. Sonst ist die hiesige Landessprache von den Angeln wenig verschieden. Die Ausdrücke Dörnsk (Doas), Pesel und Boad [?] sind hier überall gebräuchlich und man fand bis vor wenigen Jahren noch überall auf dem Lande Wandbetten mit 2 Thüren davor. Auf Fanö und Manö wird reineres dänisch gesprochen, auf Röm aber wie an der nordwestlichen Küste der Herzogthümer. Nach Orsteds [?] Behauptung ist kein Theil des Jütischen Low der dänischen Gesetzgebung entlehnt, sondern soll hauptsächlich aus altschleswigschen und sächsischen [.?.] genommen sein. In agrarischer Beziehung und in der Erbfolge ist dies sehr widrich.

Wie sehr verschieden die hiesige Mundart von der eigentlichen dänischen Sprache ist, mag nachstehende Thatsache beweisen. Vor etwa 40 Jahren reiste ich mit einem angesehenen Gelehrten aus Kopenhagen nach Apenrade, wo ich mich in seiner Gegenwart mit der alten freundlichen Wirthin in dortiger Mundart unterhielt. Als diese sich entfernt hatte, sagte mir der ehrliche Copenhagener, daß er von dem ganzen Gespräch fast garnichts verstanden, daß es aber auch das erste Mal gewesen, daß er plattdeutsch habe reden hören. Er glaubte in Wirklichkeit, daß ich mit der alten Wirthin plattdeutsch gesprochen hätte. Früher behaupteten die Dänen auch immer, daß Ihnen die hier gebräuchliche deutsche Mundart fast ganz unverständlich sei und wurde von Ihnen höchstens als [.?.]dänisch bezeichnet.

Die Bauart der hiesigen ländlichen Gebäude war früher ganz dieselbe wie in Angeln, im Westen des Amtes Hadersleben mehr den nordfriesischen [?]. In den letzten 20 Jahren hat sich dies sehr verändert, die Gebäude sind bedeutend modernisirt und ein bestimmter Charakter ist nicht mehr zu erkennen.

Die Ähnlichkeit der deutschen und dänischen Sprache mit der englischen ist bekannt, weniger vielleicht die der hiesigen Mundart mit der des gemeinen Mannes im südlichen Schottland. Als Beispiele will ich mir einiges ungefähre [?] erlauben: [Es folgen eine Reihe von Beispielen].

Es sind dies nur einige wenige und vielleicht sehr dürftige Beispiele, aber die Ähnlichkeit zwischen dem plattdeutschen und plattdänischen ist sehr groß. Dies habe ich deutlich aus einem alten Buche ersehen, worin kleine schottische Geschichten erzählt wurden, zum Theil in broad skottisch dialect. Leider bin ich nicht mehr im Besitze dieses Buches, das außer der Sprachähnlichkeit, auch deshalb interessant war, weil es die Gebräuche bei Hochzeiten und Begräbnissen genau schilderte, die mit den hiesigen, wie sie vor 50-60 Jahren waren, die frappierenste Ählichkeit hatten. Auch der Titel des Buches ist mir entfallen, sonst würde ich es uns noch zu verschaffen suchen.

Dänische [?] [.?.] sind hier oft und eine [.?.] Schleswigs in Dänemark würde Jeder für ein wahres Unglück halten. Dies bezeugt sogar die letzte Volksversammlung in Lygumcloster, die doch von Dänen angestiftet war und durch welche Demonstrationen im dänischen Sinne beabsichtigt wurden.

Da meine gegenwärtige Stellung hier eine ziemlich precaire ist so bitte ich meinen Namen nicht zu nennen, da dies mich in unsern jetzigen Verhältnissen leicht zum Schaden gereichen könnte. Wegen der Subscription werde ich mich gerne bemühen und stets überhaupt gerne es [.?.] wenn die Umstände und [..?..] gestatten.

Entschuldigen Sie die Flüchtigkeit mit der ich diese Zeilen entworfen und seien Sie, wie Freund Walther aufs herzlichste gegrüßt von Ihrem

 

Hochachtsvoll ergebenen

 

Dr. Meyer

 

 

NCL 4.1.26 Andreas Michelsen an K.J. Clement v. 19. Juni 1861, Jena.

 

 

Jena, d. 19. Juni 1861

 

Geehrtester Herr Doctor!

 

Sie werden mich gewiß freundlich entschuldigen, daß ich erst heute antworte, wenn ich Ihnen sage, daß ich vor vier Wochen meine Mutter durch den Tod verloren habe. Wenn ich den Trauerfall auch nachgerade erwarten mußte, so hat es mich doch auf das tiefste erschüttert und betrübt, zugleich auch meine Zeit in Anspruch genommen.

Von Ihrer Schrift über Schleswig bitte ich mir 5 Exemplare zu senden, die ich hier anbringe. Ich erlaube mir die 5 Thaler pr. sogleich hier anzuschließen. Die Exemplare bekomme ich dann wohl auf buchhändlerischem Wege.

Um die an mich gerichteten Fragen ordentlich zu beantworten, müßte ich mehr Hülfsmittel haben als mir hier zu Gebote stehen.

Ueber die drei Orte Bjert, [.?.] und [.?.] weiß ich nichts, nichts als was im Erdbuche steht. Ueber Kolding weiß ich auch nichts zu sagen. Beweise dafür, daß Alsen einst nicht dänisch gewesen, giebt es schwerlich.

Was Ihre Anfrage über das schleswig-holsteinische Archivwesen betrifft, so ist für unsere Landesgeschichte von ganz überwiegender Bedeutung das ehemalige gemeinschaftliche Archiv zu Gottorf, zu Anfange des vorigen Jahrhunderts in das Geheime Archiv zu Kopenhagen gebracht. Es war unter Friedrich I nach Gottorf geschafft worden, früher war es im Segeberger Schlosse. Sie finden darüber genauere und zuverlässige Nachricht von mir in der Vorrede zum Ersten Bande der Schl. holst Lauenb. Urkunden-Samml. S. VIII-X und in der Vorrede zu meinem Urkundenbuche zur Gesch. des Landes Dithmarschen S. V-VI. Über die Urkunden von Lügumkloster weiß ich Ihnen von hieraus nichts zu sagen; was ich bedaure.

Was Sie mir über Ihre persönliche Lage schreiben, ist mir leid. Sie haben es fürwahr schwer! -

Ich bitte nochmals um Entschuldigung, daß ich erst heute Ihnen antworte, nun [?] bin ich mit vollkommener Hochachtung

 

Ihr ergebenster

 

Jena d. 19. Juni 1861 Michelsen

 

NCL 4.1.28 Moritz Nissen an K.J. Clement v. 29. März 1855, Gammendorf.

 

 

Gammendorf (Fehmarn) 29.3.55

 

Hochgeehrtester Herr Dr. Klement

 

Mein Herz drängt mich zur Feder. Ich kann dem Drange nicht länger widerstehen. Ich muß fragen, wie es Ihnen geht; muß mich erkundigen, wie es mit den Ihrigen steht! Ist Ihre liebe Frau genesen? Sind Ihre lieben Kinder fröhlich und munter? Ist bei dem Wechsel der herzoglichen Ministerien keine Aussicht vorhanden, aus dem Exil zurückzukehren? O ich wünsche es von ganzem Herzen. Und wie könnte ich auch anders.

 

Zum Freunde zähl ich Sie, zum jüngsten Bunde.

Ist wunderbar, weiß nicht, daß wir uns kennen,

und wage schon, Sie meinen Freund zu nennen.

Wo träfe ich selbe Freundschaft in der Stunde?

 

Sind Lieb und Treue hier im zarten Bunde?

Wenn Räume wust verwandte Herzen trennen,

dann reichen Flammen heilige Zungen, brennen.

Ich wachte auf, dieß war die schönste Stunde.

 

Die Zeit ist nah', daß wir die Früchte lesen

vom Baume, der uns beide groß getragen;

die Quelle schöpfen, die uns frisch gewesen.

 

Die Freundschafts-Saiten meines Herzens sagen:

Aus Ihrer Quelle schöpft' ich, bin gewesen.

In Ihrem Baume konnt ich Schwingen schlagen.

 

Je mehr ich in unserer Muttersprache arbeite, desto mehr gelange ich zu der Überzeugung, daß meine ersten Producte sehr mangelhaft sind, sowohl was Metrik als auch Orthographie betrifft. Ich strebe aber von ganzem Herzen nach dem Wahren und glaube in den angelegenen zwei Gedichten, der Sonette, und der Gasele die Orthographie ziemlich genau bezeichnet zu haben. Doch höre ich so gerne Ihr gereiftes Urtheil. Es ist nämlich in meinem festländischen Dialecte in den Wörtern: Hand, Land, Sand, Strand und vielen andern ein Diphthong vorhanden, der beinahe so klingt wie das eu in den Wörtern: "Heu, heute, Leute, Beute". Wie soll man diesen orthographisch darstellen; die deutschen Zeichen geben nicht den Laut. Ich glaube, denselben am besten zu bezeichnen durch aü. Da aber das a nicht rein ist, so habe ich eine 3 über a gesetzt. Beachte ich die Lage und Thätigkeit der Sprachorgane, so kann ich nicht das geschärfte ö wie in Plön und ü wie in Hütte setzen, denn diese liegen vorne im Munde; mein a3 aber hinten. Das friesische gedehnte â liegt sehr tief, mein a3 etwas höher, am höchsten das geschärfte à, worüber ich nur dann den Acut setze, wenn angegeben werden soll, auf welchen von zwei Halblauten der Ton ruht. Diesem gemäß schreibe ich jetzt: Hand = Ha3ün, Land = La3ün, Sand = Sa3ün, Strand = Stra3ün. (Höin, Löin, Söin, Ströin). Diese Schreibweise halte ich für unrichtig; denn der Laut ist nicht das geschärfte ö, auch folgt demselben kein i, sondern ü. Der Diphthong wird ungemein schnell gesprochen, so daß es nur bisweilen scheint, als wenn nur ein Laut vorhanden. Dann bin ich geneigt so zu schreiben: Ha3nj, La3nj, Sa3nj, Stra3nj. Das J. wird nicht ausgesprochen, aber die Zunge hat doch die Lage. Die hieraus gebildeten Composita haben einen ganz andren Laut, das gedehnte ô: Hôntìarm = Handtuch, Hônklûthe = Handschuhe, Hônstôk = Handstock, Sônkìarle = Sandkörner, Sônpôse = Sandsoden: ein Brennmaterial; Lônkê = Landkühe, Lônskap = Landschaft, Lônstrikker = Landstreicher, Strônga3üd = Strandgut. Wir sagen aber: Tüünsa3ün = Waschsand. Ein ähnlicher Wechsel der Laute findet statt in den Wörtern: gûdei = guten Tag, gûdên = guten Abend. Die Antwort heißt: deiga3üd = Tag gut, dênga3üd = Abend gut.

Eine andere nicht geringere Schwierigkeit ist die Endung des Infinitivs. Ich fühle wohl, daß die Thätigkeitswörter: lîare, rêgne, skriwe nicht dieselbe Endung haben, wenn sie im Infinitive stehen; weiß aber nicht, ob es richtig ist, wenn ich meinem Gefühle folge und schreibe den Infinitiv so: lîaren, rêgnin, skriwan. Bei vielen Wörtern kann ich aber diese Endungen nicht herausfühlen, denn der Nachklang der Laute ist sehr leise, fliegt im schnellen Sprechen gar zu geschwind vorüber, ist oft gar nicht zu bemerken, indem die Laute verschluckt werden. Mir scheint aber, daß die Schrift daß nicht erlauben darf. Ich bitte sehr um Aufklärung in diesem dunklen Labyrinte.

Die Lautbezeichnung in den vorliegenden poetischen Lesen [?] ist folgende:

 

1. Der Cirkumflex (^) ist Dehnungszeichen.

2. Der umgekehrte Cirkumflex ( )ist Dehnungszeichen für den geschärften Laut. Der Laut o in Nos (Nase) ist so wie das deutsche o in offen, hoffen, tönt aber eben so lange als das a in Nase.

3. Der Acut (`) ist Schärfungszeichen zweier Halblaute, und zeigt an, daß auf diesem Laute der Hauptton liegt. Steht der Acut auf dem ersten der beiden Halblaute, wie in Mìarn (Morgen), Bìarn (Kind), so folgt der zweite als geschäfter nach; steht der Acut über dem zweiten Halblaute, so ist der erste ein Übergangslaut und nähert sich in der Aussprache dem je wie dieß der Fall ist in: tiùcht, siùcht, siùnge.

4. Alle Vocale ohne Zeichen haben den geschärften Laut.

5. ei spricht [sic] in meinem Dialecte nirgends ei wie in schneiden, Leiden. Ich habe für diesen Laut ai gewählt. In ei hat das e den Nachklang des i.

 

In meiner Gedichtensammlung möchte ich gerne einige alte Sagen, Mährchen, so wie auch Biographien edler Frisen aufnehmen. Was erstere betrifft, so weiß ich [sie] ohne Ihre gütige Mittheilung kaum zu erlangen.

Was letztere betrifft, so habe ich an den Sohn des berühmten Hans Momsen in Fahretoft geschrieben, und gebeten um die Biographie seines seligen Vaters. Selbiger hat mir aber nicht geantwortet. Ob seine Advokatur ihn so mit Geschäften überhäuft, daß er für das Andenken seines seligen Vaters keine Zeit übrig hat, weiß ich nicht. Ich weiß aber wohl, daß es im Interesse unseres Volkes ist, wenn wir ihm seine Heroen auf eine würdige Weise vorführen. Hans Momsen in Fahretoft war, obgleich nur Autodidakt, ein großer Mann, ein großes [.?.] Genie. - Was ist bei der Sache zu machen?

Mit Gottes Hülfe hoffe ich künftiges Jahr mit meiner Arbeit fertig zu sein. Sie werden dann gewiß die Güte haben, das Vorwort zu schreiben, damit ich den Druck erlange. Die beifolgende Übersicht wird im Laufe des Jahres durch manche Arbeiten vervollständigt. Die No. 9. 16. 32. 42. 43. 44. sind noch nicht ganz fertig. Die christlichen Feste sind auch noch nicht berücksichtigt. Den Aufsatz "Ostern, Pfingsten, Weihnachten" habe ich nicht gelesen; ich konnte den Hamb. Corr. nicht auftreiben. Ich bitte um denselben, weil ich in diesem Aufsatze Stoff zu poetischen Arbeiten zu finden hoffe. - Mein Buch wollte ich den "Spiegel der Friesen" nennen (De Freiske Siàmstîn) doch werden Sie vielleicht noch einen besseren Namen wissen.

 

Bitte schreiben Sie bald an Ihren

 

M. Nissen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NCL 4.1.29 A. Petermann an K.J. Clement v. 2. April 1857, Gotha.

 

 

Justus Perthes Geographische Anstalt

 

Gotha, 2. April 1857

 

 

Hochgeehrter Herr,

 

durch mehrere zusammenkommende ungünstige Umstände (deren Befridigung außer dem Bereich meiner Macht lag) veranlaßt, sind die "Geogr. Mitth." so bedeutend verzögert worden, daß die erste Nummer 1857 erst in diesem Augenblick zum Versenden kommt. Dieselben Umstände haben die Aufnahme Ihres Aufsatzes ins 1. & 2. Heft vereitelt, so daß derselbe erst im dritten erscheinen wird, welches jedoch noch vor Ablauf dieses Monates fertig werden soll.

Vielleicht ließe sich Ihre neue Entdeckung noch aufschieben [?], zu welchem Behuf Sie so gefällig sein wollen, dieselbe mir mitzutheilen.

 

Ihr

treu - ergebener

 

A. Petermann

 

 

NCL 4.1.30 A. Petermann an K.J. Clement v. 3. Juni 1857, Gotha

 

 

Redaction der Mittheilungen aus

Justus Perthes geographische Anstalt

 

Gotha, den 3. Juni 1857

 

Geehrter Herr!

 

Nach Empfang Ihres Briefes vom 31. v. M. würde ich Ihnen Ihr Manuscript sofort zurückgeschickt haben, wenn ich mir einen Aufschub von 24 Stunden nicht hätte erlauben müssen, um das beiliegende Heft der "Mittheilungen" zu gleicher Zeit absenden zu können. Da mit demselben Ihr Aufsatz eben erst aus der Druckerei zurückgekommen ist, so werden Sie in diesem Umstande hoffentlich einen genügenden Grund für die verspätete Rücksendung des letzteren erblicken. Daß ich mir in früheren Briefen über Ihre Arbeit ein verletzendes Urtheil erlaubt hätte, welches den indignirten Ton Ihres Schreibens rechtfertigen könnte, ist mir nicht erinnerlich. Sollte die ungezogene [?] Behauptung aber wirklich in demselben vorkommen, so bezieht sich dieselbe nicht sowohl auf die von Ihnen aufgestellte Theorie als vielmehr auf die einleitenden Kapitel des Manuscriptes, die in der That nichts Neues enthalten und eben deßhalb für meine Zeitschrift unpassend waren.

Ich wünsche, daß Ihre der gelehrten Welt nun vorliegende Idee überall eine Ihren Erwartungen entsprechende Aufnahme finden möge. -

 

Mit Hochachtung

 

Ihr ergebener

 

A. Petermann

 

 

Einliegend übersende ich Ihnen zugleich die mir kürzlich zugeschickte Notiz über die Seebeben Region im Atlantischen Ocean in der Nähe des Aequators. Wenn Sie gefälligst Dr. Berghaus Länder- und Völkerkunde Bd. 1, Seite 425-27 vergleichen wollen, werden Sie sehen, daß dieselbe schon längst als solche erkannt worden ist. -

 

Der Obige

 

 

4.1.32 J.T. Plambeck an Clement v. 1. Januar 1843, Neumünster

 

 

Neumünster d. 1ten Jannuary 1843

 

 

Lieber Freund!

 

Wenn meine Wünsche mit Ihrem Schiksale übereintrift, so wird es heisen Wohl sehr Wohl. ich habe aus dem Itzehöer Wochenblatt erfahren, das Sie in das verflossene Jahr wegen gute Vorlesungen ein Erstes Gehalt erhalten haben was [.?.] mir Freude verursacht hat. ich wünsche Sie das Sie in dies Neue Jahr mehr Gnade und weitere Fortschritte in Ihrer Sache machen. ich zweifle das sie meinen vorigen Brief erhalten haben. sonst hätten Sie mir gewiß wieder geschrieben als Sie von Amrum kamen. Das hiesige Postconthor versprach mir Freitag Morgen wär er in Kiel als Sie Sonnabend abreisen wolten. So will ich Sie meinem Schiksahl hier bekant machen am 16 Juny starb nach 6 Wochen Kranken lager meine Vielgeliebte Ehe Frau, wie schwer mir dieser Verlust war können Sie leicht denken. Allein was Gott that das ist wohl gethan. Da aber in meiner Haushaltung eine Frau nötig thut, so habe ich am 7ten Dez. wieder eine Gefährtin an meine Seite erhalten. es ist eine Persohn beinahe von meinen Jahren. und danken Gott jetz vor Guten Wohlsein. meine Mutter, Schwestern, Schwagers hieselbst befinden sich im Guten Wohlsein. meine Schwester Elsabe [?] in Armstedt ist vor einige tage von einer Tochter entbunden. Worüber wir viele furcht hatten, da sie in 12 Jahren nicht in diesen umständen gewesen ist. Von ihr befinden wissen wir noch weiter nichts.

 

Leben Sie wohl! Dies wünscht

 

Ihr Liebender Freund

 

J.T. Plambeck

 

 

NCL 4.1.34 Otto Spielberg an Clement v. August 1869, Altona

 

 

Altona (Holstein), August 1869

 

Geehrter Herr!

 

[...] hierdurch ganz ergebenst zur Mitarbeiterschaft auf [.?.] herausgegeben.

 

"Feuilleton"

Originalbeiträge für Zeitschriften des In- und Auslandes

 

ein. - Das "Feuilleton" nimmt alle literarischen Original-Erzeugnisse, fachwissenschaftlich und unterhaltend, auf und verfolgt den Zweck, für einen billigen Abonnementpreis den weniger glänzend gestellten Zeitungs- und Journal-Redactionen Stoffe zum regelmäßigen Abdruck zu überlassen.

Es wird auf diese Weise dem sonst in keiner Art zu steuernden Nachdrucksübel abgeholfen und den Schriftstellern zugleich die Mühe das Zeit und Geld kostende Versendens der Manuscripte von Redaction zu Redaction erspart.

Durch die Beitragslieferung für das "Feuilleton" bleibt den Schriftstellern die Mitarbeiterschaft für alle großen Zeitschriften unbenommen. Das "Feuilleton" liefert seine Stoffe nur an solche Preßorgane, deren bescheidene Mittel kostspielige Geschäfts-Abschlüsse mit Schriftstellern nich gestatten.

Die Geistesarbeit tritt durch das "Feuilleton" zum ersten Male in das Gebiet eines regelrechten Gewerbezweiges. Sie wird Waare, der Schriftsteller wird Producent und der Unterzeichnete Commissionair, der mit den Käufern, den Redactionen, unterhandelt. Geschäftsprinzip: rascher Entscheid - baldige Honorarzahlung.

Außer Originalsachen vermittle ich auch den Abdruck bereits verwertheter Beiträge. Ich müßte aber bei Letztere die genaue Angabe des Orts der Verwerthung erbitten - Dauer meines Eigenthumsrechts: sechs Monate.

 

Ihren werthen Einsendungen entgegensehend

 

Dr. Otto Spielberg

 

 

NCL 4.1.35 Steingaß an Clement v. 30. September 1858, Wien

 

 

Hochgeehrter Herr!

 

Im Auftrage und Namen des Herrn Ministerialraths Ritter v. Meyer beehre ich mich, Ihr letztes Schreiben an denselben mit Nachfolgendem zu beantworten. Bezüglich eines Exemplars der Wiener Zeitung für Ew. Wohlgeboren werden Sie inzwischen ohne Zweifel einen Brief des Herrn Ministerialrathes erhalten haben, worin er Sie auffordert, mit dem morgen beginnenden Quartal auf dem dortigen Postamte für die Zeitung (ohne Amtsblatt) zu abonnieren, und uns die Rechnung darüber gefälligst einzusenden, damit wir Ihnen bei der nächsten Honorarverrechnung die Auslage dafür vergüten können. Ihre Sendungen bittet Sie der Herr M.R. künftig ohne Ausnahme unter der am Schluß dieses Briefes folgenden Adresse an mich (der ich Redactionsmitglied bin) zu senden, da dies zur Evidenzhaltung dieser Ihrer Sendungen genügen wird, während durch die Adressirung an den Herrn Ministerialrath zu viel Zeit verloren geht. Doch wünscht er sehr, daß Sie wenn irgend möglich immer frankiren; hinsichtlich Ihrer Anfrage, ob eine Seite durchaus unbeschrieben bleiben muß, ersuchen wir Sie, dies, wenigstens bei den Correspondenzartikeln, wo es auf einen schleunigen Abdruck ankommt, zur Erleichterung für die Setzer zu beobachten. Bei größeren Aufsätzen, wo man sich in der Druckerei mehr Zeit lassen kann, ist es minder nothwendig. Schließlich gestatten Sie mir im Namen des Herrn Ministerialrathes Ihnen dessen Dank und den Ausdruck höchster Zufriedenheit für Ihre gehaltvollen Mittheilungen auszusprechen und genehmigen Sie die Versicherung ausnehmender persönlicher Hochachtung, mit der ich verharre

 

Euer Wohlgeboren

 

ergebenster Dr. Steingaß

 

Singerstr., im Franziskanergebäude No. 913

 

 

 

NCL 4.1.36 Strong an Clement v. 17. März 1853, Hamburg

 

 

Geehrter Herr Doctor!

 

Bei näherer Ueberlegung der von mir Ihnen gemachten Vorschläge - - veranlaßt durch Ihr Schreiben vom 14t d. - finde ich daß dieselben auf eine falsche Grundlage basirt sind, und namentlich hat Herr Koop - wiewohl gewiß nicht absichtlich - durch seine tabellarische Uebersicht Ihrer Arbeiten für uns mich irre geführt. Ich lege Ihnen dieselbe bei. Dadurch daß er "februar" oben schreibt, nahm ich im ersten Augenblick an daß Sie in jenem Monate dei 2868 Z. geliefert hatten, die aber bei genauerer Untersuchung auf 6 wochen sicherstreckten. Demnach hätten sie im Durchschnitte 478 Z. p. Woche geliefert, oder ca. 2000 p. Monath.

Wenn ich nun für gelegentliche und unregelmäßige Beiträge ein Honorar von 3 [.?.] p. 1000 Z. zahle, so liegt es in der Natur der Sache und im Interesse beider Theile bei einem festen Engagement gegenseitig ein Opfer zu bringen - für Sie daß Sie den Preis ermäßigen, für mich, daß ich mich einer festen Ausgabe unterziehe.

Ich wünsche nicht im mindesten Sie zu kränken oder Ihren Verdienst zu schmälern, aber Sie werden doch gestehen daß die meisten Ihrer Beiträge kaum selbständige zu nennen sind, sondern meistens Uebersetzungen und Bearbeitungen wenn auch von gewissem Interesse, und auch als solche haben sie nicht den Werth von Original-Aufsätzen.

Unter diesen Verhältnissen erlaube ich mir meine Vorschläge dahin zu modificiren, daß ich mich bereit erkläre Ihnen vom 1 April an 50 S [?] monathlich zu vergüten, wogegen Sie sich verpflichten für den H. C. in gewohnter Weise Beiträge, und zwar im Belauf von durchschnittlich 2000 Zeilen p. Monath zu liegen.

Es würde mich freuen wenn Sie sich veranlaßt finden diese Bedingungen für annehmbar zu erklären, und sehe ich Ihrer gütigen Antwort entgegen.

 

Mit Hochachtung

 

Ihr ergebenster

 

Strong

 

Bevollmächtigter der Grund'schen Erben

 

Hamburg 17 März 1853

 

 

NCL 4.1.37 Thiedemann an Clement v. 30.Dezember 1843, Eckernförde

 

 

S. Wohlgeboren

dem Herrn Doctor Clement in Kiel

 

Sie werden, geehrter Herr Doctor, gütigst entschuldigen, daß ich, als ganz Unbekannter es wage, Sie mit einem Schreiben zu belästigen und von Ihnen in einer Sache, die mir Recht sehr am Herzen liegt, Ihren freundlichen Rath erbitte, durch dessen Mittheilung Sie sich mir auf das Innigste verpflichten würden. Meine älteste Tochter hielt sich vor einem Jahre eine Zeitlang in Kiel bei dem Musiklehrer Schlossbauer auf, um sich im Fortepianospiel auszubilden; sie hatte daselbst das Glück auch Sie, geehrter Herr Doctor, kennen zu lernen und Ihre freundliche Humanität hat derselben großes Vertrauen eingeflößt und ermuthigt mich auch jetzt meine Bitte auszusprechen. Es wird Ihnen nicht unbekannt sein, daß meine Tochter durch die Vermittlung des Prinzen Statthalters unsrer beider Königlichen Majestäten bei ihrer Anwesenheit in den Herzogthümern, im Jahre 1842, in Ploen vorgestellt wurde, um vor denselben ihr Talent, als angehende Clavierspielerin, zu produciren. Sie hatte das Glück daselbstzu gefallen und erhielt ein nicht unbedeutendes Geschenk zu einem Instrument und die Zusicherung dero Zufriedenheit und Gnade. Kurz darauf war ich so glücklich Se Majestät auf dessen Durchreise meinen Dank darzubringen. Der König war so gnädig zu erwähnen, daß es wünschenswert wäre, wenn meine Tochter Gelegenheit hätte in einer großen Stadt Musik zu hören; auf meine Äußerung, daß meine Lage mir dieses nichterlaube, war der Prinz. Statthalter so gnädig, sich an den König mit der Bemerkung zu wenden, daß die Doctorin Schumann, geb. Klara Wieck, nicht abgeneigt wäre, ihre Ausbildung zu übernehmen, und ich erhielt den Auftrag, wegen des Kostenertrags für die Zeit eines Jahres bei derselben vorzufragen und dem Prinzen Statthalter darüber zu berichten. Als Antwort von Dr. Schumann erhielt ich ein sehr freundliches Schreiben, worin sie sich bereit erklärte meine Tochter unter ihre Leitung zu nehmen, bedauerte aber, daß sie einer beabsichtigten Reise wegen nur über 9 Monathe zu verfügen hätte und daß für diese Zeit die Summe von 500 T. erforderlich wäre. Nach Empfang des Briefes fuhr ich gleich nach Noer, war aber nicht so glücklich den Prinzen zu treffen, doch erhielt ich gleich in den ersten Tagen ein Schreiben, worin bemerkt war, daß die angegebene Summe freilich etwas hoch gestellt wäre, der Brief aber sonst des Prinzen Beifall hätte und daß die Copie schon an seine Schwester, die Königin, abgeschickt sei; zugleich war darin das Bedauern ausgesprochen, daß der Prinz nicht umhin könne mir sagen zu lassen, daß die Zeit in Betreff dieser Angelegenheit etwas ungünstig sei, indem der König unangenehmer Vorfälle wegen sehr verstimmt wäre; doch wollten wir das Beste hoffen. Jetzt verstrich ein halbes Jahr, worin wir ganz ohne Nachricht blieben und wir uns auch keine Vorfrage erlaubten. Im Verlaufe dieser Zeit wurden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die Pianistin Amalie Riffel ihr Reisestipendium durch die Verwendung des Oberappellationsgericht-[.?.] Hopp erhalten, und eine gemachte Äußerung von Ihnen geehrter Herr Doctor, die Herr Schlossbauer uns im Vertrauen mittheilte, lautete: "wir hätten uns nicht an den rechten Mann gewandt, und Sie würden meiner Tony vielleicht später andere Rathschläge ertheilen können." Da erhielten wir im Febr. d. J. unerwartet ein Schreiben, worin der Statthalter uns sagen ließ, erhätte die Sache nicht vergessen, die Königin hätte aber den Brief von Clara Wieck verlegt und durch die Gemahlin des Prinzen Wittgenstein wieder daran erinnert, den Prinzen um einen abermaligen Bericht ersucht, dieser sei abgegangen, da aber die Zeit der Reise der Clara Wieck so nahe heran gerückt wäre, so müßten andere Pläne gemacht werden, auf jeden Fall würde er für Tony sorgen und auch selbst Etwas für sie thun. 8 Tage darauf erhielten wir die Nachricht, meiner Tochter wären von der Königin 200 Spec. als Geschenk bewilligt. Sie schrieb sogleich nun an die Königin, so wie an den Prinzen Statthalter und brachte in einfachherzlichen Worten ihren Dank dar; jeder Versuch aber, letzterem persönlich vorgestellt zu werden, wurde auf eine feine Art vereitelt, den Grund davon werden Sie wohl mit dem Vorhergehenden errathen. - Seit dem 1 ten Octbr. befindet sich meine Tochter nun in Berlin, wo der als Clavierspieler und Componist so rühmlich bekannte Director Faubert ihre Ausbildung übernommen hat. Er ist mit ihrem Fleiß und ihrem Spiel sehr zufrieden; auch hat sie schon in einer sehr großen und glänzenden Gesellschaft, wo sehr viele Musiker gegenwärtig waren, unter andern die ganze Mendelsohnsche Familie (den Componisten Felix ausgenommen, dem sie erst später vorgestellt ist) vorgespielt, und allgemeines Lob erhalten, ja die Professorin Hensel, Mendelsohns sehr musikalische Schwester, hat ihr erlaubt, oft zu ihr zu kommen und will nicht allein vorspielen, sondern ihr sogar für ihres Bruders Kompositionen Fingerzeige und Belehrung geben. - Ich belästige Sie Herr Doctor mit diesem ausführlichen Schreiben, um Sie zu überzeugen, daß das Geld keiner Unwürdigen zu Theil geworden und es wohl zu entschuldigen ist, wenn wir uns, da diese 200 Spec. nur für eine kurze Zeit ausreichen, um eine Zulage bemühen. Ihr Lehrer, Director Faubert, so wie auch Doctor Fortlage in Berlin meinen, meine Tochter müßte der Königin schreiben und darum bitten, ersterer wollte alsdann einen Bericht beilegen. Hr. Etatsrath Bathgen, der gegenwärtig sich aber leider noch in Kiel aufhält, habe ich um eine Vermittelung gebeten; derselbe erklärte, daß das Reisestipendium eigentl. nie an Damen verliehen würde, mit Amalie Riffel wäre eine Ausnahme gemacht und auch sie hätte eine Zulage erhalten; auf jeden Fall könnte ich aber, wenn die Sache zur Sprache kommen sollte, auf seine Zustimmung rechnen. Wollten Sie geehrter Herr Doctor mir nun in dieser schwierigen Sache Ihren freundlichen Rath ertheilen, so werde ich diese Ihre Güte gewiß dankbar erkennen und werde hierüber die größte Verschwiegenheit beobachten, so wie dieselbe auch für mich höchst wünschenswerth ist, warum ich Sie zu bitten mir hier auch noch erlaube. Mit der nochmaligen Bitte, meine Freiheit, mich in dieser Angelegenheit an Sie gewandt zu haben, gütigst zu entschuldigen, bin ich mit der innigsten

 

Hochachtung

 

ganz ergebenst

 

Thiedemann

Lehrer

 

Eckernförde 30sten Decbr.

1843

 

 

NCL 4.1.39 Brief von Türk [?] an Clement v. 28.September 1852, Rostock

 

 

Rostock, 28. Spt. 52

 

 

Verehrter Herr!

 

Aus Hegels Munde theile ich Ihnen mit, daß im April der damal. Rektor [.?.] Hegeln [?] den Antrag machte, in dessen Stelle zu treten. Hegel lehnte nicht ab; da kam die bekannte Katastrophe in Kiel und die Sache blieb total ruhen. Schwerlich wird sie jetzt wieder aufgenommen werden, sollte es dennoch der Fall sein, Sie würden's dort wol erfahren u. sich's Ihnen anlesen [?].

Bei uns ist die Prozession jetzt so daß die Facultät erst dann 6 Leute vorschlägt, wenn das Ministerium dazu aufgefordert hat. Aus diesen 6 wählt das Konzil 3 aus u. präsentirt sie nebst Ihrigem dem Ministerium. Das Ministerium geht aber auch zuweilen seinen eigenen Weg. Der Vicekzlr. pflegt auch wol um s. Erachten angegangen zu werden.

Ich selbst würde Ihnen nach seiner Entlassung [?] durch mein Fürwort leicht eher schaden, als nützen, allenfalls könnt' ich Letzteres durch Rücksprache mit einzelnen Personen [?]. Sie sind mir wohl bekannt, natürlich. Ihre Lage ist [.?.] ist einmal so u. man nimmt's so hin. Empfehlungen von Schlosser, [.?.] könnten helfen. Ihre Schriften, Ihre ganze Persönlichkeit [.?.] würde allemal aber entscheiden. Ginge Hegel wirklich ab u. das Ministerium [.?.] wäre über Ihre Lapalie u. [.?.] Gesinnungen im Reinen, dann wären Sie geborgen [?].

Ich habe Ihnen gesagt, was ich glaubte Ihnen sagen zu müssen. Ich bin mit voller Theilname u. guter [?] Hochachtung

 

Ihr

 

ergebenster H. Türk

 

 

NCL 4.1.42 Brief von [?] an Clement v. 26. März 1836, Heidelberg

 

 

Heidelberg d. 26. März 1836

 

Verehrtester Freund!

 

Ihr Briefchen freute mich sehr, ich war lange begierig, wie es Ihnen gehen möchte. Aus allem geht aber hervor, daß doch immer, bey allen Unannehmlichkeiten im Leben Ihnen ein freundlicher Dämon zur Seite steht. Die freundliche Aufnahme von Prinz Christian ist viel werth. Ich möchte Ihnen rathen doch recht zu überlegen u. sich zu erkundigen ob Sie wohl in Kiel oder in Kopenhagen eine bessere Carriere machen können, das Dänische würde mich an Ihrer Stelle nicht bestimmen nicht nach Copenhagen zu gehen. Sie sind im Dänischen bald Meister. Behalten Sie nur Ihren Hauptweg fürs Leben im Auge u. lassen Sie sich durch kleine Hindernisse, die am Ende doch zu überwinden sind, nicht von der Hauptbahn abbringen.

Ich habe schon, jedoch nicht aus ganz sicherer Quelle gehört, auf Kopenhagen würde mehr als auf Kiel verwandt. Da Sie aber in der Nähe sind, so können Sie die Verhältnisse der Dinge am besten erfahren. Sollte sich Ihnen eine reelle Anstellung zeigen an einem der beyden Orte, so würde ich diese Laufbahn verfolgen und lieber die Reise aufgeben, wenigstens in der ersten Zeit, denn ich ermuntere Sie besonders darum zu versuchen ob Sie die Regierung reisen lassen würde, um desto sicherer auf eine Anstellung rechnen zu können. Bekommen Sie aber früher eine Anstellung und einen Anfang zu einer ordentlichen Laufbahn, so ist es besser diesen Weg nicht eher zu verlassen, das bis man so fest darin ist, daß man nicht daraus verdrängt werden kann. Sie können dann [.?.] Urlaub nehmen und die Ihnen am interessantesten Gegenden besuchen. Haben Sie die Güte mich Ihrer Frau Mutter zu empfehlen. Mein zweiter Sohn hat nun auch sein Examen als [.?.] gemacht u. arbeitet hier auf dem Zollamte. Heinrich ist seit 7 Monaten in Italien und will nun nach Frankreich gehen. Meine Frau u. Auguste [?] ist wohl und ich habe von Blutbreyne [?] nichts mehr gehabt. Sie haben freundlich darnach gefragt, darum sage ich es Ihnen. Leben Sie wohl mein lieber Freund. Ich hoffe, daß das Schicksal Ihnen immer hold bleiben wird. Es soll mich immer besonders freuen, wenn ich erfahren werde [?], daß Ihnen etwas Freundliches begegnet ist. Leben Sie wohl und gedenken Sie zuweilen [ab hier weggeschnitten].

 

 

NCL 4.2.3 Boy Olde Clement an K.J. Clement v. 6. März 1845, Boston

 

 

Lieber Bruder

 

Beinahe sind sechs Monathe verflossen, seit wir deinen letzten Brief erhalten und wir hoffen täglich auf jüngere Nachricht von dir, Frau und Kind wie auch von den lieben Unsrigen zu Hause. Auch ist es schon einige Zeit her seitdem ich dir einen Brief schrieb, doch ich bitte dich entschuldige mich, unsere Umstände haben sich seit Portland verändert und müssige Stunden giebt es selten. Oldes Brief von January wirst du wahrscheinlich erhalten haben. Willem kam hier in Novbr. v. J. an war etwa drei Wochen bei uns und ging in dem Schiffe John Dunlap nach Mofile und ist schon jetzt wieder auf der Reise nach hier begriffen. Wir erwarten ihn täglich. Das Americanische Leben und die Einrichtungen hier zu Lande stehen ihm gut an und er wundert sich des Fortschrittes der Art u. [.?.], des rastlosen Wirkens und Strebens des Volkes und der Wohlstand der Einwohner im Allgemeinen. Ich bin meist jeden Tag einige Stunden mit ihm herumgewesen, ihm alles Sehenswerthe zu zeigen. Boston ist eine gelegene Stadt für Handel, Schiffahrt und Gewerbe. Liegend vor der Massachusetts Bay, die Zufahrt ist nicht beschwerlich und der Hafen ist einer der geräumigsten der Vereinigten Staaten. Docks wie in England hat man hier nicht, die Schiffe liegen alle an Wharfs, woselbst sie zur Ebbzeit flott liegen. Auf den Wharfs stehen die großen Packhäuser durchgängig fünf bis sechs Stories [?] hoch aus Granit und regelmäßig von einander in der Reihe gebaut. Im alten Theil der Stadt, North End', sind die Straßen enge und gekrümmt, aber im südlichen und westlichen Theil welcher seit neuern Jahren angebaut ist hat man mehr Rücksicht auf die Regelmäßigkeit genommen. East Boston liegt auf einer Insel eine viertel Meile östlich, eine Steamferry geht hin und wieder jede 5 Minuten. Nördlich über dem Charles River liegt Charlestown, ein schönes Städtchen mit einem der schönsten Navy Yards der Welt. Unweit hier auf der Anhöhe ist das Schlachtfeld Bunkerhills, aus dessen Mitte jetzt das Monument hervorragt. Noch sind einige Spuren der Erdschanzen vorhanden, aufgeworfen in jener erinnerungswürdigen Nacht, von heiligen Händen, die für Freiheit und Eigenthum stritten. Das Monument ist aus grauem Granit im Viereck gebaut, mit einer Kammer oben. Die ringförmige Treppe welche vom Innern zur Kammer führt ist 295 Treppen hoch, alles lauter Granit. In der Kammer oben hängen zwey der vier Feldkanonen, die zum Anfang der Revolution vom Staat von Massachusetts an die Armee ertheilt [sic] wurden. Die zwey wurden von den Engländern genommen. Am 17. Juni 1843, Aniversary day of the Battle, wurde das Monument dedicated. President Tyler und sein Cabinett nahmen auch Theil daran. Mon.[?] Daniel Webster war Orator of the day. An Eisenbahnen fehlt es hier nicht. Sechs der principal ones [?] gehen von dieser Stadt nach den benachbarten Staaten. Das Reisen geht geschwind. In einer Zeit von 7 bis 8 Tagen kann die Reise von Eastport Main, nach New Orleans, La, zurückgelegt werden, eine Distanz von ungefehr 2000 Meilen. Durch dieses Band ist die Nation noch enger verknüpft. Für die Education der Kinder wird überhaupt gesorgt in den New England Staaten. Die Schulen sind prächtige Gebäude, groß und geräumig und die Lehre (Male & Female) talented. Die Brenches [sic] welche vorzüglich studiert werden, sind Mathematic, Geographie, Historie, Grammar, Pennmanship etc. Das junge Gehirn wird nicht verwirrt mit Religionssachen; fürchte Gott und liebe deinen König wie es bei uns in der Heimath der Gebrauch ist. Wenn ein Kind zu den Jahren des Nachdenkens und Ueberlegens gekommen ist, so kann es selber wählen was am besten mit seiner Meinung übereinstimmt. Vor kurzer Zeit haben einige D.D. im Staate von New Hamshire bei der Regierung dort angetragen die Bibel anstatt des National Readers als Lesebuch für Schulen einzuführen, aber es ward kurzerlings abgeschlagen. Der National Reader ist ein schätzenwerthes Buch voll von Republikanischen Grundsätzen und patriotischen Gesinnungen. Daß die Bibel, especially the Old Testament, als ein Lesebuch für Republiken nicht taugt, das hat man hier schon begriffen. Unser neuer President James R. Polk hat am 4ten den Presidentenstuhl betreten. Henry Clay war der Candidate der Oppositions oder Whig Parthy. Die volle Zahl der Electoral Votes waren 275, wovon Polk 170 und Clay 105 hatte. Die Staaten welche für Polks stimmten waren folgende: Main, New Hamshire, New York, Pennsylvania, Virginia, South Carolina, Georgia, Alabama, Missisippi, Louisiana, Arkansas, Missouri, Illinois, Indiana und Michigan. Für Clay Massachusetts, Vermont, Conneticut, Rhode Island, Deleware, New Jersey, Maryland, North Carolina, Tennessee, Ohio und Kentucky. Aikens Zeit der Gefahr ist also wieder vorüber, eine Gefahr die wahrscheinlich aus Utopia stammt. In America ist niemals Gefahr das Volk ist wachsam. Mit der Majorität läßt es sich begnügen. Herr Aikens schreibt von Demagogen, Wahlverfälschung, Bestechung u. dgl. Noten eines Halls, Capt. Marryatts [?] oder eines Dickens, welche auf kurzen Reisen durch die Staaten gesammelt und zu Gunsten europäischer Fürsten und Fürstlingen geschrieben sind, können für keine Beweise gelten. Auch Parthy Zeitungen nicht. Nur ein jahrelanger Aufenthalt unter dem americanischen Volke mit einem freien ungefesselten Geiste welches das beste Zeugniß seiner Institutionen. Mit Slaverey sollte sich Herr Aiken doch nicht die Finger verbrennen. Das General Government der United States hat nicht die Macht einheimische Sclaverey wegzuschaffen, diese Macht besitzt nur die Legislatur des einzelnen Staats. Ein jeder solcher Versuch von Seiten des General Governments würde eine Verletzung der Constitutional Rechte der sklavenhaltenden Staaten sein. Die United States als eine Nation ist frei und seine Pläne zur Vertilgung des Negerhandels sind nach meiner Meinung rühmenswerther als Englands. Wenn Slavenschiffe z.B. von Americanischen Cruisers genommen werden, so ist für die Zurücksendung der Neger nach Africa durch Congress gesorgt und welches augenblicklich vollzogen wird. England aber, wenn es eine Anzahl Neger erwischt auf Sclavenschiffen, zahlt an jeden seiner Mannschaft eine gewisse Summe Geldes und um dieses wieder zu ersetzen, wird der Neger auf eine gewisse Anzahl Jahre als Apprentice nach seinen Colonien gesandt. Die Differens zum Neger ob er Apprentice oder Sclave genannt wird, glaube ich ist sehr unbedeutend. Und wenn die Apprenticezeit ausgedient ist, so ist er frei - zu verhungern. Solches thun nicht einmal die Sclavenstaaten Americas, hier wird der Sclave auch im Alter versorgt. Doch genug von Aikens Vergleichende Darstellung, mir gefällt sie nicht, nur deine Noten machen das Buch lesenswerth hier in America, doch in der Heimath möchte es einigen Nutzen ausrichten, denn obwohl wir hier an Englands Freiheit zweifeln, so ist es doch im Vergleich zu den übrigen europäischen Monarchien hoch über ihnen empor gehoben. Kurz vor dem Abtritt President Tylers von der Regierung, sind zwey neue Staaten in die Union aufgenommen worden: Florida und Iowa früherhin Territories. Auch die "Bill to anex the Republic of Texas as a sovereign an independent State" ging durch beide Häuser und erhielt die Unterschrift des Presidenten. Im Hause der Representanten war die Mayorität 104, im Senat 2. Texas hat ein beträchtliches territorium und ist von Emmigranten der Staaten angesiedelt. Die Englische ist die Volkssprache. Seine Unabhängigkeit von Mexico als eine Nation wurde früherhin von England, Frankreich, und den Vereinigten Staaten anerkannt. Mexico aber hat nie eingewilligt, sondern hat fortwährend fortgefahren es mit Raub, Brand und Mord heimzusuchen. Darum hat das Volk von Texas seine Väter und Brüder um Hilfe angefleht und mit dem Durchgang der obigen Bill ist ihm also die mächtige Stütze der Union dargeboten. Wehe Mexico und Römerart sollte es den Fingerzeig des freien mächtigen Geistes verschmähen. - Hier in New England ist das Volk höchst verbittert gegen alles was römisch ist, doch auch in den anderen Staaten. Vorigen Summers [sic] war ein schreckliches Gemetzel zwischen dem römischen Irrlande [sic] und den Eingeborenen. Zwei katholische Kirchen wurden ein Raub der Flammen. Ein Nonnenkloster und ein katholisches Female Seminarium [?] wurden niedergerissen und fast alle Häuser leitender Katholiken der Erde gleichgemacht. Das Militair wurde gerufen den Aufstand zu dämpfen und welches Ihnen [sic] mit großer Mühe nach einiger Zeit gelang. Dies war in Philadelphia. Auch vor einigen Jahren machte man hier ein Nonnenkloster der Erde gleich (Mount Benedict at Charlestown). Die Ruinen stehen noch als Zeuge des Volkshasses gegen Römerthum.

 

March 19t. William kam hier den 8ten von Mobile an im Schiffe John Dunlap und ging schon wieder weg am 16ten nach Mobile. Es war an Bord die ganze Zeit, sein voller Mond [sic] drehte beständig fort 14 [Dollar]. Es gefällt ihm sehr auf amerikanischen Schiffen. Er hat einen Wechsel beim Hamburger Consul hier genommen an Goslar & Co in Hamburg für 132 Mark Hamburger Banco, ungefehr 168 [.?.] holst. Courant, welches wir mit dem Steamschiffe Cambria den 1. April an Keike absenden. Dieses hat er hier schon verdient. Du mußt aber Keike sagen nicht mehr als ein Wechsel zu präsentieren weil die andern zwey, die sie in nächsten Briefen erhalten wird, um der sicherheitshalber ausgemacht sind im Fall einer oder der andre sollte verloren gehen. Von solchen Sachen versteht sie gar nichts. Du mußt es ihr also sagen.

 

March 28ten. Gestern erhielten wir deine zwey Briefe von Sept. u. Oct. von New Orleans. Auch Keikes an William und mir, wir werden ihn ihm zusenden. Keike sollte sich nicht grämen um William, seine Abwesenheit ist freilich wohl nicht angenehm aber zu Hauß konnte er ja auch nicht immer bey ihr sein. Es ist besser daß er hier was Geld verdient und die neue Welt ein wenig kennenlernt. Es dauert mich sehr um Vater Hans Krankheit zu vernehmen, doch wir hoffen er ist jetzt wieder genesen. Die Geschäfte hier gehen schon besser mit uns. Unsere Schipping Office ist meist das nämliche wie Wasserschout in Hamburg. Wenn ein Schiff reisefertig ist, so werden die Papiere nach das Office gebracht, um eine Mannschaft für die Reise zu heuern. Jeder Matrose so geheuert erhält ein halber [sic] oder voller [sic] Monaths Gage auf die Hand. Dieses wird vom Schippingmaster Olde an den Matrosen nach gelieferter Surety ausbezahlt. Wenn die Mannschaft voll ist, die Papiere gehörig unterschrieben und die Protiotions (Amerikanischer Pass) nachgeliefert sind, so wird auf dem Custumhouse ausklarirt. Die Bice [?] wird bezahlt, wenn das Schiff weggeht, und der Schippingmaster erhält von die Rheders ein Dollar für jede Person, die er so verheuert hat. Steuerleute bezahlen gewöhnlich 5 Dollar, Untersteuerleute 3. Ballast verkaufen wir auch an Schiffe. Auch [.?.] wie Südwester, wir haben 3 Mädchen die selbige für uns nähen, diese werden verkauft für 6 Dollar pro duz. machen etwa 100 pr. cent Vortheil. So gehts mit uns hier. All Bad halpt as tha Mir sayt. Die Lebensart hier zu Lande ist einfach. Um 5 oder 6 Uhr Morgen steht man gewöhnlich auf, um 8 Uhr Breakfast, 1 Uhr Dinner und 5 oder 6 Supper. Die Stadtglocken läuten zu jeder Mahlzeitstunde und zwischen 9 und 10 geht es zu Bette. Die Straßen sind sehr ruhig des Nachts gar kein Getümmel und Gewühl. Die Nachtwächter gehen die Runde ruhig und stille. Die Stunde der Nacht wird nicht ausgerufen. Nur wenn ein Feuer ausbricht oder ähnliche Umstände, macht der Nachtwächter Lärm. Seine Waffen sind ein zwey oder 3 Fuß langer Hacken und ein Knabermallan. Die Amerikanische Bauart ist wie die Englische, die Betten bestehen aus einem Strohbette und Federbette unten, Quillt und Bedspread oben Sheets, Pillows und Pillowcases [?], Apsat Badstäden. Auf stoved wird hier gewöhnlich gekocht, die Weiber machen das Brod, kochen, nähen, waschen und sehen alle nach der Haushaltung, der Mann kauft ein. Du wolltest unsere Meinung wissen über O'Connells Sieg und Irrland. Mit O'Connells Pläne sind wir nicht sehr bekannt. Meine Meinung ist aber diese. Wenn ein Volk von Tyrannen unterdrückt ist, so steht [sic] es ihm als Volk berechtigt, alles für seine Freiheit zu thun was möglich ist. Aber wenn Irrland seine Freiheit erlangt hat weiß es selbige zu schützen wie es einem freien Volke gebührt? Der Kern der Freiheit sollte in dem jungen Geiste gesäet werden, wachsen im Jüngling und reifen im Manne. Dieses ist die Freiheit der vereinten Staaten. O'Connell sollte beabsichtigen die irische Jugend zu belehren, damit sie nicht in Unwissenheit heranwächst, denn Unwissenheit und Freiheit ist ein schreckliches Paar. Dieses sollte auch in unserer Heimath gethan werden: die Kinder statt Nonsense sollten ihre Rechte kennenlernen damit sie als Männer erwachsen dieselben zu fördern wüßten. Ach möchten doch die armen Einwohner unseres Landes einige Jahre in America verweilen ihre verlorenen Volksrechte zu erlernen und ihre Rollung [sic] auf dem Erdball einzunehmen wofür eine Gottheit sie schuf! Nun lieber Bruder ich muß schließen. Halte dich munter und sei vorsichtig mit deinem Schreiben im despotischen Lande. Gieb unsern allerbesten Gruß an deine liebe Louisa und Alfred, wie auch den lieben Unsrigen zu Hauß. Wir senden einen Brief an Mutter mit dem Steamschiff Cambria welches von hier den 1. April abgeht. Wir haben einen kleinen Wechsel in ihrem Briefe eingelegt an Missrs. J. Berenberg Gossler & Co in Hamburg für 54 Mark Hamburg Banco. Es ist freilich nicht viel aber es wird Ihnen doch etas helfen. Den 2ten Wechsel im Falle der erste sollte verloren gehen ist in einem Brief, den ich an Keike geschrieben und den dritten wirst du nebst diesem Brief erhalten. Wir senden dir das Package wie du es sehest den Inhalt wirst du selbst ausfinden. Robby Rantod [?] kaufte die Geographie für uns. Er läßt herzlich grüßen. Sende uns deine Schriften so bald wie sie gedruckt werden. Die Vollmacht wirst du im Package finden, sie ist ausgemacht vom dänischen Consul hier. Denke also das es recht ist.

Nun lieber Bruder Gott sei mit dir noch einmal unsern besten Gruß an euch alle.

 

Dein Bruder

 

Boy Olde Clement

 

 

NCL 4.3.1 Brief von Wilhelm Peters, Kerrin Hansen und Hans Sponagel an K.J. Clement v. 8. Januar 1840.

 

 

Geliebter Schwager!

 

Deinen werthen Brief vom 8. Decbr. haben wir mit großem Vergnügen erhalten; wir hatten auch schon lange vergebens gehofft. Aus deinem Schreiben zweifeln wir das du unsern letzten Brief den wir in November an dich geschrieben erhalten hast. Wir sind gottlob alle gesund und munter und wünschen auch dich mit diesem neuen Jahre neue Gesundheit und neues Glück. Wenn du wie du schreibst in Febr. zu hause kömmst so kann es noch wohl sein, daß wir einander mündlich sprechen könnten aber letzt [sic] in Febr gehen wir wieder nach Bremen woselbst viele Amrummer hingehen. Ich bin jetzt jeden Tag in der Navigationsschule und bin ungefähr damit fertig. T. Jensen ist gestorben wo ich früher gewesen bin jetzt bin ich bey Sönnichsen. Verschiedene Neuigkeiten sind vorgefallen. Kreske Tückes ist versprochen mit unserm jetzigen Schullehrer in Norddorf. Erk Köster mit Kreske E. Feders. Gerret Christians u. Knudt Girris haben nun zusammen eine Frau nämmlich Ellke. H. Feddersen ist sehr zu gegen diese erste Zusammenkunft gewesen doch er hat es genehmigt. - Vom Loose der Herta haben wir a Mann 68S [?] erhalten. Die Sandvögte haben erst 4 Loose im voraus erhalten für die Sache in Unordnung [sic] zu bringen dazu haben sie H.F. angenommen der die Sache ausgemacht hat, was er dafür wieder vom Ganzen erhalten hat weiß ich nicht. R. Flor ist Sandvogt in Norddorf geworden. Es geht oft sehr unrecht zu auf Amrum. Jetzt muß ich nur [sic] schließen. Keike läßt grüßen sie hat keine Zeit zu schreiben wegen Göntie. Dein Freund W. Peters.

 

Lieber Sohn wir leben alle wohl immer haben wir gehofft auf dein zu Hausse kömst aber vergebens ich bin bange daß gar nicht kömst dein Braut hoffet auch ja wohl mit Schmertzen es dauert auch sehr lange für sie, wir haben 3 Briefe von Copenhagen erhalten und auch das Buch mit daß was darin wär Gott segne dir dafür und gebe dir viel Glück in dein angefangenes Jahr wir haben dem 6. November geschrieben zu dir hoffen doch daß du es erhalten hast Wellem und Keike haben Jens Drefsen Stück land gekauft ob für [?] 200 und 20 Mark da verzinssen sie auf 50 Dollar daß ist ein gut Stück land, es ist abend ich könte es nicht mer sehen viel wohl zu grüßen an alle deine Freunde und Bekandten deine dich liebende Mutter Kerrin Hansen vielmahl zu Grüßen von Kresche und Kinder.

Lieber Sohn die Spicolaschohn ist mir reichlig hoch ich weis nicht anders du mußt es mit die Königin haben deine Braut hat al so viel iahrer gehoft den die frauens leute liegt es immer naher ans Hertz. Muter sagt es ist nicht wahr aber ich glaubs [?] doch. Wir haben nun auf unsere grundsteuer neue Quitungsbüger erhalten und die alten sind abgesetzt. Da geth wieder 6 bis 7 hundert Z[?] mit Weg [od. weg?] über föhr und amrum wo weidt das herkömt wissen wir nicht es komt doch wol nicht weidt. Nun lebe wohl

 

Hans Sponagel

 

 

NCL 4.3.2 Brief von Kerrin Hansen an K.J. Clement

 

 

Amrum, den 28. Mai 1842

 

 

Lieber Sohn Clement

 

Dein Brief haben wir heute erhalten welches uns dein wohlsein erfreuet leider habe ich viel Sorg um dir weil da zu viel ins Wochenblad gestanden hat von dir und daß Teid [?] Hamsen [od. Homsen] dein gegenan zu ist nun hoffe ich doch es hat doch wohl keine noth er hat zu viel die mit ihm sind, und der Wahrheit kan keine die meißte Zeit kein Herbarg krigen, nun ich hoffe daß beste. Daß loß ist auch vor 3 Wochen aus getheilt. Hans hat 78 M bekommen und Simon und Boy Girris Sohn haben sie nur halb los gethan und 2 mehr die zu alt wären als sie haben wol los bekommen, der ein wär Gerret Ricklefs Sohn, und es fast immer zu wesen wen Sie zu prister gewessen [?] sind zu [sic] haben sie wol los bekommen, aber es sind arme Kinder Kresche ihr Geld ist al weg Pet. Ricklefs hat sie al mit eine 7 M alte Schuld abgehalten jeder wil haben von Arrejan hat sie 3 Schil. [.?.] erhalten auf diese Rechnung Simon ist noch zu Hause es ist ein sehr [.?.] muß noch erst warten es ist auch schlechte Zeitung von Marten sein Schwiger Sohn Wiliy [sic] und Peter Schuld sind gestorben in Porto Prins, und Nahmen Bohn Sohn ist todt ist vor 14 Tage beerdigt da auch Peter Nahmens sol Peter [.?.] Frau hat daß 4 todt Kind gehabt, wir haben es hild gehabt wir haben müssen leztes Heid und Türfen bekommen es ist alle tage schön Wetter da kommt auch viel Graß daß Korn stehet auch gut die Rogen, kömst auch von [sic] Sommer zu Hausse wenn kanst so komme Schreibe es, Flor hat vor 14 tage in hamburg gewesen nun sol er den 4. Juni al weg wir könten kain Brief wegkriegen du auch wohl nicht wir hatten al ehr geschrieben aber wir wollten erst Brief von dir haben. Du schreibst auch nicht von Loise es ist doch wohl gut ich denke gleich viel daran ich mache mir auch viel unnöthige Sorg. Hoffe auch daß wir bald Nachricht von Wellem bekommen es ist nun ein Jahr, wir möchten daß Wochen Bladt gerne haben aber wir möchten es dir nicht zu viel mit beschweren du kanst thun was dir den[n] dünkt must den[n] schreiben, wie wäre es auch wohl anders nöthig Hans ist bang daß ich da zu viel Zeit mit zubringen [sic] und Krassen, nun ich muß schlissen mit [?] den besten Grus von Hans, Keicke, Kreske und alle Kinder und besonders grüßet deine dich liebende Mutter

 

Kerrin Hansen

 

auch freundlichen Gruß von Kresse Nickelsen

 

Lieber Bruder Jens Eschels hat geschrieben, er hat bei Riedels Frau gewesen, sie wußte noch keine weitere Nachricht von ihrem Mann.

 

 

NCL 4.3.3 Brief von Kerrin Hansen an K.J. Clement v. 6. Juli 1851

 

 

Amrum den 6. März 1851

 

Lieber Sohn und mit deine liebe Frau und deine lieben Kinder hoffe daß ihr alle gesund und wohl sind wir sind alle wohl welche das beste ist daß andre muß sich helfen ich möchte euch noch gerne alle einmahl sehen aber da wird wohl nicht mehr von doch hoffen in jenem leben, daß Caffe und the bey Welm Olfs habe ich richtig erhalten und auch daß Brief bey der post mit dem Zettel wofür wir euch herzlich danken hir send wir 3 [.?.] bey ein föhringer ein guten Freund von uns sie wollte es euch wol selber bringen sie wolte es euch alles erzehlen von uns ich möchte dir zu gerne sprechen aber versehen solts du dir nichts um, wir haben Briefe von Amärika bekommen von Boy und Olde. Boy sein Frau hat mir ein silber Brille zum Geschenk gesendet und auch ein schönes Brief an mir geschriben Englisch ich denke. Boy [.?.] er hat zugesagt zu [.?.] sein frau sie ist wieder zu Hausse gekommen sie mag da nicht sein Olde schrib sie solte, mir alles er zehlen wen ihr umständen. Olde hat zu [.?.] gewessen 12 Monde es wär nun was besser wir sollten auch alle herzlich grüßen wir haben geschriben bey Captain Jacobsen an Olde und Boy und hoffe bald Antwort, wir haben 3 par Strümpfe über geschickt bei [..?..] Hausbrot von frü jahr da war kein Brief bey [.?.] ob ihr sie auch bekommen hat zu die 3 Söhne du mußt doch schreiben bey Arejan kömt um zu Hamburg ich wolte noch wohl was mehr schreiben aber meine Gedanken sind zu kortz

vielmahl zu grüßen von allen bleibe eure getreue Mutter Kerrin Hansen

 

ein ander mal was besser

lebe wohl

 

 

NCL 4.3.4 Brief von Wellem Peters an K.J. Clement v. 4. August 1840

 

 

Amrum d. 4. Aug. 1840

 

Lieber Knudt!

 

Wir sind wiederum von unserer nördlichen Reise glücklich umgekommen vor einigen Tagen sind wir [.?.] Amrummer mit Marten von Bremen gekommen. Ich dachte einige meine Schwagers zu Hause anzutreffen aber vergeblich wenigstens wäre ich dich hier zu vermuthen. Wir haben nun einen unruhigen Sommer bey uns gehabt, viel Sturm und Unwetter. Unser Fangst ist billig geworden. Von Boy und Olde haben wir noch nichts vernommen seitdem wie auch nicht von Carsten. Dein Brief von Altona haben wir heute erhalten. Dein Brief sammt dem Büchlein und Geld auch richtig empfangen. Die Heuernte ist hier ungefehr vorbey, und man wird mitten in dieser Woche auch mit dem Roggen anfangen. Es scheint eine gute Ernte zu werden. Wenn du zu hause kömst wirst du dich verwundern über die kleine Göntie. Die ist ganz ausgezeichnet von ihrer Gesellschaft kann [?] schon überall herum gehen. Nun ich weiß dir nichts mehr zu schreiben. Gott gebes nur, daß du bald zum Zwecke [?] gelangst wonach du strebest. Den besten Gruß von uns alle an deine Louise. Ich bin stets

dein dich liebender Schwager

Wilhelm Peters

 

 

NCL 4.3.5 Brief von Wilhelm Peters an K.J. Clement v. 4. November 1843

 

 

Amrum 4. Nov. 1843

 

Lieber Knudt und Louise

 

Euren Brief vom 17. Nov. erhielten wir den 25sten. Die Post geht in der jetzigen Zeit sehr ungewiß. Wir hatten schon lange auf einen Brief vergeblich gehofft, und waren in der Meinung daß einer von euch krank war. Ihr schreibt in eurem Briefe daß ihr einen Kasten mit der Frachtpost nach Föhr geschickt welchen wir wegen der stürmischen Witterung noch nicht erhalten. Sobald nur eine gute Ebbzeit ist, gehe ich nach Föhr, um ihn zu holen. Unsere Neugierigkeit steigt jeden Tag immer höher was darin verborgen ist (um zu erfahren). Wir dürfen das Schreiben nicht länger versäumen weil ihr wahrscheinlich schon wieder auf Antwort hofft. Deswegen schreiben wir bevor wir den Kasten erhalten haben. Den besten Dank sey euch dafür für diese Gabe und den innigsten Wunsch auf euer künftiges Wohlergehen. Daß ist alles was wir euch geben und wünschen können. Das [.?.] die grüne und weiße Zuckerdose die 2 Pfund Candis haben wir alles richtig erhalten. Bei Risham hat man einige kleine Wälle gemacht und bepflanzt weiter ist nichts dabei gethan. Das Wasser ist Gott sey Dank diesen Hebrst noch nicht so hoch gestiegen daß es durchgebrochen. Mit dem großen Berglohn schweigt ein jeder stille. 130 S Cor. sind noch davon übriggeblieben welches die Sandvögte eingehalten haben, hiermit an einige der Berger zu vergüten oder wegen Versehen zu berichtigen. Es ist aber nichts davon zu Recht gekommen. Man nennt es das Ding ohne Kopf, welches verkehrt zur Welt gekommen ist. Nun muß ich euch die Geschichte schreiben wegen des Engl. Schoners, wie ich bei Riedel war.

Es war glaube ich den 28. Juny 1841 als wir des Abends den Schoner gewahr wurden. Er kam uns so dicht wie er konnte langs Seite segeln und preite uns wo wir hinwollten. Unser Captain sagte nach der Küste von Africa wo wir herkamen von Hamburg. Unser Captain sagte zu ihn wo er hinwollte. Der Steuermann des Schoners rief nach London. Ihr Captain war todt und sie hatten keinen Navigateur an Bord, ob wir nicht einen Mann übrig hätten der die Navigation kannte. Unser Kaptain rief sie sollten den folgenden Morgen einmahl an Bord kommen dann wollten wir sehen. Dabei blieb es die Nacht über. Den folgenden Morgen singnalte er nach uns, wir warteten nach ihm und er kam mit 3 Mann an Bord bey uns und unser Kaptain weist ihnen, daß sie uns nun folgten. Darauf ging die Schaluppe wieder an Bord. Einige Zeit darnach singnalte er wieder, und wir warteten nach ihm wie er näher hinzu kam, sahen wir, daß einer vorne im Schiffe stand und zeigte uns die Quartentionflagge. Da war seyn Steuermann auch krank geworden. Unser Kaptain kam hin zu mir und fragte mir ob ich wohl Lust hatte mit diesem Schoner nach London zu segeln. Ich beantwortete es ihm mit ja aber mit der Bedingung wenn ich dabey eine gute Summe Geld verdienen konnte. Unser Kaptain sagte zu mir er dachte von 100 Sterl. mußte ich haben alsdann wollten wir in den nächsten africanischen Hafen segeln und mir schriftlich zu Kaptain machen mit diesem Contract betrat ich den Schoner. Der Schoner hieß John & Marry kam von Barthus auf dem Gambia Fluß und hatte eine Ladung Nüsse und eine Parthey Wachs. Es mochte wohl Vormittags 10 1/2 Uhr seyn wie ich an Bord kam wir setzten alle nöthigen Segels bey und unsere Fahrt ging erwünscht von Statten. Nach seiner Logge und Gissung stand er glaube ich 60 Engl. Meil von der Insel Gorroe welches nachdem ich die Breite observiert hatte wohl ziemlich richtig war. Die Nacht darauf war es ziemlich düster und ich immer in der Furcht daß sie mir Gewalt thäten und segelten weg mit mir den [sic] es konnte ja leicht der Fall gewesen seyn das sie den Kaptain überbord geworfen hatten und dieses zur Sage machten, daß er sich selbst vergiftet. Doch die Leute schienen mir recht dienstfertig zu seyn. Die Nacht über kam mir kein Schlaf in die Augen. Mit das engl. Kommando mußte ich mich so gut behelfen wie ich konnte. Wir segelten hin auf Gissung auf der Breite von der Insel Gorroe und steuerten dan [sic] ostwärts. Des Vormittags krigten wir die Insel Gorroe ins Gesicht es war frische Bries und wir kamen ungehindert und wohlbehalten des Nachmittags binnen wo ich [.?.] zu Anker kommandirte dicht bei unserem Schiffe. Wir machten die Seegels gehörig fest und unser ander Anker auch fertig [?], weil hier häufig Gewitter statt finden und hohe Seedienung war. Kurz darauf kam uns ein Langboot langs Seite und sezte uns 3 Tage Quartentine zu [..?..] sahen das Provijand und Wasser nach usw. Wie diese Quartentinezeit verflossen wollte unser Kaufmann anordieren [?] mit dem Steuermann und verlangte 150 Pfund St. und ich sollte ihm für 50 Pfund St. nach London bringen. Der Steuermann erwiderte, er könne daß nicht thun er wolle zu erst sprechen mit einem der Rheders welcher in der Stadt Barthus wohnte. Ich mußte also wieder an Bord und wir segelten von da nach den Gambia Fluß wo eine Engl. [.?.] welcher den Schoner nach England lieferte. Was weiter aus der Sache geworden ist weiß ich nicht. In Barthus mußte ich noch einen Eid wegen dieser Sache ablegen. Weitläuftiger kann ich diese Geschichte hier nicht ausdehnen. Ich werde in den nächsten Tagen einen Brief an Riedel schreiben. Wir sind alle gesund und wohl und grüßen euch alle herzlich.

 

Euer dankbarer

 

Wellem Peters

 

Euere Mutter schreibt beym Empfang des Kastens. E[lke] J[an] Lieven u. J.R. Nickelsen sind vor kurzen gestorben

 

 

NCL 4.3.6 Brief von Wellem Peters an K.J. Clement v. 2. Februar 1846

 

 

New York, d. 2. Febr. 1846

 

Geliebter Schwager!

 

Wir sind heute vor 8 Tagen hier glücklich angekommen. Ich ging von New Orleans aus mit einer Barque nach Arranves Bay in Texas von da nach Tobasko River in Mexico. Wir waren daselbst ungefähr 130 Meilen hinauf auf dem Rewieres [?]. Was wir da mit dem Ungeziefer ausgestanden ist unglaublich. Die meisten Einwohner daselbst sind Indianers. Das Land ist daselbst noch sehr wüste und unbebaut. Wir nahmen daselbst eine Ladung Bladholz [?] ein und gingen von da nach hier. New York mag ich wohl sagen ist eine kleine Welt, wer hier nicht gewesen, kann es sich garnicht vorstellen, ist schön gebildet und sehr gelegentlich für die Schiffahrt. Ich erhielt diesen Morgen einen Brief von die in Boston, es war daselbst keine Briefe vom Hause. Mein letzter Brief von Keike ist vom 31. März vorigen Jahres (die arme Keike). Ich schicke diesen Brief, und einen an Keike weg mit die Washington nach Hamb. So Gott will werde ich künftigen Herbst bey ihr seyn. Ich sehne mich schon sehr nach der Heimath, daß kannst wohl wissen, eine lange Abwesenheit. Wenn ich nach Hamburg komme und keine besondere Gelegenheit zu Hause habe, so gehe ich pr. Dampf nach Kiel von da mit den Wochenwagen [?] nach Husum. Ich muß Louise ja einmahl sehen meine unbekannte Wohlthäterin. Olde und Boy geht es sehr gut und sie lassen alle herzlich grüßen. Ich war das letzte Mahl nur 2 Tage bey ihnen im Schlafstelle [sic], ich hatte gerade so viel Zeit, die Lebens und Leidensgeschichte zu lesen, welches mich sehr interessierte. Wenn ich vielleicht nach Kiel komme, so werde ich euch alles mündlich erzählen wie wir es hier haben in der neuen Welt. Es wäre wohl der Mühe werth für dich hierherzukommen. Du bist zu frey in das alte Dänemark, und freygesinnte Leute, das ist es gerade was man hier gern hören mag. Ich bin hier jetzt grade 8 Tage im Schlafstelle, ich konnte mich schon lange wieder verheuert haben aber ich wollte nicht weil ich nicht recht wohl war. Ich werde mich aber nun bald verheuern und werde eine Reise nach den südlichen Staaten von da nach Europa machen und wenn ich dann zurückkomme so werde ich zu Hause kommen. Die Heuern sind 15 Dollars. Ich schickte eine Bill of Exchange vorigen Herbst, ich hoffe, daß Keike ihn erhalten hat. Ein enthält 60 Dollars wenn nicht so muß sie zu gleich nach Boston schreiben. Ich danke euch sehr, daß ihr Keike so behülflich gewesen seid welches sie mir geschrieben. Den besten Gruß

Euer dankbarer Schwager

William Peters

 

Mit dem englischen komme ich sehr gut fort. Ich kann schon ziemlich gut englisch lesen. Ich habe einige englische Bücher worin ich mich übe. Ich kaufte vor einigen Tage The life of George Washington, daß möchte vielleicht ein gutes Buch seyn für dir. Du must mein Schreiben und Stiel nicht zu genau besehen.

 

 

NCL 4.3.7 Brief von Keike Wellems an K.J. Clement

 

 

Wir haben den Brief [..?..] freuen uns, daß Ihr alle gesund und [..?..]. Den preußischen Thaler hat Mutter auch [..?..] in dem Briefe, und dankt Ihnen dafür, sie ist aber bange, daß Ihr mehr thut als Ihr könnt. Arijan hat uns erzählt, daß ihr ganz tüchtige und muntre Kinder habt. Wir sind nun alle Gott sey Dank auch gesund und Mutter auch, die aber viel abgenommen ist seyd ihrer Krankheit in Kräften, sie hat aber einen guten Appetit und kann alles wieder vertragen. Ich habe sehr viel zu thun, sonst hätte ich eher geschrieben, habe nur 3 Fuder Heide abgeschlagen und noch 2 [.?.]. Ich gebe diesen Brief nach Husumer Markt mit. Boy hat von ein paar Reisen geschrieben in den [..?..] seyn Brief, er war von Febr., er hatte Neyjahr sich verheirathet mit Elisabeth, er wollte künftigen Monath einen vollständigen Brief schreiben. Knudt geht von Boston in dem Schiffe Mandonia Capt. Schnor [?] nach Californien von da nach Manilla und wieder zurück auf Boston, sie hätten ihm [..?..] Handwerk lernen wollen [sic], es deucht ihm aber so [..?..] 4 Jahren, die Reise dauert 1 1/2 Jahre wol. [..?..] Mein guter Willem hat nur 2 Tage an Land gelebt. Klas G. hatte ihn in einer Kutsche nach dem Hospital bringen lassen, und ihn auch gefragt, ob er gar nichts mehr zu erinnern habe. Darauf habe er nein gesagt, er ist gestorben an dem Durchgang, vom schlechten Wasser daselbst. Christian E. hat 9000 Robben und M. Martens 5000 in Grönland gehabt, einen Gruß von Mutter an Ihnen alle, Simon hat es diese Reise gut getroffen mit Grönland, man sagt F. Erken der Steuermann hat wol ein paar tausend Mark verdient. Nun Gott sey mit Ihnen, es grüßet Kreske auch an alle

 

Ihre

 

getreue Schwester

 

Keike Wellems

 

 

4.4.1 Hulda Louise Fries an Clement v. 26. Februar 1841, Erlangen

 

 

Um mir die größte Überraschung zu bereiten, um deine Louise überalles zu erfreuen, hast du, mein inniggeliebter Clement mir den zweiten Brief gesandt, noch ehe meine Antwort in deinen Händen war, die dich jezt gewiß erreicht und auch erfreut haben wird. Hier meinen innigsten Dank für deine zarte Aufmerksamkeit, von welcher ich innig gerührt und laß dir sagen, daß du mir, wo möglich immer lieber und theurer wirst und mich trotz unsrer weiten Trennung erfüllest und durchdringest mit einer Seligkeit, wie die Erde sie bieten kann, durch Schätze und Gaben, die uns in alle Ewigkeit bewahret sind. Die Schilderung der strengen Kälte in deiner Heimath hat mich sehr ergriffen. Gott sey dank, daß deine und der deinen Gesundheit nicht dadurch gelitten; daß mich deine Reise zu welcher du nun bald gezwungen wirst, etwas beunruhigt, kannst du dir denken, sey ja vorsichtig dabey und wisse, daß deine Louise dich betend begleitet und ihr Vertrauen auch hierin fest auf Gott stützet. Nun wirst du aber fragen, wie ich hierher gekommen und wie es mir bey den Lieben ergehet. So laß dir denn erzählen. Dienstag Abend verließ ich also mein liebes Geissenthal, dessen ländliche Stille mit wohlthuend war, nebst der herzlichen Aufnahme, die ich bei [.?.] fand. Mittwoch früh am 24ten kam ich mit dem Eilwagen glücklich in Nürnberg an, wo mich Onkel, Tante und Doktor Wilhelm aufs herzlichste empfingen und mich zugleich mit deinem lezten Briefe überraschten, den Heinrich sogleich nach Erlangen besorgt [?]. Nachdem mich die gute Tante in Nürnberg herumgeführt und mir die merkwürdigen und schönen Gebäude gezeigt, fuhren wir nach Erlangen, dessen freundliche Lage mir den angenehmsten Eindruck machte, nur ist es auf's Neue ganz winterlich geworden und schneit seit 3 Tagen unerwährend [sic]. Hier im Hause fühle ich mich sehr glücklich durch die liebevolle Behandlung, welche mir zu Theil wird, von dir, mein guter Engel, wurde schon viel gesprochen, aus deinen Briefen theilte ich alles mit und habe die große Freude, daß man dich recht erkennt und beurtheilt und daß man unser Glück und unsern Schmerz begreift. Auch Wilhelm und dessen Frau äußern sich sehr theilnehmend und freundschaftlich über dich und grüßen dich herzlich. Meine lezten Nachrichten von Hause [sic] lauteten gut, so daß ich mir keine Sorgen um die Lieben in der Heimath machen darf, aber die Sorge um dich kann ich nicht tilgen, schreibe daher recht bald wieder und melde mir auch die Ankunft in Kiel ohne Säumen. Der gute Onkel meint, du hättest noch bedeutende Arbeiten zu vollenden, ehe du Privatdoc. werden könntest, daher hoffe ich, daß du so zeitig damit beginnst, daß deine Gesundheit nicht durch große Anstrengung leidet. Daß du deine Zeit auch auf Amrum gut nutzen würdest, bezweifle ich gar nicht und was du sagst von den warmen Herzen im kalten Norden finde ich sehr wahr. Dorthin werde auch ich demnach passen und dich ganz vergessen machen, daß ich aus dem südlicheren Theile Deutschlands herstamme. Von deinem Kummer erwähnst du nichts mehr im lezten Briefe, denn du bist ja verlezt. Meine Nachrichten, die du noch von Geiss. aus erhalten hast, beleben in dir zwar die schöne Hoffnung auf unser Wiedersehen und glaube für mich auch, gebe es keinen größeren Genuß auf Erden, als dich einige Tage bey mir zu haben, aber dennoch muß ich in tiefer Betrübniß dir sagen, daß bey sorgfältiger Überlegung mit Onkel unser beyder Ansicht die seyn muß, daß deine Zeit, dir die weite Reise hierher nicht gestattet, und dabey auch die großen Kosten anzuschlagen sind, die du haben würdest, indem unser Wiedersehen nur ganz kurz und flüchtig ausfiele. Onkels weitere Ansicht ist die, daß du in den ersten Ferien zu deiner Erholung, die so viel billigere Reise nach Heidelberg, den Rhein herauf unternehmen könntest, wo wir dann einen längeren und ungestörten Genuß des Wiedersehens theilen könnten. Sieh' ich leide selbst in dem ich dir diese Vorschläge mache und muß meine Sehnsucht bekämpfen, sey mir nur nicht böse und glaube nicht dabei an Engherzigkeit, sondern an eine innige Liebe, die immer unverändert dir geweihet ist, die mit dir duldet und entbehrt, so lange es Gott so gefällt.

Aber das ist gewiß, daß auch meine Hoffnung auf unsere baldige Verbindung fest steht, so wie die deinige, das wird uns stärken und ermuthigen bey der Vereitlung unseres sehnlichen Wunsches, nämlich den, des ganz nahen Wiedersehens. Unser Onkel Kastner [?] hegt väterliche Gesinnungen gegen uns beyde, erkenne mit Dank gegen ihn und unsern Gott, was er für uns thut. Er schreibt dir ja selbst und wird dir berichten, durch wen dieser Brief an dich gelanget, vielleicht kennst du seinen treuen Freund in Kiel und findest einen zweiten Rathgeber an diesem würdigen Manne. Was ich dir noch mündlich recht ans Herz legen wollte, thue es nun schriftlich und hoffe, du wirst es so liebend annehmen, als es von mir ausgehet. Sey recht vorsichtig mit deinen Urtheilen und Anstrengungen in Kiel, damit du dort Niemand gegen dich einnimmst, wodurch dir gleich das Spiel könnte verdorben werden. Gegen deine Überzeugung kannst du nicht reden, aber wo es nöthig ist, schweigen, das erwarte ich von dir, als echten Beweis deiner Liebe, auch rede weniger von deinen Fähigkeiten, sie treten von selbst an das Licht und werden dann erst recht anerkannt. So lebe denn wohl mein treuer wackerer Clement. Gott stärke dich zu deinem Vorhaben, er leite deine Schritte und begleite dein Werk mit seinem Segen, um diesen flehet auch deine sehr treue und durch dich so glückliche Louise.

Von Tante Kastner [?], bey welcher du in sehr freundlichem Andenken stehest die herzlichsten Grüße an dich, den Getreuen. Deiner Mutter und Schwester Grüße.

 

 

NCL 4.4.2 Christian Adam Fries an Clement v. 6. Juni 1836

 

 

Heidelberg, 6. Juny 1836

 

 

Lieber Herr Clement

 

Wenn ich auch späth dazu gelange Ihnen für das mir güthigst übersandte Büchlein meinen Dank schriftlich abstatten zu können, so geschieht dies nicht mit geringerer Wärme als ich von Anbeginn empfunden. Mit Vergnügen habe ich es gelesen und mich daran ergözt, wie Sie den phantasierenden Mystikern einen Circumflex versezten. Das Büchlein habe ich auch Prof. voss [?] gesandt, auch alle Inlagen befördert, bis auf eine.

Zu Ihrem Vorhaben u. Reisen wünsche ich Ihnen von Herzen Gedeihen und Glück, damit Sie in Ihrer Laufbahn bald in einen sicheren Hafen gelangen mögen, zu einer Anstellung, die Ihre Existenz sichert. Solange aber ein solches Ziel nicht erreicht ist, so lange dürfen Sie nicht dahin wirken, das Schicksal eines Mädchen an das Ihrige zu knüpfen, dies wäre eine Aufopferung, wozu keiner mit Besonnenheit sich entschließen würde, noch weniger dürfen Eltern sie zulassen, ohne heilige Pflicht zu verletzen. Ein anderes würde seyn, wenn Sie als ein Mann auftreten könnten, dessen [.?.] mit Familie und hinlänglichen Auskommen auf eine sichere Weise besteht, dem die Erreichung eines solchen Zwecks bereits gelungen ist. Sie können also nicht verargen, wenn wir Ihren Brief nicht übergeben, sondern etwa nur sorgfältig aufbewahrt wird. Keines zarten Mädchens Ruhe darf aufs Spiel gesezt werden, das werden Sie, nach Grundsätzen, selbst begreifen und billigen.

An Ihrem Schicksal werden wir stets aufrichtig Antheil nehmen und alle [.?.]gehende Veränderungen sollen uns sehr interessieren je mehr sie zu Ihrem Vortheil sind.

Leben Sie wohl, von uns allen herzlich gegrüßt, meine Hochachtung und freundschaftliche Ergebenheit versichert

 

Christian Adam Fries

 

 

4.4.2 Christian Adam Fries an Clement v. 3. Juli 1844

 

 

Heidelberg, 3. July 1844

 

 

Lieber Sohn Clement!

 

Ihre werthen Zeilen sandte ich der Mutter nach Wimpfen, damit sie den Inhalt, nebst dem was Louise angefügt, lesen möge. Sie konnte Ihre Schrift nicht entziffern und hat überdies den Brief so sehr in den Sachen versteckt, daß noch Tage drauf gehen werden bis ich ihn wieder erhalte; darauf kann ich aber nicht länger warten, da ich schon seit voriger Woche die Wechsel für Sie bereithalte. Hierbei übermache ich Ihnen [es folgt eine Aufstellung der Abrechnung].

Der Leipziger Professor muß ein ganzer Schufticus seyn, nach seynem Verfahren mit dem Manuscript, es mag wohl, wenn er nur etwas heraus giebt leicht ein Plagiat zum Vorschein kommen, dann aber müßte gesagt werden, in Ihrem Manuscript "so und so" welches so lange seinen Händen anvertraut gewesen, seyen diese Stellen, nach eigenen Beobachtungen am Orte, von Ihnen verfaßt, schon enthalten. Wenn Leo u. seine Anhänger Ihnen Steine in den Garten werfen können, so werden sie es freilich thun, denn es grassirt von jeher Gelehrtenleidenschaft. Am besten wird in der Folge seyn, wenn sie solche Herren u. deren zweideutige Protection umgehen u. derzeit mit den Verlegern sich benehmen, nur treue bewährte Freunde verdienen Ihre Ausnahme.

Am 4. July. Jetzt rede ich zugleich auch zu dir mein liebes Katzenfüßchen! Es erlustigt und freut mich nicht wenig, wenn du mir von deinem kleinen Knut recht viel und ausführlich erzählst, es leuchtet daraus manch Willkommenes hervor. [..?..] noch nicht gerechnet, ich darf sie aber voraussetzen, denn Gold ist die Normalfarbe des gesunden Kinderleibes.

Mit Frohlocken kann ich dir verkünden, daß Mutter von dem Seelenbad zu Wimpfen eine ganz glückliche Wirkung genossen hat. Die Gliederschmerzen und Stichigkeit sind verschwunden und sie konnte wieder Stunden zu Fuße gehen, der Himmel lasse diesen verbesserten Zustand nun auch nachhaltig bleiben. Am Freitag ging ich nach Wimpfen, lebte da 2 Tage sehr angenehm mit der Mutter in der reizenden Umgebung u. Montag Mittag war ich mit ihr u. Elise wieder hier; im Bad herrschte unter den Gästen allgemeines Bedauern über das Weggehen dieser beiden allbeliebten Wesen. Heute morgen um 11 Uhr ist Heinrichs Trauung mit seiner liebenswürdigen Dorette, auch Ihr lieben Kinder, werdet zu diesem Bunde den Segen des Himmels erflehen. Da das junge Paar sich gleich auf die Reise begiebt, so werden wir es in etwa 3 Tagen feierlich und herzlich empfangen können. Bernhards Bilder sind jetzt in Düsseldorf, er hat aus Indien geschrieben, es ginge ihm ganz gut u. diese 3 Künstler werden in Naturstunden große Beute machen. Gehabt euch wohl Ihr Theuren, küßt mir meinen Enkel und Pathen und seyd in Gedanken umarmt von Eurem treuen Vater

 

C.A. Fries

 

 

 

 

 

NCL 4.2.3 Boy Olde Clement an K.J. Clement v. 6. März 1845, Boston

 

 

Lieber Bruder

 

Beinahe sind sechs Monathe verflossen, seit wir deinen letzten Brief erhalten und wir hoffen täglich auf jüngere Nachricht von dir, Frau und Kind wie auch von den lieben Unsrigen zu Hause. Auch ist es schon einige Zeit her seitdem ich dir einen Brief schrieb, doch ich bitte dich entschuldige mich, unsere Umstände haben sich seit Portland verändert und müssige Stunden giebt es selten. Oldes Brief von January wirst du wahrscheinlich erhalten haben. Willem kam hier in Novbr. v. J. an war etwa drei Wochen bei uns und ging in dem Schiffe John Dunlap nach Mofile und ist schon jetzt wieder auf der Reise nach hier begriffen. Wir erwarten ihn täglich. Das Americanische Leben und die Einrichtungen hier zu Lande stehen ihm gut an und er wundert sich des Fortschrittes der Art u. [.?.], des rastlosen Wirkens und Strebens des Volkes und der Wohlstand der Einwohner im Allgemeinen. Ich bin meist jeden Tag einige Stunden mit ihm herumgewesen, ihm alles Sehenswerthe zu zeigen. Boston ist eine gelegene Stadt für Handel, Schiffahrt und Gewerbe. Liegend vor der Massachusetts Bay, die Zufahrt ist nicht beschwerlich und der Hafen ist einer der geräumigsten der Vereinigten Staaten. Docks wie in England hat man hier nicht, die Schiffe liegen alle an Wharfs, woselbst sie zur Ebbzeit flott liegen. Auf den Wharfs stehen die großen Packhäuser durchgängig fünf bis sechs Stories [?] hoch aus Granit und regelmäßig von einander in der Reihe gebaut. Im alten Theil der Stadt, North End', sind die Straßen enge und gekrümmt, aber im südlichen und westlichen Theil welcher seit neuern Jahren angebaut ist hat man mehr Rücksicht auf die Regelmäßigkeit genommen. East Boston liegt auf einer Insel eine viertel Meile östlich, eine Steamferry geht hin und wieder jede 5 Minuten. Nördlich über dem Charles River liegt Charlestown, ein schönes Städtchen mit einem der schönsten Navy Yards der Welt. Unweit hier auf der Anhöhe ist das Schlachtfeld Bunkerhills, aus dessen Mitte jetzt das Monument hervorragt. Noch sind einige Spuren der Erdschanzen vorhanden, aufgeworfen in jener erinnerungswürdigen Nacht, von heiligen Händen, die für Freiheit und Eigenthum stritten. Das Monument ist aus grauem Granit im Viereck gebaut, mit einer Kammer oben. Die ringförmige Treppe welche vom Innern zur Kammer führt ist 295 Treppen hoch, alles lauter Granit. In der Kammer oben hängen zwey der vier Feldkanonen, die zum Anfang der Revolution vom Staat von Massachusetts an die Armee ertheilt [sic] wurden. Die zwey wurden von den Engländern genommen. Am 17. Juni 1843, Aniversary day of the Battle, wurde das Monument dedicated. President Tyler und sein Cabinett nahmen auch Theil daran. Mon.[?] Daniel Webster war Orator of the day. An Eisenbahnen fehlt es hier nicht. Sechs der principal ones [?] gehen von dieser Stadt nach den benachbarten Staaten. Das Reisen geht geschwind. In einer Zeit von 7 bis 8 Tagen kann die Reise von Eastport Main, nach New Orleans, La, zurückgelegt werden, eine Distanz von ungefehr 2000 Meilen. Durch dieses Band ist die Nation noch enger verknüpft. Für die Education der Kinder wird überhaupt gesorgt in den New England Staaten. Die Schulen sind prächtige Gebäude, groß und geräumig und die Lehre (Male & Female) talented. Die Brenches [sic] welche vorzüglich studiert werden, sind Mathematic, Geographie, Historie, Grammar, Pennmanship etc. Das junge Gehirn wird nicht verwirrt mit Religionssachen; fürchte Gott und liebe deinen König wie es bei uns in der Heimath der Gebrauch ist. Wenn ein Kind zu den Jahren des Nachdenkens und Ueberlegens gekommen ist, so kann es selber wählen was am besten mit seiner Meinung übereinstimmt. Vor kurzer Zeit haben einige D.D. im Staate von New Hamshire bei der Regierung dort angetragen die Bibel anstatt des National Readers als Lesebuch für Schulen einzuführen, aber es ward kurzerlings abgeschlagen. Der National Reader ist ein schätzenwerthes Buch voll von Republikanischen Grundsätzen und patriotischen Gesinnungen. Daß die Bibel, especially the Old Testament, als ein Lesebuch für Republiken nicht taugt, das hat man hier schon begriffen. Unser neuer President James R. Polk hat am 4ten den Presidentenstuhl betreten. Henry Clay war der Candidate der Oppositions oder Whig Parthy. Die volle Zahl der Electoral Votes waren 275, wovon Polk 170 und Clay 105 hatte. Die Staaten welche für Polks stimmten waren folgende: Main, New Hamshire, New York, Pennsylvania, Virginia, South Carolina, Georgia, Alabama, Missisippi, Louisiana, Arkansas, Missouri, Illinois, Indiana und Michigan. Für Clay Massachusetts, Vermont, Conneticut, Rhode Island, Deleware, New Jersey, Maryland, North Carolina, Tennessee, Ohio und Kentucky. Aikens Zeit der Gefahr ist also wieder vorüber, eine Gefahr die wahrscheinlich aus Utopia stammt. In America ist niemals Gefahr das Volk ist wachsam. Mit der Majorität läßt es sich begnügen. Herr Aikens schreibt von Demagogen, Wahlverfälschung, Bestechung u. dgl. Noten eines Halls, Capt. Marryatts [?] oder eines Dickens, welche auf kurzen Reisen durch die Staaten gesammelt und zu Gunsten europäischer Fürsten und Fürstlingen geschrieben sind, können für keine Beweise gelten. Auch Parthy Zeitungen nicht. Nur ein jahrelanger Aufenthalt unter dem americanischen Volke mit einem freien ungefesselten Geiste welches das beste Zeugniß seiner Institutionen. Mit Slaverey sollte sich Herr Aiken doch nicht die Finger verbrennen. Das General Government der United States hat nicht die Macht einheimische Sclaverey wegzuschaffen, diese Macht besitzt nur die Legislatur des einzelnen Staats. Ein jeder solcher Versuch von Seiten des General Governments würde eine Verletzung der Constitutional Rechte der sklavenhaltenden Staaten sein. Die United States als eine Nation ist frei und seine Pläne zur Vertilgung des Negerhandels sind nach meiner Meinung rühmenswerther als Englands. Wenn Slavenschiffe z.B. von Americanischen Cruisers genommen werden, so ist für die Zurücksendung der Neger nach Africa durch Congress gesorgt und welches augenblicklich vollzogen wird. England aber, wenn es eine Anzahl Neger erwischt auf Sclavenschiffen, zahlt an jeden seiner Mannschaft eine gewisse Summe Geldes und um dieses wieder zu ersetzen, wird der Neger auf eine gewisse Anzahl Jahre als Apprentice nach seinen Colonien gesandt. Die Differens zum Neger ob er Apprentice oder Sclave genannt wird, glaube ich ist sehr unbedeutend. Und wenn die Apprenticezeit ausgedient ist, so ist er frei - zu verhungern. Solches thun nicht einmal die Sclavenstaaten Americas, hier wird der Sclave auch im Alter versorgt. Doch genug von Aikens Vergleichende Darstellung, mir gefällt sie nicht, nur deine Noten machen das Buch lesenswerth hier in America, doch in der Heimath möchte es einigen Nutzen ausrichten, denn obwohl wir hier an Englands Freiheit zweifeln, so ist es doch im Vergleich zu den übrigen europäischen Monarchien hoch über ihnen empor gehoben. Kurz vor dem Abtritt President Tylers von der Regierung, sind zwey neue Staaten in die Union aufgenommen worden: Florida und Iowa früherhin Territories. Auch die "Bill to anex the Republic of Texas as a sovereign an independent State" ging durch beide Häuser und erhielt die Unterschrift des Presidenten. Im Hause der Representanten war die Mayorität 104, im Senat 2. Texas hat ein beträchtliches territorium und ist von Emmigranten der Staaten angesiedelt. Die Englische ist die Volkssprache. Seine Unabhängigkeit von Mexico als eine Nation wurde früherhin von England, Frankreich, und den Vereinigten Staaten anerkannt. Mexico aber hat nie eingewilligt, sondern hat fortwährend fortgefahren es mit Raub, Brand und Mord heimzusuchen. Darum hat das Volk von Texas seine Väter und Brüder um Hilfe angefleht und mit dem Durchgang der obigen Bill ist ihm also die mächtige Stütze der Union dargeboten. Wehe Mexico und Römerart sollte es den Fingerzeig des freien mächtigen Geistes verschmähen. - Hier in New England ist das Volk höchst verbittert gegen alles was römisch ist, doch auch in den anderen Staaten. Vorigen Summers [sic] war ein schreckliches Gemetzel zwischen dem römischen Irrlande [sic] und den Eingeborenen. Zwei katholische Kirchen wurden ein Raub der Flammen. Ein Nonnenkloster und ein katholisches Female Seminarium [?] wurden niedergerissen und fast alle Häuser leitender Katholiken der Erde gleichgemacht. Das Militair wurde gerufen den Aufstand zu dämpfen und welches Ihnen [sic] mit großer Mühe nach einiger Zeit gelang. Dies war in Philadelphia. Auch vor einigen Jahren machte man hier ein Nonnenkloster der Erde gleich (Mount Benedict at Charlestown). Die Ruinen stehen noch als Zeuge des Volkshasses gegen Römerthum.

 

March 19t. William kam hier den 8ten von Mobile an im Schiffe John Dunlap und ging schon wieder weg am 16ten nach Mobile. Es war an Bord die ganze Zeit, sein voller Mond [sic] drehte beständig fort 14 [Dollar]. Es gefällt ihm sehr auf amerikanischen Schiffen. Er hat einen Wechsel beim Hamburger Consul hier genommen an Goslar & Co in Hamburg für 132 Mark Hamburger Banco, ungefehr 168 [.?.] holst. Courant, welches wir mit dem Steamschiffe Cambria den 1. April an Keike absenden. Dieses hat er hier schon verdient. Du mußt aber Keike sagen nicht mehr als ein Wechsel zu präsentieren weil die andern zwey, die sie in nächsten Briefen erhalten wird, um der sicherheitshalber ausgemacht sind im Fall einer oder der andre sollte verloren gehen. Von solchen Sachen versteht sie gar nichts. Du mußt es ihr also sagen.

 

March 28ten. Gestern erhielten wir deine zwey Briefe von Sept. u. Oct. von New Orleans. Auch Keikes an William und mir, wir werden ihn ihm zusenden. Keike sollte sich nicht grämen um William, seine Abwesenheit ist freilich wohl nicht angenehm aber zu Hauß konnte er ja auch nicht immer bey ihr sein. Es ist besser daß er hier was Geld verdient und die neue Welt ein wenig kennenlernt. Es dauert mich sehr um Vater Hans Krankheit zu vernehmen, doch wir hoffen er ist jetzt wieder genesen. Die Geschäfte hier gehen schon besser mit uns. Unsere Schipping Office ist meist das nämliche wie Wasserschout in Hamburg. Wenn ein Schiff reisefertig ist, so werden die Papiere nach das Office gebracht, um eine Mannschaft für die Reise zu heuern. Jeder Matrose so geheuert erhält ein halber [sic] oder voller [sic] Monaths Gage auf die Hand. Dieses wird vom Schippingmaster Olde an den Matrosen nach gelieferter Surety ausbezahlt. Wenn die Mannschaft voll ist, die Papiere gehörig unterschrieben und die Protiotions (Amerikanischer Pass) nachgeliefert sind, so wird auf dem Custumhouse ausklarirt. Die Bice [?] wird bezahlt, wenn das Schiff weggeht, und der Schippingmaster erhält von die Rheders ein Dollar für jede Person, die er so verheuert hat. Steuerleute bezahlen gewöhnlich 5 Dollar, Untersteuerleute 3. Ballast verkaufen wir auch an Schiffe. Auch [.?.] wie Südwester, wir haben 3 Mädchen die selbige für uns nähen, diese werden verkauft für 6 Dollar pro duz. machen etwa 100 pr. cent Vortheil. So gehts mit uns hier. All Bad halpt as tha Mir sayt. Die Lebensart hier zu Lande ist einfach. Um 5 oder 6 Uhr Morgen steht man gewöhnlich auf, um 8 Uhr Breakfast, 1 Uhr Dinner und 5 oder 6 Supper. Die Stadtglocken läuten zu jeder Mahlzeitstunde und zwischen 9 und 10 geht es zu Bette. Die Straßen sind sehr ruhig des Nachts gar kein Getümmel und Gewühl. Die Nachtwächter gehen die Runde ruhig und stille. Die Stunde der Nacht wird nicht ausgerufen. Nur wenn ein Feuer ausbricht oder ähnliche Umstände, macht der Nachtwächter Lärm. Seine Waffen sind ein zwey oder 3 Fuß langer Hacken und ein Knabermallan. Die Amerikanische Bauart ist wie die Englische, die Betten bestehen aus einem Strohbette und Federbette unten, Quillt und Bedspread oben Sheets, Pillows und Pillowcases [?], Apsat Badstäden. Auf stoved wird hier gewöhnlich gekocht, die Weiber machen das Brod, kochen, nähen, waschen und sehen alle nach der Haushaltung, der Mann kauft ein. Du wolltest unsere Meinung wissen über O'Connells Sieg und Irrland. Mit O'Connells Pläne sind wir nicht sehr bekannt. Meine Meinung ist aber diese. Wenn ein Volk von Tyrannen unterdrückt ist, so steht [sic] es ihm als Volk berechtigt, alles für seine Freiheit zu thun was möglich ist. Aber wenn Irrland seine Freiheit erlangt hat weiß es selbige zu schützen wie es einem freien Volke gebührt? Der Kern der Freiheit sollte in dem jungen Geiste gesäet werden, wachsen im Jüngling und reifen im Manne. Dieses ist die Freiheit der vereinten Staaten. O'Connell sollte beabsichtigen die irische Jugend zu belehren, damit sie nicht in Unwissenheit heranwächst, denn Unwissenheit und Freiheit ist ein schreckliches Paar. Dieses sollte auch in unserer Heimath gethan werden: die Kinder statt Nonsense sollten ihre Rechte kennenlernen damit sie als Männer erwachsen dieselben zu fördern wüßten. Ach möchten doch die armen Einwohner unseres Landes einige Jahre in America verweilen ihre verlorenen Volksrechte zu erlernen und ihre Rollung [sic] auf dem Erdball einzunehmen wofür eine Gottheit sie schuf! Nun lieber Bruder ich muß schließen. Halte dich munter und sei vorsichtig mit deinem Schreiben im despotischen Lande. Gieb unsern allerbesten Gruß an deine liebe Louisa und Alfred, wie auch den lieben Unsrigen zu Hauß. Wir senden einen Brief an Mutter mit dem Steamschiff Cambria welches von hier den 1. April abgeht. Wir haben einen kleinen Wechsel in ihrem Briefe eingelegt an Missrs. J. Berenberg Gossler & Co in Hamburg für 54 Mark Hamburg Banco. Es ist freilich nicht viel aber es wird Ihnen doch etas helfen. Den 2ten Wechsel im Falle der erste sollte verloren gehen ist in einem Brief, den ich an Keike geschrieben und den dritten wirst du nebst diesem Brief erhalten. Wir senden dir das Package wie du es sehest den Inhalt wirst du selbst ausfinden. Robby Rantod [?] kaufte die Geographie für uns. Er läßt herzlich grüßen. Sende uns deine Schriften so bald wie sie gedruckt werden. Die Vollmacht wirst du im Package finden, sie ist ausgemacht vom dänischen Consul hier. Denke also das es recht ist.

Nun lieber Bruder Gott sei mit dir noch einmal unsern besten Gruß an euch alle.

 

Dein Bruder

 

Boy Olde Clement

 

 

NCL 4.3.1 Brief von Wilhelm Peters, Kerrin Hansen und Hans Sponagel an K.J. Clement v. 8. Januar 1840.

 

 

Geliebter Schwager!

 

Deinen werthen Brief vom 8. Decbr. haben wir mit großem Vergnügen erhalten; wir hatten auch schon lange vergebens gehofft. Aus deinem Schreiben zweifeln wir das du unsern letzten Brief den wir in November an dich geschrieben erhalten hast. Wir sind gottlob alle gesund und munter und wünschen auch dich mit diesem neuen Jahre neue Gesundheit und neues Glück. Wenn du wie du schreibst in Febr. zu hause kömmst so kann es noch wohl sein, daß wir einander mündlich sprechen könnten aber letzt [sic] in Febr gehen wir wieder nach Bremen woselbst viele Amrummer hingehen. Ich bin jetzt jeden Tag in der Navigationsschule und bin ungefähr damit fertig. T. Jensen ist gestorben wo ich früher gewesen bin jetzt bin ich bey Sönnichsen. Verschiedene Neuigkeiten sind vorgefallen. Kreske Tückes ist versprochen mit unserm jetzigen Schullehrer in Norddorf. Erk Köster mit Kreske E. Feders. Gerret Christians u. Knudt Girris haben nun zusammen eine Frau nämmlich Ellke. H. Feddersen ist sehr zu gegen diese erste Zusammenkunft gewesen doch er hat es genehmigt. - Vom Loose der Herta haben wir a Mann 68S [?] erhalten. Die Sandvögte haben erst 4 Loose im voraus erhalten für die Sache in Unordnung [sic] zu bringen dazu haben sie H.F. angenommen der die Sache ausgemacht hat, was er dafür wieder vom Ganzen erhalten hat weiß ich nicht. R. Flor ist Sandvogt in Norddorf geworden. Es geht oft sehr unrecht zu auf Amrum. Jetzt muß ich nur [sic] schließen. Keike läßt grüßen sie hat keine Zeit zu schreiben wegen Göntie. Dein Freund W. Peters.

 

Lieber Sohn wir leben alle wohl immer haben wir gehofft auf dein zu Hausse kömst aber vergebens ich bin bange daß gar nicht kömst dein Braut hoffet auch ja wohl mit Schmertzen es dauert auch sehr lange für sie, wir haben 3 Briefe von Copenhagen erhalten und auch das Buch mit daß was darin wär Gott segne dir dafür und gebe dir viel Glück in dein angefangenes Jahr wir haben dem 6. November geschrieben zu dir hoffen doch daß du es erhalten hast Wellem und Keike haben Jens Drefsen Stück land gekauft ob für [?] 200 und 20 Mark da verzinssen sie auf 50 Dollar daß ist ein gut Stück land, es ist abend ich könte es nicht mer sehen viel wohl zu grüßen an alle deine Freunde und Bekandten deine dich liebende Mutter Kerrin Hansen vielmahl zu Grüßen von Kresche und Kinder.

Lieber Sohn die Spicolaschohn ist mir reichlig hoch ich weis nicht anders du mußt es mit die Königin haben deine Braut hat al so viel iahrer gehoft den die frauens leute liegt es immer naher ans Hertz. Muter sagt es ist nicht wahr aber ich glaubs [?] doch. Wir haben nun auf unsere grundsteuer neue Quitungsbüger erhalten und die alten sind abgesetzt. Da geth wieder 6 bis 7 hundert Z[?] mit Weg [od. weg?] über föhr und amrum wo weidt das herkömt wissen wir nicht es komt doch wol nicht weidt. Nun lebe wohl

 

Hans Sponagel

 

 

NCL 4.3.2 Brief von Kerrin Hansen an K.J. Clement

 

 

Amrum, den 28. Mai 1842

 

 

Lieber Sohn Clement

 

Dein Brief haben wir heute erhalten welches uns dein wohlsein erfreuet leider habe ich viel Sorg um dir weil da zu viel ins Wochenblad gestanden hat von dir und daß Teid [?] Hamsen [od. Homsen] dein gegenan zu ist nun hoffe ich doch es hat doch wohl keine noth er hat zu viel die mit ihm sind, und der Wahrheit kan keine die meißte Zeit kein Herbarg krigen, nun ich hoffe daß beste. Daß loß ist auch vor 3 Wochen aus getheilt. Hans hat 78 M bekommen und Simon und Boy Girris Sohn haben sie nur halb los gethan und 2 mehr die zu alt wären als sie haben wol los bekommen, der ein wär Gerret Ricklefs Sohn, und es fast immer zu wesen wen Sie zu prister gewessen [?] sind zu [sic] haben sie wol los bekommen, aber es sind arme Kinder Kresche ihr Geld ist al weg Pet. Ricklefs hat sie al mit eine 7 M alte Schuld abgehalten jeder wil haben von Arrejan hat sie 3 Schil. [.?.] erhalten auf diese Rechnung Simon ist noch zu Hause es ist ein sehr [.?.] muß noch erst warten es ist auch schlechte Zeitung von Marten sein Schwiger Sohn Wiliy [sic] und Peter Schuld sind gestorben in Porto Prins, und Nahmen Bohn Sohn ist todt ist vor 14 Tage beerdigt da auch Peter Nahmens sol Peter [.?.] Frau hat daß 4 todt Kind gehabt, wir haben es hild gehabt wir haben müssen leztes Heid und Türfen bekommen es ist alle tage schön Wetter da kommt auch viel Graß daß Korn stehet auch gut die Rogen, kömst auch von [sic] Sommer zu Hausse wenn kanst so komme Schreibe es, Flor hat vor 14 tage in hamburg gewesen nun sol er den 4. Juni al weg wir könten kain Brief wegkriegen du auch wohl nicht wir hatten al ehr geschrieben aber wir wollten erst Brief von dir haben. Du schreibst auch nicht von Loise es ist doch wohl gut ich denke gleich viel daran ich mache mir auch viel unnöthige Sorg. Hoffe auch daß wir bald Nachricht von Wellem bekommen es ist nun ein Jahr, wir möchten daß Wochen Bladt gerne haben aber wir möchten es dir nicht zu viel mit beschweren du kanst thun was dir den[n] dünkt must den[n] schreiben, wie wäre es auch wohl anders nöthig Hans ist bang daß ich da zu viel Zeit mit zubringen [sic] und Krassen, nun ich muß schlissen mit [?] den besten Grus von Hans, Keicke, Kreske und alle Kinder und besonders grüßet deine dich liebende Mutter

 

Kerrin Hansen

 

auch freundlichen Gruß von Kresse Nickelsen

 

Lieber Bruder Jens Eschels hat geschrieben, er hat bei Riedels Frau gewesen, sie wußte noch keine weitere Nachricht von ihrem Mann.

 

 

NCL 4.3.3 Brief von Kerrin Hansen an K.J. Clement v. 6. Juli 1851

 

 

Amrum den 6. März 1851

 

Lieber Sohn und mit deine liebe Frau und deine lieben Kinder hoffe daß ihr alle gesund und wohl sind wir sind alle wohl welche das beste ist daß andre muß sich helfen ich möchte euch noch gerne alle einmahl sehen aber da wird wohl nicht mehr von doch hoffen in jenem leben, daß Caffe und the bey Welm Olfs habe ich richtig erhalten und auch daß Brief bey der post mit dem Zettel wofür wir euch herzlich danken hir send wir 3 [.?.] bey ein föhringer ein guten Freund von uns sie wollte es euch wol selber bringen sie wolte es euch alles erzehlen von uns ich möchte dir zu gerne sprechen aber versehen solts du dir nichts um, wir haben Briefe von Amärika bekommen von Boy und Olde. Boy sein Frau hat mir ein silber Brille zum Geschenk gesendet und auch ein schönes Brief an mir geschriben Englisch ich denke. Boy [.?.] er hat zugesagt zu [.?.] sein frau sie ist wieder zu Hausse gekommen sie mag da nicht sein Olde schrib sie solte, mir alles er zehlen wen ihr umständen. Olde hat zu [.?.] gewessen 12 Monde es wär nun was besser wir sollten auch alle herzlich grüßen wir haben geschriben bey Captain Jacobsen an Olde und Boy und hoffe bald Antwort, wir haben 3 par Strümpfe über geschickt bei [..?..] Hausbrot von frü jahr da war kein Brief bey [.?.] ob ihr sie auch bekommen hat zu die 3 Söhne du mußt doch schreiben bey Arejan kömt um zu Hamburg ich wolte noch wohl was mehr schreiben aber meine Gedanken sind zu kortz

vielmahl zu grüßen von allen bleibe eure getreue Mutter Kerrin Hansen

 

ein ander mal was besser

lebe wohl

 

 

NCL 4.3.4 Brief von Wellem Peters an K.J. Clement v. 4. August 1840

 

 

Amrum d. 4. Aug. 1840

 

Lieber Knudt!

 

Wir sind wiederum von unserer nördlichen Reise glücklich umgekommen vor einigen Tagen sind wir [.?.] Amrummer mit Marten von Bremen gekommen. Ich dachte einige meine Schwagers zu Hause anzutreffen aber vergeblich wenigstens wäre ich dich hier zu vermuthen. Wir haben nun einen unruhigen Sommer bey uns gehabt, viel Sturm und Unwetter. Unser Fangst ist billig geworden. Von Boy und Olde haben wir noch nichts vernommen seitdem wie auch nicht von Carsten. Dein Brief von Altona haben wir heute erhalten. Dein Brief sammt dem Büchlein und Geld auch richtig empfangen. Die Heuernte ist hier ungefehr vorbey, und man wird mitten in dieser Woche auch mit dem Roggen anfangen. Es scheint eine gute Ernte zu werden. Wenn du zu hause kömst wirst du dich verwundern über die kleine Göntie. Die ist ganz ausgezeichnet von ihrer Gesellschaft kann [?] schon überall herum gehen. Nun ich weiß dir nichts mehr zu schreiben. Gott gebes nur, daß du bald zum Zwecke [?] gelangst wonach du strebest. Den besten Gruß von uns alle an deine Louise. Ich bin stets

 

dein dich liebender Schwager

 

Wilhelm Peters

 

 

NCL 4.3.5 Brief von Wilhelm Peters an K.J. Clement v. 4. November 1843

 

 

Amrum 4. Nov. 1843

 

Lieber Knudt und Louise

 

Euren Brief vom 17. Nov. erhielten wir den 25sten. Die Post geht in der jetzigen Zeit sehr ungewiß. Wir hatten schon lange auf einen Brief vergeblich gehofft, und waren in der Meinung daß einer von euch krank war. Ihr schreibt in eurem Briefe daß ihr einen Kasten mit der Frachtpost nach Föhr geschickt welchen wir wegen der stürmischen Witterung noch nicht erhalten. Sobald nur eine gute Ebbzeit ist, gehe ich nach Föhr, um ihn zu holen. Unsere Neugierigkeit steigt jeden Tag immer höher was darin verborgen ist (um zu erfahren). Wir dürfen das Schreiben nicht länger versäumen weil ihr wahrscheinlich schon wieder auf Antwort hofft. Deswegen schreiben wir bevor wir den Kasten erhalten haben. Den besten Dank sey euch dafür für diese Gabe und den innigsten Wunsch auf euer künftiges Wohlergehen. Daß ist alles was wir euch geben und wünschen können. Das [.?.] die grüne und weiße Zuckerdose die 2 Pfund Candis haben wir alles richtig erhalten. Bei Risham hat man einige kleine Wälle gemacht und bepflanzt weiter ist nichts dabei gethan. Das Wasser ist Gott sey Dank diesen Hebrst noch nicht so hoch gestiegen daß es durchgebrochen. Mit dem großen Berglohn schweigt ein jeder stille. 130 S Cor. sind noch davon übriggeblieben welches die Sandvögte eingehalten haben, hiermit an einige der Berger zu vergüten oder wegen Versehen zu berichtigen. Es ist aber nichts davon zu Recht gekommen. Man nennt es das Ding ohne Kopf, welches verkehrt zur Welt gekommen ist. Nun muß ich euch die Geschichte schreiben wegen des Engl. Schoners, wie ich bei Riedel war.

Es war glaube ich den 28. Juny 1841 als wir des Abends den Schoner gewahr wurden. Er kam uns so dicht wie er konnte langs Seite segeln und preite uns wo wir hinwollten. Unser Captain sagte nach der Küste von Africa wo wir herkamen von Hamburg. Unser Captain sagte zu ihn wo er hinwollte. Der Steuermann des Schoners rief nach London. Ihr Captain war todt und sie hatten keinen Navigateur an Bord, ob wir nicht einen Mann übrig hätten der die Navigation kannte. Unser Kaptain rief sie sollten den folgenden Morgen einmahl an Bord kommen dann wollten wir sehen. Dabei blieb es die Nacht über. Den folgenden Morgen singnalte er nach uns, wir warteten nach ihm und er kam mit 3 Mann an Bord bey uns und unser Kaptain weist ihnen, daß sie uns nun folgten. Darauf ging die Schaluppe wieder an Bord. Einige Zeit darnach singnalte er wieder, und wir warteten nach ihm wie er näher hinzu kam, sahen wir, daß einer vorne im Schiffe stand und zeigte uns die Quartentionflagge. Da war seyn Steuermann auch krank geworden. Unser Kaptain kam hin zu mir und fragte mir ob ich wohl Lust hatte mit diesem Schoner nach London zu segeln. Ich beantwortete es ihm mit ja aber mit der Bedingung wenn ich dabey eine gute Summe Geld verdienen konnte. Unser Kaptain sagte zu mir er dachte von 100 Sterl. mußte ich haben alsdann wollten wir in den nächsten africanischen Hafen segeln und mir schriftlich zu Kaptain machen mit diesem Contract betrat ich den Schoner. Der Schoner hieß John & Marry kam von Barthus auf dem Gambia Fluß und hatte eine Ladung Nüsse und eine Parthey Wachs. Es mochte wohl Vormittags 10 1/2 Uhr seyn wie ich an Bord kam wir setzten alle nöthigen Segels bey und unsere Fahrt ging erwünscht von Statten. Nach seiner Logge und Gissung stand er glaube ich 60 Engl. Meil von der Insel Gorroe welches nachdem ich die Breite observiert hatte wohl ziemlich richtig war. Die Nacht darauf war es ziemlich düster und ich immer in der Furcht daß sie mir Gewalt thäten und segelten weg mit mir den [sic] es konnte ja leicht der Fall gewesen seyn das sie den Kaptain überbord geworfen hatten und dieses zur Sage machten, daß er sich selbst vergiftet. Doch die Leute schienen mir recht dienstfertig zu seyn. Die Nacht über kam mir kein Schlaf in die Augen. Mit das engl. Kommando mußte ich mich so gut behelfen wie ich konnte. Wir segelten hin auf Gissung auf der Breite von der Insel Gorroe und steuerten dan [sic] ostwärts. Des Vormittags krigten wir die Insel Gorroe ins Gesicht es war frische Bries und wir kamen ungehindert und wohlbehalten des Nachmittags binnen wo ich [.?.] zu Anker kommandirte dicht bei unserem Schiffe. Wir machten die Seegels gehörig fest und unser ander Anker auch fertig [?], weil hier häufig Gewitter statt finden und hohe Seedienung war. Kurz darauf kam uns ein Langboot langs Seite und sezte uns 3 Tage Quartentine zu [..?..] sahen das Provijand und Wasser nach usw. Wie diese Quartentinezeit verflossen wollte unser Kaufmann anordieren [?] mit dem Steuermann und verlangte 150 Pfund St. und ich sollte ihm für 50 Pfund St. nach London bringen. Der Steuermann erwiderte, er könne daß nicht thun er wolle zu erst sprechen mit einem der Rheders welcher in der Stadt Barthus wohnte. Ich mußte also wieder an Bord und wir segelten von da nach den Gambia Fluß wo eine Engl. [.?.] welcher den Schoner nach England lieferte. Was weiter aus der Sache geworden ist weiß ich nicht. In Barthus mußte ich noch einen Eid wegen dieser Sache ablegen. Weitläuftiger kann ich diese Geschichte hier nicht ausdehnen. Ich werde in den nächsten Tagen einen Brief an Riedel schreiben. Wir sind alle gesund und wohl und grüßen euch alle herzlich.

 

Euer dankbarer

 

Wellem Peters

 

Euere Mutter schreibt beym Empfang des Kastens.

 

E[lke] J[an] Lieven u. J.R. Nickelsen sind vor kurzen gestorben

 

 

NCL 4.3.6 Brief von Wellem Peters an K.J. Clement v. 2. Februar 1846

 

 

New York, d. 2. Febr. 1846

 

Geliebter Schwager!

 

Wir sind heute vor 8 Tagen hier glücklich angekommen. Ich ging von New Orleans aus mit einer Barque nach Arranves Bay in Texas von da nach Tobasko River in Mexico. Wir waren daselbst ungefähr 130 Meilen hinauf auf dem Rewieres [?]. Was wir da mit dem Ungeziefer ausgestanden ist unglaublich. Die meisten Einwohner daselbst sind Indianers. Das Land ist daselbst noch sehr wüste und unbebaut. Wir nahmen daselbst eine Ladung Bladholz [?] ein und gingen von da nach hier. New York mag ich wohl sagen ist eine kleine Welt, wer hier nicht gewesen, kann es sich garnicht vorstellen, ist schön gebildet und sehr gelegentlich für die Schiffahrt. Ich erhielt diesen Morgen einen Brief von die in Boston, es war daselbst keine Briefe vom Hause. Mein letzter Brief von Keike ist vom 31. März vorigen Jahres (die arme Keike). Ich schicke diesen Brief, und einen an Keike weg mit die Washington nach Hamb. So Gott will werde ich künftigen Herbst bey ihr seyn. Ich sehne mich schon sehr nach der Heimath, daß kannst wohl wissen, eine lange Abwesenheit. Wenn ich nach Hamburg komme und keine besondere Gelegenheit zu Hause habe, so gehe ich pr. Dampf nach Kiel von da mit den Wochenwagen [?] nach Husum. Ich muß Louise ja einmahl sehen meine unbekannte Wohlthäterin. Olde und Boy geht es sehr gut und sie lassen alle herzlich grüßen. Ich war das letzte Mahl nur 2 Tage bey ihnen im Schlafstelle [sic], ich hatte gerade so viel Zeit, die Lebens und Leidensgeschichte zu lesen, welches mich sehr interessierte. Wenn ich vielleicht nach Kiel komme, so werde ich euch alles mündlich erzählen wie wir es hier haben in der neuen Welt. Es wäre wohl der Mühe werth für dich hierherzukommen. Du bist zu frey in das alte Dänemark, und freygesinnte Leute, das ist es gerade was man hier gern hören mag. Ich bin hier jetzt grade 8 Tage im Schlafstelle, ich konnte mich schon lange wieder verheuert haben aber ich wollte nicht weil ich nicht recht wohl war. Ich werde mich aber nun bald verheuern und werde eine Reise nach den südlichen Staaten von da nach Europa machen und wenn ich dann zurückkomme so werde ich zu Hause kommen. Die Heuern sind 15 Dollars. Ich schickte eine Bill of Exchange vorigen Herbst, ich hoffe, daß Keike ihn erhalten hat. Ein enthält 60 Dollars wenn nicht so muß sie zu gleich nach Boston schreiben. Ich danke euch sehr, daß ihr Keike so behülflich gewesen seid welches sie mir geschrieben. Den besten Gruß

Euer dankbarer Schwager

William Peters

 

Mit dem englischen komme ich sehr gut fort. Ich kann schon ziemlich gut englisch lesen. Ich habe einige englische Bücher worin ich mich übe. Ich kaufte vor einigen Tage The life of George Washington, daß möchte vielleicht ein gutes Buch seyn für dir. Du must mein Schreiben und Stiel nicht zu genau besehen.

 

 

NCL 4.3.7 Brief von Keike Wellems an K.J. Clement

 

 

Wir haben den Brief [..?..] freuen uns, daß Ihr alle gesund und [..?..]. Den preußischen Thaler hat Mutter auch [..?..] in dem Briefe, und dankt Ihnen dafür, sie ist aber bange, daß Ihr mehr thut als Ihr könnt. Arijan hat uns erzählt, daß ihr ganz tüchtige und muntre Kinder habt. Wir sind nun alle Gott sey Dank auch gesund und Mutter auch, die aber viel abgenommen ist seyd ihrer Krankheit in Kräften, sie hat aber einen guten Appetit und kann alles wieder vertragen. Ich habe sehr viel zu thun, sonst hätte ich eher geschrieben, habe nur 3 Fuder Heide abgeschlagen und noch 2 [.?.]. Ich gebe diesen Brief nach Husumer Markt mit. Boy hat von ein paar Reisen geschrieben in den [..?..] seyn Brief, er war von Febr., er hatte Neyjahr sich verheirathet mit Elisabeth, er wollte künftigen Monath einen vollständigen Brief schreiben. Knudt geht von Boston in dem Schiffe Mandonia Capt. Schnor [?] nach Californien von da nach Manilla und wieder zurück auf Boston, sie hätten ihm [..?..] Handwerk lernen wollen [sic], es deucht ihm aber so [..?..] 4 Jahren, die Reise dauert 1 1/2 Jahre wol. [..?..] Mein guter Willem hat nur 2 Tage an Land gelebt. Klas G. hatte ihn in einer Kutsche nach dem Hospital bringen lassen, und ihn auch gefragt, ob er gar nichts mehr zu erinnern habe. Darauf habe er nein gesagt, er ist gestorben an dem Durchgang, vom schlechten Wasser daselbst. Christian E. hat 9000 Robben und M. Martens 5000 in Grönland gehabt, einen Gruß von Mutter an Ihnen alle, Simon hat es diese Reise gut getroffen mit Grönland, man sagt F. Erken der Steuermann hat wol ein paar tausend Mark verdient. Nun Gott sey mit Ihnen, es grüßet Kreske auch an alle

 

Ihre

 

getreue Schwester

 

Keike Wellems

 

 

4.4.1 Hulda Louise Fries an Clement v. 26. Februar 1841, Erlangen

 

 

Um mir die größte Überraschung zu bereiten, um deine Louise überalles zu erfreuen, hast du, mein inniggeliebter Clement mir den zweiten Brief gesandt, noch ehe meine Antwort in deinen Händen war, die dich jezt gewiß erreicht und auch erfreut haben wird. Hier meinen innigsten Dank für deine zarte Aufmerksamkeit, von welcher ich innig gerührt und laß dir sagen, daß du mir, wo möglich immer lieber und theurer wirst und mich trotz unsrer weiten Trennung erfüllest und durchdringest mit einer Seligkeit, wie die Erde sie bieten kann, durch Schätze und Gaben, die uns in alle Ewigkeit bewahret sind. Die Schilderung der strengen Kälte in deiner Heimath hat mich sehr ergriffen. Gott sey dank, daß deine und der deinen Gesundheit nicht dadurch gelitten; daß mich deine Reise zu welcher du nun bald gezwungen wirst, etwas beunruhigt, kannst du dir denken, sey ja vorsichtig dabey und wisse, daß deine Louise dich betend begleitet und ihr Vertrauen auch hierin fest auf Gott stützet. Nun wirst du aber fragen, wie ich hierher gekommen und wie es mir bey den Lieben ergehet. So laß dir denn erzählen. Dienstag Abend verließ ich also mein liebes Geissenthal, dessen ländliche Stille mit wohlthuend war, nebst der herzlichen Aufnahme, die ich bei [.?.] fand. Mittwoch früh am 24ten kam ich mit dem Eilwagen glücklich in Nürnberg an, wo mich Onkel, Tante und Doktor Wilhelm aufs herzlichste empfingen und mich zugleich mit deinem lezten Briefe überraschten, den Heinrich sogleich nach Erlangen besorgt [?]. Nachdem mich die gute Tante in Nürnberg herumgeführt und mir die merkwürdigen und schönen Gebäude gezeigt, fuhren wir nach Erlangen, dessen freundliche Lage mir den angenehmsten Eindruck machte, nur ist es auf's Neue ganz winterlich geworden und schneit seit 3 Tagen unerwährend [sic]. Hier im Hause fühle ich mich sehr glücklich durch die liebevolle Behandlung, welche mir zu Theil wird, von dir, mein guter Engel, wurde schon viel gesprochen, aus deinen Briefen theilte ich alles mit und habe die große Freude, daß man dich recht erkennt und beurtheilt und daß man unser Glück und unsern Schmerz begreift. Auch Wilhelm und dessen Frau äußern sich sehr theilnehmend und freundschaftlich über dich und grüßen dich herzlich. Meine lezten Nachrichten von Hause [sic] lauteten gut, so daß ich mir keine Sorgen um die Lieben in der Heimath machen darf, aber die Sorge um dich kann ich nicht tilgen, schreibe daher recht bald wieder und melde mir auch die Ankunft in Kiel ohne Säumen. Der gute Onkel meint, du hättest noch bedeutende Arbeiten zu vollenden, ehe du Privatdoc. werden könntest, daher hoffe ich, daß du so zeitig damit beginnst, daß deine Gesundheit nicht durch große Anstrengung leidet. Daß du deine Zeit auch auf Amrum gut nutzen würdest, bezweifle ich gar nicht und was du sagst von den warmen Herzen im kalten Norden finde ich sehr wahr. Dorthin werde auch ich demnach passen und dich ganz vergessen machen, daß ich aus dem südlicheren Theile Deutschlands herstamme. Von deinem Kummer erwähnst du nichts mehr im lezten Briefe, denn du bist ja verlezt. Meine Nachrichten, die du noch von Geiss. aus erhalten hast, beleben in dir zwar die schöne Hoffnung auf unser Wiedersehen und glaube für mich auch, gebe es keinen größeren Genuß auf Erden, als dich einige Tage bey mir zu haben, aber dennoch muß ich in tiefer Betrübniß dir sagen, daß bey sorgfältiger Überlegung mit Onkel unser beyder Ansicht die seyn muß, daß deine Zeit, dir die weite Reise hierher nicht gestattet, und dabey auch die großen Kosten anzuschlagen sind, die du haben würdest, indem unser Wiedersehen nur ganz kurz und flüchtig ausfiele. Onkels weitere Ansicht ist die, daß du in den ersten Ferien zu deiner Erholung, die so viel billigere Reise nach Heidelberg, den Rhein herauf unternehmen könntest, wo wir dann einen längeren und ungestörten Genuß des Wiedersehens theilen könnten. Sieh' ich leide selbst in dem ich dir diese Vorschläge mache und muß meine Sehnsucht bekämpfen, sey mir nur nicht böse und glaube nicht dabei an Engherzigkeit, sondern an eine innige Liebe, die immer unverändert dir geweihet ist, die mit dir duldet und entbehrt, so lange es Gott so gefällt.

Aber das ist gewiß, daß auch meine Hoffnung auf unsere baldige Verbindung fest steht, so wie die deinige, das wird uns stärken und ermuthigen bey der Vereitlung unseres sehnlichen Wunsches, nämlich den, des ganz nahen Wiedersehens. Unser Onkel Kastner [?] hegt väterliche Gesinnungen gegen uns beyde, erkenne mit Dank gegen ihn und unsern Gott, was er für uns thut. Er schreibt dir ja selbst und wird dir berichten, durch wen dieser Brief an dich gelanget, vielleicht kennst du seinen treuen Freund in Kiel und findest einen zweiten Rathgeber an diesem würdigen Manne. Was ich dir noch mündlich recht ans Herz legen wollte, thue es nun schriftlich und hoffe, du wirst es so liebend annehmen, als es von mir ausgehet. Sey recht vorsichtig mit deinen Urtheilen und Anstrengungen in Kiel, damit du dort Niemand gegen dich einnimmst, wodurch dir gleich das Spiel könnte verdorben werden. Gegen deine Überzeugung kannst du nicht reden, aber wo es nöthig ist, schweigen, das erwarte ich von dir, als echten Beweis deiner Liebe, auch rede weniger von deinen Fähigkeiten, sie treten von selbst an das Licht und werden dann erst recht anerkannt. So lebe denn wohl mein treuer wackerer Clement. Gott stärke dich zu deinem Vorhaben, er leite deine Schritte und begleite dein Werk mit seinem Segen, um diesen flehet auch deine sehr treue und durch dich so glückliche Louise.

Von Tante Kastner [?], bey welcher du in sehr freundlichem Andenken stehest die herzlichsten Grüße an dich, den Getreuen. Deiner Mutter und Schwester Grüße.

 

 

NCL 4.4.2 Christian Adam Fries an Clement v. 6. Juni 1836

 

 

Heidelberg, 6. Juny 1836

 

 

Lieber Herr Clement

 

Wenn ich auch späth dazu gelange Ihnen für das mir güthigst übersandte Büchlein meinen Dank schriftlich abstatten zu können, so geschieht dies nicht mit geringerer Wärme als ich von Anbeginn empfunden. Mit Vergnügen habe ich es gelesen und mich daran ergözt, wie Sie den phantasierenden Mystikern einen Circumflex versezten. Das Büchlein habe ich auch Prof. voss [?] gesandt, auch alle Inlagen befördert, bis auf eine.

Zu Ihrem Vorhaben u. Reisen wünsche ich Ihnen von Herzen Gedeihen und Glück, damit Sie in Ihrer Laufbahn bald in einen sicheren Hafen gelangen mögen, zu einer Anstellung, die Ihre Existenz sichert. Solange aber ein solches Ziel nicht erreicht ist, so lange dürfen Sie nicht dahin wirken, das Schicksal eines Mädchen an das Ihrige zu knüpfen, dies wäre eine Aufopferung, wozu keiner mit Besonnenheit sich entschließen würde, noch weniger dürfen Eltern sie zulassen, ohne heilige Pflicht zu verletzen. Ein anderes würde seyn, wenn Sie als ein Mann auftreten könnten, dessen [.?.] mit Familie und hinlänglichen Auskommen auf eine sichere Weise besteht, dem die Erreichung eines solchen Zwecks bereits gelungen ist. Sie können also nicht verargen, wenn wir Ihren Brief nicht übergeben, sondern etwa nur sorgfältig aufbewahrt wird. Keines zarten Mädchens Ruhe darf aufs Spiel gesezt werden, das werden Sie, nach Grundsätzen, selbst begreifen und billigen.

An Ihrem Schicksal werden wir stets aufrichtig Antheil nehmen und alle [.?.]gehende Veränderungen sollen uns sehr interessieren je mehr sie zu Ihrem Vortheil sind.

Leben Sie wohl, von uns allen herzlich gegrüßt, meine Hochachtung und freundschaftliche Ergebenheit versichert

 

Christian Adam Fries

 

 

4.4.2 Christian Adam Fries an Clement v. 3. Juli 1844

 

 

Heidelberg, 3. July 1844

 

 

Lieber Sohn Clement!

 

Ihre werthen Zeilen sandte ich der Mutter nach Wimpfen, damit sie den Inhalt, nebst dem was Louise angefügt, lesen möge. Sie konnte Ihre Schrift nicht entziffern und hat überdies den Brief so sehr in den Sachen versteckt, daß noch Tage drauf gehen werden bis ich ihn wieder erhalte; darauf kann ich aber nicht länger warten, da ich schon seit voriger Woche die Wechsel für Sie bereithalte. Hierbei übermache ich Ihnen [es folgt eine Aufstellung der Abrechnung].

Der Leipziger Professor muß ein ganzer Schufticus seyn, nach seynem Verfahren mit dem Manuscript, es mag wohl, wenn er nur etwas heraus giebt leicht ein Plagiat zum Vorschein kommen, dann aber müßte gesagt werden, in Ihrem Manuscript "so und so" welches so lange seinen Händen anvertraut gewesen, seyen diese Stellen, nach eigenen Beobachtungen am Orte, von Ihnen verfaßt, schon enthalten. Wenn Leo u. seine Anhänger Ihnen Steine in den Garten werfen können, so werden sie es freilich thun, denn es grassirt von jeher Gelehrtenleidenschaft. Am besten wird in der Folge seyn, wenn sie solche Herren u. deren zweideutige Protection umgehen u. derzeit mit den Verlegern sich benehmen, nur treue bewährte Freunde verdienen Ihre Ausnahme.

Am 4. July. Jetzt rede ich zugleich auch zu dir mein liebes Katzenfüßchen! Es erlustigt und freut mich nicht wenig, wenn du mir von deinem kleinen Knut recht viel und ausführlich erzählst, es leuchtet daraus manch Willkommenes hervor. [..?..] noch nicht gerechnet, ich darf sie aber voraussetzen, denn Gold ist die Normalfarbe des gesunden Kinderleibes.

Mit Frohlocken kann ich dir verkünden, daß Mutter von dem Seelenbad zu Wimpfen eine ganz glückliche Wirkung genossen hat. Die Gliederschmerzen und Stichigkeit sind verschwunden und sie konnte wieder Stunden zu Fuße gehen, der Himmel lasse diesen verbesserten Zustand nun auch nachhaltig bleiben. Am Freitag ging ich nach Wimpfen, lebte da 2 Tage sehr angenehm mit der Mutter in der reizenden Umgebung u. Montag Mittag war ich mit ihr u. Elise wieder hier; im Bad herrschte unter den Gästen allgemeines Bedauern über das Weggehen dieser beiden allbeliebten Wesen. Heute morgen um 11 Uhr ist Heinrichs Trauung mit seiner liebenswürdigen Dorette, auch Ihr lieben Kinder, werdet zu diesem Bunde den Segen des Himmels erflehen. Da das junge Paar sich gleich auf die Reise begiebt, so werden wir es in etwa 3 Tagen feierlich und herzlich empfangen können. Bernhards Bilder sind jetzt in Düsseldorf, er hat aus Indien geschrieben, es ginge ihm ganz gut u. diese 3 Künstler werden in Naturstunden große Beute machen. Gehabt euch wohl Ihr Theuren, küßt mir meinen Enkel und Pathen und seyd in Gedanken umarmt von Eurem treuen Vater

 

C.A. Fries

 

 

4. Lose Materialien

 

 

NCL 6.1 Brief von Christian Feddersen an Amtmann Warnsted, 4. November 1846, Nord-Hackstedt

 

 

 

Ew. Hoch und Wohlgeboren

 

übersende ich hiemittels eine Übersetzung von Mtth. 13, 1-9 in das patois unserer Gegend.

Varianten giebt es in den einzelnen Dörfern des Kirchspiels nicht. In Beziehung auf das heilige Dänische, seine Verschiedenheit zum Hochdänischen und seine Verwandtschaft mit dem Deutschen erlaube ich mir folgende Notizzen:

 

1. Viele deutsche Wörter sind in die Sprache aufgenommen, z.B. Gewissen, Giweeten, gerecht, geradt, hitzig, allwissend, witzig, demüthig, dauerhaft (schuurhaft), vergänglich (vergängeln), oberflächlich (Oberfläche), gründlich (grüünde) Doctor (Dagter), Übergewicht (Aùergewicht) - wahrhaftig, Lasten, Zweck, Absicht, Hinsicht, geneigt (geneegt), er rächt sich (han rächer [?] sig, Grundsätze, Grundfacten, allgemein, sinnlich (sinnele [?]), Fortschritt, innerlich (innerle), Gedächtniß.

 

2. Viele hochdänische Wörter werden durch ganz eigenthümliche dänische Wörter hier ausgedrückt. [Es folgen Beispiele].

 

3. Viele hochdänische Wörter sehr bedeutenden Inhalts kennt man hier gar nicht. [Es folgen Beispiele].

 

4. Ein großer Unterschied unseres s.g. Dänisch von dem Hochdänischen ist auch der, daß hier der Artikel nicht dem Substantiv hinten angehängt wird, u. [?] daß dieser Artikel nur einer ist:

ä Mand kymmen der Mann kommt

ä Barn kymmer [?] das Kind kommt

auch im Plural unverändert bleibt; ferner: daß die Pluralform des Substantivs im Ganzen der Singularform gleich ist. Dann: daß der Passiv nicht durch Hinzufügung eines s zum Verbum gebildet wird, sondern durch Hinzufügung eines Hülfsverbums u. zwar gewöhnlich durch Hinzufügung des vær. Jam vær schlauen, er wird geschlagen.

So würden gleich manche anderen Verschiedenheiten in der grammatischen Form [sich] auffinden lassen; indessen sind diese für den gegebenen Zweck wol hinlänglich.

Wenn nun gleich ein bedeutender Unterschied unseres corrumpirten dänischen vom hochdänischen statt findet, so ist der Abstand unserer Volkssprache von der deutschen doch noch grösser und ich bin allerdings der Meinung, daß ein Kind, das aus einem Hause dieser Gemeinde in eine dänische Schule käme, der darin waltenden Sprache eher mächtig würde, als der Deutschen, wenn es in eine deutsche Schule käme.

Aber, wie jetzt die Sachen stehen, wo die Kenntniß des Deutschen bei weitem allgemeiner ist, ja, die Meisten durchaus das Hochdänische nicht verstehen, und, was besonders wichtig ist, da alle eine vorherrschende Neigung haben, sich ganz und gar mit dem Deutschen zu befreunden, da mit starker Gewalt der Volksgeist nach Süden zieht - vom Politischen ist hier nicht die Rede - so muß darauf hingearbeitet werden, daß das Deutsche zur vollen und fröhlichen Herrschaft gelange.

Zu deutschen Worten hört der Landmann die Religion seit Jahrhunderten verkünden, deutsche Gesänge singt er, deutsche Gebete spricht er, alle seine heiligen Gedanken u. Gefühle kleidet er in diese Sprache; in deutschen Liedern singt er den Jubel seines Herzen aus, aus deutschen Büchern sucht er Belehrung u. Unterhaltung sich zu verschaffen, deutschen Gesprächen lauscht er mit Vergnügen und sucht aus ihnen zu lernen, wo und was er kann; sein Recht wird in deutscher ihm ausgesprochen u. in seinen Mittheilungen über das Recht bedient er sich gern deutscher Ausdrücke; so ist auch die Sprache seines Verkehrs gar häufig die deutsche.

Es bleibe denn diesem Landmanne sein Deutsch und werde immer mehr sein Eigenthum! - Das ist auch mein herzlichster Wunsch, zu dessen Realisierung gewiß Ew. Hoch u. Wohlgeboren Bericht in dieser Angelegenheit wesentlich beitragen wird.

Ich habe die Ehre mich zu unterzeichnen

 

Ew. Hoch u. Wohlgebornen

 

unterthänigster C. Feddersen

 

Nord-Hackstedt, 4. Nov. 1846

 

 

Se. Hoch u. Wohlgebornen

dem Herrn Kammerherrn u. Amtmann

Ritter v. Danebrog Warnsted

Flensburg

 

 

NCL 6.2 Hinrich Jappen an den König v. 19. März 1826, Toftum

 

 

[Oben links]

 

Schulsache

 

Der Schullehrer Hinrich Jappen

zu Tuftum in der St. Laurentii

auf Westerlandföhr bittet aller-

unterthänigst um allergnädigste

Aufhebung der ihm auferlegten Ver-

pflichtung einen Substitaten zur

Besorgung des Unterrichts in der

Schule zu halten, event. um eine

gerichtliche genaue Untersuchung

des Verfahrens in dieser Angelegen-

heit vom Anfang an und zu

dem Ende [?] nun [?] das beneficium

[..?..] und allergnädigste Bestimmung

wegen eines ihm zu ernennenden Anwalts.

 

Tuftum auf Westerlandföhr

d. 19. März 1826

 

Concipirt auf dringendes Verlangen

nach den vorgelegten meist ab-

schriftlichen Actenstücken, und unter

sehr mißlicher Aufforderung zur richtigen

weitren und treuen [?] Darstellung des

Ganges dieser Angelegenheit von T. Erichsen [?]

jetzigen Prediger zu Heils [?] in

Weitdrup [?] im Amte Hadersleben,

früher 1797 bis 1799 [.?.] Capellan

zu St. Laurentii auf Westerlandföhr.

 

 

An Se. Königliche Majestät

 

Zu dem allerhöchsten Throne Ew. Königlichen Majestät nahet sich in der allertiefsten Unterwürfigkeit ein gebeugter und tiefgekränkter Mann, der sich die in einer langen Reihe von Jahren gegen ihn ergriffenen Maaßregeln bei den ganzen gegen ihn beobachteten Verfahren, in seiner Wirksamkeit gehemmet, an seiner Ehre unverdienter Weise gekränkt, aus seiner glücklichen Lage herausgerissen und in seinem irdischen Glück völlig gestört findet. Mit der allertiefsten Devotion bitte ich, daß es mir allergnädigst erlaubt sein möge diesen ganzen Hergang so kurz wie möglich noch einmahl Se. Königlichen Majestät allerunterthänigst und der reinen Wahrheit gemäß vorzulegen und dann von der allerhöchsten Gerechtigkeit und Gnade Ew. Königlichen Majestät Restitution in alle meine Pflichten und Gerechtsamen zutrauungsvoll zu erwarten, oder auch die strengste und genaueste Untersuchung der ganzen Sache vom Anfange an vor einem vorurtheilsfreien und gerechten Richter zu erflehen.

Von meiner Kindheit an voll Lust meine Kenntnisse zu erweitern und zu dem Ende mich einst dem Schulstand widmen zu können, da meine eingeschränkten Umstände mir jede Hoffnung zu einer höhern Beschäftigung mit den Wissenschaften gänzlich benahmen [?], wandte ich jede Stunde, die ich von meinen Arbeiten erübrigen konnte, [.?.] dazu an immer Vieles [?] voraus zu erlernen und das schon Erlernte mir immer deutlicher und brauchbarer zu machen. Im Octbr. 1801 ließ ich mich, um Schulstellen suchen zu können, von dem damaligen Probsten der Loe [?] Harde, Herr Cramer zu Mögeltondern, prüfen und erhielt von ihm ein vortheilhaftes Zeugniß und die beste Empfehlung. Ich glaubte indessen zu finden, daß er zu wenig von mir verlangt und daß ich wohl im Stande wäre, mehr zu leisten, als er gefordert hatte. Im März 1802 ließ ich mich daher von dem sel. Probst Schmidt [..?..] examiniren und ward von dieser Prüfung entlassen mit dem Zeugnisse:

daß ich wegen meiner Tüchtigkeit mit ebenso vielem Rechte als wenn ich auf einem Seminario unterrichtet worden, zu einer jeden Küster oder größren Schulstelle mich melden könne, und daß es ihm eine Freude sein würde mir zur Erreichung meiner Absichten behülflich zu seyn.

 

Mit noch grösserer Lust und Begierde setzte ich nun mein Bestreben fort mich noch mehr zu bilden um für den Stand, in welchen ich so gerne eintreten wollte noch brauchbarer zu werden. Im Jahre 1803, damals 27 Jahr alt, hatte ich die Freude, von den Tuftummern selber und mit dem Beifall des damahligen Herrn Predigers als Schullehrer zu Tuftum angenommen zu werden, und dieser Schule Sommer und Winter zur völligen Zufriedenheit der sämtlichen Schulinteressenten vorzustehen, bis im Jahre 1809 die neue Schuleinrichtung hier auf Föhr einführt und ordentlich bestallte Schullehrer angesetzt [sic] werden sollten. Auf die Bitte der sämtlichen Interessenten der zu einem Schuldistrict vereinigten Dörfer Klintum und Tuftum und auf den Vorschlag der bereits ernannten Schulcommission wurde ich dann als Schullehrer dieser Stelle ernannt und bestallt. Mit dem innigsten Gefühl dankte ich Gott, der mir diesen Tag erleben ließ und mit dem aufrichtigsten Herzen gelobte ich, dieser Arbeit mich ganz und treu widmen zu wollen. Und was ich Gott und mir gelobt, das habe ich auch heilig zu halten gesucht. Auch arbeitete ich nicht vergebens. Die Kinder hatten das größte Zutrauen zu mir. Ich sehe sie wohlvorbereitet zur Confirmation angenommen, und als geschickte und brave Personen in ihren nachherigen Beruf treten und sich da vorteilhaft [.?.]. Auch ward mir die Freude, daß der Herr D. und Amtsprobst Hoxbroe [?] im Jahre 1815 bei seiner damaligen ersten Visitation auf Föhr sich mit mir sehr zufrieden bezeigte und namentlich die Fertigkeit rühmte, mit der ich des beikommenden Lehrers Krankheit selber in der Küsterschule die aufgegebene Unterrichtsprobe erstellte, und nachdem er nachhero in meiner Schule sich alles genau hatte beschreiben und vorlegen lassen, nachdem er alles gehörig geprüft und untersucht hatte, bezeigte er mir [.?.] seine Zufriedenheit und wünschte mir den Segen Gottes zur Fortsetzung meiner Arbeit. Mit Rührung denke ich noch an diese Stunde, da sie mir doch noch immer ein Trost in meinen vielen Bekümmernissen ist, aber Wehmut erfüllt mein Herz bei dem Gedanken, daß in diesem frohen Augenblicke der Plan zu meinem Verderben, worüber persönlicher Haß und Feindschaft, mir unbewußt lange gebraucht [?] hatte, nun seinem Ausbruche nahe sey.

Ein Mann nemlich, dem meine Ernennung zum Schulleiter in Tuftum seiner anderweitigen Pläne halber ein Dorn im Auge, der für mich auch unterschrieb, aber in dem nemlichen Augenblicke gegen andre äußerte, daß er Trotz der ganzen Dorfschaft mir den Hals brechen wolle; der, als ich ernannt war und ihm auch für seine Mitwirkung danken wollte (er war damals Mitglied der Schulcommission) seine hämische Absicht mich verdrängen zu wollen nicht verhehlen konnte, der seinen Plan zu meinem Verderben in einer Reihe von Jahren in sich verschließen konnte um ihn nachher bei dem Einfluß, den er durch sein Vermögen und durch seine Lage über andre sich zu verschaffen wußte, desto sicherer auszuführen, der bei seiner offenbar geäußerten feindseligen Stimmung, gegen mich mit passender Vorsicht hätte gehört werden sollen, aber leider! überall ein zu williges Gehör fand, dieser Mann und sein erworbener Anhang fingen um diese Zeit an, die Kinder aus der Schule aus der Schule [sic] zu [.?.] bei Prüfungen ihnen zu befehlen garnicht zu antworten, und auf diese Art meinen Unterricht in der nemlichen Zeit herabzuwürdigen, da ein sehr competenter und einsichtsvoller Richter meine Unterrichtsgabe gerühmt und mir zu meiner Arbeit gutes [?] ferneren Segen gewünscht hatte. Bereits in dem nemlichen Jahre 1815, da ich den Beifall des Herrn Amtsprobsten mir zu erwerben glücklich genug war, wurde ich von einigen Schulinteressen [sic] bei der Amts-Schuldirection, ohne daß ich jemals recht habe erfahren können, weswegen und warum? angeklagt und im März 1816 erfolgte eine Resolution der Amtsschuldirection, worin ich ernstlich ermahnt wurde mir das Zutraun der Beikommenden durch Fleiß und Treue in meinem Amte wieder zu gewinnen, wozu mir ein Jahr Probezeit verstattet wurde. Gefragt habe ich mich oft: Wer sind diese Beikommenden des Zutraun ich etc. wieder gewinnen sollte. Das Zutraun des Schuldistrictes im Allgemeinen brauchte ich nicht wieder zu gewinnen, denn ich hatte es nie verloren, und eine genaue Untersuchung und eidliche Abhörung [sic], derer die Klagen gegen mich unterschrieben haben, würde ein pralles Licht über diese Unterschriften verbreiten. Das Zutraun meiner Widersacher konnte ich nicht wieder gewinnen, denn ihnen war es nicht um die Schule und deren gute Verfassung zu thun, sondern einzig und allein um meine Verdrängung, die Schul-Commission hat nie mein Betragen in oder ausserhalb der Schule getadelt und der Herr Amtsprobst selber hat meine Fähigkeit im Unterrichten gerühmt. Ich könnte treu und fleißig in meinem Berufe sein; aber ich konnte doch nur die Kinder unterrichten, die in der Schule waren; ich konnte Unordnungen in der Schule dämpfen, aber nicht den Geist der Halsstarrigkeit ausrotten, der den Kindern immer von neuem eingeprägt wurde, ich bat den Herrn Prediger als Vorstand der Schulcommission um ernstliche Maaßregeln zur Abhelfung meiner Beschwerden, und er misbilligte wie es schien das Betragen meiner Widersacher sehr, aber ich fand nicht die Unterstützung, die ich von ihm mich zu erwarten berechtigt glaubte. Er hat mir nie ein misbilligendes Wort gesagt, nie über diesen oder jenen Umstand in der Schule geklagt, nie verlangt, daß dieses oder jenes abgeändert werden solle, aber ich muß besagen [?], daß er von den nun immerwährenden und gehässigen Insinuationen und Klagen meiner Gegner hingerissen, ihnen eine Unterstützung hat zufließen lassen, die sie nie hätten haben sollen. Er hat gegen andre Schulvorsteher geäussert, daß zu Zeit der ersten Klage meine Kinder eben so gut unterrichtet waren als die der beiden andern Schulen, aber er hat geschwiegen zu der schändlichen Äußerung meiner Widersacher, daß sie ihre Kinder aus der Schule halten müßten um ihre eigene Klage nicht zu entkräftigen. Und fragen möchte ich abermals wie und auf nemliche Weise unter diesen Umständen das Zutraun der Beikommenen wieder gewinnen sollte. Bei dem allem war es mir doch bei dem Bewußtsein meiner Unschuld meiner Treue und meines Fleißes in der Abwartung meiner Berufs-Geschäfte ein sehr unerwarteter und harter Schlag, als im Jahre 1817 die Resolution der hohen Amtsschuldirection mir zugestellt wurde, worin es hieß: "daß ich zwar ein gutes Zeugnis über meine Unterrichtsweise von einem Theil des Schuldistricts angelegt aber kein Zeugniß von der Schulcommission wegen meines Verhaltens in dem Schullehrer Amt nicht beigebracht hätte und daß ich daher auf wiederholte (NB mir nicht mitgetheilte, sondern mir verweigerte und nicht nachher untersuchte Klage beruht weis ich von wem) bis weiter einen Gehülfen halten solle, dem so weit möglich die Schule anzuvertrauen sei."

Ew. Königl. Majestät bitte ich allerunterthänigst mir den Ausbruch der Wemuth allergnädigst zu verzeihen womit ich den tiefen Eindruck bemerke den dieser harte unverdiente Schlag auf mich that, und noch immer beim Andenken daran thut.

Ich hatte die besten Zeugnisse meiner Geschicklichkeit, ich arbeitete in meinem Fache dem ich aus bloßer Neigung mich gewidmet hatte, ich hatte die schönsten Früchte meiner Arbeit bereits gesehen, den Beifall sehr vieler rechtschaffender Eltern mir erworben, die Belobung einer sehr einsichtsvollen Kammer [?] erhalten. Die Interessenschaft einer fremden Schule hat mir ihren Beifall laut [.?.]. Mein Prediger hatte nie das Mindeste in meinem Betragen oder in meinem Unterricht getadelt, viel weniger war ich jemals [.?.], noch weniger war mir jemals ein Verbrechen gegen meine Amtspflicht zur Last gelegt, und noch weniger jemals eine Untersuchung über mein Betragen angestellt. Mir ganz unbewußt vereinigten sich im Jahr 1816 bei der Visitation des alten Ehrwürdigen Probsten Cramer eine große Menge der Schulinteressenten um wider den von meinen Gegnern angerichteten Unfug feierlich zu protestieren und um Schutz für ihren Lehrer zu bitten, und beruhigten sich nur bei der Versicherung des alten Probsten, daß diese ganze Sache nur zu sehr den Keim der Hinfälligkeit in sich trage und in ihrer eigenen Unwürdigkeit untergehen mußte. Ich habe dringend meinen Wunsch zu erkennen gegeben, daß die §§ zur 4 der allgemeinen Schulordnung vom 29 Jüly [sic] 1814 enthaltenen Regeln für die Schul-Commission beobachtet werden müssen, aber alles was ich erhalten konnte war die private Äusserung des Herrn Pastor Petersen, daß er das Verfahren mehrer [?] der Tuftumer Schulinteressenten gegen mich misbilligte, aber den Schutz und die Unterstützung, die ich mit Recht hätte erwarten können habe ich nicht erhalten. Ich habe aus dem Munde des Herrn Amtsprobsten und D. [?] die private Aeüßerung gehört, daß er auch meine, mir geschehe Unrecht nun [?] daß er wünsche mir nützl. sein zu können. Könnte [od. konnte?] ich wohl unter diesen in der Wahrheit begründeten Umständen erwarten, daß man es mir zur Pflicht machen werde oder könne, einen Substituten bis weiter zu halten und ihm soweit mögl. die Leitung der Schule zu überlassen?

Ich war es meinem Amte meiner Ehre meiner Wohlfath und dem Glück meiner Familie schuldig einen so harten Schlag wo mögl. abzuwenden. Um Abänderung [?] dieses harten Bescheides event: und eine genaue u. [.?.] Untersuchung dieser gegen mich angebrachten mir immer unbekannt gebliebenen Klagen wandte ich mich erst an die Amtsschuldirection, (hernach beschwerte ich mich über mein unverdientes Schicksal bei dem Herrn Doct. [?] und Bischof Gertz bei seiner Visitation im Jahr 1822, der meine Bittschrift der Amtsschuldirection als dahingehörend zustellte). Aber alles was ich nach langem Harren und Suchen bewirkte war dieses, daß an dem Tag der dem 21. Jül. 1821 hieselbst gehaltenen Visit. der Herrn Amtsprobsten Hoxbroe mir von demselben der Bescheid ertheilt wurde, daß mir zwar die nöthigen Erkenntnisse zum Jugendunterricht nicht mangeln, wie Erfahrung aller Beikommenden bewiesen haben, daß ich der Jugend nicht beizubringen wisse, was sie wissen solle und daß ich dahero einen Gehülfen halten der Seminarist wäre, wogegen ich selbst von der Unterrichtung der Jugend gänzl. frei sein sollte. Wobei ich denn doch die Genugthuung hatte, daß gerade an diesem Tage bei der Schulprüfung meine eigenen von mir allein unterrichteten dem Probsten unbekannten Kinder die Aufmerksamkeit des Herrn Probsten auf sich zogen von ihm öffentl. in der Schule und nachher im Pastorath gerühmt worden, und dadurch im geraden Widerspruche mit seinem Bescheide im beweisen müßten, daß ich den Kindern, die sich meines Unterrichts bedienen, wohl das Nöthigste beizubringen wisse.

Ich erwähne nicht weiter den offenbaren Widerspruch in diesem Bescheide, daß ich wohl die erforderlichen Kenntnisse zum Jugendunterricht habe, aber doch nicht unterrichten könne, daß ich mir einen Gehülfen halten solle und doch selbst gänzlich von dem Unterricht [.?.] sein solle. Aber ich fühle tief das Unrecht welches mir durch diesen Bescheid widerfuhr. In 16 Jahren hatte ich als Schulmann gearbeitet mit einer Geschicklichkeit und [.?.], die von den verewigten Männern den Pröbsten Cramer in Mögeltondern und Schmid [sic] in Tondern gebilligt und gerühmt worden, und Lust und Neigung zum Schulfache, die nie aufgehört hatte mit einem Erfolge dessen ich mich rühmen darf, da gerade aus meiner Schule verhältnißmäßig eine sehr große Anzahl junger Menschen hervorgegangen sind, die jetzt als geschickte, brave rechtschaffene Steuerleute und Schiffer gesucht und geschätzt werden. Viele Väter in meinem Schuldistrict hatten sich mir unbewußt vereinigt meine Vertheidigung bei dem würdigen und rechtschaffenen Probsten Cramer zu führen und mir das beste Zeugniß zu ertheilen. Mir ist nie ein Wort des Tadels und der Zurechtweisung von meinen Vorgesetzten gesagt. Ich hatte bei einer frühern Visitation den Beifall des Herrn Probsten Hoxbroe und Insbesonderheit sein großes Lob über die Geschicklichkeit erhalten womit ich in einer fremden Schule und mit fremden Kindern die Probe machte und die Prüfung anstellte [?]: Viele junge Menschen die in meiner Schule gebildet wurden warten nur auf den Augenblick wo sie Gelegenheit finden können das Zeugniß öffentl. und feierlich abzulegen, daß ich wohl gewußt habe, ihnen beizubringen was sie wissen sollten. Ich hörte aus dem eigenen Munde des Herrn [.?.] Amtsprobsten an dem näml. 21. July 1821 die größten Lobsprüche über meine eigenen, von mir allein unterrichteten Kinder, deren freilich [?] Schulversäumnisse hartnäckige Widerspenstigkeit gegen den Unterricht oder endlich formelhaftes Verschweigen dessen was sie wußten [.?.] Luft gemacht. [.?.] bewiesen haben, daß ich der Jugend nicht beizubringen wüßte was sie wissen solle?? Ich frage hier abermals: Wer sind diese Beikommenden?

An Ew. Königl. Majest. wandte ich mich nun in der allertiefsten Demuth u. Unterwürfigkeit. Denn es war mir unmöglich ein so hartes Urtheil über mich ergehen zu lassen welches die ganze Insel mit Staunen u. Verwunderung erfüllt. So gut als ich konnte aber treu und der reinen Wahrheit gemäß legte ich mit allen dahin gehörigen Beilagen mit denen Ew. K. M. ich nicht behelligen will, Ew. K. M. die ganze Sache vor und bat mit aller Schonung die ich noch damals meinen Vorgesetzten schuldig zu sein glaubte allerunterthänigst um Restitution und Wiedereinsetzung in alle meine Verrichtungen und Gerechtsamen events um eine gerichtliche und genaue Untersuchung an Ort u. Stelle die nothwendig zu meinem Vortheil ausfallen müßte. Allein hier muß ich mit einem tiefgebeugten und gekränkten Herzen beklagen, daß die Beikommenden, die diese Untersuchung scheuten eine allergnädigste Anhörung dieser meiner allerunterthänigsten Bitte zu verhindern gewußt haben. Und so habe ich denn seit April 1822 von der Schule abtreten und die Arbeit verlassen müssen, die ich mit bezeugter und anerkannter bis auf den letzten Augenblick anerkannter Geschicklichkeit verrichtet hatte. Eine Arbeit worin mir Nachläßigkeit und Untreue nie vorgeworfen ist, eine Arbeit deren gute Wirkungen meine Vorgesetzten zu verschiedenen Zeiten und namentlich bei der letzten Prüfung gerühmt haben. Von dieser Arbeit habe ich doch abtreten müssen, weil ich daß Zutraun der Beikommenden nicht wieder gewinnen könne, oder weil ich der Jugend nicht beizubringen wisse, was sie wissen solle, ohnerachtet, weil der größte Theil des Schuldistricts es mit mir hält und meine Vorgesetzten nie Beschwerden über mich gehört haben u. ohnerachtet einer zahlreich jetzt heranwachsenden Jugend durch ihre Geschicklichkeit und Brauchbarkeit das Gegentheil beweisen und eine große Menge mir bezeugen, daß sie nur auf eine Gelegenheit warten um das Zeugniß zu ertheilen, daß ich mit Geschicklichkeit und Treue sie unterrichtet habe.

Und was hat man denn bei meiner Verdrängung von dem Unterricht in der Schule gewonnen? Ein Mensch steht jetzt der Schule vor, welchen vorzuschlagen die Schul-Commission selber mir eingab den sie begierig einsetzte, den der Prediger dringend empfahl; ein Mensch der früher in dieser Gemeine die 3te Schule hatte, der aber seiner enormen Nachlässigkeit und seiner Versäumnisse wegen bereits angeklagt war und der wegen eines wiederholt begangenen Verbrechens in Untersuchung gestellt werden sollte. Der aber um dieser Untersuchung zu entgehen auf den Rath des Herrn Pastor Peters., der wohl nun sah, daß er ihn nicht länger schützen konnte freiwillig abdankte und abtrat. Ich führe diese Wahrheit nicht an um diesen Mann anzuklagen, sondern um zu beweisen, daß bei meiner Verfolgung und Verdrängung, Eifer für das Wohl der Schule oder dem bessern Unterricht der Kinder durchaus nicht die Schritte und Handl. der Schulcom. geleitet hat. Nach abgekühlten Leidenschaften und gesättigter Rache, quält Reue jetzt den Mann der aus persönlichem Haß und Mißgunst mein Widersacher ward, und durch seinen Einfluß anfangs viele auf seine Seite mit List und Gewalt brachte. und nicht selten äusserte er sich jetzt gegen seine und meine Freunde dahin: daß wäre es nicht geschehen, es würde nicht geschehen. Viele Väter und Mütter wünschen mich zurück, selbst von denen die sich anfangs zur Theilnahme verleiten ließen, und beklagen sehr, daß sie durch schänd. Anreitzungen und harten Drohungen, ja selbst durch reinen Zwang konnte man sagen, sich verleiten ließen, an diesem schändlichen Verfahren durch Unterschrift ihres Namens theilzunehmen. Der lauteste Unwille spricht sich aus bei allen Unpartheiischen und Rechtschaffenen auf der ganzen Insel und außerhalb der Gemeine über die [..?..]. Jeder Schullehrer auf dem ganzen Lande sieht mit Schrecken auf ein so unerhörtes Beispiel hin, daß ein Mann der 16 Jahre seinem Amte vorgestanden dessen Geschicklichkeit und Tauglichkeit von einsichtsvollen Männern bezeugt, von allen bis auf den letzten Augenblick anerkannt ist, in dem man die Früchte seiner Arbeit rühmt, dem nie ein Fehler geschweige denn ein Verbrechen zur Last gelegt ist, der nie ein Wort des Tadels aus dem Munde seiner Vorgesetzten gehört hat, so trotz aller Königlichen Verfügungen ohne alle Untersuchung über die hämischen [?] und heimlichen Anklagen von seiner Arbeit [.?.] verdrängt werden könne, ohnerachtet sich bei einer näheren Untersuchung ergeben würde, nicht blos, daß ihm nichts zur Last gelegt werden kann, sondern, daß auch der größte Teil des Districts ihn zu behalten wünscht. Das sind die unsaubern Früchte dieser Geschichte, zu der man vergebens bisher eine gleiche sucht.

Ließe ich mich vielleicht von Nachlässigkeit, Eigennutz, Faulheit und dergleichen beherrschen, so würde ich mich vielleicht über meine Verdrängung von der Arbeit beruhigen und nur auf einer ungestörten Sicherung und Genuß aller mir zuerkannten Vortheile bedacht sein, die trotz aller Bemühungen meiner Widersacher sie zu schmälern, mir, als einen völlig unbescholtenen, 16 Jahre im Amte stehenden auf eine wahrhaft frevelhafte Weise verdrängten Mann, werden müßten. Allein ich [.?.] nicht mein Brodt mit Sünde essen. Ich weiß, daß ich die nöthige Tauglichkeit zu meinen Arbeiten habe, nur Lust und Neigung haben mich dahin gebracht mich dem Schulfache zu widmen; ich habe dahero keinen andern Wunsch als den, das Brodt zu verdienen und nützlich zu werden in dem Beruf, wozu Gott mir Talente und Neigung gegeben hat.

Alle über mich ergangenen Verläumdungen, und nament. die Resolution der Amtsschuldirection vom 24. Aug. 1817, von deren Aufhebung der Bestätigung nächstens [?] mir die Rede war, sprechen nur von einer provisorischen Entfernung vom Unterricht und Übertragung derselben an eine andre bis weiter [?]. Das Unglück, welches ich erlitten habe, kann unmöglich länger verhehlt werden. Die Gerechtigkeit meiner Sache glaube ich hinlänglich dargethan zu haben. Noch fühle ich Kraft genug in mir, dem mir nicht anvertrauten Amte vorzustehen, dennoch habe ich keine Ursache mich der früher mir ertheilten vortheilhaften Zeugnisse zu schämen, indessen in meinem Amte desto ungehinderter arbeiten und durch gegenseitiges Zutraun umso grösseren Nutzen stiften zu können, werf ich gerne den ganzen mich so kränkenden Hergang in das Meer der Vergessenheit, wenn ich nur in meine Arbeiten wieder eingeführt werde.

An Ew. Königliche Majestät ergeht dahero meine allerdemütigste [?] und allerunterthänigste Bitte: "daß durch eine allerhöchste Königliche Resolution es der Amtsschuldirection allergnädigst aufgegeben werde mich wieder in meine Verrichtungen und Verpflichtungen, so wie in den vollen Genuß meiner Rechte als Schullehrer an der Schule zu Tuftum in der St. Laurentii Gemeine aus Westerland Föhr zu restituieren und einzusetzen." Und wenn es denn bei einer genauen Aufsicht einer vorurtheilsfreien gewissenhaften Schulcommission und in Uebereinstimmung mit dem Schutz und der Unterstützung, die ein Schullehrer auf Föhr und dem speciellen Regulativ vom 5. May 1809 und der allgemeinen Schulordnung für das Schulwesen auf dem Lande vom 29. Juli 1814 von einer gerechten Schulcommission zu warten [?] berechtigt sich mehrere finden soll [?] daß ich das Zutraun des Schuldisticts und den Beifall meiner Vorgesetzten zu verdienen nicht im Stande wäre, so möge gerne über mich ergehen, was den Rechten gemäß ist.

Sollte aber Ew. Königliche Majestät auf diese meine allerunterthänigste Bitte einzutreten nicht gewilligt sein, so wage ich es, bei meinem guten Gewissen, bei dem Bewußtsein meiner Unschuld, bei dem Gefühl des erlittenen Unrechts und bei der mir gewordenen Gewißheit in meinem Amte Nutzen gestiftet zu haben und Nutzen stiften zu können um die allergnädigste Vergünstigung einer neuen vollständigen Verhandlung der [hier bricht der Brief ab].

 

 

NCL 6.3 Brief von Chr. D. Roeloff an Hark Wögens in Boston v. 2. April 1838

 

 

Herrn Hark Wögens in Boston Süderende auf Föhr den 2. Apr. 1838

 

 

Ihren geehrten [Brief] vom 21. Octbr. v. J. habe ich richtig erhalten. Mit Vergnügen haben ich Ihren Wunsch, die Einigung [?] Ihres Erblooses betreffend, erfüllt und bin daher bei unserm Birkvogten gewesen um die Sache zu untersuchen. Derselbe hieß [?] mir die Verhandlung im Scheidungsprotocolle [?] sehen, wonach Ihnen eine Summe von 316S [?] 14s Schles. Holst. Courant kam. Die 316S 14s hat er mir ausbezahlt, und da Capt. C.H. Flor schon von Hamburg weg war, so habe ich daher Ihrer Ordre gemäß mich durch meinen Commissionär in Hamburg an die Herren Besenberg, Gohrles & Co. gewandt, wovon ich jetzt Nachricht habe, daß sie willig sind Ihnen das Geld dort auszahlen zu lassen. Demzufolge habe ich an jene Herren 314S 2s [?] remittirt, nachdem ich an Porto nach Hamburg und zurück 2S [?] für Sie ausgelegt habe. Ich habe indeß gleichfalls meinem Commissionär Hr. Gerdsen [?] geschrieben, daß er das Porto welches deswegen und durch diesen Brief ausgelegt hat, auch davon abziehen möge, da ich nicht wissen kann, wie viel sie beträgt. - Ueber die eigentliche Abrechnung kann ich Ihnen noch nicht viel sagen, unser Birkvogt hat versprochen, mir eine vollständige Scheidungsakte [?], sowol über den Bestand der Masse, als auch über die Schulden und Abrechnungen, die davon abgingen, zu geben, die Herren Beamten ziehen es aber gewöhnlich in die Länge, und daher wollte ich die empfangenen 316S nicht so lange aufhalten, da doch wol schwerlich etwas mehr für Sie herauskommen wird. Indeß habe ich für die Erbschaft nicht quittirt, und werde es auch nicht so lange ich keine Abrechnung habe. Unter den Rechnungen, die der Birkvogt mir zeigte, war die mächtigste eine von Jürgen Ketelsen von circa 281 M [?] (nicht Dollars wie Sie in Ihrem Briefe erwähnen, hier wird gewöhnlich nach M [?] und Schilling gerechnet!), an vorgeschossene Gelder und an Salär [?] als Vormund für Ihre Schwester. In wie weit diese Rechnung richtig ist kann ich nicht sagen, ich sehe aber wol wenn ich auch Unrichtigkeiten darin finden würde, ich doch nicht ohne Kosten diesselben bestreiten kann, und so halte ich es Ihrem Interesse am angemessensten, die Sache gehen zu lassen, wenn der Unterschied nicht zu bedeutend ist. Eine Rechnung auch von Jürgen Ketelsen von circa 12 S [?], die er seitdem als Porto für Sie ausgelegt hat, werde ich aber nicht anrechnen, da ich ihn durch die obige Rechnung hinlang bezahlt halte. Sobald ich die Scheidungsakte [?] erhalten habe, und der Capt. C.H. Flor wieder nach Newyork fährt, werde ich Ihnen das Ganze zusenden, damit Sie selbst den Hergang der Sache sehen können.

 

 

NCL 6.4 Brief von Chr. D. Roeloff an Hark Wögens in Boston v. 4. Dezember 1838, Süderende.

 

 

Süderende auf Föhr d. 4. Decbr. 1838

 

Herrn Hark Wögens in Boston

 

 

Ihren Geehrten [sic] vom 20. July habe ich richtig erhalten, und den Eingang der 312 S 14 s [?] mit Vergnügen ersehen. - Ich hätte Ihnen schon diesen Sommer geschrieben, wenn ich das [.?.] über den Nachlaß Ihrer Schwester von dem Birkvogte hätte erhalten können, er schiebt es aber von einer Zeit zur andern auf, und bis jetzt habe ich es noch nicht; ich wollte Ihnen [sic] indeß nicht länger in Ungewißheit lassen, und Ihnen so viele Aufklärung geben, als mir möglich ist: Mein Vater ist einige Jahre in Ihrer Abwesenheit Ihr Vormund gewesen, wahrscheinlich nach dem Tode Ihres Großvaters Riekmer Mangenren [?] bis ungefähr in den Jahren 1816 od. 1817, genau weiß ich es nicht, und daher kenne ich etwas von Ihren Sachen von damals her. Damals war Ihre Stiefmutter auch schon todt, oder starb zu der Zeit, und Ihre Schwester erbte ihren ganzen Nachlaß, wie viel weis ich aber nicht. Ihr Erbloos nach Ihren Großeltern ließ mein Vater in der Masse bleiben bei Ihrer Mutter Schwester, weil man damals nicht wußte, ob Sie lebten oder todt waren. Ungefähr in den Jahren 1816 oder 1817, genau weiß ich es nicht, doch nach dem allgemeinen [.?.], machte Ihre Schwester durch Ihren Vormund Jap Jappen Anspruch auf dies Erbloos, indem sie vorgaben, daß Sie todt seien. Das Gericht zwang also Mat [?] Matzen oder Ihre Mutter Schwester Ihr grosväterliches Erbloos an Ihre Schwester auszuliefern, und da mein Vater nicht beweisen konnte, daß Sie wirklich lebten, so mußte er es geschehen lassen, daß Ihre Schwester es in Empfang nahm. Aus diesem Erbloose, so wie aus dem was Ihre Schwester nach Ihren Eltern erbte bestand also das Vermögen Ihrer Schwester. Wäre dies nicht geschehen so hätten Sie Ihr Erbloos nach Ihrem Grosvater und auch nach Ihrem Vater ohne Abzug erhalten können. Wie groß aber beides gewesen ist kann ich nicht bestimmt sagen ehe ich die Papiere erhalten habe. Ihre Schwester hätte sich aber kümmerlicher behelfen müssen, da wie aus den Rechnungen hervorzugehen scheint, sie nicht von den Zinsen nach ihrem Verdienste leben konnte, wenigstens hat Jürgen Ketelsen eine Rechnung von 281 S [?] beigebracht, die er Ihrer Schwester vorgeschossen hat. Daß mehrere Gelder für Sie da sind, als was zu dieser Masse gehört, ist schwer zu glauben, mir ist wenigstens nichts bekannt, weil wie oben gesagt, Ihre Schwester alles an sich gezogen hat, was Ihnen gehörte, weil man annahm, daß Sie todt seien. Wenn Ihre Schwester daher etwas von Ihnen gehörenden Geldern geäußert hat, so wird sie damit wol das Erbloos [.?.] Ihrer Groseltern, welches sie selbst in Händen hatte gemeint haben, sonst [?] verstehe ich es nicht. Bei dem Birkvogte habe ich die Rechnungen im Scheidungsprotocolle [?] nachgesehen, ich konnte darin nichts Unrechtes finden, ob aber alle eingelaufenen Rechnungen richtig sind, kann ich aber nicht wissen, schwer wird es aber etwas dagegen zu thun, da Ihre Schwester todt ist, und ich also keine Beweise habe, woraus ich [.?.] kann, was Unrecht ist. Ich will aber mein Möglichstes thun die volle Abrechnung vom Birkvogte zu erhalten, und sie dann genau nachsehen, und hoffe ich, daß ich Ihnen diese Rechnung zum Frühjahr mit Capt. Flor senden kann. Sollte ich etwas dagegen zu meinen finden, so können Sie versichert seyn, daß ich Ihr Interesse aufs Beste wahrnehmen werde. Jetzt habe ich noch eine Bitte an Sie; Boh Olufs aus Oldsum ist nemlich auf der Zurückreise von Charleston in Antwerpen gestorben; die Familie will aber in Erfahrung gebracht haben, daß er vor 3 bis 4 Jahren in Boston 100 Dollars und seine Kleider habe stehen lassen, da nun, so viel die Familie weiß, derselbe seitdem nicht in Boston gewesen ist, so möchte Sie [?] gerne ersuchen, ob Sie sich darnach erkundigen wollten, ob dem so sey, und wenn Sie finden sollten, daß noch etwas entweder Kleider oder Geld da wäre, es mir wissen lassen, so würde ich Sie deswegen Vollmacht übersenden, damit Sie es erhalten und zu Hause remittiren könnten. Sein Logis hat er damals seiner Familie aufgegeben [?] bei Daniel Sullivan No. 84 Broad Street in Boston. Sie würden mich sehr verpflichten, wenn Sie sich deswegen bemühen wollten.

 

Indem ich Ihnen freundschaftlich Grüße zeichne ich achtungsvoll ergebenst

 

 

Chr.D. Roeloff

 

 

NCL 6.5 Eingabe Amrumer Bürger an den Stiftsamtmann Sponeck v. 21. Februar 1836

 

Hochgebohrener Herr Graf,

Hochgebietender Herr Stiftsamtmann

 

Wir untergezeichneten Einwohner der Insel Amrom [sic], die wir keineswegens aus ungegründeten Wiederwillen gegen das Bestehend[e], sondern nur wenn die Nothwendigkeit es gebeut, auf eine hohere Form [?] zu gehen gewohnt sind, und bey Schritten, die wir als dem Thun gern an rechtliebende Männer uns wenden, wagen es gegenwärthig. - Ew. Excellenz, gerade weil wir solches für den jezigen Zeitmoment als wesentlich wichtig ansehen, den Zustand unseres Lands in der Kürze darzustellen, in dem wir nemlich einzelne Puncte, welche die Einrichtungen hieselbst betreffen in das wahre Licht zu setzen bemüht sind.

Zuförderst ein Wort über das hiesige Armenwesen. Unsere Armenvorsteher haben, ohne vorher mit der Gemeinde sich darüber zu berathen ein Armenhaus angekauft. Die Gemeinde insgesamt sieht nicht ein, daß das Wohl des Landes dadurch befördert wird, sie kann ein solches Haus unmöglich aufrecht erhalten. Auf unser Insul nemlich sind bekanntlich fast garkeine Vermögenden. Der Ackerbau ist nur eine sehr magere Erwerbsquelle für die Einwohner. Alles was wir haben, muß die See uns geben, jeder Bissen, den wir zu Munde führen, wird sauer erworben, unser sparsames tägliches Brod und Kleidung ist die Frucht unseres Schweißes. Zurück legen können wir Nichts, also am Wohlstand ist nicht zu denken. Von der Seefahrt und dem Austernfang leben die meisten Amrommer nicht im Wohlstand oder Wohlleben, sondern mit blühenden Landen vergleichsam, kümmerlich, dazu kommt noch, daß vorzüglich in den letzten Jahren unsere Verdienste schwächer, die Lasten und Abgaben des Landes aber größer geworden sind[.] Ferner würde das erwähnte Armenhaus gleich Anfangs einer großen Reparatur auswendig [sic] an Mauer und Dach sowie inwendig einer bedeutenden Umänderung bedürfen. Die fortwährende Existenz des Hauses aber erfordert nach unserer Einsicht größere Ausgabe, als die bisherige Armenverpflegung. Auch diese hätten die hiesigen Armenvorsteher schon längst zum Vortheil des Landes beschränken können. Wir wollen auch Gründe davon geben, daß in diesem letzten Ausspruch nicht Unbilliges liegen kann. Schon über ein Jahr hat unser armes Land einem Manne Kost und Wohnung, und was er braucht, gegeben, da er doch seit dem Tode seiner Frau kein ordentlicher fleißiger Bürger gewesen ist, sondern sein Hab und Gut durch Zeitverschwendung und übles Leben vergeudet hat. Freilich steht er schon in den Jahren zwischen 60 u. 70, er hat aber einen gesunden Körper, könnte noch sehr wohl arbeiten sowohl mit dem Sparten [sic], als mit der Nadel, als Schneider, so wie auch manches andere Nützliche betreiben. Noch heutigen Tages trägt er Taschenuhr und Regenschirm während doch manche Hausarmen, die zuweilen kaum das liebe Brodt im Hause haben, und dennoch ihr Bestes thun und thun müssen ihr von den Landesvorstehern aufgelegtes Schärflein zur Unterhaltung solcher Unwürdigen beyzutragen gezwungen sind, und wohl gar bei Einkassierungen des Armengeldes mit thränenden Augen andere anflehen müssen, doch erst für sie zu bezahlen, um nur von der Execution im Hause frei zu bleiben. Solchen Leuten also, die durch ein unwürdiges Leben an den Bettelstab kommen, wird hier zu Lande ein so gemächliches und sorgenfreies Leben verschafft. Es dauert nicht lange so haben wir noch einen zu unterhalten, der es noch viel ärger gemacht hat. Er ist ein starker, vierzigjähriger Mann, der bei einem unerhörtem Wandel Alles durchgebracht hat. Er führt das tägliche Gespräch, er habe genug zur Bestreitung der Landesabgaben beygetragen, um jetzt wieder auf Landes Lasten zehren zu können. Wir müssen hier zuvorkommen, das auch er nicht in die Armen Casse verfalle für einen solchen Menschen können wir unmöglich unseren Schweiß vergießen, denn er ist noch jung genug, und kann noch tüchtig arbeiten, während er doch schon lange Zeit kein [sic] Hand an irgend ein Werk gelegt hat, sondern keinen Tag, ja keine Stunde nüchtern gewesen ist er ist ein Mann von reichlig [sic] vierzig Jahren.

Zweitens: die Schafzucht[.] Diese ist im schlechtem Zustande und könnte doch eine ergiebige Erwerbsquelle für dieses kleine Land sein[.] Sie liegt verstopft [sic], weil einige Wenige vor ein paar Jahr verhindert haben, was die Mehrzahl zum Algemeinwohl beschloßen hatten, wir meinen die Schaafe sämtlich in den Sanddünen weiden zu lassen[.] Die Vorsteher des Landes scheinen in der That lieber zu wollen, daß die See die Dünen wegnehmen, als daß selbige von den Schaafheerden festgetreten und fruchtbarer gemacht, und so eine grüne Decke über die sandigen Orte, die der Wind beherrscht gelegt werde[,] denn daß ist unstreitig die Folge von der Schafweide innerhalb der Dünen. Die Insul Sylt so wohl als andre Länder liefern hiefür die Beweise. Dazu kömmt, daß der König, der nur unser Bestes will, ausdrücklich aber Schafzucht verlangt hat und uns zu diesem Behuf einen spanischen Bock hat zusenden lassen. Dieser aber wird wenig Nuzen schaffen können, so lange noch altes Vorurtheil und Eigensinn die Gemüther Einzelner festgehalten hält. Wir meinen, dieße Einzelnen könnten gezwungen werden, sich dem Gemeinwohl zu fügen, so würde uns ein neuer Weg eröffnet, um mit Hülfe dessen die Abgaben an Land und Staat etwas leichter bestreiten zu können.

Drittens der Landsarzt. Er ist zugleich Arzt auf Föhr und Amrom. Beide Inseln zusammen lohnen ihm, dennoch wohnt er nur auf Föhr, und das ist, wenn solches auch recht wäre, ein großer Uebelstand. Wie oft wird jemand schnell und gefährlich krank, und kann den Arzt nicht haben, weil entweder der Sturm [.?.] macht, oder auch die etwaige Armuth des Kranken und kommt eine Frau in Kindsnöthe und kann ohne ärztliche Hülfe nicht entbunden werden und die obige[n] Umstände vereinigen sich auch hier, so muß sie sterben, und zwar weil die gegenwärtige Einrichtung eine mangelhafte und verkehrte ist. Ja wir brauchen überhaupt unter den gegenwärtigen Umständen keinen besoldeten Arzt mit Föhr zusammen zu halten[,] denn er nuzt uns nichts, und wünschen also, daß wir von der Ausgabe, die wir zu dem uns aufgelegten Theil seiner Besoldung, zahlen müssen befreit werden. Fiertens [sic] das hiesige Legat. Die Art seiner Gründung war, wie seine fortwährende Existenz eine ganz verkehrte. Die Idee dazu ward in der Eyle entworfen und eben so verwirklicht. Es besteht unter den völlig entgegengesetzten Zwecken, als auf welche hin es, wie es hieß, sollte angelegt werden[.] Beförderung des Allgemeinwohls konnte natürlich nur der Zweck sein[,] wie es aber jetzt ist, und von Anfang gewehsen ist, zielt es keineswegens auf Allgemeinwohl hin denn wenn zum B. jeweilen ein mal mit dem Ertrag der Zinsen dieses Depositums eine Land- oder Staatsabgabe entrichtet wird, so ist fürs Allgemeinwohl sorgen ganz etwas Andres als für Alle hier auf der Insul ohne Ausnahme wie es der Fall ist auch Verhältniß des scholdigen Beitrags jede Einzelne zu solchen Abgaben bezahlen. So oft nemlich dieser Fall eintritt, so oft auch profitiert dabei der Vermögende und am meißten solche, die viele Grundstücke besizen und keinen Heller an der Legat verwandt haben. Dahingegen giebt es Viel, die Viel eingeschossen haben[,] bei der Leistung obiger Abgaben aber fast gar keinen Nuzen ernten können, weil sie da sie ja ohne Vermögen sind, worauf die Landes und Staats Lasten gründen natürlich auch wenig oder gar Nichts an Land und Staat zu entrichten haben. Wir könnten unsere obigen Aussprüche noch durch mehr Gründe bestärken, halten es aber nicht für nöthig, weil dieser eine, den wir angeführt haben die Sache schon deutlich genug macht. Jenes Legat, unsers Eigenthum, worüber unsere Landesvorsteher beliebig schalten, könnte mit Hülfe eines Einsichtsvollen und zugleich rechtschaffenen Mannes durch eine Radikalumänderung mit der Zeit schöne Früchte für die Allgemeinheit tragen, wie es aber jetzt ist, ist nie ein Seegen für das Land davon zu erwarten. Noch viele Fälle der Art lassen sich anführen, doch ein Weniges ist schon genug. Ein jeder sieht leicht, daß hier manches Nothwendige zu fördern und zu bessern ist.

 

Wir wollen hiemit schließen, und was wir gesagt haben, der Gerechtigkeit und der hohen einsicht Sr. Exellenz anheimstellen, und hoffen voll Vertrauens, ein wenn auch nur allmähliche Abhülfe dessen, was zu unserem Schaden gereicht.

 

Nebel auf Amrom 1836

 

Sr. Exellenz den Herrn Grafen und Stiftsamtmann in Ripen

v. Sponeck

 

Jacob Jacobsen [.?.] den 21. Febrowary 1836